wise and clever nursing with EBN ;)

Liebe S.,
Lerne  gerade, dass der alte Otto von Bismarck (der mit der Bisquitrolle) die Krankenversicherung erfunden hat. Der hat jeden dazu verpflichtet, einen Beitrag zu zahlen, damit er (der Arbeiter, nicht Otto) im Alter und in Krankheit versorgt ist. Der gute Otto, ohne den gäbe es das gar nicht. Im Mittelalter gab es bereits Knappschaften, die für ihre kranken Mitglieder gesorgt haben, tja, und Otto machte dann weiter. Sehr gut!

Und ich lerne, das die gute alte Florence Nachtigall das Evidence Based Nursing praktiziert hat. Nur nannte man das damals nicht so.Das bedeutet, das sie angefangen hat, aufzuzeichnen und zu protokollieren,wann wie welcher Wundbrand im Krimkrieg mit welcher Salbe am besten in den Griff zu kriegen ist.

Heutzutage bedeutet EBN:  Moment, ich muss das noch mal nachschauen:
Die Integration der derzeit besten wissenschaftlichen Belege in der Pflege.

So, jetzt weisste das auch.
Eine Dozentin hat den klugen Satz gesagt:

Mit Intuition und Gefühl können wir in der Pflege nicht mehr beeindrucken.
Nur wenn wir was wissenschaftlich belegen können, nimmt man uns ernst.

Das stimmt. Es kann passieren(und jetzt werde ich makaber), wenn ich mit einem Arzt ein Krankenzimmer betrete und sehe den Patienten und sag:“ Oh, ich hab das Gefühl, der ist verstorben!“(weil ich das erkenne, wenn es so ist!), kann es sein, dass der Doktor sagt: „Ihr immer mit eurem Gefühl! Ich will Beweise!“
Dann kann ich ihm sagen :
„Es ist wissenschaftlich erwiesen, das jemand, der keinen Puls hat, nicht mehr atmet und dessen Gliedmassen ich nicht mehr bewegen kann, verstorben ist! Das steht in meiner fachlich-wisssenschaftlich fundierten Pflegezeitschrift: Wise and clever Nursing   unter „Tod im Krankenbett“!„und dann halte ich ihm den Artikel unter die Nase und er ist schwer beeindruckt und hört in Zukunft auf mich.
Das ist mein Ziel mit dieser Lernerei von Dingen, von denen ich immer dachte:

Denn Kram braucht kein Mensch! Ich kann Pflege!
Hahahaha, jetzt siehst du rot! Schlimmes Deutsch, schlimmer Spruch, sorry!

Aber  ich berichte dir weiter, was ich alles in mein Hirn stopfe, damit ich diese Weiterbildung gut mache!

2019 will ich dann so einen Hut haben! Das ist mein Ziel!

Schönen Abend!
Kat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Baustellen-kulturfrei-

Liebe S.,

Ich bin platt. Der 2MonatigeSchulblock nähert sich dem Ende. Ich habe kiloweise Skripte bekommen und sollte sie jetzt eigentlich sortieren, statt Blog zu schreiben.
Ich sollte lernen.
Ich sollte guten Mutes sein, den nächsten Monaten gefasst entgegen sehen , wenn mir der Wechsel auf verschiedene Stationen bevorsteht.
2 Jahre lang alle paar Wochen muss ich wechseln, die verschiedenen Disziplinen, die verschiedenen Stationen, muss mich alle paar Wochen an neue Kollegen gewöhnen, an neue Patienten, an neue Routinen.Mir graust, und fast hätte ich heute geheult.

Ich hätte Intensivstation  weiter machen können, weil ich mich da auskenne. Aber ich wollte das ja nicht mehr.
Also muss ich das hier jetzt weiter machen.

Ein bisschen fühle ich mich wie auf einer Baustelle. Ich kann mir vorstellen, wie es dann, 2019 , sein wird, wenn ich mich Onkologische Fachkraft nennen darf. Aber jetzt ist das alles noch lang nicht fertig. Noch stehen noch ziemlich viele Kräne und Betonmischer um mich rum.
Meine Güte! Und das auf meine alten Tage!
Ich könnte faul in einer Hängematte liegen, und unter dem Himmel schaukeln, aber nein,….
Hängematte muss warten.

Ich sortier jetzt.
Blätter, Schriften, Schlagwörter.

Grüssele Kat.

P.S.: Was der Kran da übrigens durch die Lüfte schweben lässt, war eine Treppe. Die Treppe in den Himmel, aufstrebend. Ich seh das jetzt mal positiv.

