Rumstrudeln-Neoprenanzug im Lebensfluss?

Liebe S., zum Davonfliegen? Weil du finden willst, nicht suchen? Ich finde es klingt sehr schön, etwas finden wollen.
Denn das finden wollen hat eine andere Bedeutung als etwas suchen müssen. Etwas suchen klingt leicht verzweifelt, etwas finden wollen klingt hoffnungsvoll. Finde du, was du finden willst!

Ich strudel rum im Lebensfluss und hab gar keinen Gedanken, ob ich was finden will! Der Fluss schwemmt mich durch die Zeit, manchmal lauern Krokodile am Ufer, oder scharfkantige Steine, manchmal hängt auch eine Wurzel über dem Wasser, da halte ich dann kurz an, und schaue so rum, und verschnaufe, und dann kommt die nächste Welle und schwemmt mich wieder mit, bis zur nächsten Sandbank , wo ich dann wieder kurz Luft holen kann…. so geht es mir im Moment.

Heute nacht, als ich ab 2.00 Uhr nicht mehr schlafen konnte (Fast-Vollmond und Frühdienst ist ne üble Kombi!), dachte ich, ob ein Neopren-Anzug im Lebensfluss sinnvoll wäre. Dann würden die Steine am Grund des Flusses nicht mehr so sehr wehtun oder die Krokodilbisse und Piranhaschnapper würden nicht so schmerzhaft sein.
Aber dann würde ich auch die Sonne nicht so spüren, wenn es mich an einer Wurzel kurz hochzieht, und der feine Sand auf der Sandbank würde mich nicht am Bauch kitzeln.
Also verzichte ich auf den NeoprenAnzug des Lebens und zeige den Krokodilen und Piranhas , dass ich auch scharfe Zähne habe!
Deine Kat.

 

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Meeriges

Liebe Kat,

was für ein stimmungsvoller Bericht über deinen Segelnachmittag auf dem See.

Witzigerweise denke ich bei Segeln immer ans Meer, Ozeanisches sozusagen.

Beim Hafenfest in Flensburg trat eine Gruppe auf, die mich mit einem Song in ihren Bann zogen. Dieser Song transportierte für mich grosse ozeanische Emotionen. Ich musste an die Irrfahrt von Odysseus denken… an die Sirenen…

Zu Hause habe ich dann von diesem 25 jährigen Sänger, der Simon Glöde heisst , ein Interview gefunden. Und auch dieses Lied —– Sailor—-.

Das höre ich gerade, während es draussen regnet und regnet….

Iam sailing on the ocean, Iam the sailor, Iam the Käptn of the sea.

Welchen Ozean er meint, kann nach dem Stück und dem folgenden Interview jeder für sich entscheiden 😉

http://www.youtube.com/watch?V=SqJzVXkfYLA

aufrufen und unter Balcony TV Glöde  anklicken ( dänische Schriftweise das Ö)

Mittwochsgrüsse

deine S.

Burgenmarathon

Liebe S.,
das mit dem Alleine-Reisen,das hat schon was, allerdings fehlt mir Austausch.
Oder so Kommunikation, dass ich meine Freude loswerde.
Heute also: Auf dem Plan stand: Burgenbesichtigen. Es gibt hier einige. Ich fahre also so lustig durch die Gegend heute, da winken mir 3 Burgen vom Berg hinunter zu.
Da will ich hin, denk ich, aber wie? Nirgends ein Schild, also Goggel gefragt. Sagt Goggel mir, wie die heissen, frag ich Goggel, wie komm ich da hin, sagt Goggel: Ich zeig dir den Weg!
Okay, erst ganz brav eine Strasse hinauf,dann links ab, da dachte ich schon, sieht komisch aus, kein Hinweisschild, dann wieder Links, ich dachte:
Das ist ein WANDERWEG!
Ich fahre weiter nach Anweisung und denk, kommt denn kein Parkplatz?
Kam kein Parkplatz, rechts von mir Anhöhe, steil, links von mir Abgrund, noch steiler. Ich denk, wie kehr ich jetzt um?
Ich hab geschwitzt, nicht nur vor Hitze, mir war echt flau! Gut dass ich mit mir alleine war, keiner der mosert: Was mascht da wieder? Muscht da nuff jetze unbedingt?
Nee, musste ich nicht, danuff, ich bin ich dann waghalsig gewendet, mir war echt übel!
Schlaglöcher, und das mit meinem Alten Auto mit den pinken Radkappen!
Hab ich gedacht, dann eben keine Burgen! Dann eben Stadtbesichtigung, is mir egal, Burgen paah, guck ich Game of thrones, hab ich auch welche.
In der Stadt also, Strassauf, Strassab, es gibt doch bestimmt eine Touristinformation?
In schönstem Französisch nach den Burgen gefragt, Plan bekommen, Instruktion, wo lang, Frage, wo ich herkomm und dann bin ich zum Parkplatz, um meine Wanderschuhe zu holen, und jubel so laut jauchzend vor mich hin, was für ein toller Tag und da schaut mich ein Franzosenmann sehr verwundert an.

