Vom Meer so blau…

Liebe S.,
der Alltag beutelt mich seit 4 Wochen wieder , heute hab ich geschafft, meine Fotos vom Urlaub zu sichten. Wir waren eine Woche auf Zypern, in der Nähe von Paphos.
Paphos ist Kulturhauptstadt 2017, das wusste ich vorher gar nicht.

Eigentlich hat es mir widerstrebt, dort Urlaub zu machen, am Mittelmeer, auf dem Menschen in wackeligen Booten zu Tausenden ihren nicht mehr aushaltbaren Lebensumständen entfliehen und ertrinken. Und ich stehe an diesem Meer und halte meine Füsse rein und entspanne mich. Aber ich kann nicht die ganze Welt meiden, nur weil überall schreckliche Dinge passieren oder passiert sind.

Am ersten Abend hab mich unter einen Felsen gestellt,  auf die Wellen geschaut und an diese Dinge gedacht und hab ganz viele Kraftgedanken geschickt. Manch einer nennt das vielleicht auch beten.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Paphos und entdeckten an der Strandpromenade diese von verschiedenen Künstlern bemalte Idol von Pomos , die auch auf dem zyprischen Euro drauf ist.
Und das hat mich sehr bewegt. Es wurde auf diesen Figuren soviel thematisiert, und das am häufigsten benannte Thema war Frieden. Diese Figuren wurden nicht nur von anerkannten Künstlern gestaltet, sondern auch von „normalen „Leuten, Schulklassen vielleicht- ich war echt begeistert. Und im Hintergrund dieses blaue unschuldig wirkende Meer, auf dem soviele Kämpfe gekämpft wurden, in grossen Booten, auf Schlachtschiffen, in Schwimmwesten.

Ach, S., ich kann doch die Welt nicht retten, aber ich kann ein bisschen was verteilen vom Friedensgedanken und wenn dann da solche 100 oder weiss ich wieviele Idole da stehen und ich spüre die Kraft dieser Wünsche, die da visualisiert wurden, dann bin ich froh, das es andere auch gibt, die ebenso so denken.

Was meinst du dazu? Liebe Grüsse Kat.

Von Zahnärzten-Quecksilber die zweite

Ach, liebe S.,

man ist so abhängig von dem was die Mediziner tun, seufz,… wissen wir ja aus eigener (beruflicher) Erfahrung.

Ich hatte vor 25 Jahren gesundheisbewusste, grosszügige Schwiegereltern, die darauf bestanden, das ich die Amalgamfüllungen rausmachen liess- und Keramik musste ich reintun lassen.
Es war so teuer!
Ich dachte, als ich fertig war, den Mund voller Porzellan, ich hätte einen Kleinwagen im Mund. Was ist, wenn ich beim Rausgehen aus der Praxis von einem Auto umgefahren werde, und alles ist kaputt? Das war zu teuer! So waren meine Gedanken damals.
Es hält immer noch! Das meiste jedenfalls, und ich hab noch keine Zahnprothese, wie mein Kinderzahnarzt mir das damals , als ich 12 Jahre alt prophezeit hatte.
„Wenn du weiter so schlecht deine Zähne putzt und soviel Süssigkeiten isst, dann  hast du mit 30 Jahren ein Gebiss!!“ hat er mir gedroht. Und meine Zähne ohne Betäubung mit Amalgam gefüllt, sodas ich elektrische Stromstösse gekriegt hab, wenn ich auf Alufolie biss.
Kennst du dieses Gefühl? Grässlich, wenn es blitzt im Mund.

In der Praxis dieses Zahnarztes stand im Wartezimmer ein Aschenbecher, der war hüfthoch, ein richtiger AschenbecherStänder, und wenn man auf den Griff in der Mitte drückte, dann drehte sich der Deckel, damit die Zigarette wie in einem Karrussell durch die Fliehkraft im Inneren verschwindet. Diesen Mechanismus gibt es ja heute noch, aber hüfthoch hab ich so ein Ding nirgends mehr gefunden. Und was ich bis heute nicht verstehe, es waren abgerauchte Kippen drin, und es roch nach kalter Asche.
Während wir im Wartezimmer hockten, durfte ich mich nicht erwischen lassen, wenn ich den Griff reingedrückt hab, denn meine Mutter fand es eklig und ich spannend.
Das hat mich immerhin von dieser Zahnarztangst abgelenkt.