KatakombenKrimi Nummero 4

Liebe S.,

 

was ist heute für ein Tag? Ich weiss nicht wie lange ich in diesem Stahlschrank gehockt bin, ich hab vielleicht ein bisschen geschlafen, die Luft wurde dünn, dann diese dauernde Dunkelheit….Ich war sogar zu schwach zum Klopfen, am Anfang. Aber dann bekam ich doch Panik, und als ich dumpfe Geräusche hörte, nach gefühlt einer Ewigkeit, hab ich gewummert und gerufen, und dann hat irgendwer die Tür geöffnet von diesem Schrank. Als ich ins helle Neonlicht blinzelte, sah ich einen grossen bleichgesichtigen Bauarbeiter vor mir stehen. Ich schwör dir, der hatte blutunterlaufene Augen und so spitzige Eckzähne. Sein Blauer Overall hatte so komische braune Schlieren am Ärmel, ich fürchte, es war Blut. Aber sicher war ich mir nicht.
Der hat auch nicht gesprochen, er hat so komisch geknurrt. Und sein Kollege, der ein völlig behaartes Gesicht hatte, der hat auch geknurrt. Und dabei die Zähne gefletscht. Ich hab gewimmert, und dann haben sie abschätzig mit der Zunge geschnalzt und haben sich umgedreht und mich da in dem geöffneten Schrank sitzen lassen.
Ich bin aber nicht lange sitzen geblieben. Mit wackeligen Beinen bin ich aufgestanden und hab den Ausgang gesucht. Aber das war noch nicht das Schlimmste. dsc_1086
Auf der Suche nach Tageslicht bin ich an so einer komischen Maschine vorbeigekommen, die sah aus wie ein Riesenfleischwolf, und da hing ein ARM raus! Das war richtig schlimm, ich hab gedacht, um Himmels willen, wer hat denn da  bloss wen reingestopft? Ich bin wie gelähmt stehen geblieben, ich konnte den Blick nicht lösen. Und dann hab ich Schritte gehört, und die Stimmen von Rosa und Jagna. Bloss nidsc_1080cht wieder in einen Schrank, hab ich gedacht und bin in den alten Speisenaufzug gerutscht. Ich hörte Jagnas Stimme: „Schaun wir doch mal, ob jetzt alles klein geschreddert ist von unserm Herrn Max“. Um Gottes Willen, wer war Herr Max? hab ich gedacht, und hörte Rosa sagen: „Na, der ist doch bestimmt nach all den Jahren ganz schön zäh, der ist bestimmt noch nicht ganz zerkleinert!“ Und sie lachten scheppernd, alle beide. Und dann gab es ein Geheule und Gejaule, der Fleischwolf rumorte, und als er dann nach einer Ewigkeit nicht mehr knirschte, sagte Rosa: “ So, jetzt ist er klein , der Herr Max, jetzt packen wir ihn in eine Tüte, und rufen in der Krankenpflegeschule an und sagen, das sie ihn jetzt feierlich beerdigen können!“
Mir wurde flau. Noch mehr eingeweihte Mörder!
Jagna telefonierte: „Schwester Mareike? Der Herr Max ist jetzt geschreddert, ihr könnt ihn abholen…ja…. nee… Er war echt zäh, der Fleischwolf hat ziemlich gebraucht….ja…klar, der war ja auch schon 30 Jahre im Dienst, der Herr Max, hahaha, der hat schon ganz schön vielen Schülerinnen zur Verfügung gestanden. Ja, nee….. klar… Ja, der neue Pflegeübungsdummy,  ja der ist richtig schnuckelig, da wollen bestimmmt jetzt viel mehr junge Frauen ihre dsc_10131Krankenpflegeausbildung machen, wenn sie an der neue Puppe lernen dürfen, hahahaha!“
Oh nein! Welch Glück! Keine Mörder! Im Fleischwolf steckte eine Übungspuppe für die Pflege!
So ein TraumaDummy!
Jetzt bin ich ziemlich erleichtert, dass Rosa und Jagna doch keine Mörderinnen sind!

Aber ich sag dir, so schnell verschwinde ich nicht mehr unten in den Katakomben!
Welcher Tag ist heute?

Ich wünsch dir was!