Ich sag: Je suis tres heureux aujourdhui! und da lacht er.
Und dann bin ich auf die Burgen gestapft, und hab sie bezwungen.
Als ich von Burg 1 nach Burg 2 wollte, stand da ein Schild: Burg 2 facile.
Ich dachte, huuu, nee einen schwierigen Weg geh ich jetzt nicht, und der den ich dann ging, der war ziemlich kraxelig. Möchte nicht wissen, wie der facile Weg dann war 😉
Oben war ein älteres Ehepaar, ich dachte, aha! Gibts hier doch einen Parkplatz, und dann ging ich wieder zu Burg 1 und da war dieses Ehepaar bereits wieder da.
Ich kam mir vor wie bei dem Hasen und dem Igel.
Sie sagten , es gäbe einen einfachen Weg, ich habe den schwierigen genommen.
Da hab ich gelacht, und bin zu Burg 3 marschiert, und  hab dann, weil es so schön war, noch einen Extra-Umweg zum Dorf gemacht, und ich war so happy, und es war sehr schön.
Aber mit wem teile ich das, wenn ich alleine unterwegs bin?
Als ich oben auf der Burg 1 mein Handy rausholte, um Fotos zu machen, klingelte just in dem Moment mein Telefon.
Der JüngstLiebsteSohn, ich war überrascht, ich bin 4 Tage weg, und er wollte nur hören, wie es mir geht. Da hab ich dann ein bisschen weinen müssen, später, weil die Landschaft so atemberaubend war, weil ich ihn gern dabei gehabt hätte, weil ich alleine war, ich weiss nicht, ich war berührt. Vom Leben. Einfach so.

Morgen geht es wieder heim. Schade und schön doch.
Ich werde das üben. Immer mal wieder ein paar Tage für mich sein.

Ohne so grosse Sehnsucht nach den LiebstenMenschen.
Einfach nur mit mir sein.

Liebe Grüsse ! Kat.

Zäune und alte leerstehende Häuser

Deine Nachbarn sind echt das Grauen ! Auf den 1. Blick.. auf den 2. tun sie mir fast schon leid mit ihrem Stacheldraht im Herzen.

Die haben irgendwie Angst.. vielleicht sehen sie auch schlecht und halten eure Katze für einen Tiger.. wobei dem Tiger der Stacheldraht egal wäre.. der täte die ollen Nachbarn so oder so nicht fressen.. weil eine Detox Diät anschliessend zu anstrengend wäre.

Deine Sehnsucht nach einem anderen Wohnort kommt ganz stark bei mir an. Auf der einen Seite diese Nachbarn die 2.50m Zäune errichten ( ich würde mir ne Giraffe ausleihen.. Scherz)

Und dann wunderschöne alte Häuser die man leerstehen lässt um dann teuer zu verkaufen. Wo sind die, die sowas wertschätzen und bewahren ?

Die gibts auch.. hier bei uns in der Strasse.. eine Familie die erst die eine dann die andere Doppelhaushälfte gekauft hat. Und vor ein paar Tagen mit lauten Getöse und Gedöns und Ramme und Bagger einen alten grossen Schuppen auf dem Grundstück hat abreissen lassen. Das Haus bzw. die Häuser haben sie mittlerweile verbunden.. den Garten schön gemacht, eine Feuerstelle eingerichtet.. ein Kinderspielhaus.. usw.

Sie machen fast alles in Eigenarbeit und Eigenregie. Nicht des Geldes wegen, sondern weil es ihnen Spass macht sagte der Mann einmal. Aber warum sieht er nicht so aus ? Warum guckt er so grimmig und verkniffen ?  Warum sind die Kinder so altklug ? Warum kommentiert die Frau alles was man macht ?  Naaaah schon wieder walken ? Naaaaah sind sie wieder zurück, dass war ja ne lange Runde.. oder das war ne kurze Runde, oder waaaas bei dem Regen fahren sie Fahrrad ?