Ach, ja und seine Prophezeihungen bezüglich Gebiss mit 30 haben sich nicht bewahrheitet.

Und jetzt hab ich einen Zahnarzt,der zwar sehr viel redet, aber nicht nur IN den Mund guckt, sondern mich ganz anschaut. Als ich mal bei ihm war, weil ich Kieferschmerzen hatte, schaute er mich an und sagte: „Ihnen geht es nicht gut. Was macht Sie so traurig?“ Natürlich gingen meine Schleusen auf und ich heulte und er hörte zu, und dann verschrieb er mir eine Zahnschiene, und immer wenn ich jetzt zu ihm komme, erzählt er was vom ganzen Menschen und das der Kiefer in der Gesamtheit, was Verspannungen, Kopfschmerzen und sonstiges betrifft, unterschätzt wird.
Toll, jetzt hab ich über Zahnärzte geschrieben! Ich wollte über Quecksilber schreiben, denn dazu fiel mir spontan was ein. Das mach ich dann morgen. 🙂

Und ja, in deinem Brief klang ein bisschen durch, das du es bereust, 3 Jahre in dieser kleinen Stadt gelebt zu haben. Oder lieg ich falsch? Ich dachte nur, dass ich es schön fand, dass du dort wohntest, denn so konnte ich dich besuchen, wenn ich meinen GrösstLiebstenSohn, der dort studierte,  besucht habe, und du hast den GrösstLiebstenSohn manchmal gesehen und mir erzählt, wie er so war, auf seinem Skateboard, mit seiner Gitarre in der Hand, oder auf seinem bunten Fahrrad, das er von deinem „Mitbewohner“ bekommen hatte.
Da war so eine Verbindung, die ich schön fand.

Jetzt ist der Sohn wieder in meiner Nähe, und du in deiner Lieblingsstadt.
So geht die Zeit dahin….mit und ohne Quecksilber.
Vermisse dich.
Kat.

Liebe Frau Sommer! ;)Ja, Sie haben wirklich recht, diese Geschichte…

 

….mit dem Namen….und dem Gehirn…

Guten morgen , liebe Freundin!

Wenn mich jemand damals, als ich noch jung und knackig war, mit Fräulein Schr. ansprach, fühlte ich mich unwohl. Als ich älter wurde und mit Frau Schr. angesprochen wurde, dachte ich, da meint jemand meine Mutter. Und hab mich mit erstaunten Augen umgeguckt, wo sie denn wohl ist, meine Mutter, Frau Schr.
Dann heiratete ich und wurde Frau Schn. Kein grosser Unterschied , aber auch kein Name, der zu mir gehörte.

In der Arbeit war ich immer Schwester Kat. Oder nur Kat. Für die Patienten in der Ambulanten Pflege war ich die Kat, und das schuf Vertrauen und Nähe.
Auf der Station, auf der ich zur Zeit arbeite, sprechen die Kolleginnen von einander als : „Ist die Frau Maier heute nicht da? Die Frau Eumel hat jetzt vier Tage frei und die Frau Murks ist auch wieder krank.“
Das hat mich sehr irritiert, denn auch sie Duzen sich untereinander.

Mein härtestes Erlebnis hatte ich in der Ausbildung auf der Neugeborenenstation, ich habe  es 8 Wochen geschafft, die Kolleginnen weder mit Namen noch personalisiert, als mit Sie  oder Du anzusprechen.Sehr sehr anstrengend war das!

Ja,manchmal wird einem einfach etwas klar im Hirn, etwas , was man schon andauernd macht.
Deshalb bin ich jetzt auch mal guten Mutes wegen dieser Prüfung morgen, denn ich glaube, mein Hirn weiss schon einiges, ich muss morgen nur in der Lage sein, das auch rauszukitzeln aus der Masse unter meinem knöchernen Schädeldach. 😉

Und noch was: Ich liebe meinen Namen. Mein Name, das bin ich!

 

Deine Kat.

