Hauruck, einzweidrei….

Liebe S., jetzt versteh, glaub ich,  ich was du gemeint hast. Das ruckartige, schnelle Arbeiten, in der Pflege und auch im Alltag.
Manchmal rutscht dann der arme Patient bei diesem 1-2-3 hopp, sehr weit zum Kopfende, aber macht nichts-runter rutscht er von alleine.;)

Ich dachte beim Lesen deines letzten Beitrages an einen Spruch, der mich durch die Kindheit begleitet hat: musst du denn immer alles mit GEWALT erreichen?  Musste das jetzt wieder mit Gewalt sein? Musst du denn auf Teufel komm raus das jetzt so haben?

Ja, muss ich , denn wenn ich es sanfter wollte, vorsichtiger, hat mich niemand gehört. Da wurde das nicht wichtig genug genommen, wenn ich was erreichen wollte.Ich musste mit Gewalt…. die Flasche öffnen(sie zersprang) , diesen Mann haben (der verliess mich dann, Spass 😉 ) die Gardinenstange anbringen(die Bohrmaschine versank im Rolladenkasten), die Bäume ausreissen (sonst macht es ja NIEMAND!) , genau das ist es…keine Zeit….
Nicht warten könnne, bis jemand mich unterstützt,… meinst du sowas auch?
Ich fahre jetzt ganz entspannt und gechillt zum Spätdienst! Die warten da schon auf mich!
Schönen Sonntag!
Kat.

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Aussergewöhnlich Normales

Liebe K.,

dass  du eine unkonventionelle Lösung für diese Patientin gefunden hast, eine die ihr mehr entspricht als irgendwelche Vorgaben und Annahmen was gut für sie sei, ist gut.

Dafür sind wir da.. in meinem Alltag in der Notaufnahme ist diese Fähigkeit oft gefragt.. und bringt die jüngeren Kolleginnen an ihre Grenzen… wieso macht ihr das jetzt so ? Fragen sie dann… das habe ich aber anders gelernt usw.. und sie lernen bei uns relativ schnell, das manchmal improvisiert werden muss um den Menschen bestmöglich zu helfen und um Stress zu vermeiden. Das die Kurzfassung dazu..

Mit meiner Frage nach den Anstrengungen war allerdings noch etwas anderes gemeint. In Stresssituationen  wendet man oft viel mehr Kraft an, als man müsste. Die Zähne werden zusammengebissen, die Muskeln verkrampfen sich.. alles auf Maximalleistung..

Das ist das was auf Dauer krank macht…1,2,3 und bei 3 wird umgelagert… jeder hat ein anderes 3 und wenn man Glück hat klappt es synchron.. wenn nicht trägt einer mehr Last als der andere.. Man schiebt im  Stress die Betten mit mehr Druck..gibt fester die Hand, dreht die Menschen ruppiger im Bett usw.. weil man dann ganz fokussiert ist, weil da kein Platz für Nebentöne mehr ist.. zack zack.. muss fertig werden… um diese Anstrengungen geht es.. Stress ist da, den zu merken und dann innehalten… wieviel Anstrengung wende ich jetzt auf… oh oh.., mehr als nötig…  dann runterzuschalten auf diese Stufe 2-3 ist sehr schwer.. aber genau das schafft innerlich den Raum, den man braucht aus der Stressspirale herauszukommen.. und wir wisse doch alle… Druck erzeugt Gegendruck.. bin ich zu schnell, zu ungeduldig oder wohlmöglich sogar  zu ruppig mit einem Patienten, blockiert er und es wird noch schwieriger das eigentliche Ziel zu erreichen..

Aus diesem Muster der Anstrengung zu kommen, ist nicht einfach.. So ist es gelernt, antrainiert .. jahrelang.. unbewusst.. : Oh Achtung jetzt gibts Stress, Druck.. also Ärmel hochkrempeln dagegen angehen, sich dagegen stemmen, den  „Kampf“ aufnehmen. Bei dem Kinästehik Kurs fiel mir irgendwann ein, dass ich früher Tai Chi gemacht habe.. man kann mit einer kleinen Drehung auch dem Druck ausweichen..Es heisst also weiterhin in Bewegung bleiben… sowohl im Körper als auch im Geist!

