Von Maria und Erntedank

Liebe S.!
wir wollten doch eine Marienwallfahrt zusammen machen, erinnerst du dich? Wir haben das mal fantasiert. Heute war ich in der Moritzkirche in Augsburg. (Siehe meinen Blogbeitrag auf meinem wechsel-zeiten.blog).
Und dort sah ich sie, diese wunderbare Maria.
Die Moritzkirche ist eine besondere Kirche und es gibt, wie in allen katholischen Kirchen, kleine Seitenaltäre, in denen man still sein kann, Kerzen anzünden kann, sich auf eine Bank setzen zum Beten, ich mag das…..

Nachdem wir diese wunderbare Kirche auf uns haben wirken lassen, die SchönsteTochter und ich, sind wir in diesen kleinen Seitenaltar gegangen.Kerze anzünden muss sein, wenn wir in einer Kirche sind.

Mein Kleingeld klöterte sehr sehr laut in den Opferstock, und dann warf die SchönsteTochter auch noch Geld ein, so zündeten wir also 3 Kerzen an. Vielleicht die dritte für dich? Magst du?
Zu Füssen dieser wunderbaren Maria haben wir die Kerzen angezündet, und ich dachte, wir, du und ich, könnten eigentlich unsere Marienwallfahrt hier, in Augsburg,  beginnen.
Im AugsburgerDom steht eine wunderbare Maria, die mir immer mein Herz erwärmt und von der ich glaube, dass sie mir hin und wieder zugezinkert hat, wenn ich besonders verzweifelt bei ihr Rat gesucht habe.
Und dann steh ich da in dieser Moritzkirche, und da leuchtet SIE in dem Licht, das durch das Fenster hineinfällt. Und ich finde SIE wunderschön, in ihrem silbernen Leuchten.
Und just in diesem Moment meiner Ergriffenheit betritt ein altes Weiblein die Seitenkapelle, murmelt:Heilige MutterGottes,voll der Gnaden, gebenedeit…. und ruft aus: Wie schön du bist! Heilige MutterGottes!Und fragt, an uns gewandt: Es ist wegen ErnteDank, oder, das sie so schön ist….

Und entfernt sich murmelnd: Heilige MutterGottes, wunderschöne MutterGottes,….
Und ich denke, ja, Ernte Dank, morgen ist ErnteDank, wir haben allen Grund zu Danken, ICH habe allen Grund zu Danken, für alles, für das Brot, was ich habe, für die Menschen, die ich kenne, für all die Liebe, die mir begegnet.
Starten wir unsere Wallfahrt hier, was meinst du?
Es gibt hier auch ein Pilgerbüro.
Wann machen wir uns auf den Weg?
Voller Liebe, …

Deine Freundin Kat.

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Sommerheisse Schwere

Liebe S.,

was macht wohl deine träumende Ladendiebin bei dieser Hitze? Vielleicht ist es kühl hinter der Kasse , und sie träumt weiter- ich fand deinen letzten Beitrag so schön und verfiel in verzückte Starre, grins…
Und konnte nichts ähnlich-schönes dazu beisteuern.

Es ist so sommerheiss. So heiss, das ich paralysiert im Liegestuhl liege und beim Lesen einschlummere und es mir egal ist, wieviele Fliegen auf meinen Beinen rumkrabbeln, sollen sie doch, egal, zu müde zum verscheuchen…

Manchmal, wenn der Liegestuhl droht einen Dekubitus zu produzieren, fahre ich mit dem Rad.

Der gestrige Radweg führte mich vorbei an Bauerndörfern, mit verlassenen Ställen und wuchernden Bauerngärten, vorbei an Menschen die auf den Terassen sassen und Weissbier tranken. Frühschoppen in Schwaben.
Vorbei an Höfen mit warmem Stallgeruch,an Feldern, die violett blühen . Das sieht hübsch aus. Ist das Lein, was da wächst?Es gibt im Sommer diese Waldstellen, aus denen die Luft kühl und grün-duftend herausströmt, und dann kurz darauf riecht es heiss und lähmend nach trockener Wiese.
Und dann steht da dieses verwitterte Marterl seit 100 Jahren:DSC_2101DSC_2097

Beim ersten Lesen wunderte ich mich über das , was darauf steht: „Gott segne unsere Huren“, las ich. Ich dachte: „Oh, das ist sehr aufgeschlossen. War hier mal so was wie ein Feldwegstrich? Ein Marterl für Maria Magdalena?“
Erst beim nächsten Marterl, auf dem moderner und leserlicher stand: „Gott schütze unsere Fluren“, da erst wusste ich, was gemeint war.
So ist das mit der Sommerträgheit, da schaltet es auch das Hirn aus….