Europa

Liebe S.,
das Beitragsbild ist von Sonntag, als es noch echt widerliches Wetter war. In Augsburg war Europatag, auf dem Rathausplatz standen viele Leute rum und machten Werbung für Europa. Ein Chor sang europäische Nationalhymnen, allerdings weiss ich nicht, warum mich bei sowas immer gruselt. Und gleichzeitg `ne Gänsehaut an mir runterschauert, huuuu….

Ein Wohlbeleibter Mann trug ein blaues Tshirt, über seinem Bauch prangten in gelber Schrift die Worte: „Ich bin Europa, Baby!“
Naja, dachte ich, dich hätte Zeus nicht ergriffen und woanders abgesetzt um einen Kontinent zu benennen!

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„Vertragen durch Verträge“, hmm, das ist auch ne komische Losung, oder?

Ich habe mich danach aber vorbildlich europäisch verhalten.
Ich hab meine Mentee getroffen( im Rahmen eines tollen Projekts, man hilft Menschen mit Einwanderungshintergrund oder Fluchtgrund, im Deutschen Arbeitsmarkt Fuss zu fassen.)
Ich betreue eine rumänische Krankenschwester, die so alt ist wie meine SchönsteTochter, und meine Aufgabe ist es im Moment, ihr zu sagen, das sie sich was zutrauen kann, weil sie super Deutsch spricht, und mit ihr Pflegezeitschriften zu lesen und über den Alltag in deutschen Kliniken zu sprechen. Denn ihre Anerkennung läuft noch, und ohne Anerkennung kein qualifizierter Berufseinstieg.
Auch das ist Europa!
Jetzt widme ich mich meiner Anerkennung, das bedeutet ich lerne jetzt! In zwei Wochen ist Prüfung! Und ich werde ein gutes Ergebnis vorweisen ! Yepp!

Liebe Grüsse Kat.
Ach ja, und morgen ist Internationaler Tag der Pflege! Ich bin dabei! ❤

Das Schweigen brechen oder : Die Hoffnung ist grün

Liebe S.,
das ist jetzt politisch. Ich habe gestern auf Arte eine Sendung gesehen:
Re: Breaking the silence.
Als ich letztes Jahr in Israel war, bin ich mit einigen Aktivisten einer anderen Friedensorganisation (combattants for peace)in Kontakt gekommen und war beeindruckt von deren Arbeit für den Friedensprozess zwischen Israel und Palästina.
Nun sah ich zufällig gestern auf ARTE diese Sendung- es ist tatsächlich so, das Breaking the silence polarisiert, auch wohl bei den in Israel arbeitenden Friedensorganisationen. Nichtsdestotrotz ist Aufklärung notwendig:

Breaking the silence gibt ehemaligen Israelischen Soldaten die Möglichkeit, über ihre Einsätzen in von Israel besetzten Palästinensergebieten zu sprechen (Arte)

Wen näheres interessiert, kann diese Sendung noch 4 Wochen lang in der Mediathek ansehen.

Aber worüber ich hauptsächlich schreiben möchte, ist über eine Szene, die am Ende der Reportage (Minute 28) läuft:
Der Leader der Organisation, Yehuda Shaul,  ist mit dem Reporterteam in Hebron, er spricht, wie ich finde bewegt, über das was er in Hebron erlebt hat, und dann fährt ein Auto mit israelischen Fahnen vorbei , hält an, ein Mann steigt aus, hält sein Handy vor sich, filmt  Shaul, stellt Fragen, auf Hebräisch und Englisch, und filmt und filmt mit seinem Handy, während der Shaul zur Seite schaut, versucht nichts zu sagen, und ich bin wie gelähmt davor gesessen, und dachte: Was für ein Hass, und was für eine Stärke von Shaul, sich nicht provozieren zu lassen. Nicht zu sagen:Komm, Alter, pack dein Handy weg!
Er ist berührt, meine ich, bis die Reporterin sagt: Komm , lass uns gehen! da kann er : Yallah sagen und weggehen, während der andere in sein Auto steigt und mit wehenden Fahnen davon braust.