Nachbarn halt…

Ich wünsche mir eine Hausgemeinschaft oder/und Wohnprojekt wo es um mehr als Haben geht, sondern um Sein. Und wo auch Menschen wohnen die diese Welt etwas mehr zu einem schönen Ort machen wollen.

Friedlich, freundlich, wohlgesinnten ohne Konkurrenz sondern miteinander.

Om Shanti Om

Deine S.

 

 

Winterkältegedankenirrwege

 

Liebe K.,

mein Fotoapparat ist wieder funktionstüchtig. Sand im Getriebe ;-). Die Speicherkarte wollte auch nicht mehr so richtig. 2 GB Karte, eine grössere nimmt der Apparat nicht, weil er einfach zu „alt“ ist. So die Fachauskunft des Verkäufers im Fotogeschäft. Hauptsache ich kann überhaupt noch Fotos damit machen, der Rest ist mir erst einmal egal. Das da oben ist von gestern. 🙂 , weil die Speicherkarte auch nur von den Sandkörnern des Sommers gereinigt werden musste. Unsichtbare.. ich hatte vorher keine darauf entdeckt.

Der Verkäufer erzählte mir nicht nur etwas über diese Sorte Fotoapparate, die eben alt, aber gut seien, sondern auch davon, dass der Besitzer des Ladens aus Altersgründen das Geschäft abgäbe und es noch keinen Nachfolger gibt.

-Oh-

Es gäbe schon Interessenten für den Laden. FON ( Friseur ohne Namen), Magic nails und eine Backstuben und eine Apothekenkette.

Klar, ein Geschäft in der Lage ? Beliebte Fussgängerzone..

Man könnte doch schauen, was da noch fehlt. Welches Geschäft sinnvoll wäre und nicht wer am meisten zahlt. Freie Marktwirtschaft ich weiss.. aber mit Folgen. Kapitalismus in reiner Form.🤮

Ich gehe durch die klirrende alle Gedanken erfrierenlassende Kälte nach Hause. An der Hauptstrasse ein neues Schild. Die Bäckerei zieht um, auf die andere Strassenseite diagonal gegenüber. Was wird aus dem alten Geschäft ? Das sei verkauft worden, erzählte die schon immer und alle Tage hinter dem Verkaufstresen stehende niemals zu altern scheinende Frau. Sie ziehe mit um in das neue Geschäft und freue sich wie Bolle.

Alles sei grösser, heller moderner.. nur die Parkplatzsituation wäre da nicht so günstig. Abbiegen von der Hauptstrasse um zum Bäcker zu gelangen, und dann wieder zurück auf die Hauptstrasse… mmmh.. machte sie. Ich auch ! Mh mh.. wenn das man gut überlegt ist . Was in den alten Laden ziehen würde, wusste sie auch nicht.Bisher noch keine Interessenten. An dieser Stelle liebe K. könnte man tatsächlich einen kleinen Lebensmittel und Gemüseladen gebrauchen. Den könnten die älteren Leute aus dem Wohngebiet auch gut erreichen und alle anderen wären sicher auch froh ; z.B. wenn man mal keinen Grosseinkauf machen muss und nur etwas fehlt. Frisches Obst und Gemüse vor Ort, das wär super.

Keine Planwirtschaft hier bei uns. Mitspracherecht der Anwohner : so gut wie Null.

Also warten wir ab was dahin kommt. Heute morgen bei meiner walking Runde sah ich nur ein kleines Schild. demnächst…. und darauf war eine Lotusblume zu sehen und funkelnde Nägel.. 3 Mal darfst du raten. Ob unsere grumpy Nachbarin ihren Garten demnächst dann mit funkelglitzer Nägeln bearbeiten wird ? Das wär doch mal was Neues! Das Frühjahr wird es zeigen.

In diesem und anderem Sinne, hoffe ich auf einen baldigen Frühling und das mein Gehirn wieder auftaut.

herzliche Grüße an Dich

und toi toi toi für den 1. Tag auf der neuen Station

Warten-die nächste

Liebe S.,
sehr interessant ,deine Gedanken zum „Warten“. Eben hab ich ungeduldig gewartet, dass dieser lahme Laptop hochfährt, damit ich endlich schreiben kann, was mir zum „Warten“ eingefallen ist. Dann hab ich darauf gewartet, das dieses LAHME INTERNET endlich checkt, das ich online sein will.