Ich glaub, wir machen bisschen Sommerpause: du bist in Urlaub, ich bin in Urlaub… Danach können wir wieder kreativ schreiben, was meinst?

Allen unseren geneigten 😉 Leser/innen vorläufig einen wunderbaren Sommer…(ich muss die Genderdiskussion beachten 😉 )

Kat.

Karfreitaggottesdienst,…

…aus einer schönen alten evangelischen Kirche zur Sterbestunde Jesu…..

Liebe S.,
ich war im Gottesdienst. Ich hatte heute das Bedürfnis dazu.

Karfreitag hab ich immer zelebriert , in dem ich „Jesus Christ Superstar“ angehört hab, dieses Musical, und da gibt es dann die Szene, wo der Hammer klopft und „Jesus “ ruft: „My God, why have you forgotten me!“ Da hab ich dann immer geweint. Dieses mal aber dachte ich mir: Ich brauch einen Gottesdienst, ich, die evangelisch- lutherisch getauft ist und laut meiner Mutter katholischer als der Papst ist. Weil ich dieses ganze Weihrauchgedöns und Gebimmel so mag und vor allem! weil wir in München so einen tollen katholischen Pfarrer hatten, der mich sogar in den Pfarrgemeinderat berief, obwohl ich evangelisch bin, weil dem Herrgott ist es egal, ob katholisch oder evangelisch.

Gut, also heute: Alte evangelische Barockkirche im Herzen Augsburgs.(Die Katholen feiern den Karfreitag nicht so.)
Ich wollte eine alte Kirche, da ist mir ein bisschen heiliger als in diesen modernen kühlen Gotteshäusern.

Der Pastor trug einen schwarzen Talar mit weissem gefälteltem Kragen. Der war sauber, der Kragen und der Pastor begrüsste jeden Besucher mit Handschlag. Mich nicht, denn ich witschte vorbei, ich wollte ihm noch nicht die Hand geben, ich kannte ihn ja nicht. Dann kam er später und verteilte Kissen. Damit der Gottesdienst nicht so hart wird, hat er gegrinst.
Derweil betrachtete ich die bedrohlich dunklen Gemälde an der Kirchenwand.

Das Orgelspiel begann, es war kurz vor drei .Die Sterbestunde Jesu ist um 15.00 genau.
Es begann mit leichten sanften Tönen, und um drei Uhr ertönte die Orgel mächtig, gewaltig, mit Disharmonien, es brauste und tobte und sauste, und dann schlug die Uhr im Gotteshaus mit leichtem glockenhellem Klang erst vier, dann drei mal, und die Orgeltöne wurden wieder leicht und wehmütig.
Toll.

Ich beobachtete die Leute.
Eine Grossmutter wollte mit ihrem Enkelkind auf die Toilette, aber sie schaffte es nicht, die schwere Kirchentür zu öffnen. Da huschte eine junge Frau zu ihnen hin, und drückte die schwere Klinke hinunter und öffnete die Tür.
Während einer feierlichen Orgeleinlage wollte der Küster mit dem Klingelbeutel losgehen,aber der  Pastor(oder sagt man in Bayern auch zu einem Evangelischen Pfarrer?) hat abgewinkt, und geflüstert: Jetzt nicht, passt nicht.

Der PastorPfarrer begann  seine Predigt , und ich fand irgendwie Trost in den Worten. Er sprach vom Zusammenrücken in Katastrophenstunden, vom sich-aufeinander-besinnen in der Not , und ich dachte, ja, das passt.
Er verlas den 22. Psalm: Mein Gott ,warum hast du mich verlassen? Und das ist der , der mich so anrührt, denn das macht Jesus so menschlich in meinen Augen. Dass Jesus zweifelt und Angst hat, wie wir alle.

Dann sang die Gemeinde mit dünnen Stimmen unbekannte Lieder, vom GolgathaFelsen und ich dachte daran, wie ich da letztes Jahr stand , an diesem Felsen in der Geburtskirche in Jerusalem und mir so gar nicht heilig war dort.