Viele Fragen stellen sich mir: Was ist das für eine Gesellschaft, die versucht zu dokumentieren was geht? Der wird seine kleine filmische Leistung bestimmt ins Internet gestellt haben. Wo bleibt die Privatsphäre? Sicher ist Shaul eine öffentliche Person und rechnet damit, immer im Kreuzfeuer der Öffentlichkeit zu stehen. Trotzdem!Welch ein Mut gehört dazu, nicht aufzuhören, weiter zu machen, auch wenn du angefeindet wirst.

Er sagt einen guten Satz :

„Ich möchte mir am Ende des Tages in den Spiegel schauen können. Und wenn wir das Schweigen nicht brechen, dann erfährt es niemand. „

S., ich wäre manchmal auch gerne so mutig, denn es gibt so viel, was wir erzählen könnten, und was geändert gehört,….
Ich lese gerade von Hannah Arend :“Über das Böse“, und genau darum geht es immer wieder:
Nicht wegschauen, hinsehen, aufstehen, laut werden, und sich nicht nur kurz wundern, warum, wie Arend schreibt, erlernte moralische Prinzipien plötzlich nicht mehr gelten, der Bürger  kurz irritiert ist, sich wundert, aber weil die Gesellschaft es okay findet, plötzlich anders -unmoralisch-zu handeln, der Bürger da einfach mitmacht. „Machen ja schliesslich alle so, also ist es auch okay, wenn ich da mitmache“.
Nee, nee, so will ich niemals sein!

Und ja, grün ist ne schöne Farbe, wenn auch nicht unbedingt in diesem Retrostyle, aber Grün ist Hoffnung.
Alles Liebe Kat.

Bio und Entspannung

Liebe S.,

ich hab dein EinhornDuftGel  heute gesucht und nicht gefunden, und bin stattdessen in den hiesigen Bioladen marschiert.
Hab ich dir darüber bereits mal geschrieben?
Es ist eine Bioladenkette, die Verkäuferinnen darin sind aber so gechillt , da denk ich immer: Oh Mädels, was flössen die euch ein? Ganz entspannt ziehen sie die Waren über den Scanner, fragen fünfmal, ob du wirklich keinen Kassenbon möchtest und sicher keine Punktesammelkarte hast?
Sie fragen so freundlich, dass die alte Dame vor mir ihre Geldbörse ausleert, und alle ihre Karten zeigt, weil sie der Kassiererin mit ihrer Punktekarte eine Freude machen möchte. Leider hat die alte Dame wirklich keine Punktekarte, und dann wird aufgeklärt, was das mit der Punktekarte auf sich hat.
Die alte Dame entscheidet sich aber trotz der Freundlichkeit der Kassiererin gegen das Ausfüllen des Antrages zum  Besitz und Gebrauch einer Punktekarte.
Ich atme auf.
Es geht weiter!Ganz entspannt und ruhig werden die Waren der nächsten Kundin über den Scanner gezogen. Das Gemüse wird eingetippt. Wieder zurückgeholt. „Vielmals Entschuldigung, die Kasse hat das Gemüse nicht erkannt, muss ich erneut drüber ziehen!“ Aha, das liegt an der nicht-genormten EU-kompatiblen Gurke.
Fertig, alle Waren eingetippt. Die Kundin zahlt bar. Ohweh, das Kleingeld reicht nicht. Der Ehemann der Kundin kramt ebenfalls in seiner Jackenjacke. Da, er hat die 12 Cent, die fehlen, ich bin sehr froh.
Ich bin die nächste. „Ich möchte keinen Kassenzettel und ich habe keine Punktekarte, “ sage ich. Die Kassiererin lächelt. „Gerne, “ sagt sie. „Das macht 65, 78. haben Sie eine Punktekarte?“
„Nein!“ mache ich.
„Gut, “ sagt sie, „das sind 5,22 Rückgeld. Brauchen Sie einen Kassenzettel?“

OOHMMM, Shantishanti,…. ich möchte auch das haben, was sie morgens in ihren Tee bekommt! Ich möchte auch diese Geduld und dieses Lächeln haben!