 

KrimiKat

 

KatakombenKrimi, der Dritte

Liebe S.,
nachdem ich ja weder Rosa noch Jagna letzte Woche unten in den Katakomben getroffen habe, sondern nur ein paar bleiche Bauarbeiter, ist mir Rosa gestern im Flur vor meiner Station über den Weg gelaufen. Ich wollte sie herzlich begrüssen, denn ich hab mich echt gefreut sie zu sehen, aber sie telefonierte sehr hektisch. „Ach, ist er schon da? Ja, natürlich, ich komme gleich. Ja, unten , alles klar in unserem Hobbyraum! “
Ha, dachte ich, sie haben wieder was zumSezieren , meine beiden Hobbiepathologenfreundinnen! Ich bin sehr neugierig gewesen, und hab micdsc_1087h beeilt, VOR Rosa unten zu sein. Ich weiss, das sie es nicht mag, wenn ich mich da einmische, also hab ich mich in einem Schrank versteckt. Und nur einen kleinen Spalt aufgelassen,damit ich mitkriege, was die Zwei jetzt so treiben, da unten in der alten Frauenklinik in ihrem HobbieSezierRaum.

******************
Eine Rolltrage wurde hereingeschoben. Ich hörte die Stimme von Rosas Mann, dem Beerdigungsunternehmer: „Rosa, bist du schon da? Ich hab hier was. Ich glaub nicht, das der hier an Altersschwäche gestorben ist, kannst du vielleicht mit Jagna mal reinschauen , ob du was findest, was die Todesursache sein könnte?“
Ich hörte die Stimme eines  Jungen: „Die Tochter von dem Herrn Müller behauptet ja auch, ich sei schuld, dass er tot ist!“
Jetzt hörte ich Jagnas Stimme: „Aha, das ist also Herr Müller, was ist denn passiert? Ich glaub, ich kenn Herrn Müller, das ist doch der Vater von unserer Oberärztin? Was hast du denn mit ihm angestellt?“ Währenddessen schien sie ein Messer zu wetzen. Die Stimme des Jungen zitterte, als er antwortete: „Ich pass manchmal auf Herrn Müller auf, weil seine Tochter arbeiten muss.“ Metall klirrte auf Metall. Jagnas Stimme dröhnte: “ Und warum sollst du Schuld sein? Weil du nicht gut auf ihn aufgepasst hast? Die Tochter von Herrn Müller, die Frau Doktor, ist doch auch schon kurz vor der Pensionierung, da wird er auch nicht mehr der Frrischeste gewesen sein, oder?“
„Er war nicht mehr frisch und sie gewiss auch nicht , zumindest in der Birne!“ hörte ich Rosa grummeln, während sie mit einem Messer Stoff zu zerschneiden schien. „Frau Doktor Vegan! Jedem hat sie erzählt, das man auf Tierische Produkte verzichten soll, damit man fit und frisch bleibt.Wenn ich geklagt hab, ich sei so müde von meinem 3Schichtdienst, hat sie gesagt: Dann musst du auf alles, was vom Tier kommt, verzichten, dann macht dir das gar nichts mehr aus! “
„Ja, „lachte Jagan dröhnend, „angeblich hat sie sogar ihren armen alten Vater auf VeganDiät gesetzt, weil das seine Demenz heilen sollte, und nachdem er 7 Wochen nur Gemüse essen musste, hat er sogar wieder angefangen zu sprechen, was er wohl vorher nicht tat!“
„Stimmt das!!!“ herrschte sie den Jungen an.
Eine Säge wurde angeworfen. Huu, was taten die da!

„Ähm, ja….“ zitterte die Stimme des Jungen, „er hat schon gesprochen, aber nur so Worte wie: Bratwurst, oder Frikadelle, und wenn er ganz aktiv war, dann brüllte er sogar :FLEISCH! Aber trotzdem hat er immer nur püriertes Gemüse bekommen.“
„Na, da würde ich auch wieder sprechen , wenn ich keine Wurst bekäme, ich würde mich total beschweren!“ hörte ich die Stimme von Rosas Mann, „Also, Mädels, dann viel Erfolg, ich verzieh mich hier aus diesen Kellern!“
Und ich hörte eine schwere Tür zu fallen. Zurück blieben der Junge, Rosa und Jagna, der tote Herr Müller und ich in meinem Schrank. Sehen konnte ich nichts, nur hören, und ich roch den Angstschweiss des Jungen.
„Bürschchen, komm her und halt fest,“ Jagna mit dieser lauten tiefen Stimme.“ halt den Kopf nach hinten von dem hier, und lass nicht los, ich schneide auf! “
Rosa schien mit einer blechernen Schere zu klappern, es gab ein hässliches Sägegeräusch, und einen Plumps.
„Ui, na, der hält ja gar nichts aus, „sagte Rosa, “ jetzt ist er um gefallen, der Knabe. Aber schau mal, Jagna, was sehn wir denn da? In der Lunge? Was ist das für ein Knochen?“
„Ja, wenn das kein Hühnerbein ist! “ Jagnas Stimme donnerte durch die gefliesten Räume „Und vom ganzen Hühnerschmaus hängt nur noch ein Bein heraus“, zitierte Rosa Wilhelm Busch. „Scheint mir, das Herr Müller an einem Hühnerbein erstickt ist!“
Der Junge stöhnte , als Rosa ihn zu schütteln schien“Hast du Herrn Müller ein Brathähnchen besorgt? Und dann ist er daran erstickt?Ha? Stimmt das?“
„Ja, “ wimmerte der Junge, „er hat so herzerweichend „Brathähnchen“ gekrächzt, wenn HeinisHühnerBude bei uns am Mittwoch immer durch die Strasse fuhr, da musst ich ihm doch eins kaufen!“
„Na, dann ist er wenigstens glücklich gestorben“ , murmelte Rosa, “ verdammt, ich will ihn wieder zunähen, wo ist der blöde Faden?“
„Die Hühnerreste schreddern wir in der Püriermaschine, da fällt dann bei der Exhumierung kein Verdacht auf unseren edlen Hühnerkäufer. Und das nächste mal, Bürscherl, tust du Knochen weg vom Huhn, denn wie du siehst: Knochenkauen kann mit dem Tode enden. Und jetzt verzieh dich, wir kümmern uns um den Rest!“