Schönes Wochenende dir

es grüsst dich

S.

Stresslevel gering halten, wie geht das?

Liebe S.,

du hast Recht, sich etwas anzueignen ,  etwas neues lernen, das ist leicht.
Aber alte Muster abzuwerfen, Verhalten ändern, das, was man 30 Jahre so getan hat, überdenken, reflektieren,…
„War denn alles schlecht, was wir schon immer so gemacht haben?“, hat mich  eine Kollegin gefragt, als ich vorgeschlagen habe,  etwas mal anders zu machen.
Und ich merke leider auch diesen Unmut, neu zu lernen. Die Frage kommt dann: Warum tust du dir das an? Das nützt doch eh nichts! Und dann womöglich noch in der Freizeit! Oder auf eigene Kosten! Niemals würden sie das tun.

Ich hab es aber getan und du tust es auch. Und mich hat es weitergebracht, ich kann das Erlernte im Berufsalltag nicht immer anbringen, aber manchmal doch, und dann bin ich froh, weil das Lernen mich gelehrt hat, anders mit vielem umzugehen.

Zum Beispiel „Mobilisieren eines Patienten“. Nicht das ich da perfekt drin bin. Aber ich kann ihm(dem Patienten) sagen, was ich vorhabe und was er zur Unterstützung tun kann.
Gestern zum Beispiel hab ich eine Patientin mobilisiert, ihr Ehemann wollte sie (schwerkrank, Tumore, halbseitengelähmt, so alt wie wir) nach draussen bringen lassen, weil „sie hat doch immer so viel geraucht . Das tut ihr bestimmt gut, frische Luft !“
Mein erster Gedanke: Die hatte gerade LUFTNOT! Sie benötigt Sauerstoff, sie kann da doch nicht raus zum Rauchen!
Gab bissl Diskussion, der Arzt hat die Ausfahrt befürwortet und meine Bedingung war: Sie mobilisiert sich weitgehend selber und wird nicht mit so einem Rollbrett wie am Vortag in einen Lehnstuhl gefrachtet,mit Hauruck und Gezerre und Geziehe und Spannungsblasen am Ende, wegen dem Rutschen. Und Kreuzweh der Schwestern, weil das immer anstrengt.
Okay, ich hab ihr gesagt, was ich wie mit ihr vorhabe, sie fing an mir zu vertrauen und siehe da, sie konnte mich beim Umsetzen von Bett in Stuhl sehr gut unterstützen. Ich hab zwar gekeucht hinterher, und sie hat gefragt, ob es mir gutgeht und ich hab gegrinst, und gesagt, klar, Sie haben gut mitgemacht.
Dann wollte sie den ekligen Gulasch nicht essen und ihr Mann hat geredet und an sie hingeredet, sie muss doch essen…… , sie muss doch was essen….
Hab ich gesagt, gehen Sie ins Cafe, und lassen Sie sie ein Eis oder ne Wurst mit Pommes essen, was sie will…
Als ich Feierabend hatte ,waren sie immer noch nicht zurück, und ich hab gedacht: huuh, hoffentlich ist alles gut. Und als ich heimgeh, sitzen beide im Cafe und sie hat eine leere Schale vor sich und sagt zu mir: Ich hab so einen Rieseneisbecher gegessen! Wollen Sie auch einen ? Ich lad sie ein.

Was ich damit sagen will: Dank meines Kurses letztes Jahr weiss ich, das unkonventionell sein auch in der Pflege Platz hat. Das es nötig ist-ich hätte streiten können mit dem Ehemann, dass hätte mich auf meiner Stressskala bestimmt an die 10 gebracht. So aber hab ich ihr auch ein Stück abgegeben, indem ich von ihr etwas erwarte. Und ich hab zwar gekeucht, aber es hat nicht angestrengt. Und sie dann so fröhlich und aufrecht im Cafe sitzen zu sehen, das war toll.

