?gebenedeit?

Liebe S.,

als ich vorgestern in deinen Beitrag über Maria das Bild mit der Kerze sah, war ich zuerst irritiert.
Das „Gegrüsset seist du, Maria“, das ist für mich sehr sehr katholisch. Mein JüngstLiebsterSohn musste letztes Schuljahr diesen Rosenkranz lernen und die Bedeutung der einzelnen Tage und Gebete für diese Tage,sie schrieben ein Schularbeit darüber …ich bin evangelisch, ich verstehe das alles nicht. Ich möchte das auch nicht alles lernen.
Gegrüsset seist du Maria, voll der Gnaden, gebenedeit sei die Frucht deines Leibes, gebenedeit bist du unter den Frauen….(Ich kann es doch!)
Das murmeln alte schwarzgekleidete Frauen in Dorfkirchen, wie in Trance wiegen sie sich und murmeln den Rosenkranz.
Gebenedeit, … als ich des Lateinischen noch nicht mächtig war, dachte ich, gebenedeit hiesse so was wie : geschlagen, gefoltert, wahrscheinlich weil ich dabei an Gebeine dachte. Gebenedeit aber bedeutet: Gesegnet.

Es gibt ein Buch von Oskar Maria Graf: Das Leben meiner Mutter .
Darin beschreibt Oskar Maria Graf unter anderem, wie seine hart arbeitende, kaum zum Schlafen kommende erschöpfte Mutter regelmässig in die Abendandacht zum Beten geht.
Er verstand nicht, wie sie es schafft,obwohl ihr die Arbeit bis zum Halse steht, in die Kirche zu gehen. Irgendwann ertappte er sie aber dabei, dass sie während der Andachten schlief. Es sei die einzige Zeit, in der sie zur Ruhe komme.
Beim Mariengebet konnte sie einfach schlafen.
Maria, Hüterin der Frauen.

Ach und ja….. Der Gedanke , das du in der Marienkirche für uns beide eine Kerze angezündet hast….das macht mir ein ganz warmes Herz. Danke!
Kat.

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Re: Black Hole Sucks

Meine liebe S.,
zum Glück gibt es ja Telefon und wir haben eben ein bisschen gesprochen. Es ist ein hartes Thema, ein schwieriges Thema, welches du oft aufgreifst, es beschäftigt dich sehr. Vor ein paar Wochen hab ich zu dem Thema einen Beitrag  geschrieben. Ich würde mich nur wiederholen, wenn ich dazu das sagen würde, was mir beim Lesen über diese schwarzen Löcher durch den Kopf gegangen ist.
Gestern kam im Radio ein Interview mit einem Journalisten, der um 1954 rum geboren ist, und dessen Eltern weiterhin dem Nationalsozialismus treu blieben. Er hat sich in der Pubertät dann komplett, aus reinem Protest, dem Sozialismus zugewandt und ist dann auch in die DDR gegangen, um dort zu studieren. Es war ein interessanter Radiobeitrag, im Grunde ging es um Rebellion, Auflehnung und dem Fertigwerden mit dem, was die Eltern falsch gemacht haben.Sich Lösen von den Eltern, eigene Fehler machen , dies erkennen und dann irgendwann sein eigenes Glück erobern.
Wie ist es heutzutage?
In dem Buch über das Innere Kind steht, das man auch Kinder falsch erziehen kann, wenn man es ZU GUT mit ihnen meint.Wenn man ihnen das Gefühl gibt, das sie übergeliebt werden, das Beste und Tollste sind, was die Eltern je produziert haben,  und dann wandern die Kinder in die Weite Welt und stellen fest, dass es nicht so ist, das sie jeder so toll findet wie die eigenen Eltern. Und dann, seufz, ist wieder die Mutter schuld, weil sie etwas falsch gemacht hat.
Aber trotzdem will ich als Mutter mich dagegen wehren, das die Mütter schuld sind, wenn was schief läuft. Ab einem gewissen Alter ist jeder Mensch für sich verantwortlich, und kann selbst dafür sorgen , wie es ihm geht.
Deshalb finde ich diese eine Methode von diesem Herrn Baer gut: „Ja, du hast Mist gemacht, mich verletzt, mir weh getan, usw. ABER es gab auch tolle Zeiten, erinnerst du dich? Ich erinnere mich…. „,…denn dann kann  ich drüber stehen mit einem Lächeln und einem Warmen Gefühl. Und mach mein eigenes Ding.
Heute kam von meiner Mutter eine Whattsapp Nachricht(es ging dem ein kleiner lustiger Wortwechsel voraus) : Alles Gute Mutti Bewundere dich!
Huuuh! Das tut gut und macht mein Herz warm.
Denk dran, auch du hast doch solche Situationen immer wieder. Das es schön ist und gut ist und liebevoll. Und irgendwann können wir lächelnd über ihre eingefahrenen Marotten hinwegsehen.
Wie ist die Botschaft des „Inneren Kindes“ ?Nimm es an die Hand, und zeig ihm, das du erwachsen bist und heil werden kannst.