Wieder klappte eine Tür, und ich hörte Rosa und Jagna , die sich in die Hände klatschten, lachten und emsig anfingen, ihre Pathologiegeräte zu reinigen.

Nur…wie würde ich hier wieder rauskommen? Denn als sie gingen, haben siedsc_1082 meine Tür zugeschmissen. „Wer hat denn hier wieder nicht aufgeräumt, “ hörte ich sie scheppernd lache, dann klappte die schwere Tür vor meiner Nase zu, und es ist seitdem total dunkel um  mich rum.
Und draussen scheint die Sonne.

Kat.

KatakombenKrimi Teil 2

Huhu, Liebe S.,

ich war heute wieder in den menschenleeren Katakomben der alten Frauenklinik unterwegs, und hab gedacht, ich treffe auf Rosa und Jagna.
Aber ausser ein paar Bauarbeitern ist mir dort niemand begegnet.
Unheimlich war es trotzdem, die haben so komisch gelacht, die Bauarbeiter, und waren so blass um die Nase. Wahrscheinlich, weil sie immer unten im Halbdunklen arbeiten müssen.

Ich bin so durch die Gänge gestreift, als ich auf einmal in einer Ecke ein Stöhnen vernahm. Am liebsten wäre ich weggelaufen. Ich bin stehen geblieben und hab genau hingehört. Es war eher ein Wimmern.
Es kam auch nicht direkt aus dem Raum, in dam ich mich befand(du weisst schon, gelbliche Fliesen und Spinnweben und abbröckelnder Putz), das Geräusch kam aus einer Ridsc_1071chtung hinter dem Fenster.
Hinter dem Fenster befanden sich alte Küchengeräte, wahrscheinlich war dieser Raum einmal die Klinikküche gewesen. Ich bin da ganz leise hingegangen und hab da reingelinst. Und da entdeckte ich hinter dem alten Herd, unter dem Waschbecken eine alte Krankenschwester,so in Tracht noch und mit Haube. Um den Hals baumelte ihre Ordenskette, naja, gebaumeldsc_1069t hat die nicht unbedingt um den Hals,  eher war sie verschlungen mit dem Abfluss von diesem alten verranzten Waschbecken. Du weisst, wie stark und fest diese Ketten sind, irgendwer hat sie dort rumgewickelt.
Die alte Ordensschwester bemerkte mich und krächzte: „Mach mich sofort los!“
„Würde ich ja gerne“, sagte ich, aber die Tür ist zu! Sie funkelte mich böse durch das Fenster an. „Sofort! Bei mir herrscht Zucht und Ordnung! Und du hast zu parieren!“
Ich war echt eingeschüchtert, und bin losgelaufen, denn ich dachte, diese weissgesichtigen Bauarbeiter haben vielleicht ein Stemmeisen oder so.
Naja, aber die hatten schon längst Feierabend. Da hab ich dann einen alten Bürostuhl genommen und die Scheibe eingeschmissen. Diese Krankenschwester hat mich sehr missbilligend angeguckt, als ich ihre Ordenskette vom Abflussrohr abgefummelt hab. Sie stand auf, ächzend, sie war ziemlich gross, aber dann sah ich, das ihre Haube verrutscht war und der Kittel voller Schmutz und Spinnweben war, und ich war nicht mehr so eingeschüchtert.
„Wie ist das passiert?“ hab ich mich getraut zu fragen.
„Ach,“schnaubte sie, “ das waren die Leute von der Oberverwaltung, die wollten ein Gespräch mit mir,weil ich mich für bessere Arbeitsbedingungén für meine Kolleginnen einsetze, und Wände beklebe mit Parolen und so!“img-20170204-wa0005
Sie deutete auf eine Schachtel mit Aufklebern.
„Denn so, wie es ist, geht es nicht weiter! Wir sind nicht mehr Florence Nightingale! Wir wollen eine bessere Anerkennung und besseres Gehalt, wir wollen familienfreundliche, sozialverträgliche Arbeitszeiten,  wir wollen mehr Zeit für die Patienten, einen geregelten Ausfallplan, wir wollen nicht mehr einspringen, wenn ein Kollege krank wird, wir wollen mehr Gehalt, und noch einiges mehr. Das hab ich denen verklickert, und da wurde der Obermanager so wütend, weil ich gedroht habe, das Gesundheitsministerium anzurufen, da hat er mich angesprungen, meine Kette gezwirbelt, mich auf den Boden geschmissen und die Kette da rum gewickelt. Aber da hab ich ihm einen Tritt verpasst, dass er unter den alten Ofen gerutscht ist und da liegt er nun, der Wicht und wimmert! “