Gerade diskutieren und lamentieren verbraucht so viel Kraft, es ist einfacher, ganz pragmatisch Lösungen zu finden, die für BEIDE Seiten okay sind. Oder sich aus diesen Situationen rauszunehmen.

Ich schreibe jetzt klug, gell? Ich bin es nicht immer, aber ich kann manche Dinge, ent-stressen, indem sie nicht mehr so wichtig sind. Es gibt andere Wege die man einschlagen kann.
Wir versuchen es! Alles kann, nichts muss!
Schönen Tag Dir! Kat.

Von 1,2,3 bis 10

Liebe K.,

die 2 Tage Kinästhetics © Kurs waren nachhaltig beeindruckend. Im Oktober gehts weiter mit 3 Tagen und ich bin echt gespannt, was dann noch alles kommt.

Etwas lernen , sich aneignen geht ja mehr oder weniger gut. Je nach Materie, Thema und Interesse.. aber sich etwas abgewöhnen, was jahrelang in der Pflege Gültigkeit hatte, da wird’s schon schwieriger.. alte Muster, breite Pfade…

Zu wissen, daß die Patienten mitbestimmen sollen können, wie sie aufstehen, wie sie sich drehen im Bett z.B. , ja weiss ich.. aber handele ich auch danach ? Schaue ich auf das was der Körper des Patienten anbietet an Beweglich-  und Unbeweglichkeit  oder „mach“ ich einfach.. nach bestem Wissen und Gewissen so wie ich es gelernt habe.. so wie es gut  und richtig ist.. ist ? Oder wie es gut und richtig mal war ? oh oh….

So einiges hat sich verändert, Diskussionen um das Pflegeverständnis der einzelnen Pflegenden sind gewünscht.. aber hat da auch jeder Bock drauf ? nee… bei uns nicht.. nicht das auch noch.. alles zuviel was jetzt noch sozusagen obenauf gepackt wird..“Man.. S. ich will nicht auch noch besprechen, diskutieren.. weiss ja noch  nicht mal wie ich den Alltag hier schaffe.“ sagte eine Kollegin zu mir…

Wir haben einen Auftrag bis zum nächsten Block im Oktober bekommen. Uns beobachten.. was stresst, wie geht man an den Arbeitsalltag heran.. ohne direkten Patientenkontakt und  im Patientenkontakt.

Anstrengung für alles ist auf einer Skala von 0 bis 10 bis maximal 3 erlaubt. Gewünschtes Level ist 2 von 10..

Und das mach mal.. 2 von 10.. Auch zu Hause und im Alltag sollen wir es probieren 2 von 10..

Wie soll ich das nur machen ?

Der Ansatz ist gut…

Nachdenkliche Grüße

S.

Wieder einen Tag näher an der Rente….

Liebe S., diesen Spruch hab ich auch immer wieder gehört , und ich fand den schon immer ein bisschen gruselig.
Mir ist es in letzter Zeit öfter passiert, das mir Mitmenschen, durchaus wohlwollend, folgendes Nahe gelegt haben: ich möchte doch jetzt bitte an die Rente zu denken, es sei schliesslich nicht mehr allzulange hin. Das letzte mal, vor zwei Wochen, war es ein ehemaliger Kollege, der mit 61 in Rente gegangen ist, nach jahrlanger Teilzeitarbeit mit sehr gut verdienender Ehefrau , die weiter arbeitet. Klar, oder?
Heute erzählte eine Arbeitskollegin davon, dass ihr Mann so einen Stress zu Hause habe, er habe dieses Jahr gar keine Ferien gehabtobwohl er seit Januar in Rente sei.(Er war Lehrer). Dann guckt sie mich an und sagt: Das ist bei uns ja auch bald soweit.
Ich sag: Hallo? Das dauert bei mir noch ne Weile!
Naja, so 10 Jahre sind es bei dir noch, meint sie, die sind schnell um.

