Bürokratismus oder die Qual der Wahl

Liebe S.!
ich wohne in einer kleinen Ortschaft in der Nähe einer grösseren Stadt.

Wir haben einen eigenen Bürgermeister, dessen Schwager den Zuschlag als Architekt zu einem grossen Bauprojekt in dieser kleinen schnuckeligen Gemeinde bekam,wahrscheinlich, weil er ein guter Architekt ist und zudem auch noch in der richtigen Partei, das kann von Vorteil sein. 😉

Es gibt in diesem Ort eine einzige Strasse , die hinaus bzw hinein führt, und im letzten Winter gab es mehrere Einbrüche in den Häuser der Menschen, die hier oberhalb der Hauptstrasse wohnen, also sozusagen „oben“ wohnen . Es wurden Gartenstatuen im Wert von 4000 Euro geklaut und so.
Da hat die Gemeinde überlegt, ob sie am Ortseingang und am Ortsausgang Videoüberwachungen aufstellt, damit man sieht, wer reinfährt in den Ort und wer rausfährt, womöglich überladen, und dann -schwupps-hat man den Einbrecher  gefasst, weil überwacht!
Schlau gedacht!
Ich malte mir dann aus, dass ich mich verkleiden könnte mit  meinem schwarz-weissen Tuch und Parolen ins Autofenster hängen könnte: Rettet die Weltmeere, oder Nieder mit den Alpen, freie Sicht bis zum Mittelmeer, sowas halt….Um auf die Probleme der Welt aufmerksam zu machen, wenn ich schon gefilmt werde.
Das Projekt wurde erst mal auf Eis gelegt, weil wohl mehrere Leute Sorgen hatten,dass man ja dann auch vielleicht den Liebhaber der Frau Parteivorsitzenden filmen könnte, wie er regelmässig rein und kurz darauf wieder rausfährt, immer wenn der Ehemann beim Stammtisch ist. Das wäre fatal.
Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich erzählen, dass ich keine Wahlaufforderung bekommen habe! (Weil ich solche Ideen habe? Weil die wissen, WAS ich wählen könnte?) Ich habe gewartet und gewartet und bin dann heute ins Gemeindeamt marschiert und hab gefragt, warum ich keine Wahlunterlagen bekommen habe.
„Ach, “ hat der Beamte gesagt, „das kommt schon mal vor!“

WIE BITTE???

Was ist, wenn jemand dann nicht ins Amt marschiert, um sich seine Wahlunterlagen selber zu holen , sondern denkt, na, dann wollen die meine Stimme nicht, brauchen sie auch nicht, wenn sie mich nicht wollen.

Ist sowas dann nicht Wahlbetrug?  😉 So ganz subtile Wahlverfälschung?
Die Leute, von denen ich weiss, dass sie nicht das wählen würden,was ich für richtig für dieses Land halte, die kriegen einfach keinen Wahlbescheid?
Eigentlich keine schlechte Idee!

Aber ich bin ja nicht blöd! Ich geh wählen!!!

Liebe Grüsse Kat.

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Never change a running system ….

….auch wenn es noch so blöd läuft

Liebe S., ja , es ist schön das mein eigener alleiniger Blog gefällt, und ja, es gibt sicher Parallelen und es ist schön wenn du sie entdeckst, die Parallelen 😉
Aber ich freu mich sehr, wenn dieser unserer Briefwechsel Blog hier nicht einschläft, dazu hab ich ihn zu gerne!

Zu deinem letzten Beitrag:
Das mit der eingefahrenen Struktur,  dem Klagen und dem in der Höhle bleiben. Ich habe in den letzten Wochen meiner Fachweiterbildung ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich war auf einer Station eingesetzt, wo ich im Frühdienst mehr als 14 km gewetzt, gerannt, geflitzt bin, nicht, weil  so furchtbar viel zu tun war, sondern weil z.B.Dinge, die ich für eine Sache gebraucht habe, an 4 verschiedenen Orten lagen, zu denen ich rennen musste, und wenn ich den Vorschlag gemacht habe, vielleicht an einem Ort zum Beispiel es einzurichten ,dass ich wenigstens für den NOTFALL alles beieinander habe(es ging darum ein Magensonde zu legen), da wurde ich angequakt: „das mach ma normalerweise NIE, so eine Magensonde legen, DES BRAUCH MA NET!!!!! “
Ich habe in den 3 Wochen dort aber 2mal eine Magensonde legen müssen.