Tatsächlich, da hörte ich es, es wimmerte immer noch. Und ganz unten, unter dem alten Ofen, guckte ein schwarzglänzender Managerschuh raus. Und zappelte ein bisschen.
„Ich glaub, der hat sich total verkeilt, der Typ!“ triumphierte die alte Schwester, zuppelte ihre Haube gerade und sagte:“ Komm, der schafft es vielleicht alleine da rauszukrabbeln oder auch nicht. Dann haben wir ein Problem weniger!“

Und durch die langen, langen Flure gingen wir zum Ausgang…..aber unterwegs hab ich sie irgendwo verloren.dsc_1063

An irgendwen erinnert die mich, diese Kollegin 😉

Alles Liebe Kat.

 

Vom Schwester-sein und so…Teil I.(vielleicht)

Guten Abend, meine liebe FreundinKrankenschwester S.,

wie war der Dienst?

Was ich in dieser Fachweiterbildung lerne, ist, das es Sinn macht, dem Ganzen mehr Bedeutung zu geben, Pflegewissenschaften , Pflegemanagement, Pflegeforschung zu betreiben, damit eben nicht dieses „in der Pflege-arbeiten“ als Selbstverständlichkeit  gesehen wird von der Politik, oder von vielleicht anderen Menschen, die sich nicht so gut damit auskennen.(Wie den Managern, für die ein Krankenhaus ein Wirtschaftsunternehmen ist).

Uns neu positionieren, ja. Dazu gehört aber auch, das wir das nicht mehr so machen können wie unter Schwester Rotkreuz- Hildegard, das man kurz bei der Übergabe miteinander geredet hat, oder wenn man nicht weiter wusste, auch probiert hat, wie man einen durchgelegen Rücken behandeln kann. Eis und Fön? Oder dieses fiese rote Zeug, Mercurocrom.
Ich habe es sehr geliebt, denn es machte heile!
Ist aber mittlerweile als gefährlich eingestuft, schade.Wenn meine Hände rot waren davon nach der Arbeit, war sichtbar, dass ich gearbeitet hatte. Handschuhe waren damals nämlich echt noch ein Kostenproblem.
Wir brauchen Dokumentationen, damit klar wird, WAS wir tun. Wir brauchen Richtlinien, und Standards, wiederhole ich mich? Ja. Sorry.

Und auch wenn Nicht-Pflegekräfte eingesetzt werden, muss klar sein, was deren Aufgabe ist. Und was unsere. Es muss klar sein, dass sie auch für die Notdurft der Patienten zuständig sind, oder eben nicht, aber dann sind vielleicht am falschen Platz.Dann muss überlegt werden, worin ihre Aufgaben bestehen, und das muss aber nicht von Dir kommen, sondern von denen, die sie in den Stellenplan einsetzen. Aufgaben klar definieren.
*************
Ja, haha, da musste ich lachen wir haben eklige Sachen erzählt in der Kneipe, wenn kein Stuhl frei war, und -schwupps- hatten wir einen.Im Tabernakel, so hiess die Spelunke.