Tja, um mein volles Rentengeld zu kriegen, sind es noch 14 Jahre, ich hab keinen Lehrer geehelicht. Ich muss gucken, dass ich über Runden komme, ich hab auch Teilzeit gearbeitet, Kinderbedingt, sowas gibts, und ausserdem, man mag es kaum glauben, mir macht meine Arbeit Spass! Ich arbeite gerne! Und die Vorstellung, dann nicht mehr irgendwohin zu müssen, ein bisschen graust mir davor.
Keine Aufgabe mehr zu haben, nichts  mehr bewirken zu können, den Fokus auf meinen Rasen zu richten, (wie mein Nachbar, für den jeder krummwachsende Grashalm den Dieselmotorbetriebene Rasenmäher auf den Plan ruft, besonders, wenn ich mich in den letzten Sonnenstrahlen des Sommers nach anstrengender Arbeit auf der Terasse entspannen möchte, dann stechen diese Grashalme ihm besonders ins Auge!).
Ich denke, ich hab doch meine Berufserfahrung, es wäre schade, wenn die dann mit Eintritt in die Rente flöten geht!

Und ausserdem, ich hab ja dann noch weniger vom Leben vor mir , wenn ich 67 bin! Ich möchte noch lange gesund in die Arbeit gehen und an die Rente noch überhaupt nicht denken!
Ich hab noch Pläne und Ziele, berufsbedingt, und auch so,….und hoffe es ist noch lange nicht vorbei! Oder? Was meinst du?

Bin sehr in Rage gerade! Deine Kat.

Sei du selber

Liebe Freundin,

gefällt es dir noch allein im neuen blog ? Ich lese was du schreibst und erkenne natürlich hier und da Bezüge zur Realität.. gefällt mir sehr diese Idee mit den Frauen und ihren Geschichten..

Seufz.. I’m an allien, I’m a legal allien.. aber nicht in New York und auch nicht als englishman wie Sting sondern als S. im Norden.

Be yourself no matter what they say.. nicht einfach.. auch wenn es eins meiner Mottos ist.

Ich war mit 2 Kolleginnen bei der Pflegedirektorin. Es war ein schwieriges Gespräch zunächst… gut das wir uns vorher abgesprochen hatten. Sie kam 25 Minuten zu spät, und hat uns kaum das wir Platz genommen hatten ersteinmal angeblöckt.. weil sie sich über eine unsere Kolleginnen geärgert hatte, die sie direkt angerufen hatte.Das war nicht sehr professionell, aber auch egal.. längere Hebel .. du weisst schon.. Tja.. gut das wir vorbereitet waren..ich saaß da nicht zum 1. Mal und man weiss bei ihren Launen nie wie sie drauf ist. Wir haben uns nichts anmerken lassen… und sind ruhig geblieben und möglichst unemotional..und am Ende kam auch etwas bei heraus , was uns tatsächlich weiter helfen könnte. Eins unserer grossen Probleme ist nämlich die Struktur.Wie wir uns einteilen, die viel zu langen Wege, weil die Räume schlecht aufgeteilt sind usw. Da lässt sich etwas dran ändern. Wir brauchen nicht mehr Pflegepersonal, sondern einfach optimalere Bedingungen. Und whs. kann man das ein oder andere an andere Berufsgruppen abgeben. Soweit sind wir schon mal.

Es wird mehrere Sitzungen geben an denen wir alle teilnehmen können und mit besprechen sollen/können und unsere Idee einbringen. Sehr gut, würde ich sagen..

Naaah ???? dämmert dir schon.. oder ? Genau.. es wird bereits schon gemeckert.. nicht noch extra Zeit aufwenden.. „die“ sollen das machen nicht wir.. und unsere Leitung sei“ Schuld“ das sei ihre Aufgabe nicht unsere.. usw.  tja.. und auch : Was soll das bringen.. das jetzt ist mühsam aber da weiss man was man hat.. kommt mir vor wie bei den Neandertalern : etwas Neues kommt von aussen.. man kann es sich anschauen oder in der Höhle bleiben. bin gespannt wieviele Höhle Höhle Höhle rufen..