Jetzt auf dieser weiteren Station gibt es Klagen über das, was die Stationsleitung in 2 Jahren verändert hat, um die Abläufe besser zu strukturieren, obwohl vorher wohl alles perfekt funktioniert hat- warum also wurde dann etwas verändert? Jetzt scheint dort alles mühsamer und chaotischer zu schaffen zu sein.

Veränderungen sind nötig, wenn Abläufe nicht stimmen und die Arbeitsanforderungen sich verändern. Dann muss ich auch kreativ sein, dann muss ich vielleicht auch altgewohnte Arbeiten abgeben können, damit ich mich mehr auf die neuen, anderen Aufgaben konzentrieren kann. Früher haben wir noch die Betten abgewaschen und die Nachtkästchen. Erinnerst du dich? Das machen die Reinigungskräfte jetzt. Es gibt Staionsassistentinnen, die die Visiten ausarbeiten. Es gibt eine Pflegehelferin, die die Zugänge aufnimmt und einweist. So bleibt uns auf der Station, wo ich zur Zeit bin, wirklich mehr Zeit (meistens ) für den Patienten.
Aber es gab Aufschreie ohne Ende: Was? Arzthelferinnen in der Pflege? Was?Ungelernte Bürohilfen im Stationsalltag? Was? Rettungssanitäter auf der IN-TEN-SIV-STATION???? NEIN!!!!
Und? Es funktioniert. Die Rettungssanitäter haben ihre klar zugeteilten Aufgaben, die MTAs auch, die Reinigung sowieso und jeder weiss, wo und was sein Job ist.
Es war damals, ich erinnere mich an die Zeit in München, wo es hiess, es werden Stationshelferinnen eingestellt, da wurde die Angst gross: Die nehmen mir den Job weg. Das, was ich 15 Jahre gemacht habe, macht jetzt jemand mit einer anderen Ausbildung, ich bin also überflüssig. Das sind die Ängste. Oder:
Jetzt kommt die von der FWB(Fachweiterbildung) und will mir erzählen , wie ich das besser machen soll, blöde Ziege, ich hab das schon immer so gemacht und so mach ich das jetzt weiter.
Und bei dir:Was?Extra Zeit aufwänden? Zum Vorschläge machen? Das will doch eh keiner hören, das wird doch eh nicht umgesetzt.

Aber , liebe Leute, wer nicht mit wählt, hat keine andere Wahl, als das anzunehmen,was ihm vorgesetzt wird am Schluss. Dann nützt das ganze Gemeckere nichts mehr, dann muss das angenommen werden, was euch vorgesetzt wird.
Und übrigens: Vorgesetzte haben ein bisschen Schiss vor kritischen, mündigen Arbeitnehmern, und nur so aber ereichen wir was!
Und Chefs haben auch ihre Schwächen.Mein Oberchef zum Beispiel, der fasst sich immer an die Nase, wenn er was wichtiges zu sagen hat. Dann denk ich: Der ist ja total nervös! Und schon schwimm ich gefühlsmässig oben und denke: der kann mir nichts tun!

Und dann bin ich in der Lage, ihm vernünftig meine Vorschläge zu unterbreiten. Manchmal klappt es, aber wir müssen auch was riskieren. Denn es geht um uns.

Viel Erfolg Euch! Make the Revolution!
Deine Kat.

Sei du selber

Liebe Freundin,

gefällt es dir noch allein im neuen blog ? Ich lese was du schreibst und erkenne natürlich hier und da Bezüge zur Realität.. gefällt mir sehr diese Idee mit den Frauen und ihren Geschichten..

Seufz.. I’m an allien, I’m a legal allien.. aber nicht in New York und auch nicht als englishman wie Sting sondern als S. im Norden.

Be yourself no matter what they say.. nicht einfach.. auch wenn es eins meiner Mottos ist.