Früher hab ich darauf gewartet, dass mein neugeborenes Baby mich endlich anlächelt, weil es mich erkennt. Das dauert vier Wochen oder sechs, bis sie auf Gesichter reagieren. Ich habe darauf gewartet, dass sie endlich laufen können, dass sie endlich aufs Klo gehen allein,dass sie endlich sprechen können,dass sie endlich in den Kindergarten, die Schule gehen…Ich habe GEWUSST, dass ich die Zeit mit ihnen JETZT nur einmal erlebe. Dass ich dann nie wieder(hoffentlich)ihre vollgeschieterten Windeln wechseln muss, dass die Zeit JETZT unwiederbringlich ist,…. trotzdem…hab ich gewartet.

Und jetzt warte ich im Moment nicht mehr. Ich hab eher das Gefühl die Zeit rennt mir davon.
Und ich werde so stinkewütend, wenn ich im Aufzug in der Klinik zum Beispiel von einer etwa gleichaltrigen Kollegin angesprochen werde: Mei, die Jungen, die haben noch mindestens 30 mal Sylvesterdienst vor sich, aber wir haben nur noch wenige Dienste an Sylvester, gell? Is bald vorbei, dann gehen wir in Rente!
Und ich denke:ALTE! Worauf wartest du? Leben ist JETZT! ICH HAB NOCH !$ JAHRE!
Und das , echt, passiert mir so oft! Dass sie über die Rente sprechen, und MICH mit einbeziehen, und sagen, gell, is nimmer lang, dann können wir hier die Segel streichen….Es ist nicht so, das ich mich darüber ärgere, weil ich denke, ui! Jetzt seh ich scheinbar echt Alt aus.
Es stellt sich mir eher die Frage: Wenn ich auf die Rente warte, kann ich mir die Zeit dann jetzt noch schön machen?
Oder  sitze ich jeden Tag ab, und schneide Stückchen vom Massband, damit ich sehe, wie oft noch? Und werde darüber alt und grau, eher noch gräuer, und versäume dabei mein Leben, mit Warten?
Nix da! Und wenn ich warten muss,auf Bahn und Zug, dann schau ich und nehme auf, und erlebe, so wie du, ich sehe die Menschen und dann hab ich Geschichten im Kopf, aber wenigstens war dann diese Zeit nicht unnütz zerwartet….

Ach doch,klar warte ich. Ich warte auf längere Tage und kürzere Nächte, denn mir geht in diesem Ort, wo ich lebe, und das ist ein TAL! diese Dunkelheit auf die Nerven.Von 16.00 bis 7.00 ist es „Dusterklabuster- im Keller hockt der Schuster….“, ich möchte , das es hell ist. Aber- wird scho, sagt der Bayer.

In diesem Sinne!
Warten als Chance!
Ich geh schlafen. Gute Nacht dir!
Kat.

Kleine Fluchten

Liebe S.,
ich glaube man erwartet einfach immer zu viel, das man sich Ruhe gönnt, das alles vielleicht anders wird, das man etwas ändern kann, das man die Kraft, die man braucht, einfach irgendwoher kriegt….

Ich merke an mir,dass  ich mir schon wieder viel zuviel aufhalse buchstäblich, weil sich ja was geändert hat: der JüngstLiebsteSohn ist volljährig, selbstständig, fährt Auto, und ich merke, ich muss die Lücke füllen.
Da ist zum einen meine FachWeiterbildung, Schule beginnt wieder nächste Woche, dieses Jahr stehen dann Prüfungen an, ich möchte beim Ethikkommitee der Klinik mitmachen, mir ein riesengrosses Anliegen, Ethik in der Pflege, ich bin bei Projekten dabei, mache einen kleinen Vortrag Ende Januar, plage mich Powerpointpräsentation rum…. Warum? Warum muss ich so geschäftig sein? Warum kann ich nicht sitzen schauen Luftholen? Das kann ich nicht andauernd, so ein Mensch bin ich nicht , aber zum Alltag kommen ja noch die Alltagsanliegen, der Müde Mitbewohner, die Gasableser, die Freundin in Trennung,….