Mir fiel dazu ein, dass der LieblingsItaliener, als er noch neu in unserer Familie war, es überhaupt nicht ertrug, wenn sich beim Essen Gespräche um meine Krankenhausdinge drehten. Er hat die Kinder gefragt:“ Warum  bleibt ihr so ruhig dabei, wenn eure Mutter so Zeugs erzählt  von nicht heilenden Operationswunden, aufgeplatzten Köpfen und mit dem Messer um sich fuchtelnden Männer ohne Hose, die auf Eure Mutter losgehen?“
Da hat der GrösstLiebsteSohn gelacht, sich sein veganes Würstel in den Mund geschoben und gesagt :“ Wir…sind damit aufgewachsen. Es gab IMMER Gespräche über so was beim Essen, das eben war noch harmlos!“
Auch eine Form der Abhärtung, grins…
Mit einem freundlichen Lächeln um die Lippen grüsse ich alle.

Schlafen Sie gut, Schwester S.!

Schwester K.

 

Ortsspaziergang, Sonntag , 15.00

Liebe S.,

nach meiner ganzen Auf-Karteikarten-Schreiberei und mich fragen: Warum muss man Theorien erneut theoretisieren und nennt das dann MetaTheorien und warum hab ich das, was ich da lernen soll, nicht schon vorher gewusst? ….Nachdem mir also meine Amygdala signalisiert hat: Aufhören, sonst drehst du durch, hab ich einen kleinen Ortsspaziergang gemacht.
Es wird Frühling! Die Häuser im Ort wirken so offen, manche Fenster waren geöffnet und Stimmen drangen heraus. Über einem Gartenzaun hing ein sehr verranzter Badezimmervorleger zum Lüften.
Auf dem Sportplatz an der Schule hatten Jungs ein Musikgerät aufgestellt, die Musik vibrierte zwischen den Mauern und die Jungs spielten Fussball und lachten.
Am Parkplatz an der Kirche standen mehrere Lieferwagen, sie waren geöffnet und Männer trugen Kartons und Kisten hin und her, mit Elektrokabeln und Decken. Da bin ich schnell weiter gegangen, ich habe auch ihre Sprache nicht verstanden und fand es ein bisschen merkwürdig was sie da taten, diese Männer.
Ich hab die Häuser angeschaut, und ich frage mich manchmal, was für Menschen wohnen dort drin? In diesen hübschen Einfamilienhäusern mit dem neuen Holzzäunen davor und den Überwachungskameras an der Haustür.
Der Dorfteich war noch zugefroren und von Warnschildern umstellt und abgeklebt. dsc_1048
Am Zigarettenautomaten vor der Dorfwirtschaft stand ein verzweifeltes älteres Pärchen und versuchte, eine Schachtel Glimmstängel zu bekommen.Der Automat akzeptierte ihren Ausweis nicht und ignorierte seinen 5-Euro-Schein.Ich frage mich, was tun sie jetzt? Fahren sie vor lauter Verzweiflung mit dem Auto zur 5 km entfernten Tankstelle oder essen sie stattdessen nach einem ausgiebigen Spaziergang Schokolade?
Egal, ich hab Weidenkätzchen entdeckt und Knospen, die sicher bald aufblühen.siehe Beitragsbild.

Als ich zu Hause war, hatte ich eine Email von dir im Postfach , und die lese ich jetzt und dann verschwende ich keinen Gedanken mehr an Pflegekonzepte, Assessements, EvidenceBasedNursing, Florence Nightingale und Oberschwester Irmgard mit ihrem RotkreuzOrden auf dem mächtigen Busen.Die hätte uns das damals doch schon alles beibringen können! Dann täte ich mich jetzt nicht so schwer damit! Grins!
Bussi and Byebye….

Kat.

Ethik-Lernen

Liebe S.,

ich habe gestern auch einen schönen Sonntagsspaziergang gemacht, und stiess dabei wieder auf dieses wunderbare Marterl am Wegesrand.

In der Schule ging es heute überwiegend um Ethik, und ich dachte, wenn ich das alles schon früher gewusst hätte, wäre mir während der Jahre auf Intensivstation vieles weniger schwer gefallen. Was die Frage: „Was tun wir hier, warum machen wir das?“ angeht.

Es gibt ein Fragemodell, medizinische Behandlungen, die fragwürdig scheinen, zu hinterfragen. Dieses Prinzipien sind:
Autonomie des Patienten (hat er das so gewollt, was war/ist seine Einstellung)
Nicht Schaden
Wohltun
Gerechtigkeit(gegenüber dem Patienten, der Familie, der Gesellschaft)

Du weisst wie sehr ich oft mit manchen Situationen dort gehadert habe.