Ich war mit 2 Kolleginnen bei der Pflegedirektorin. Es war ein schwieriges Gespräch zunächst… gut das wir uns vorher abgesprochen hatten. Sie kam 25 Minuten zu spät, und hat uns kaum das wir Platz genommen hatten ersteinmal angeblöckt.. weil sie sich über eine unsere Kolleginnen geärgert hatte, die sie direkt angerufen hatte.Das war nicht sehr professionell, aber auch egal.. längere Hebel .. du weisst schon.. Tja.. gut das wir vorbereitet waren..ich saaß da nicht zum 1. Mal und man weiss bei ihren Launen nie wie sie drauf ist. Wir haben uns nichts anmerken lassen… und sind ruhig geblieben und möglichst unemotional..und am Ende kam auch etwas bei heraus , was uns tatsächlich weiter helfen könnte. Eins unserer grossen Probleme ist nämlich die Struktur.Wie wir uns einteilen, die viel zu langen Wege, weil die Räume schlecht aufgeteilt sind usw. Da lässt sich etwas dran ändern. Wir brauchen nicht mehr Pflegepersonal, sondern einfach optimalere Bedingungen. Und whs. kann man das ein oder andere an andere Berufsgruppen abgeben. Soweit sind wir schon mal.

Es wird mehrere Sitzungen geben an denen wir alle teilnehmen können und mit besprechen sollen/können und unsere Idee einbringen. Sehr gut, würde ich sagen..

Naaah ???? dämmert dir schon.. oder ? Genau.. es wird bereits schon gemeckert.. nicht noch extra Zeit aufwenden.. „die“ sollen das machen nicht wir.. und unsere Leitung sei“ Schuld“ das sei ihre Aufgabe nicht unsere.. usw.  tja.. und auch : Was soll das bringen.. das jetzt ist mühsam aber da weiss man was man hat.. kommt mir vor wie bei den Neandertalern : etwas Neues kommt von aussen.. man kann es sich anschauen oder in der Höhle bleiben. bin gespannt wieviele Höhle Höhle Höhle rufen..

Wir werden  andere Abläufe ausprobieren müssen, vielleicht auch merken dass es so nicht geht und nochmal was ändern.. aber liebe K., all das ist besser als in dem zu verharren wie es ist.

Vielleicht sollte ich eine Florence erfinden .. oder lieber eine Jeanne d’arc ?

herzlich

Deine S.

 

 

 

 

 

Das Schweigen brechen oder : Die Hoffnung ist grün

Liebe S.,
das ist jetzt politisch. Ich habe gestern auf Arte eine Sendung gesehen:
Re: Breaking the silence.
Als ich letztes Jahr in Israel war, bin ich mit einigen Aktivisten einer anderen Friedensorganisation (combattants for peace)in Kontakt gekommen und war beeindruckt von deren Arbeit für den Friedensprozess zwischen Israel und Palästina.
Nun sah ich zufällig gestern auf ARTE diese Sendung- es ist tatsächlich so, das Breaking the silence polarisiert, auch wohl bei den in Israel arbeitenden Friedensorganisationen. Nichtsdestotrotz ist Aufklärung notwendig:

Breaking the silence gibt ehemaligen Israelischen Soldaten die Möglichkeit, über ihre Einsätzen in von Israel besetzten Palästinensergebieten zu sprechen (Arte)

Wen näheres interessiert, kann diese Sendung noch 4 Wochen lang in der Mediathek ansehen.

Aber worüber ich hauptsächlich schreiben möchte, ist über eine Szene, die am Ende der Reportage (Minute 28) läuft:
Der Leader der Organisation, Yehuda Shaul,  ist mit dem Reporterteam in Hebron, er spricht, wie ich finde bewegt, über das was er in Hebron erlebt hat, und dann fährt ein Auto mit israelischen Fahnen vorbei , hält an, ein Mann steigt aus, hält sein Handy vor sich, filmt  Shaul, stellt Fragen, auf Hebräisch und Englisch, und filmt und filmt mit seinem Handy, während der Shaul zur Seite schaut, versucht nichts zu sagen, und ich bin wie gelähmt davor gesessen, und dachte: Was für ein Hass, und was für eine Stärke von Shaul, sich nicht provozieren zu lassen. Nicht zu sagen:Komm, Alter, pack dein Handy weg!
Er ist berührt, meine ich, bis die Reporterin sagt: Komm , lass uns gehen! da kann er : Yallah sagen und weggehen, während der andere in sein Auto steigt und mit wehenden Fahnen davon braust.

