Spinnen, stricken, knüpfen….

Liebe S.,

ich finde es sehr schön, dass du mit Wolle lauter so Sachen erlebst, und wie schön,dass sich die Verkäuferin mit dir verbündet hat. Sozusagen verstrickt hat.

Solche kleinen Momente sind Lichtblicke, finde ich. Ich war gestern auf einer ekligen öffentlichen Toilette in einem Einkaufszentrum, ich bin schon mit vor die Nase vorgebundenem Schal  da rein gegangen. Als ich wieder rauskam, stand eine Frau vor dem Einlass, ebenfalls ihren Schal vor der Nase. Sie hat wohl auf jemanden gewartet. Ich hab meine im Schal versteckte Nase gerümpft und sie angegrinst, und die Augen gerollt, und da hat sie auch ihre Nase gerümpft und ein Würgegeräusch gemacht und der Mann neben ihr hat erst mich, dann sie ziemlich erstaunt angeguckt und dann hat er sehr laut losgelacht.

Da siehste mal, wofür so ein Schal gut sein kann. Kontakte knüpfen kann man damit!

 

Ich bin sehr gespannt, wie der wird, den du strickst- ein bunter Wollschal mit Nicht-Beerentönen, ohne komplizierte Muster! Das Leben ist schon kompliziert genug, finde ich 😉

Bis bald! Kat.

 

 

 

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Vorsatzlos

Hallo, hallo, liebe Freundin S.!

Habe gerade über Vorsätze nachgedacht. Und Sylvesterwünsche. Und weisst du ,was ich mir nicht vornehme?
Also, ich nehme mir nicht vor:
abzunehmen-sportzumachen-gesundzuleben-aufschokoladezuverzichten-reichzuwerden-netterzusein-regelmässigdenrasenzumähen-meinemsohnkeinebutterbrotemehrzuschmieren(er ist18, aber er will das doch noch huuu!)-wenigerschlechteserienzugucken…..

NEIN!

Aber etwas nehme ich mir doch vor!

Ich nehme mir vor, mit wachen Augen durch die Welt zu gehen. Vorgestern ging ich so ganz laaangsam und entspannt durch den Wald  und das ohne Tacho und ohne Schrittzähler, und ich habe geschaut, geguckt und entdeckt, nämlich, was auf Baumstümpfen alles so los ist.
Schau:

Ich fand es schön, so zu gehen…. und das mach ich 2018 öfter. Und du? Welche Vorsätze hast du nicht?

Rutscht gut hinein und hinauf und dahin… Kat.

Falsch verstandene Dinge und das Licht was sich auftut,wenn man sie endlich versteht

Liebe S.,
kennst du das, wenn man jahrelang Sachen falsch versteht, sie hinterfragt, warum sie so gemeint sein können, aber nichts kapiert? Ich meine jetzt speziell bei Liedtexten oder Musik.
Gestern hatte ich so ein Erlebnis: Ich hab was kapiert!!!
Es gibt eine Live-Aufnahme von Machine Head, so eine Heavy Metal Band, du weisst, ich liebe diese Musik! Auf dieser Konzertaufnahme(The burning red/hellalive/Albumversion) singt der Sänger Robert Flynn: Let me see a fis!Und dazu quirpen die Gitarren sehr schräg. Let me see a fis in the air!
Und ich denke seit Jahren, er will,das die Leute ein Fis zeigen. #fis, aus der Tonleiter, die Note F mit dem Kreuz davor.. Ich denke immer, hm…. wie kann man ein  Fis zeigen? Hören tu ich es, die Gitarren quirpen eben so schräg, das könnte ein fis sein und die Leute sollen das zeigen. Komische Metaller, dachte ich.

Und letze Tage, irgendwann,kam mir die Erleuchtung, der Geistesblitz:
Der meint ein „FIST“, eine Faust! Auf englisch!  Und das war so klar plötzlich,was er da singt und warum die Leute schreien, und gröhlen, und gestern auf dem Stone Sour Konzert rief Corey Taylor auch: Let me see your fists, und ich habs verstanden und hab meine Faust mit all den anderen Leuten zeitgleich in die Luft gestreckt-mit Wucht, weil ich endlich kapiert habe, um was es ging!

Wunderbares Gefühl! Endlich etwas zu Verstehen! Hahaha!
Und was machst du so? Meld dich doch mal, ich vermisse dich hier.

:*

Deine Freundin Kat.