Wenn mir damals klar gewesen wäre, wie ich das hinterfragen kann, (denn manchmal spielt tatsächlich die Autonomie des Patienten  und die Gerechtigkeit eine grosse Rolle, damit ist der kulturelle und der familiäre Hintergrund gemeint, )dann wäre mir manche Traurigkeit weniger schwer gewesen. Oder ich hätte anders auftreten können gegenüber den am Leben und der Medizin sich festklammernden Medizinern.
Und nur weil wir als Pflegepersonen das Leiden so entsetzlich finden, heisst es nicht, das das vielleicht DOCH im Sinne des Patienten ist. Wir sind keine Richter und Entscheider.

Aber nun…. Frau lernt nie aus, und ich bin froh, dass ich das jetzt so kapiere, und ich werde es ja weiterhin anwenden können.dsc_1042

Und morgen steige ich wieder in die Katakomben hinab, und mache bei Gelegenheit eine Fortsetzung meines Pflegekrimis, hihi, Material gibt es ja genug  😉
Einen schönen Tag morgen!

Kat.

 

KatakombenKrimi

Liebe S.,
Es gehören auch gewünschte Begegnungen zum Leben, ausgedachte, phantasierte…so wie die  von Hilde.Aus Hilde, der Begegnung im Tierpark, wurde dann ein kleine Geschichte.

Ich habe jetzt wieder eine Geschichte gefunden:
Wenn Krankenhäuser erweitert und modernisiert werden, dann bleiben alte Gebäude übrig. Manchmal dauert es Jahre, bis diese Gebäude saniert und umgebaut werden, und einer neuen Verwendung zugeführt werden. Ich bin letzte Woche in so einem Alten Gebäude unterwegs gewesen. Oben im Erdgeschoss ist alles saniert und schön hergerichtet, da befinden sich Büroräume und Unterrichtszimmer, aber unten im Keller, in den zugigen Katakomben, da weht der Geist der Alten Klinik. Die Wände sind gekachelt mit eierschalenfarbenen Glanzfliesen, manche sind abgeschlagen, von den nicht gekachtelten Wänden blättert der Putz. Die Gänge sind lang und es hallt beim Gehen. An den Seiten führen Flure in andere kaltgekachtelte Räume und Gänge. Ein Waschbecken an der Wand zeugt von der Zeit der niedrigen Bedürfnisse. Durch die Flure weht der Geist derer , die vor Jahrzehnten hier litten,  oder nicht mehr hinauskonnten.

In einem dieser Räume traf ich auf Jagna und Rosa.  Beide sind Krankenschwestern und Krimiliebhaberinnen.
Manchmal denken sie, sie wären besser Pathologinnen geworden, sie lieben es, den menschlichen Körper zu untersuchen und den Gründen des Verfalls auf die Schliche zu kommen.
Und diese Leidenschaft haben sie sich zum Hobbie gemacht. Sie haben einen dieser gekachelten Räume angemietet  und sich aus dem Fundus der aufgelassenen Frauenklinik 2 Bahren entlehnt. Auch einen alten Operationstisch sowie einige chirurgische Werkzeuge haben sie dort untergebracht. Penibel halten sie diese sauber, denn auch eine Pathologin muss korrekt arbeiten. Rosas Mann ist Beerdigungsunternehmer. Sie sprechen viel darüber, dass manche Menschen versterben, ohne das man weiss warum. Und bei besonders fragwürdigen Sterbefällen haben es sich Rosa und Jagna zur Aufgabe gemacht, der Ursache auf den Grund zu gehen. Rosas Mann fährt die Verstorbenen auf dem Weg in Leichenhalle für 3 Tage bei Rosa und Jagna vorbei, und sie können ihrem Hobbie frönen.