Viele Fragen stellen sich mir: Was ist das für eine Gesellschaft, die versucht zu dokumentieren was geht? Der wird seine kleine filmische Leistung bestimmt ins Internet gestellt haben. Wo bleibt die Privatsphäre? Sicher ist Shaul eine öffentliche Person und rechnet damit, immer im Kreuzfeuer der Öffentlichkeit zu stehen. Trotzdem!Welch ein Mut gehört dazu, nicht aufzuhören, weiter zu machen, auch wenn du angefeindet wirst.

Er sagt einen guten Satz :

„Ich möchte mir am Ende des Tages in den Spiegel schauen können. Und wenn wir das Schweigen nicht brechen, dann erfährt es niemand. „

S., ich wäre manchmal auch gerne so mutig, denn es gibt so viel, was wir erzählen könnten, und was geändert gehört,….
Ich lese gerade von Hannah Arend :“Über das Böse“, und genau darum geht es immer wieder:
Nicht wegschauen, hinsehen, aufstehen, laut werden, und sich nicht nur kurz wundern, warum, wie Arend schreibt, erlernte moralische Prinzipien plötzlich nicht mehr gelten, der Bürger  kurz irritiert ist, sich wundert, aber weil die Gesellschaft es okay findet, plötzlich anders -unmoralisch-zu handeln, der Bürger da einfach mitmacht. „Machen ja schliesslich alle so, also ist es auch okay, wenn ich da mitmache“.
Nee, nee, so will ich niemals sein!

Und ja, grün ist ne schöne Farbe, wenn auch nicht unbedingt in diesem Retrostyle, aber Grün ist Hoffnung.
Alles Liebe Kat.

Vom Ausruhen und Weitermachen

Liebe S.,

wie war der Tag am Ufer, nachdem du weder mit noch gegen den Strom geschwommen bist?

Eine tolle Vorstellung:
Mir langts, ich hüpf raus, streck meinen Bauch in die Sonne und lass den lieben Gott oder wen auch immer einen guten Mann sein. Dann bin ich wieder fit, weiter gegen Ungerechtigkeiten, Pflegenotstand, wüste Arbeitsanfälle , unkollegiale Kollegen, doofe Politiker , Atomkraft, Kriege und die Flüchtlingsfrage zu kämpfen und jedem, der es verdient oder auch nicht, ein Lächeln oder ein freundliches Wort zu schenken.
Ich fand passend dazu heute einen Beitrag von Juck Plotz, der mich sehr sehr nachdenklich gemacht hat.

»Ich habe immer daran geglaubt, daß das Gegenteil von Liebe nicht Haß ist, sondern Gleichgültigkeit.

Das Gegenteil von Glaube ist nicht Überheblichkeit, sondern Gleichgültigkeit.

Das Gegenteil von Hoffnung ist nicht Verzweiflung, es ist Gleichgültigkeit.

Gleichgültigkeit ist nicht der Anfang eines Prozesses, es ist das Ende eines Prozesses.«

Elie Wiesel
Erinnerung als Gegenwart

Werden wir gleichgültig? Ich bin der Meinung, es ist fast gesund, wenn man manchmal „gleichgültig= Ohren zu und nichts mehr hören wollen “ ist, weil diese Gleichgültigkeit aus einer gewissen Erschöpfung resultiert. Diese Gleichgültigkeit aber ist nicht die , die man darunter versteht, die Gleichgültigkeit, die eine gewisse Wurschtigkeit ist, was ein schönes bayrisches Wort ist, und bedeutet : Mir ist das völlig egal alles, ich kann eh nichts ändern.LmaA.

Nein, dieses manchmal aus dem Strom hüpfen, die Wellen an einem vorbei fliessen lassen, um sich zu erholen, und dann gestärkt da wieder hineinspringen, in den Strom, nach dem Motto: Weiter gehts, Leute! Auf in den Kampf!

Das ist nötig, finde ich.
Elie Wiesel sagt einen schönen letzten Satz: „Gleichgültigkeit ist nicht der Anfang eines Prozesses, es ist das Ende eines Prozesses.“
Aber da das ganze Leben ein Prozess ist, wird es diese Form der Gleichgültigkeit selten geben. Denn dann hat sich der Mensch komplett aufgegeben.Für irgendwas wird er immer kämpfen. Und wenn es um  eine Flasche Bier ist.