Dann erschallte erneut die Orgel, es wurde der Segen gesprochen und beim Hinausgehen gab ich dem PastorPfarrer die Hand und er wünschte von ganzem Herzen einen gesegneten Feiertag.

Das wünsche ich allen und dir vor allem auch!

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Liebe Grüsse Kat.

(Ach ja, nur zur Info: Im Evangelischen legt man mehr wert auf das Sterben Jesu als auf die Auferstehung. Die zelebriert man im Katholischen mehr. So ist das. Weisste Bescheid. Deshalb bin ich gerne beides. Sozusagen Ökumenisch 😉 )

Schutzpatrone

Liebe K.

der offiziell beauftragte Schutzpatron des Pflegepersonals soll ein Kamillus von Lellis sein.. schon mal gehört ? Ich nicht.. für mich war und ist es immer du gute alte Florence Nightingale..

Aber heute werde ich auch Kamillus bitten mir (unbekannter Weise) über den Arbeitstag zu helfen.. und auch Maria wird gebraucht… ich hoffe sie hat Zeit..

Denn heute wird es ernst.. schlimmer geht ja bekanntlich immer.. aber heute arbeiten wir zu 4.   Zwei vom Stammpersonal und 2 Mal Zeitarbeit… weil sooo viele krank sind. Eigentlich müssen wir 5 vom Stammpersonal sein und eine Hilfe, zB. ein Praktikant oder so.. da wird was auf uns zukommen heute…

wohl ist mir dabei nich heute..

S.

?gebenedeit?

Liebe S.,

als ich vorgestern in deinen Beitrag über Maria das Bild mit der Kerze sah, war ich zuerst irritiert.
Das „Gegrüsset seist du, Maria“, das ist für mich sehr sehr katholisch. Mein JüngstLiebsterSohn musste letztes Schuljahr diesen Rosenkranz lernen und die Bedeutung der einzelnen Tage und Gebete für diese Tage,sie schrieben ein Schularbeit darüber …ich bin evangelisch, ich verstehe das alles nicht. Ich möchte das auch nicht alles lernen.
Gegrüsset seist du Maria, voll der Gnaden, gebenedeit sei die Frucht deines Leibes, gebenedeit bist du unter den Frauen….(Ich kann es doch!)
Das murmeln alte schwarzgekleidete Frauen in Dorfkirchen, wie in Trance wiegen sie sich und murmeln den Rosenkranz.
Gebenedeit, … als ich des Lateinischen noch nicht mächtig war, dachte ich, gebenedeit hiesse so was wie : geschlagen, gefoltert, wahrscheinlich weil ich dabei an Gebeine dachte. Gebenedeit aber bedeutet: Gesegnet.

Es gibt ein Buch von Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter .
Darin beschreibt Oskar Maria Graf unter anderem, wie seine hart arbeitende, kaum zum Schlafen kommende erschöpfte Mutter regelmässig in die Abendandacht zum Beten geht.
Er verstand nicht, wie sie es schafft,obwohl ihr die Arbeit bis zum Halse steht, in die Kirche zu gehen. Irgendwann ertappte er sie aber dabei, dass sie während der Andachten schlief. Es sei die einzige Zeit, in der sie zur Ruhe komme.
Beim Mariengebet konnte sie einfach schlafen.
Maria, Hüterin der Frauen.

Ach und ja….. Der Gedanke , das du in der Marienkirche für uns beide eine Kerze angezündet hast….das macht mir ein ganz warmes Herz. Danke!
Kat.

Das Marienjahr beginnt

Liebe K.,

unverhofft.. gestern.. mit einer Art privater Wallfahrt.. während ich das Netz durchforste, und auf weitere Büchertipps hoffte ( danke an Ulli von Cafèweltenall), schrieb mir eine Freundin, dass christliche Buchhandlungen da weiterhelfen könnten.. zumindest mal fragen..also suchte ich nach den entsprechenden Adressen…. -grummel- nix G’scheits.. tja, Maria.. sprach ich das Foto an, dass mittlerweile auf der Fensterbank steht.. und nu?

Ihr blauer Umhang flatterte ein wenig, als sie daran rumzupfte.. S.! dir fällt was ein.. ich weiss es… die Welt da draussen.. warum in die Ferne schweifen.. ?  kicher…

Eigentlich hätte ich gestern eine Fortbildung gehabt.. die fiel leider aus wegen Krankheit der Dozentin.. damit man keine Minusstunden bekommt, muss man das nacharbeiten.. ich z.B. morgen ( grummel !!!!!) das hat mich eh schon geärgert.. und nun noch das.. Hallo ??? Ist vor meiner Tür ne Buchhandlung ???