Ich stand gestern auf dem Laufband, und obwohl ich meine Kopfhörer laut anhatte, hörte ich ein Gespräch mit von diesen Frauen, die sich im Fitnesstudio treffen und ratschen, du weisst, das ich das hasse, aber jeder so wie er mag.
Die eine dieser Frauen sah sehr müde aus, und sie sprach von ihrem Alltag, der sie auffrisst, der Mann, der soviel Überstunden macht, die Mutter, der ihr Telefon kaputt gegangen ist, die Schwiegermutter, die es nicht mehr schafft, ihren kranken Mann zu versorgen….“und an wem bleibt alles hängen? An mir!!!“ hat sie gesagt und ich dachte, dann sag NEIN.

So leicht ist Nein sagen aber nicht. Wir könnten es  lernen. Wir können uns rausnehmen aus der Überbelastung, eben mit dem Anschauen der Lavalampe, toll, das du das hast! Oder mit dem Ausmalen hübscher kleiner Bildchen in einem hübschen kleinen Büchlein,das ich mir gestern gekauft hab. Ich habe mir auch einen Füller gekauft mit einer breiten Spitze, zum Schönschreiben. Ich male in diesem Büchlein die Bildchen aus und schreibe ordentliche feine Worte hinein.
Vielleicht reichen manchmal zehn Minuten. Zehn Minuten ganz bei sich sein.
Am Sonntag waren wir in 3 Augsburger Kirchen,der LieblingsItaliener und ich. Nur so schauen zum Neujahr. Im St. Ullrich spielte die Orgel. Momente ganz für mich. Der Klang, der Hall, die Töne.20180105_121756

Heute gehe ich nach München in die Gabriele Münter Ausstellung mit der SchönstenTochter. Das ist auch ein Abstand nehmen vom Alltag.

Jemand nannte das mal „kleine Fluchten“. Schönes Wort. (Natürlich nicht im Zusammenhang mit Krieg und Elend)

Meine Fluchttasche ist immer gepackt. Wer weiss…..

Alles Liebe Deine Kat.

Niemand verlässt ohne Not sein weites Feld….

Liebe S.,
ich musste überlegen, wo du aufgewachsen bist? Dass du in den siebzigern schon so multikulturelle Erfahrungen gemacht hast.
Ich bin, wie gesagt, in einer Stadt aufgewachsen, wo die Menschen genug mit ihrer eigenen Fluchtgeschichte oder Emigration zu tun hatten, die meisten waren aus dem Osten, wenn ich mich richtig erinnere, und es gab einfach keine Italiener, Griechen oder anderes. Das einzige, was ich über Italiener wusste, waren die Geschichten über diese „Italienerkinder!“ von meiner Tante, die Grundschullehrerin in Wolfsburg war.
Fremde waren mir fremd. Fremde mit einer anderen Hautfarbe besonders. Als ich dann diese Stadt verlassen habe, gab es „Sie“ trotzdem nicht, in anderen Städten, oder sie sind mir nicht aufgefallen? Ich hatte keinen Kontakt.
Anfang der Achtziger hat dann in meiner Heimatstadt der „Chinese“ aufgemacht, und die chinesische Familie wurde beäugt, sie sahen „komisch“ aus. Sie lächelten so übertrieben. Das Essen war gut. Bisschen fremd, aber okay….

Dann gab es , Anfang der Achtziger, in unserer Strasse, gegenüber der Kläranlage, eine Unterkunft für Menschen mit dunkler Hautfarbe.
„Pass bloss auf, geh da schnell vorbei, wer weiss, was die sind!“ wurde gewispert. Meine  Schwester ist aber einmal stehen geblieben und hat mit einem dieser Menschen gesprochen. Es war verboten, mit ihnen zu sprechen.“Sowas tut man nicht!“
Aber sie hat es getan, und nicht nur einmal. Durch den Zaun, sie auf der Strasse, dieser Mensch hinter dem Zaun.Sie hat teilgenommen an seiner Geschichte. Ich erinner mich, das es Tratsch gab, was sie da tut, denn „man hat sie gesehen, wie sie mit denen da spricht!“
Deshalb , als ich deinen Beitrag gelesen habe, hab ich dich beneidet, das du so früh schon die Möglichkeit hattest, mit anderen bunten Menschen in Berührung zu kommen.
Ich bin ihnen bewusst erst begegnet, als ich in der Grossstadt lebte und im Kindergarten meiner Kinder die Vassilys spielten, die Dimitris, die Blanches, die Hatices, die Mohammeds. Und ich mit deren Müttern in der Theatergruppe und im Elternbeirat war.
Als der Krieg in Ruanda gewesen ist, haben wir Hamadi und Salama kennengelernt, ihre Kinder waren so alt wie unsere. Wir haben gemeinsam Weihnachten gefeiert, wir haben einander besucht, und von denen beiden habe ich gelernt: Niemand verlässt seine Heimat ohne Not. Soviel Heimweh wie bei Salama hab ich noch bei niemandem gesehen. Sie haben damals Deutschland verlassen, obwohl der Krieg in Ruanda noch nicht vorbei war. Ich weiss nicht, was aus ihnen geworden ist. Ich hoffe sehr, das es ihnen gut geht.