Ich stelle mir vor, wie der Filialleiter morgens seinen Angestellten ein Tässchen Tee verabreicht. In chilliger entspannter Atmosphäre mit sanfter Beleuchtung bespricht das Team die tägliche Aufgabenverteilung.
Lisa übernimmt heute den Brotshop, Jens kümmert sich um den Tofu und Rosalinde macht heute die Kasse.
Der Duft von   Räucherkerzen durchwabert den Verkaufsraum.
Dann schlüpfen sie in ihre grüngelben Verkaufskittel, während der Verkaufsleiter ruft: „Stellt euch einfach vor, das ist ein Sari! Und ihr tragt Espadrillos und der Boden ist warmer wunderbarer Strandsand! Unter den imaginären Palmen liegen wunderbare Kokosnüsse, das Stück 2,25 und die Kartoffeln aus heimischem Anbau sind Papayas!“
Rosalinde tupft sich noch schnell einen Tropfen Patschouliöl aus der Markeneigenen Duftkollektion hinters Ohr und der Tag kann beginnen.

Haha, so läuft das da. Garantiert.

Manchmal begegne ich der Kassierin Rosalinde übrigens in meinem Damenfitness, da drischt sie verzweifelt und zornig auf den Boxsack ein.
GOA!

Deine Kat.

 

 

Vom Handeln und Feilschen

Huuu, liebe S.,

ich wäre so gerne in der Lage, zu feilschen, zu handeln, zu verhandeln,… aber ich kann das nicht.
Das wurde mir heute wieder klar, als ich auf Raten meiner LiebstenSchwester eine bunte  Handtasche einer Modefirma (von der mir übrigens nur die Handtaschen passen, der Rest ist für zarte Spanische Flamencotänzerinnen gemacht) , also als ich auf Raten meiner Schwester diese Tasche in ein KleinanzeigenVerkaufsportal stellte.
Kurz nach Einstellung kamen Fragen:
Kann man verhandeln? Klar.
Versand möglich? Was kostet?Viel!
Was hat gekostet Tasche neu? Hmm…Weiss nicht….

Naja, weiter ist nix passiert, aber leider hatte ich mich schon gefreut, ein paar extra Penunsen zu haben, denn die Interessentin klang interessiert.

Deshalb hasse ich es auch auf Flohmärkten zu verscherbeln. Da gucken sie interessiert, nehmen in die Hand, legen zurück, und ich denk: Kaufts doch, liebe Leut! Dann preise ich an: „Handgemacht, Unikate!“(mein selbstgenähtes Zeug) oder :“heissgeliebt als die Kinder klein waren!“ (Tragesack Snuggli, damals fast unerschwinglich, Lego, Playmobil, Stofftiere….) .
Stirnrunzeln der Interessentenseite: „Kriegst du ein Euro!“
„Wie bitte??? Nix da!“
„Markt fast vorbei, willst du heimschleppen das Zeug?“
„Ja,“ grummle ich böse. „dann schlepp ich das gerne heim wieder. “
Interessent zieht ab. Nächster Interessent, für einen Geschenkband von A.H. , Hochglanz, Hartcover, TEUER gewesen. „Ein Euro!“

Man, bin ich denn eine EinEuroshopin? RudisResteRampe?KatsKrempelKatastrophen?

Weisst du, ich nehm tatsächlich mein Zeug dann wieder mit. Und verschenke es an Leute , die es zu schätzen wissen.
Und diese Tasche für FlamencoElfen, die schenk ich dann meiner LiebstenSchwester, denn ihre Freude ist mir dann 1000mal lieber als dieses Getue von Leuten, die meine Schätze nicht zu schätzen wissen. Und wenn jetzt einer sagt, Schätze verkauft man auch nicht- das stimmt! Aber auch NichtSchätze haben wert, wenn sie kein Schrott sind.

Was meinst du? Kannst du verhandeln?
Liebe Grüsse Kat., nicht Bazarfähig

 

P.S.: Gehalt muss man auch verhandeln. Und da scheitere ich auch . Leider. Deshalb wäre Krempel verkaufen eine Möglichkeit….. Hmmm…..

Karfreitaggottesdienst,…

…aus einer schönen alten evangelischen Kirche zur Sterbestunde Jesu…..

Liebe S.,
ich war im Gottesdienst. Ich hatte heute das Bedürfnis dazu.