Dann fiel es mir auf einmal ein… es gibt ne Marienkirche hier.. also los!

Da sass ich dann 2 Std. später vor diesem kleinen Bild und es war sehr schön.. ruhig.. besonders, Weihrauch in der Luft.. tröstlich..img-20170104-wa0002

und davor waren diese Kerzen… und ich habe für uns 2 angezündet..und so warst du mit dabei.. wer sagt denn, das eine Wallfahrt spektakulär starten muss ? Vielleicht kannst du bei dir ja auch sowas machen… wenn du magst und es passt.. so als Anfang ?

herzliche Grüsse deine S.

Maria Knotenlöserin

Liebe S.,
diese Maria Knotenlöserin ist wohl eine spezielle Augsburger Mariengestalt.
Ich mach mir ja immer meine ganz  eigenen Gedanken zu diesen Heiligen SymbolFiguren, und bei Maria Knotenlöserin dachte ich beim ersten mal hören: Die löst diese Knoten auf, die wir in uns haben, denn in jedem von uns stecken Knoten, in der Seele oder in den Muskeln, oder im Herzen. (Wer  genaues wissen will, kann hier nachlesen).
Ich hab übrigens wieder etwas Neues über dich erfahren. Mit katholisch und so, das ist fein!
Mir ging es nämlich ähnlich, mit diesem evangelischen Glauben, dem ich auch angehöre, ich dachte früher, die Katholen, die haben es besser, die haben erst mal einige Feiertage mehr, und ausserdem haben sie die Maria in ihrem blauen Mantel und mit ihrer Umarmung.
Als ich dann in Bayern lebte und meine Kinder katholisch getauft wurden, bin ich zwangsläufig in die katholischen Gottesdienste gegangen, und ich sag dir, ich fühlte mich dort geborgen. Es gab diese Rituale, es gab diese Verse, die man spricht, es gab das wunderbare Osterfeuer, es gab die Speisenweihe an Ostern,… Später erst bemerkte ich, dass es hauptsächlich am Pfarrer lag, dass die Gemeinde, in der meine Kinder gross wurden, so aufgeschlossen und nach vorne gerichtet war. Nachdem ich nämlich umgezogen war, fand ich nie wieder diesen Anschluss an eine solche Gemeinde. Wenn meine evangelischen Eltern kamen, um bei Taufe oder Kommunion dabei zu sein, sagte meine Mutter immer, ich sei katholischer als der Papst, weil ich immer so voller Eifer und tiefem Glauben dabei war.

Wo ist der jetzt, mein Glauben? Vielleicht gibt es für Glauben und Religion eine Zeit im Leben und dann sucht man wieder was anderes? Oder findet es? Mir hat der Pfarrer damals sehr geholfen, in meiner schwärzesten Zeit, der , als ich zu ihm kam, mir zuhörte,  mich fragte, ob ich ein Ritual wolle, dieses Ritual ausführte, und mich getröstet entliess. Das kann Religion, das kann Glaube. Es ist sicher die Frage, ob wir Kirche oder Priester dazu brauchen, oder ob wir das auch aus uns  heraus schaffen, Rituale zu finden, die uns stärken und trösten.
Ich bin immer noch auf der Suche. Ich habe meine Göttinenbilder um mich herum aufgehängt, ich hab ein winzig kleines Triptichon vor mir stehen, ich bin vieles , ich glaube an vieles und manchmal an nichts.Ich höre in den Raunächten Wotans  Wilde Horden durch die Nacht reiten und fühle mich zu Hause. Ich gehe in die Krypta des Augsburger Domes und fühle mich geborgen. Ich schaue in den Himmel oder umarme Bäume und fühle mich dem Sein so nahe.
Das ist meine ganz eigene persönliche Freiheit des Glaubens.
Das ist mein Privileg. Dafür bin ich dankbar.

Schlaf gut mit Marias Segen. Umarmung. Kat.