Das war das Wort zur Wochenmitte. AAMMEENN. 🙂

Kat.

Von Müttern und Vergebung

Liebe S.,

von wegen, ich kann mich austoben, wenn du nicht da bist! Ich bin stumm wie ein Fisch gerade , was den Blog betrifft.Erstens fehlen mir deine Reaktionen und Ideen und zweitens hatte ich auch keine Zeit. Ostern war  und Mutter wurde 80. Stolze, aktive und liebevolle 80.
Ich habe darüber nachgedacht, was sich alles verändert hat im Laufe der Jahre, auch in dem Verhältnis zwischen ihr und mir.
Wenn ich mit anderen in den 1960 Jahren geborenen spreche, war unsere Erziehung geprägt von Kälte, wenig Liebe, Strafe, immer wieder sogar Schlägen. Kann man das vergeben? Mir haben sehr die Bücher von  Sabine Bode  geholfen, zu verstehen, warum alles so war. Meine Mutter ist nicht meine leibliche Mutter, das kommt noch hinzu, umso schwieriger war unser Verhältnis, besonders als ich in der Pubertät war. Ich hab mich aufgelehnt, gab Widerworte(allein dieses Wort!) , war rebellisch. Und sie hat mich abgelehnt. Sie sagte oft, sie habe nur eine Tochter, das war ihre leibliche. Es gab Zeiten da sprach sie nicht mit mir, wenn ich zu Besuch war. Sie kam nicht zu meiner Hochzeit. Heute ist sie erstaunt, wenn ich sage :“ Du warst nicht da“.Dann sagt sie: „Stimmt, warum eigentlich ?“
Vor einigen Jahren wurde mein Vater sehr krank, und da hat sich alles verändert. Sie rief mich oft an, und bat mich zu kommen. „Ich brauche dich“, hat sie gesagt. Ich bin damals alle 6 Wochen von Süden nach Norden gefahren, um da zu sein, um meinen Vater mit ihr zu begleiten.
Wir haben aber niemals über damals gesprochen, niemals über diese Demütigungen, die meine Erinnerung prägen, niemals über diese Ablehnung, die ich als kleines Kind so gespürt habe.
Verzeiht man einfacher, wenn man älter wird?
Und vergisst man, wenn man noch älter wird? Vergisst der Mensch vielleicht einfach auch , um sich selbst zu schützen, weil er sich dafür schämt, für das was er damals getan hat, als er jung und hilflos und überfordert war und nicht wusste, wie man überhaupt Liebe geben kann? Weil diese Generation unserer Eltern es selber nicht gelernt hat? Oder erfahren hat?
An ihrem Geburtstag stand meine Mutter da, klein und zart, aber stolz und aufrecht, und sagte zu den Gästen: „Und das“, sagte sie und deutete auf mich, „das ist meine Älteste Tochter.“

Ich sag dir was: da ging mir das ganz warm im Herzen runter und ich dachte, ja, so ist es .Und es ist gut so.

Immer noch ganz berührt…

Deine K.

Frauenwelttag, Gleichberechtigung und so…

Hallo, liebe S.,

Na, was macht die Kunst? Facebook sagt, heute ist Frauenwelttag. Letztes Jahr gab es irgendwann einen Männerwelttag und mein Arbeitgeber hat auf seiner Intranetseite Veranstaltungen „gepostet“, für Männer an diesem Tag, Workshop zum Zeigen der Emotionen, und „Männer im Beruf und Familie“, -heute am Frauenwelttag hab ich nichts auf der Seite gesehen für Frauen. Schade. Dafür kam eine SMS vom lieben lieben Mitbewohner, dass er mir alles Gute zum wünscht zum Frauenwelttag(danke ❤ ) und in der Zeitung las ich einen Artikel über Männer in der Türkei, die sich syrische Flüchtlingsmädchen als Zweitfrauen nehmen, worunter auch die Erstfrauen leiden, weil der Mann denen nämlich klar macht, wenn sie aufmucken, dann können sie gehen, denn schliesslich habe er ja eine Zweitfrau. Und Frauen in der Türkei seien meist abhängig von ihren Männern, und somit nicht in der Lage , gescheit aufzumucken. (Sorry, dass ich das so lapidar schreibe, es hat mich schlichtweg entsetzt)
Mein Facebook zeigt mir ganz viele Bilder von Frauen aus Syrien, aus Douma, aus Idleb, mit vielen Grüssen zum Frauentag. Da wird mir ganz komisch, denn ich sehe diese Frauenbilder und denke , was hast du dort auf dem Bild schon alles durchgemacht? Und du lachst fröhlich in die Kamera. Mein Respekt.
Fazit für mich: wir Frauen, die wir hier leben, haben ganz viel Glück. Glück, das wir Vorkämpferinnen hatten , die für das Frauenwahlrecht eingetreten sind. Glück, das wir in einem Land leben , in dem es selbstverständlich ist, das Frauen unabhängig von Männern leben und arbeiten können. Dass wir Frauen unser Leben so gestalten können, wie wir es wollen, denn das ist in so vielen Ländern dieser Welt immer noch nicht möglich.Sicher ist auch hier  noch nicht alles perfekt, Frauen haben  in Deutschland immer noch weniger Einkommen als Männer in Deutschland, das mag an der Gehälterschere liegen, das Frauen oft noch weniger verdienen als Männer, das mag daran liegen das Frauen immer noch vermehrt daheim bleiben um Familienzeit zu nehmen, das Frauen mehr Teilzeit arbeiten als Männer,… Es gint immer noch weniger Frauen in Führungspositionen als Männer…Ja.Es gibt noch viel zu tun.20160308_190058(1)