Karfreitag hab ich immer zelebriert , in dem ich „Jesus Christ Superstar“ angehört hab, dieses Musical, und da gibt es dann die Szene, wo der Hammer klopft und „Jesus “ ruft: „My God, why have you forgotten me!“ Da hab ich dann immer geweint. Dieses mal aber dachte ich mir: Ich brauch einen Gottesdienst, ich, die evangelisch- lutherisch getauft ist und laut meiner Mutter katholischer als der Papst ist. Weil ich dieses ganze Weihrauchgedöns und Gebimmel so mag und vor allem! weil wir in München so einen tollen katholischen Pfarrer hatten, der mich sogar in den Pfarrgemeinderat berief, obwohl ich evangelisch bin, weil dem Herrgott ist es egal, ob katholisch oder evangelisch.

Gut, also heute: Alte evangelische Barockkirche im Herzen Augsburgs.(Die Katholen feiern den Karfreitag nicht so.)
Ich wollte eine alte Kirche, da ist mir ein bisschen heiliger als in diesen modernen kühlen Gotteshäusern.

Der Pastor trug einen schwarzen Talar mit weissem gefälteltem Kragen. Der war sauber, der Kragen und der Pastor begrüsste jeden Besucher mit Handschlag. Mich nicht, denn ich witschte vorbei, ich wollte ihm noch nicht die Hand geben, ich kannte ihn ja nicht. Dann kam er später und verteilte Kissen. Damit der Gottesdienst nicht so hart wird, hat er gegrinst.
Derweil betrachtete ich die bedrohlich dunklen Gemälde an der Kirchenwand.

Das Orgelspiel begann, es war kurz vor drei .Die Sterbestunde Jesu ist um 15.00 genau.
Es begann mit leichten sanften Tönen, und um drei Uhr ertönte die Orgel mächtig, gewaltig, mit Disharmonien, es brauste und tobte und sauste, und dann schlug die Uhr im Gotteshaus mit leichtem glockenhellem Klang erst vier, dann drei mal, und die Orgeltöne wurden wieder leicht und wehmütig.
Toll.

Ich beobachtete die Leute.
Eine Grossmutter wollte mit ihrem Enkelkind auf die Toilette, aber sie schaffte es nicht, die schwere Kirchentür zu öffnen. Da huschte eine junge Frau zu ihnen hin, und drückte die schwere Klinke hinunter und öffnete die Tür.
Während einer feierlichen Orgeleinlage wollte der Küster mit dem Klingelbeutel losgehen,aber der  Pastor(oder sagt man in Bayern auch zu einem Evangelischen Pfarrer?) hat abgewinkt, und geflüstert: Jetzt nicht, passt nicht.

Der PastorPfarrer begann  seine Predigt , und ich fand irgendwie Trost in den Worten. Er sprach vom Zusammenrücken in Katastrophenstunden, vom sich-aufeinander-besinnen in der Not , und ich dachte, ja, das passt.
Er verlas den 22. Psalm: Mein Gott ,warum hast du mich verlassen? Und das ist der , der mich so anrührt, denn das macht Jesus so menschlich in meinen Augen. Dass Jesus zweifelt und Angst hat, wie wir alle.

Dann sang die Gemeinde mit dünnen Stimmen unbekannte Lieder, vom GolgathaFelsen und ich dachte daran, wie ich da letztes Jahr stand , an diesem Felsen in der Geburtskirche in Jerusalem und mir so gar nicht heilig war dort.

Dann erschallte erneut die Orgel, es wurde der Segen gesprochen und beim Hinausgehen gab ich dem PastorPfarrer die Hand und er wünschte von ganzem Herzen einen gesegneten Feiertag.

Das wünsche ich allen und dir vor allem auch!

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Liebe Grüsse Kat.

(Ach ja, nur zur Info: Im Evangelischen legt man mehr wert auf das Sterben Jesu als auf die Auferstehung. Die zelebriert man im Katholischen mehr. So ist das. Weisste Bescheid. Deshalb bin ich gerne beides. Sozusagen Ökumenisch 😉 )

Get ready for summer- denim- jacket!

Liebe S.,
Jeansjacken sind wieder schick in diesem Sommer, scheint mir. Wollte ich mir also gestern eine kaufen. Ich bin in die Einkaufsmall gefahren, ich hab noch einen Gutschein, mit dem ich rumgeize. Geld geb ich schneller aus als einen Gutschein.