Mother Mary und die Rauhnächte

Liebe K.,

wer hätte das gedacht.. das du auch ein „Fan“ von Mother Mary bist ? O.K. das ist jetzt sehr salopp daher gesagt… aber du kennst mich ja..Ich habe gerade überlegt wann das bei mir anfing … mit der Maria.. vielleicht .. weil sie nur am Rande immer vorkam.. Dabei gefielen mir schon als Kind die Mariendarstellungen besser als alles andere.  Nur, dass es damals hiess…. nein, die Maria ist katholisch, wir nicht.

Ich liebe diesen blauen Umhang, den sie trägt.. und ihre Symbolkraft als Mittlerin zwischen Himmel und Erde . Damit kann ich was anfangen.. leider war sie mir verwehrt, weil sie ja „katholisch“ war.. was ich sehr schade fand… als Erwachsene habe ich sie mir dann zurückerobert.  In der Schweiz z.B., da gibt es den Ort Mariastein… den ich sehr mag.. und all die kleinen Schilder .. Maria hat geholfen. Die Mariahilferkirche in Wien mag ich auch sehr gern. Dort habe ich die 1. Marienkerze mitgenommen und auch Lichter angezündet an einem kleinen Seitenaltar.

Sie ist einfach sehr sehr tröstlich.. für mich..

Diese Rauhnächte gerade haben es nämlich in sich.. ich konnte keine Nacht wirklich gut schlafen.. von sonderbaren Gedanken und Träumen verfolgt.. trotz Rosenweihrauch.. ich brauch morgens sehr lange um richtig wach zu werden und die letzten Traumfetzen wabern in meinen Tag… vielleicht sollte ich eine Marienpostkarte neben mein Bett stellen..und das Rosenquarzherz.. genau ich werde es versuchen damit und dir berichten..

*When I found myself in trouble, mother mary comes to me, speaking words of wisdom

let it be* John Lennon

herzliche Grüße

Deine S. ( die an dich denkt.. heute an deinem letzten Arbeitstag auf dieser Station)

Vergessen wir Maria nicht

Liebe S., da hast du jetzt was bei mir angestossen mit der PhosphorMaria, die auf dich aufpasst.
Ich bin der Meinung, wenn wir uns eine Schutzfigur erwählen, dann ist sie besonders. Dann hat sei einen ganz eigenen Zauber.
Maria,  finde ich, taugt wunderbar dazu. Maria ist eine Frau, und eine Mutter. In München, ich glaube im Landesmuseum, gibt es verschiedene Marienfiguren aus verschiedenen Epochen, früher hab ich dieses Museum oft besucht, um eine bestimmte Maria anzuschauen. Sie war uralt, aus einer sehr frühen Kunstepoche, die Figur fast stilisiert, und längst nicht so romantisch wie die Barocken Marienfiguren. Diese Maria war schnörkellos, und obwohl ihr Gesicht so einfach war, hat sie etwas ausgestrahlt. Würde, Stolz, Selbstbewusstsein. Das Kind in ihrem Schoss war irgendwie nebensächlich. SIE hat mich berührt. Als ich dann später selber Mutter wurde, war sie allgegenwärtig für mich, Maria war auch eine Mutter, sie hatte einen Sohn, der Dinge tat, die sie nicht verstand, der im Tempel rüpelhaft die Tische umstiess, der in Gefahr geriet, weil er so verrückte Gedanken hatte, aber sie hat niemals an ihm gezweifelt.
Als er dann starb,  was muss sie da durch gemacht haben? In dem Zusammenhang beeindrucken mich die Skulpturen der Pieta von Ernst Barlach oder Käthe Kollwitz.

Als ich dann hier nach Augsburg gezogen bin, bin ich oft in den Dom gegangen, dort unten in der Krypta steht eine romanische Madonna, die ein bisschen der aus dem Münchner Museum ähnelt.
In der Krypta ist es dämmerig, wenn ich Glück habe, bin ich alleine dort unten. Es ist still, keine Geräusche dringen durch die dicken Mauern.
Ich zünde eine Kerze an und stelle sie an diesen kleinen Altar. Ich setze mich auf die Bank davor und denke nach, bete. Ich spüre, das sie mich anschaut, das sie mir etwas sagt, diese Alte Maria. Ich schaue sie an . Und spüre wie mir leichter wird ums Herz, das so schwer war, manchmal, weshalb ich dorthin ging.

In mir drin ist ein Lachen.Die Maria hat mir zugezwinkert. Ich bin mir ganz ganz sicher.
ZwinkerMaria. Die mag ich sehr.
Liebe Grüsse Kat.