Bin ich jetzt fies?

Liebe Grüsse Kat.

Sonntags

Liebe K.,

indernett ab 4.8. wie gesagt.. deshalb nix Foto.. also .. noch etwas Geduld.. mir fiel sofort eine Geschichte dazu ein.. von wegen komische Schwingungen und übergriffig sein…und da nicht mitmachen wollen.. ich kann da nicht mitmachen… mein Charakter lässt das nicht zu.. :-)) also.. ich brav in ner Runde von Frauen..2 Treffen vor dem 21.12. Wintersonnenwende.. in Bern.. meistens nette Frauen in diesen Runden.. dann kam eine dazu die viiiiiel Raum einnahm und viiiiel erzählte.. wie gesagt.. es war Winter .. wirklich klirrend kalt.. in dem gusseisernen Ofen brannte lustig ein Feuerchen vor sich hin und es wurde auch geräuchert.. also soweit alles i.O.  dann begann sie zu erzählen. wie es ihr geht woher sie kommt und das ihr Lomi Lomi Massage sehr geholfen hat.. sie sei jetzt auch Praktizierende.. wenn jemand am Ende ihre Nr. wolle…alle artig zugehört..und ja sie hatte ein schweeeres Schicksal und viel erlebt.. dann haben wir ne geführte Meditation gemacht und danach sollte jede erzählen, was sie denn so gesehen hätte.  grummel… da hatte ich keinen Bock drauf.. alles so.. Elfen bla…. goldumflutete Wesen…Schmetterlinge bla.. Blumenwiese , sommerlich.. o.k. „rosa Kuschelstimmung“ macht mich nicht sooo fröhlich.. ich finde ja dann gerade immer ganz besonders, dass das Gegenteil auch mitgedacht werden muss… ich kann nix dafür.. du weisst ja .. mein Chrarakter..

Jedenfalls sass diese Frau neben mir.. nahm wieder sehr viel Raum ein und die Leiterin liess sie gewähren… — sehr teatralisch… ich…. haaaabbbeee eine Lotusblüte gesehen…. sie verwandelte sich… Arschloch.. dachte ich.. Lotusblüte habe ich auch gesehen.. ich male sie am liebsten… weisst du .. wie beim Vater vom Wallander.. Landschaft mit und ohne Auerhahn.. so male ich Teich mit und ohne Seerose.. oder auch mal Lotus.. damals jedenfalls.. Nun ja… ich war schon sooo genervt als ich dran war, dass ich sagte… oooooh ich hab einen Frosch gesehen… der hat auf eine Lotusblüte gekackt… gröööööl… Lachanfall

Alle sahen mich strafend an.. 9 oder 10 Frauen.. ich konnte nicht mehr, hab mich gekringelt vor lachen… niemand lachte mit… sogar die Leitungs sagte… ach S.  muss das denn sein.. JAAAA hab ich dann gebrüllt.. viel zu laut weils mir peinlich war… ich kann nicht anders..

stell dir vor.. ich musste sogar rausgehen… weils die anderen gestört hat… wärst du dabei gewesen hätten wir beide kichern müssen und rausgehen…nach ner Zeit hab ich mich wieder eingekriegt und hab den Abschluss noch mitgemacht… aber auf die Gruppe hatte ich dann doch keinen Bock mehr..

Meine liebe Freundin.. darum mag ich dich u.a. ja auch… dass du dich nicht beeinflussten lässt, wenn was zu heilig zu sein scheint… menschengemacht zu heilig… bedeutungsschwanger.. aufgeladen.. die in dem Laden mochte ich übrigens auch nicht..sie war zwar nett , aber auch irgendwie schleimig..und die Wacholderräucherstäbchen sind von Berk.. ich bzw. wir werden sie im indernett bestellen, wenn wir wollen… soll sich doch gehackt legen die Olle…

Trotzdem mag ich auch  oooomnaja shivaja… und Shiva, der Blaugesichtige ist nicht! friedlich !

Sehr sehr schade, dass ich nicht in Glastonbury dabei sein kann.. ich hoffe du kannst mir was mitbringen von da.. eine Göttin oder so.. oder ne Postkarte.. und n Foto schicken von euch.. mit dem Tor im Hintergrund

herzlichst deine S.