Heliumrausch

Liebe S.,
wie gehts, wie stehts? Ich hab gestern die leere Heliumflasche vom 18. Geburtstag wieder Retoure schicken wollen, in einem Paketshop. Ich hab nur einen Retourenaufkleber drauf tun müssen und dann eben im Paketshop abgeben. Dieser Paketshop ist in einem Computerladen, da liegt alles mögliche rum, ich möchte da nicht aufräumen müssen, oder Inventur machen müssen, dachte ich, als ich die Flasche dahin brachte. Der Laden schien leer. Ausgeleerte Kartons am Boden, Kabel liegen rum. Hallo! hab ich gerufen. Da krächzt eine heisere Stimme: Jaaa?
Und aus irgendeiner Ecke kam eine alte Frau, die mich mit einem sehr bohrenden Blick musterte. „Ich möchte dieses Paket abgeben, das ist eine Retoure!“
„Sooooo?“ krächzt sie, „Hat es Ihnen nicht gefallen! Was ist da drin?“

Und blöd wie ich bin, erkläre ich ihr alles. „AHA! “ macht sie, “ da brauch ich Hilfe! IRMELA!“
Und Irmela kommt. Ich sag dir S., ich fand Irmela zum Fürchten. Irmela trug Netzstrümpfe, braune, dazu braune  Stiefeletten mit höchsthohen Absätzen . Über den Stiefeletten ein braunes minikurzes Kleidchen mit Volants. Ihr Gesicht bestand aus ewiglangen angeklebten Wimpern, die Augen waren umrahmt, mit viel viel Farbe und wirkten riesengross in ihrem makeup-getränktem Gesicht.Dazu ganz dick gemalte Augenbrauen.  Es sah so unecht aus, alles, aber gut, jeder wie er mag. Und dann diese Fingernägel! Braungoldenglänzend lang.
Irmela nahm das Scannergerät und scannte den Retourenschein. So mit spitzen Fingern, weisst du, wie das aussieht, wenn jemand so lange Fingernägel hat?
„Geht nicht, “ sagte sie, und machte noch mal. Und noch mal. Und wartete und dann noch mal und noch mal. „Nimmt er nicht!“Dann drehte sie sich um , klimperte mit den Wimpern und drückte auf einen kleinen Drucker. Es gab einen Knall, ungelogen! Beide Frauen im Laden schrien auf:
“ Ach Gott! Was ist jetzt!“ Dann rappelte das Gerät , quietschte und spuckte einen völlig zerfetzten Druckerbeleg aus.
„Ach Gott!“ machte Irmela wieder,“ausgerechnet heute, wo niemand anderes da ist!“
Ich dachte, wenn sie jetzt anfängt zu weinen, sieht sie noch grusliger aus. Die ältere Kollegin schaute mich böse an. „Dann nehmen Sie das wieder mit!“
„Oh nein!“, hab ich gesagt,“ ich lass das schön hier! Sie haben das jetzt so oft eingescannt, das jeder Apparat explodiert, ich lass das hier, und wenn Ihr Kollege wieder kommt,dann können Sie das ja wegschicken!“
Die Ältere schaute böse. Irmela sagte:“Ja, das ist besser so!“ und dann hat sie den Karton unter dem Tisch verschwinden lassen. Ist mir aber egal, ich hab getan was ich tun musste, ich muss nichts dafür bezahlen, und wenn die da unter dem Tisch alle Retouren sammeln, sollen sie.
Irmela ist dann auch wieder ins hintere Eck zu den Aktenordnern und leeren Kisten gegangen, die Alte hat meinen Karton immer noch argwöhnisch beäugt, als ich den Laden verlassen hab.
Und du so? Die Luftballons waren übrigens klasse, aber am besten war, als wir das Helium eingeatmet haben und dann gesprochen haben.
Quäkend-schnarrende Grüsse

Deine Kat. (Mutter von 3 Volljährigen, schnief….)

501!!!!…mit dem Daumen gehäkelt

Liebe S.,
ob diese Dame , die Sitzpoufs mit der Hand häkelt, wohl ein Gangliom hat?
Und dass dein letzter Beitrag unser 500ster gewesen ist!!!Krass!
Haben wir soviel gesabbelt im WWW? Toll! Es gibt so Beiträge, die ich ins Herz geschlossen habe und auch immer wieder mal lese. Meine liebste Themenwoche war „Was wäre wenn“ und das mein liebster Beitrag, den ich geschrieben habe. Und der ist von dir mir das liebste.
So.
Und eben hab ich so sehr lachen müssen, denn der JüngstLiebsteSohn erzählte mir, wie er für Deutschschulaufgaben lernt! Er erzählte, dass sie einen Text in der Schule lesen mussten, von Artur Schnitzler, „irgendso ein Monolog, wo der Typ im Theater sitzt und denkt, immer mit Pünktchen dazwischen, hör mal ..“und er liest vor,..“meine Güte, das checkt doch niemand!  Zum Glück hab ich mir das heute morgen auf You tube noch reingezogen, in 5 Minuten!“
„WAS???“ fragt die Mutter mit grossen Augen, „das ganze Reclamheftchen?“
„Yoh,“ ist die Antwort, „das sind so Videos mit Playmobilfiguren…“
„WAAAASSSSS?“ fragt die Mutter wieder..
„Du kannst dir die ganzen Klassiker in Kurzfassung auf You tube reinziehen, alle mit Playmobilfiguren, da musst du nicht den ganzen Text lesen. „