Ja, es ist ein weites Feld, dieses Thema….
Ich wünsche dir einen schönen Sonntag!

Kat.

Alte Werte und sich was herausnehmen

Liebe S.,
das ist ein altes Wort: sich etwas herausnehmen, das klingt bei näherem drüber nachdenken wie „stehlen“.
Da steht was rum in einem verschlossenen Behälter und ich nehme mir da einfach was heraus.
Früher wurde mir gesagt, wenn ich mich daneben benahm:Was nimmst du dir eigentlich heraus? Hat das einen Zusammenhang? Nehme ich mir das Recht heraus, aus dieser verschlossenen Kiste der Werte, und mach das so wie ich will? Sage ich, mit dem von mir einfach herausgenommenen Recht, was ich will?

Ich kenn das Problem mit den Überstunden aufschreiben, allerdings wird bei uns echt hart kontrolliert, soviel ich weiss, da muss ne Begründung her und wenn das zu oft passiert, dann wird gefragt: Warum eigentlich immer bei dir? Soviel dazu.

Ich weiss nicht, was mit der heutigen Zeit los ist, oder seh ich das bloss so, weil ich älter geworden bin, im Laufe der Jahre, unausweichlich? In meiner Familie herrschte als oberstes Gebot: Ehrlich währt am längsten, niemand wird von uns beschissen, selbst wenn es der Arbeitgeber ist. Und Schulden machen wir auch NIEMALS! Und betrügen tun wir nicht!
So. An das meiste hab ich mich gehalten im Leben, immer ehrlich ist, glaub ich, niemand. Aber es gibt Regeln und Werte und an die möchte ich mich halten.
Manchmal frag ich mich dann: tu das nur ich? Oder bin ich schon so eine alte biestige Krake, die da genau drauf achtet, das alles eingehalten wird?
Heute , Autostrasse, wieder mal, kurzes Stück Landstrasse bis zur nächsten Ortschaft, etwa 2 km, muss ich da auf 170 kmh beschleunigen? Schon gar nicht mit meiner alten Cheese. (oder schreibt man das Chaise?). Ich zuckel also mit 100 da einher, und sehe, wie ein orangefarbener Ohadi, Capriolet, anprescht und echt knapp hinter mir aufdrängelt. Ortschaftsschild kommt, ich bremse, ich weiss nämlich, was das kostet, wenn ich zu schnell da durch bretter. Der orange Ohadi drängelt weiter auf, ich bin versucht, noch langsamer zu fahren, es ist acht Uhr, Kinder wollen zur Schule in dem Ort, is besser, langsamer zu fahren, oder? Da setzt der zum Überholen an. Und überholt. Ich krieg dann immer so einen Hals, und ich seh, da ist ein junges Mädchen drin. Warum steht da jetzt kein Blitzer? Oder ein parkendes Auto auf der Gegenfahrbahn?
Warum  muss sie das machen? Der Ort ist kurz, auch bloss 2 km, (Die war ortsansässig, die Madame )ist das so schlimm, hinter jemandem herzufahren in der ANGEGEBENEN Geschwindigkeit?  Es war rücksichtslos und gefährlich, find ich.
Sie hat sich das herausgenommen, aus der Kiste der Regeln, diese Geschwindigkeitsvorgabe zu brechen und andere zu gefährden.
Und jetzt kommt noch ein altertümliches Wort: das war eine BODENLOSE FRECHHEIT!
Regeln sind zum Brechen da, aber nur, wenn sie niemanden gefährden.

Jetzt geschrieben, morgen online, wenn ich übern Kanal geflogen bin, zu der liebsten Englischen Freundin, und morgen bin ich vielleicht in Glastonbury und suche deinen Mondkalender, den ich dir dann mitbringe, den gibts da , so wie du willst, garantiert!
See you,…. K.