Let´s go grey…

heisst es richtig, hat mir kinder unlimited geschrieben, und das klingt wie ein Schlachtruf. Vor meinem inneren Auge gibt es gerade eine grosse Demonstration am Münchner Stachus, wo tausende Frauen mit langen, wehenden grauen Haaren auf Trommeln schlagen und „let`s go grey!“ rufen!
Manche tragen wallende lila farbene Tuniken, andere schicke weisse Hosenanzüge.Einige von ihnen sind Chefinnen von Firmen, in denen andere weisshaarige oder grauhaarige Frauen arbeiten, und sie sind gute Chefinnen, denn sie sorgen für ihre Frauen.
Andere unter ihnen  sind Mütter, die dafür gesorgt haben, das ihre Kinder zu eigenständigen selbstbestimmten kritischen Menschen geworden sind.
Sie bilden eine lange Menschenkette, ihre Haare glänzen in der Sonne, sie  rufen im Takt „let`s go grey“, und irgendwie ist diese Demo auch eine Demonstration gegen die Drogerieketten,  die die ungesunden Haarfärbemittel verkaufen. Denen wird das gar nicht gefallen, diese Demo….

Jetzt hör ich auf zu spinnen.

grey greatings
K.

Von grossen und kleinen Revoluzzern

Liebe S.,
eigentlich wollte ich warten mit einem Beitrag, bis du selber wieder was geschrieben hast. Aber heute hab ich frei, und dann hab ich Zeit zu denken.
Du machst gerade ein bisschen Protest auf deine Art, vielleicht wirst du darüber schreiben, was du tust, das würde mich freuen.
Morgen sind Warnstreiks im öffentlichen Dienst. Ab 5.30 Uhr stehen wir vor dem Klinikum und protestieren für mehr Lohn. Hoffentlich kommen genug  Kollegen. Ich muss dann um 6.00 zum Dienst.Ich hoffe sehr, dass genügend Leute zu den Kundgebungen mitfahren, und dass der Streik und die Demonstrationen Wirkung zeigt.

Es nützt nichts,wenn wir immer nur jammern , und wenn es dann drauf ankommt, dann kneifen alle den Schwanz ein und jammern weiter: „Ähh, das nützt ja sowieso nichts, was erwartest du denn,…“Nöhl nöhl,jauljaul….,- ich kann sowas gar nicht ab.
Wenn ich doch mit etwas unzufrieden bin,und was ändern will, was bewegen will, dann muss ich mich bewegen! Ich kann nicht immer erwarten, dass es von alleine geschieht!
Oh, ich rede mich in Rage!
Und ich hasse diese Sätze, wie den von einem Bekannten, dem ich von der Sicherheitskonferenz erzählt hab, wie das war und warum und so weiter und er sagt: „Und? Interessiert es IRGENDJEMANDEN , das du dabei warst? „(IYFA, hab ich gedacht)
Allerdings weiss ich nicht wirklich, ob es jemanden interessiert und ich weiss auch nicht, ob es irgendetwas beeinflusst, aber wo wären wir, wenn wir niemals Aufstände gemacht hätten, niemals protestiert hätten, niemals aufgemuckt, niemals etwas gedacht und gesagt und riskiert hätten? Immer noch in der Höhle, und zwar OHNE Feuer. Vermute ich mal.
Und deshalb, Widerstand ist zweckmässig, ist meine Devise.

Ich hab mich mal mit Anarchismus beschäftigt, hab Emma Goldmanns Biografie gelesen, hab gelernt, das es verschiedene Formen des Anarchismus gibt, sehr interessant, ich bin ja der Meinung , das man Anarchismus nur leben kann, wenn man auf die Meinung der anderen pfeift, was die wenigsten können, und ich schon gar nicht, aber egal. Anderes Thema. Dabei bin ich auf ein Gedicht von Erich Mühsam gestossen, das füg ich jetzt hier ein. Denn das passt so gut zu unseren Minirevolutionen, die wir jeden Tag anzetteln.

Revulotinäre  Grüsse! hoch die Fahnen!

Bis bald hoffentlich! Deine Kat.