S.!!! Und der macht bald Abitur! Na klar, er liest das schon, sagt er, aber wenn er mal keine Zeit hat, dann eben you tube, mit Playmobilfiguren.
Ich hab dann da reingeguckt, es ist sehr sehr lustig gemacht!
Da hatte einer eine wirklich super Idee!

Ich hab mich fast weggeworfen vor Lachen.
Ich stelle mir vor, wie Abiturienten vor der Schule auf ihren Smartfons Playmobilfiguren zugucken, die inhaltlich die Klassiker rüberbringen, damit das Abitur gut geschrieben werden kann!
Back to the roots! Ich erinnnere mich an wilde Playmobilschlachten im Kinderzimmer, und jetzt eben wird der olle Goethe und der Artur Schnitzler und wer auch immer per Playmobil der Jugend nahe gebracht!
Spieltrieb – das hört eben nie auf!
In diesem Sinne, …ich glaub, ich  stell die Ritterburg im Wohnzimmer auf…
Piratenschiff ahoi!
Kat.

 

Das Schöne vom Tag…

Liebe S.,
das wollten wir doch eh mal machen, oder? Das wir uns jeden Tag von was Schönem berichten.
Deine Geschichte von gestern hat mich berührt. Manchmal reicht es, die Augen offen zu halten und zu spüren, und merken, der meint mich, und dann bin ich einfach nur froh. Mehr muss nicht sein.
Manchmal erlebe ich auch so kleine FreudeGeschichtchen.
Letztens gab es im Supermarkt so kleine Blümchen in winzigen Emailgiesskannen. Ich habe eine gekauft, damit ich die vor die Tür stellen kann, um ein kleines Zeichen gegen die  (wörx, scheussliche) HalloweenDeko meiner Nachbarin zu setzen. Vor mir, an der Kasse, eine sehr kleine alte Frau, sie kauft ein solches Blümchen in der Giesskanne ganz in Pink . „Die sind so niiiiedlich!“, freut sie sich, „so niiiiiedlich!“
Ich sag,“ ich hab mir auch eins gekauft, schaun Sie mal!“
„Die sind aber auch niiiiedlich!“ sagt sie und lacht. „Die schenk ich einer Kranken, die freut sich sicher!“
Ich sag, „Sie sollten sich auch eins für sich kaufen!“
„Hm,“ macht sie, “ da haben Sie recht!“
Weisst du, was mich so berührt hat, war ihre Freude. Die Freude, das sie sowas niedliches gefunden hat, was auch nicht viel gekostet hat und die Vorfreude, das jemandem zu schenken.
Das war so eine kleine feine Begegnung an der Supermarktkasse!

So, dir einen schönen Abend im Sturmumtosten Norden. Hier ist es harmlos.
Umarmung Kat.

Rechtschreibung

Liebe S.!!!

Ich kann zwar nicht gut rechnen, bei Zahlen bin ich absolut legasthenisch veranlagt, aber es gibt Dinge die SPRINGEN mich an! Förmlich! Das sind FALSCHGESCHRIEBENE WORTE  auf öffentlichen Plakaten!
Liest da niemand dagegen, bevor es in Druck geht?
Auf den U-Bahnlandkarten in München stand über Jahre: Gemeidegrenze. Erst dachte ich, okay, ist wohl ein bayrischer Ausdruck. Gemeiden, vermeiden, warum nicht … irritiert hat es mich aber doch. Jedes Mal, wenn ich auf die U-Bahn gewartet habe, musste ich darauf starren und irgendwann dachte ich: Fehler. Es heisst Gemeindegrenze. Mittlerweile haben sie , weil die Stadt wuchs, neue Karten hingemacht, ohne diesen fehlenden Buchstaben.
Es  ist mir dann immer wieder sowas aufgefallen, was, das hab ich allerdings erfolgreich verdrängt.