Wir werden  andere Abläufe ausprobieren müssen, vielleicht auch merken dass es so nicht geht und nochmal was ändern.. aber liebe K., all das ist besser als in dem zu verharren wie es ist.

Vielleicht sollte ich eine Florence erfinden .. oder lieber eine Jeanne d’arc ?

herzlich

Deine S.

 

 

 

 

 

52 ist nicht 20 ;)

Liebe S., es wird mal wieder Zeit für ein Blögchen….

Der Urlaub ist bereits wieder in weite Ferne gerückt- schade, dass der Alltag einen immer sofort wieder in seine Klauen nimmt.

Ich bin ja zur Zeit in meiner Fachweiterbildung, und muss dementsprechend auf verschiedenen Stationen in unserer Klinik arbeiten. Die Wechselintervalle sind ziemlich kurz, meinen erster Einsatz dauerte 2 Monate, für die nächsten bin ich jeweils 4-wöchig eingeteilt.

Ich sag dir, es fällt mir schwer. Ich bin es nicht gewöhnt, mich nicht auszukennen.
6 Jahre habe ich auf der Intensivstation gearbeitet, wo ich mich auskannte, wo ich wusste, mit welchem Kollegen ich wie umgehen muss, damit der Tag gut wird, und jetzt komme ich an neue Kollegen, die ich nicht kenne, in Teams, denen es schwer fällt, anzuleiten, einzulernen, mich ins Team aufzunehmen.“Du bist ja eh nur so kurz da!“.

Sie beäugen mich kritisch, bellen mir Befehle zu, die ich ausführen muss, ich bin den halben Tag damit beschäftigt, mich zurecht zu finden, öffne Schränke , Schubladen, suche Dinge, sammel Sachen ein, die für  mich an unlogischen,ineffizienten Stellen stehen, und renne mir die Hacken ab. 14 km waren es vorgestern. Gestern ein halber weniger, grins, spare ich mir das Sportprogramm.

Der erste Einsatz war ganz anders, da hatte ich 8 Wochen Einarbeitung, aber auch das fiel mir schwer, denn das war eine Intensivstation und da kannte ich mich immerhin etwas aus! Aber ich muss sagen, ich hab dort sehr viel gelernt über Knochenmarkstransplantationen. Und jetzt auf der Normalstation fühle ich mich als Hilfskraft.

Woran liegt das? Es ist der Personalmangel, es ist die chronische Unterbesetzung, die Überlastung der Kollegen, es ist die Routine. Ich sehe Dinge in diesen Routineabläufen, die ich selber ändern würde.Aber ich kann nichts sagen, ich bin ja „nur so kurz da“.

Schwierig. Ich hab tatsächlich überlegt, ob ich aufhöre, und wieder in meinen gewohnten Trott arbeiten gehe, aber das, was als Ziel winkt, ist es hoffentlich wert, das durchzustehen! Und dann dachte ich so: in der Ausbildung haben wir das anders weggesteckt, oder? Da haben wir Hilfsarbeiten übernommen und gelernt indem wir etwas taten.
Es ist schon anders, mit 52 ne „Ausbildung “ zu machen als mit 20. Vielleicht ist es auch für die Kollegen komisch, so ner „Ollen“ zu erklären, wie sie was machen soll, zumal wenn die „Olle“ dann noch ihren Senf dazugibt und sagt: „Ich kenn das so und so, wäre das auch was für Euch, es so anders zu machen?“ Dann gibt es ein Gekreische und ein „Des ham ma aba allerweil scho so gmacht!!!“
Und ich seufze, schweige und denke: „Noch 10 mal hier sein und ein Viertel der Ausbildung hab ich auch schon hinter mir. Zähne zusammen beissen und  durch!“