„Der Revoluzzer

War einmal ein Revoluzzer,
Im Zivilstand Lampenputzer;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: ‚Ich revolüzze!‘
Und die Revoluzzermütze
Schob er auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
Mitten in der Straßen Mitten,
Wo er sonsten unverdrutzt
Alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
rupfte man die Gaslaternen
Aus dem Straßenpflaster aus,
Zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer
Schrie: „Ich bin der Lampenputzer“
Dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn’ das Licht ausdrehen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
Laßt die Lampen stehn, ich bitt!
Denn sonst spiel’ ich nicht mehr mit!“

Doch die Revoluzzer lachten,
Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich
Fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zuhaus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich, wie man revoluzzt
Und dabei doch Lampen putzt.

Erich Mühsam

„Drum ist sie dann zu Haus geblieben, und hat an einem Blog geschrieben, wie man friedlich revoluzzt und dabei noch Hintern putzt!“ Schmeiss mich weg, Bussi! bis bald!

Sturm und Drang

Meine liebe S.,
ich lerne! Gedichte, Theaterstücke, Schiller, Goethe, Sturm und Drang,…

Also, der Grund, mein JüngstliebsterSohn, 16 jährig, 10. Klasse Gymnasium

Heute kam er mit einem Bauerngedicht an, welches er analysieren sollte.

>>Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!<<

Textanalyse.
Super! Und Revoluzzer Gedanken! Noch besser! Brauchen wir sowas wieder vermehrt? Gesellschaftskritik, gegen diese ganzen Möchtegerndurchlauchten, die sich erdreisten, Steuern zu verlagern und zu hinterziehen, während das Volk sich krummbuckelt.Im Grunde machen die heutzutage nichts anderes als das , was der Fürst in diesem Gedicht macht. Der zertritt und zerstört die Saat, lässt den Bauern vom Hund beissen und tritt ihn noch nicht mal selber, sondern lässt das sein Pferd tun. Die jetzigen Durchlauchten scheren sich doch auch nicht einen Pfifferling um das, was die heutigen „Bauern“, die heutigen Arbeitenden Menschen tun. Herrje, möge sie der Blitz treffen, die Steuernaufdieseiteschaffer.

Letzte Woche:  „Kabale und Liebe“, von Schiller.

„Bis Montag muss ich das gelesen haben, Mama“.Es war Donnerstag, und dazwischen lag ein Vater-Wochenende. Also, Angebot von der netten Mutter: „Wir lesen jetzt den ersten Akt, dann liest du morgen im Zug den 2. , dann die anderen beim Papa,und wenn du wieder kommst am Sonntag, machen wir abends den letzten.Und besprechen alles, wenn du willst.“
Okay, wir haben uns aufs Sofa gefläzt, und dann begann er vorzulesen. Aber diese Sprache! Wenn du es nicht gewöhnt bist, dann fällt es so schwer, alles flüssig zu lesen und zu verstehen. Und dann auch noch soviele Wörter dabei, die wir kaum noch kennen. Wunderhübsche Billetter….ein vertrackter Tausendsassa, der in die Stube geschmeckt hat,….Kupplerin,…Oheim….; jedenfalls haben wir auch einen Grossteil der Zeit mit Übersetzen verbracht. Aber dann ist es geflutscht, dann ging das Lesen, wir haben uns abgewechselt, und ich wurde richtig schön theatralisch.Weh mir! Holder Gesandter!OOOH, mein Geliebter, das Feuer rast in meiner Brust,…
(Ob ich mir ein Laientheater suche? Ich muss aufpassen, dass ich das nicht zur Gewohnheit werden lasse, so zu sprechen. )

Wir haben allerdings sehr lange gebraucht , um den ersten Akt zu lesen.Und dann kam mir die Idee, er kann sich das doch als Hörbuch anhören. Er ist ein Hörbuchleser. Versunken sitzt er oft da und hört Literatur.So ist es dann geschehen. Er hat gehört und gelesen. Und mir hinterher erzählt, was passiert ist.

Ich hab jedenfalls gestern mein Äckerchen bestellt,meine 9 qm Feld, und da trampelt mir keine Obrigkeit drüber und kein Rasenmäher macht das platt, und ein Eis gabs auch nicht, denn 18 Grad waren hier in Bayern heute nicht.

So. Aber Blümchen hab ich gepflückt. Und nun höre auch ich „Kabale und Liebe“ vom MP3 Player. Arbeite schön! Ich hab frei, juchhe!

Kat.