Neulich erlitt z.B. eine alte Frau, die in einem alten Haus mit ihrer Tochter lebte, eine akuten Atemstillstand. Sie wurde notfallmässig in die Klinik eingeliefert, leider verstarb sie kurz nach der Einlieferung auf Jagnas Station. Dem Sohn der Frau kam das komisch vor, und als er ihre Habseligkeiten bei Jagna abholte, äusserte er diese Zweifel: „Sie war gestern noch so fit, sie hatte seit 2 Wochen ein Schmerzpflaster kleben, das meine Schwester turnusmässig wechselte, und konnte seitdem wieder den Garten umgraben, die Hecke schneiden und Walken gehen. Warum nur verstarb sie dann so plötzlich? Gut, sie war 98, aber doch noch so rüstig! “
Jagna witterte eine Möglichkeit, ihrem pathologischem Hobbie nachzugehen, und informierte Rosa, die ihren Mann informierte, und wenige Stunden später lag der Leichnam der alten Frau auf Rosas und Jagnas Seziertisch.
Rosa zog mit einem lauten Schnalzen die grünen Gummihandschuhe an: „So, jetzt wollen wir mal!“
Die Stimme von Rosa hallte in den leeren Räumen, und Jagna griff nach einem Skalpell. „Halt,“, sagte Rosa, „lass uns erst die Haut untersuchen, vielleicht müssen wir gar nicht schneiden“. Sie betrachteten die rechte Schulter der Toten, auf der das mit opiatgetränkte Schmerzpflaster klebte. Nachdenklich betrachtete Rosa die Hautumgebung, die sehr sehr gerötet war. „Hm,“ sagte sie, „mir scheint, als hätte die Rötung die Form eines grossen Schmetterlings, woran erinnert mich das nur?“Beide Frauen gingen in ihren grünen Gummikitteln mit quietschenden Schritten um den Leichnam. „HA!“ brüllte Jagna plötzlich laut. „HOHOHOHO!“

Klirrend fiel im Flur eine Fliese von der Wand.

„Das ist eine Wärmeflasche! Jemand hat ihr eine Wärmeflasche auf das Pflaster gelegt! Und die muss sehr heiss gewesen sein, denn sonst hätte sie nicht diese Verbrennungen ersten Grades!“
„Ja!“ jubilierte Rosa und die Geister der LängstVerblichenen klaschten Beifall. „Durch die Wärme wurde eine Unmenge Opiat freigesetzt und hat sie quasi in einen todbringenden Rausch versetzt!“
„Der zu einer Atemlähmung führte“ergänzte Jagna.
HighFive klatschten sie, und waren ein bisschen enttäuscht, dass sie keine richtig blutige Sezierung vornehmen mussten.
Das nächste mal aber richtig, haben sie sich vorgenommen. Bin gespannt, wann das ist !

Schönen Abend und träum nachher süss von alten Krankenhäusern in denen die strengen Oberschwestern für Ordnung sorgten und man noch nichts wusste von Copingstrategien und Resilienzverhalten, sondern sich gut auskannte mit GMV. (Gesunder Menschenverstand)

Grüsse Kat.

You made me smile :)

Liebe liebe S.,

so ein Quokka, das wäre schön, wenn mir so einer auf meinem Tisch gegenüber sitzen würde, und mich immer so angrinsen würde.

Heute ist die 2. Schulwoche um.(Fachweiterbildung Onkologie)
Am Anfang hab ich noch jeden Abend meine Unterlagen gesichtet, geordnet, auf Karteikarten geschrieben, was ich für „prüfungsrelevant“ hielt.
Am Montag kaufte ich mir grössere Karteikarten, weil ich beschloss, das noch besser zu machen, noch ordentlicher. Das tat ich bis Mittwoch. Gestern, am Donnerstag ,dachte ich. das mach ich morgen, den Stoff von heute aufzusortieren. Heute dachte ich, ach, Sonntag geht das auch noch!
So schnell schleicht sich der Schlendrian ein!
Aber ich bin so platt von allem, ich kann heute echt nichts mehr tun. Den ganzen Tag habe ich wichtige Dinge über Schmerz gehört, mit einem Affentempo haben die Referenten ihre Vorträge gehalten, vieles ist mir bekannt gewesen, einiges klarer geworden, aber jetzt brummt es in meinem Hirn.

Und ich kann beim besten Willen NICHTS mehr in meine grünen Ordner sortieren. Grüne Ordner für die Fachweiterbildung hab ich besorgt, grün beruhigt und verspricht Erfolg!

Lernen ist immer noch schön, interessant und spannend.Warum habe ich nicht schon früher so etwas gemacht?
Ich habe eine Kollegin, mit der ich so viel lachen muss, und auch die anderen FWB-Teilnehmer sind besonders. Jedenfalls die von der Onkologie, grins, denn die von Intensiv/Anästhesie, die kenn ich ja kaum. Manchmal haben wir Unterrichtsstunden gemeinsam, manchmal nicht, und ausserdem wirken die IntensivLeute soviel ernsthafter als wir.
Oder gewissenhafter, aber ich finde, lachen muss sein. Oder? Was meinst du?
Ich musste jedenfalls sehr lachen, als ich dieses KissenBettenchaos(siehe Beitragsbild) in einem Flur der Pflegeakademie entdeckte, ich dachte:Das ist ein Sinnbild für den Deutschen Pflegenotstand!
So, ich lege mich jetzt in mein gemütlicheres Bett, gute Nacht!

Kat.