In einem Laden mit schönen Klamotten hingen verschieden farbige Jeansjacken, sowie bunte Blusen und Röcke, und Sommerkleider. Ich hab also einiges auf meinen Arm gestapelt und bin in die Umkleide gegangen. Vor der Umkleide hängten zarte junge Wesen die Sachen wieder auf Bügel, die andere Kunden nicht wollten. Ich kleidete mich an. Der Rock, naja, die Hose, schnell wieder aus, die Jeansjacke mit dem Kleid, ..wow! Modell Presswurst, aber wer sich traut, bei dem sieht das so sicher schick aus. Also, wer sich traut, hauteng mit nicht schliessender Jacke rumzulaufen, das wirkte „rockig“, fiel mir dazu ein. (Zuviel Shoppingqueen geguckt!)
Nee nee nee, dachte ich, so nicht!
Rockig hin oder her. Alles wieder weggehängt.
Nächster Laden: Mode ab Grösse 40! Zartgliedrige Verkäuferin: „Kann ich helfen?“ Piepsstimme.
Nein, brummte ich, ich helf mir selber. Jeansjacken gabs da auch, aber nicht rockig genug, haha! Zu spiessig!
Vorbei an weiteren Geschäften. Zero, Orsay…Tüllkleider, Elfenträume bei H&M, zart bestickt, wallend in Grösse 36, naja, Augen zu und vorbei.

Aber da gab es noch einen Laden, von dem ich allerdings immer dachte, die hätten auch nur Kleidung für jung und zart.
In diesem Laden hingen 3 Jeansjacken, in blau, weiss und rose. Schnurstracks bin ich drauf zu, die hingen fast unter der Decke, ich wollte sie runterholen, da ertönt eine freundliche Stimme: „Suchen Sie was bestimmtes? „Ja“, stöhne ich, „eine Jeansjacke!“
„Da finden wir was für Sie! “ Sie mustert mich. „Hm hm, “ murmelt sie, „grosse Oberweite, schlanke Taille.“ (Hört!Schlanke Taille sagt sie!!), „wir haben eine schöne Jeansjacke, die wäre perfekt für Sie, die ist oben gut geschnitten, sodas Frauen mit unserer Statur damit wunderbar gekleidet sind!“

Und wieder ging das runter wie Öl, unsere Statur sagte sie, und ich fand sie so normal und gar nicht dick, sondern einfach gut! Und sie zieht eine Jacke aus dem Kleiderfundus, die leider aber zu klein war für mich, aber das macht nichts, denn sie sagte: „Diese engen Dinger bleiben immer übrig, wer trägt schon so Mickerklamotten, aber ich bestelle Ihnen die in Ihrer Grösse, die haben sich in XL in dieser Woche verkauft wie warmes Brot!“
Hach!
Eine XL Jacke in einer anderen Farbe durfte ich probieren von der anderen Verkäuferin, die auch so war wie wir Frauen in dem Laden, nur um zu gucken ob die Grösse passt. Fein!  Bestellt! Nächste Woche kann ich sie abholen!

Was gut tat, war: Zu erkennen, das andere Frauen so aussehen wie ich. Zu merken, das wir uns verbünden können gegen elfengleich und Piepsstimme. Das hat mir gut getan.
Sport hatte ich ja auch noch gemacht, vor lauter Energie, und stelle fest: er festigt sich, der Waschbrettbauch!
Get Ready for summer denim jacket!
Und dann, in 3 Wochen, wenn ich dich besuche, dann rocken wir die Hafencity, wir Prittiwummen!
Servus! Kat. 🙂

Notiz

Liebe S.,

Seit einer Woche sehe ich  an der Ampel im Norden der Stadt wieder das weisse Fahrrad.
Vor wenigen Jahren ist an dieser Ampel eine 16 jährige tödlich verunglückt.

Sie lag einige Tage bei uns auf der Intensivstation, und kämpfte um ihr  Leben.
Ich erinnere mich daran, wie erschüttert meine Kollegen und ich waren.
Es berührt mich sehr, wenn ich daran vorbei fahre.

Sehr nachdenklich grüsst
Kat.