Und dann erzähle davon zu Hause, wie mich eine polnische Kollegin anfährt mit den Worten: „Waaas maaaakst du daaaa? “ und der LieblingsItaliener lacht und sagt: „Antworte das nächste mal einfach: Ich weiss es auch nicht!“
Und ich schreib  dir und meiner lieben Kurskollegin J. kleine Whattsapp- Nachrichten mit Teufelchen und dem kleinen Kackhaufen und erzähle, worüber ich mich ärgere und lache über eure Antworten. Mistkrücken, alle! Inklusive Gesundheitsministerium!
Nieder mit dem Pflegenotstand!

Und wenn es ganz schlimm ist und die Füsse Schmerzen und der Rücken und alles weh tut, dann geh ich in meinen Garten und schaue den Mohn an. Dann bist du nämlich nicht weit weg, denn der Mohn ist von dir, erinnerst du dich, du hast mir vor 2 Jahren Mohnkapseln geschickt, und dieses Jahr blüht er prächtig!

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Ein Stück von Dir in meinem Garten ist wie als würde ich mit dir Tee trinken, liebe Freundin!

Jetzt muss ich los, mir die Hacken abrennen! Bussi! Kat.

 

Weiterpaddeln, weiterlernen, weiterdenken, yeah!

Doch noch nicht in SommerUrlaubsPause!

Liebe S., ich hab mich für ein Webinar angemeldet.
Was ist das, dachte ich. Da kriegt man vielleicht Vorträge , die man lesen muss….?
Naja, heute hab ich mich mal dran gesetzt, ich hab erst nicht kapiert, wie das funktioniert. Es sind schon Vorträge, aber die muss ich nicht lesen, diese Vorträge wurden bereits gehalten und somit mir vorgelesen,  und ich kriege die Präsentation auf mein Laptop.

Thema: Webinar zur pflegerischen Versorgung geflüchteter Menschen.

Erster Beitrag: Traumata.
Ich bin so berührt, S., dieser Psychologe hat so super gesprochen, und ich bin entsetzt darüber, wie wenig  wir die Seele dieser Menschen erkennen wollen, wie leichtfertig wir sie abkanzeln in ihrem Verhalten und in ihrem Rückzug, und wie wenig wir bereit sind, da mal hinzugucken, und zu spüren, was vielleicht passiert sein könnte mit ihnen.
Denn sprechen tun die wenigsten darüber.

„They did things to me, i can`t talk about“   Lieblingssyrer, 2013.

Und S., ich mach jetzt zwar meine Onkologie Fachweiterbildung, aber das heisst nicht, das ich nicht auch noch dazu lernen kann, wie man mit Menschen, die NICHT OHNE GRUND herkommen, auch im Krankenhaus mit Wertschätzung umgehen sollte.
Es gab nämlich auch im Klinikalltag der letzten Jahre immer wieder Situationen, gegenüber Geflüchteten, die ich nicht gut fand, und bei denen ich das Bedürfnis hatte, meinen Kollegen klar zu machen, was überhaupt los ist, und mit diesem Webinar krieg ich wieder bisschen mehr Wissen, und Wissen ist Werkzeug und Macht. Gell?
Bin ganz Feuer und Flamme!
Und morgen ist dann endgültig Abflug, yeah!

Kat.
Dieses Webinar ist auch vielleicht für Nichtpflegende interessant.Zum besseren Verständnis.

 

Quecksilber , zum dritten

Liebe S.,

jetzt  kommt das, was ich eigentlich über Quecksilber schreiben wollte!
Erinnerst du dich, während der Ausbildung, wenn ein Quecksilberthermometer zerbrach, wie wir mit einer Spritze auf dem Boden rumkrochen und das Quecksilber reingesaugt haben?