Nur heute, da sprangen sie mich an. Die falschgeschriebenen Wörter….
Ich steh an der Ampel und gedankenverloren starre ich diese Bautafel vom Stadtmaueranbau an. Ich denke: Sag mal, wieder was falsch! Dachbegrünug. HÄ? Wasn dasn denn? Dann das nächste: Lanschaftsbau.
Herrje! Gibt es bei dieser Bautafelerstellung kein Rechtschreibprogramm? Das dann rot unterkringelt, wenn es ein Wort nicht kennt? Oder gibt es da so dreiste Dussel, die bei einer Warnung sagen: Was , das Wort kennst du nicht, du blöder Computer? Dann mach ich, das du es kennst! Und sie drücken den Button: Ins Wörterbuch hinzufügen, und schwupps, steht es irgendwann auf allen Plakaten.
Ich mach auch Fehler beim Schreiben, aber ich würde mir tatsächlich wünschen, das ein bisschen mehr Sorgfalt verwendet wird, beim Erstellen dieser öffentlichen Verlautbarungen, denn ich störe mich an sowas.
Aber vielleicht ist das auch Absicht und die haben einfach sparen müssen, weil sie nur eine gewisse Anzahl an Buchstaben bezahlt bekommen. Und was über dem Limit liegt, wird gelöscht, vielleicht… Was meinst du?
Es lebe die Rechtschreibung! Huuu! Kat.

Sonntagmorgen in der Provinz

Liebe S.,

Sonntagvormittag.
Ich sitze sehr gemütlich auf meiner Terrasse , lese Zeitung.
Ich lese vom Angriff  des amerikanischen Präsidenten auf dieses Lager in Syrien, weil er -laut SZ-, erschüttert über den Giftgas-Tod dieser „beautiful babies“ war.
Hallo, Mr. President, der Krieg geht jetzt schon einige Jahre! Muss da, weil man einen Anflug von Rührung kriegt, so nebenbei bisschen geschossen werden, und dann geht man wieder fein zum Essen mit dem Chinesischen Staatsoberhaupt, dessen Frau so eine schöne Stimme hat?
AAArrrgghhh, diese beknackte Oberflächlichkeit! Das er nicht nebenbei noch ein paar russische Militärangehörige getroffen hat, und dann ein Atomkrieg losbricht-Schwein gehabt, wir alle!YEP!DSC_1402

Und so verspeise ich gemütlich, aber erschüttert, meine Semmel, lese weiter die Zeitung und mache mir so meine Gedanken zum Weltgeschehen.
Da werde ich aufgeschreckt durch keuchende Laute und Getrappel auf der ehemaligen Bahnstrecke hinter dem Garten. Massen an schanufenden joggenden Menschen ziehen vorbei , wippende Pferdeschwänze, Gespräche:

huuh, ich mach das jetzt öfter,-schnaufschnauf- guck mal-lufthol– ich – schnauf– ich finde-schnauf– morgen machen wir das wieder….“

„Ne-schnauf-nein- morgen –keuch-machen wir Pause- schnaufschnauf– man soll nicht- keuch– jeden Tag-……“
Flockigen Schrittes werden die Damen überholt von einem tänzelnden Angebertypen Mitte 40 : „Nun die Damen, nicht so viel reden, dann klappt das auch mit der Fitness“ und der Angeber springt davon.
Der Pferdeschwanz hüpft jetzt nicht mehr so lebhaft. Ein älterer Herr radelt an den Damen vorbei, auf dem E-bike: „Nicht entmutigen lassen, Mädels!“ sketch-1491727657136

Sirrrrr, entschwindet er aus dem Blickfeld.

Tja, so ist das Sonntags in der Provinz.
Dazu fällt mir was von  Tina Teubner ein:

„…Wenn die Evolution will, das der Mensch hektisch durch Parks rennt, hätte sie mehr Löwen reingestellt. Aber das will die Evolution nicht. Die Evolution will,das der Mensch sich ausruht…..“

 

In diesem Sinne einen geruhsamen Sonntag!

Umärmelung
Kat.

Alt-werden

Liebe S., ich musste heute so lachen:

Ich steh im Bio-Supermarkt und bemerke , wie mich ein ur-ur-alte Dame anschaut und mich anlächelt.

In meinem Kopf rappelt es: Kenn ich die aus meiner Pflegdienst- Zeit? Hatte ich sie als Patientin , Zustand nach Schenkelhalsfraktur, oder war das die Ehefrau eines Herzpatienten?
„Entschuldigung“, sag ich zu ihr, „woher kennen wir uns ?“

„Na“, sagt sie, „unsere Söhne waren doch zusammen im Kindergarten!“

Ich hab innerlich laut aufgelacht, wann denn? 1938?

Aber ich sag: „Ja, wie geht es Ihnen denn?“

„Ach,“ sagt sie, „bis auf das alt werden ist alles gut. Wo ist denn bloss die Leinsaat? “

Sie ergreift ihren Rollator und schnappt sich einen Beutel getrocknete Kichererbsen, lächelt mir zu und verschwindet im nächsten Gang.

Eigentlich hätte ich sie umarmen sollen.

Liebste Grüsse deine  Ur-ur-ur- alte Morla-Kat.