Wenn so ein Thermometer zerbrach, dann zerflog das Quecksilber erst in hunderte winzige Kugeln, die , wenn man sie zusammenschob, eine grosse Kugel wurden. Es gehörte Geschick (welches man ja eigentlich nicht hatte, sonst wäre das Thermometer heil geblieben) dazu, die Kugeln mit einem Papier zusammen zu fügen, und dann, wenn sie ein grosser Batzen wurden, mit einer 5 ml Spritze aufzusaugen und in den Giftmüll zu schmeissen. Ohne Mundschutz und Handschuhe, Hauptsache, der Patient starb nicht an Quecksilbervergiftung!
Und ich lebe auch noch, denn ich hab sehr sehr oft Thermometer zerdeppert und die giftigen Gase eingeatmet.
Glück gehabt, jawoll!
Jetzt gibts ja elektrische Thermometer. Das macht diesen Beruf längst nicht mehr so spannend!
Haha! Kein Schwermetallbelastetes Mercurochrom, was einem mehr über die Finger läuft beim Verbandswechsel, kein Quecksilber mehr einatmen, sich nicht mehr am Aufrollen dutzender elastischer Binden die Handgelenke ruinieren….

Früher war einfach mehr Herausforderung, grins…

Kat., der Dinosaurier unter den Krankenschwestern 😉

Liebe Kat.,

ach danke, mir reichts auch heutzutage an Herausforderungen.. die Patienten werden immer dicker und älter.. gerade gestern hat sich einer mit ca 100kg den Kopf aufgeschlagen ziemlich fies.. weil er probieren wollte, ob er nicht doch laufen kann.. was er nicht konnte..

Anstatt Quecksilber aufzusammeln, dürfen wir heute putzen.. z.b. das blutverschmierte Bad, weil die Putzfrau alleine für den OP, Kreisssaal usw zuständig war.. 😦 

Bei uns sind die Dinosaurier Krankenschwestern bald ausgestorben… bzw. sie werden krank oder berufsunfähig. Wer diese Arbeit in unserem Alter noch macht ist verrückt oder halt selber Schuld…. ich für meinen Teil plane aktiv die Flucht .

S.

Europa

Liebe S.,
das Beitragsbild ist von Sonntag, als es noch echt widerliches Wetter war. In Augsburg war Europatag, auf dem Rathausplatz standen viele Leute rum und machten Werbung für Europa. Ein Chor sang europäische Nationalhymnen, allerdings weiss ich nicht, warum mich bei sowas immer gruselt. Und gleichzeitg `ne Gänsehaut an mir runterschauert, huuuu….

Ein Wohlbeleibter Mann trug ein blaues Tshirt, über seinem Bauch prangten in gelber Schrift die Worte: „Ich bin Europa, Baby!“
Naja, dachte ich, dich hätte Zeus nicht ergriffen und woanders abgesetzt um einen Kontinent zu benennen!

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„Vertragen durch Verträge“, hmm, das ist auch ne komische Losung, oder?

Ich habe mich danach aber vorbildlich europäisch verhalten.
Ich hab meine Mentee getroffen( im Rahmen eines tollen Projekts, man hilft Menschen mit Einwanderungshintergrund oder Fluchtgrund, im Deutschen Arbeitsmarkt Fuss zu fassen.)
Ich betreue eine rumänische Krankenschwester, die so alt ist wie meine SchönsteTochter, und meine Aufgabe ist es im Moment, ihr zu sagen, das sie sich was zutrauen kann, weil sie super Deutsch spricht, und mit ihr Pflegezeitschriften zu lesen und über den Alltag in deutschen Kliniken zu sprechen. Denn ihre Anerkennung läuft noch, und ohne Anerkennung kein qualifizierter Berufseinstieg.
Auch das ist Europa!
Jetzt widme ich mich meiner Anerkennung, das bedeutet ich lerne jetzt! In zwei Wochen ist Prüfung! Und ich werde ein gutes Ergebnis vorweisen ! Yepp!

Liebe Grüsse Kat.
Ach ja, und morgen ist Internationaler Tag der Pflege! Ich bin dabei! ❤