Meine SchönsteTochter hat vor 3 Jahren an einem Projekt der UniAugsburg mitgearbeitet, bei dem ging  es um , auf Deutsch: „Die geschlechtsspezifische Selbstwahrnehmung von Jungen und Mädchen in der Pubertät „. Gestern ist diese Studie als Buch erschienen. Ich hab ein bisschen drin gelesen eben, und erinnere mich, wie sie erzählt hat von ihren Interviews ,die sie mit den Jugendlichen geführt hat. Und wie überrascht sie war, dass diese herkömmlichen Rollenbilder, „Mädchen heiratet und kriegt Kinder“ und „der Junge ist erst ein richtiger Kerl, wenn er laut und bestimmend ist“, wie diese Rollenbilder doch noch so präsent sind in den Kindern.

Du hast im Blog von sweetkoffie kommentiert:KRASS. Meine Eltern haben 1976 entschieden.. nee datt wird nix mit Gymnasium.. “sie” will das ja alles gar nicht.. mit 12.. da wusste ich nur.. ich will es doch versuchen.. mit Nachhilfe..
Ja, bei mir war es ähnlich, mein Vater hat gesagt: Die muss nicht aufs Gymnasium, die bekommt eh Kinder und heiratet.Obwohl meine damalige Lehrerin sagte: Die Kat hat das Zeug für die Gelehrtenschule. Haha, so hiess das damals bei uns!  Gelehrtenschule! Gelehrtinnenschule wäre auch toll. Aber ich schweife ab.
Für meine Tochter (und für meine Jungs auch)hab ich gewollt, das sie ihren Weg geht , wie sie will, obwohl der Lehrer auch bei IHR zweifelte, dass sie es schafft, das Gymnasium, aber dann hat sie zu den wasweissichwelchen Besten von Bayern gehört im Abitur.

Wir müssen für uns und unsere Töchter kämpfen .Wir können doch stolz sein auf uns Frauen! Yepp! Wir wuppen das Leben.Und wenn wir einen Mann an unserer Seite haben der das mit macht…klasse!  Ob mit oder ohne Weltfrauentag.

 

Kämpferische  feminine Grüsse

Kat

 

Das Beitragsbild hab ich von einem sehr interssanten Artikel gemoppst, es sei mir verziehen. Aber ich find es so toll!Grusserles!

 

 

Tag 5 im neuen Jahr

Liebe S.,

auch auf die Gefahr hin , dass du denkst, ich bin hyperaktiv, egal!
Ich hatte einen so schönen Tag heute und wir wollten uns doch immer die schönsten 3 Dinge, die uns passiert sind, jeden Tag aufschreiben.
Ich war heute in M. DSCF8039
Die Jungens abholen zum Kino und den Jüngsten dann mit heimnehmen wieder nach A.. Und!!! Es hat zum ersten Mal nach Jahren keine Traurigkeit in mir ausgelöst, als ich in der Wohnung war, in der ich so lange  als „heile“ Familiegelebt habe . Du weisst, dass ich sonst immer noch sehr aufgewühlt von diesen Treffen wieder in mein zu Hause gefahren bin.
Ich bin mit meinen Lieblingssöhnen in die Stadt gefahren, wir waren eine Kleinigkeit essen DSCF8042und dann im Kino. Und es ist wunderbar, obwohl sie erwachsene bzw. fast erwachsene  junge Menschen sind, Zeit mit ihnen zu verbringen.
Wir haben uns Das brandneue Testament angesehen. Ein Film, der sehr lustig war, zwischendrin doch einige Längen aufwies, mich aber trotzdem ziemlich nachdenklich gemacht hat. Was täte ich, wenn ich wüsste, wann meine Lebenszeit ablaufen würde?

Auf der Rückfahrt dann mit dem Jüngsten im Auto, und S., ……   ich liebe es, wenn er seine Musik in den CD Kasten schiebt und mir vorspielt, was für ihn wichtig ist. Dieser Musikant hier zum Beispiel. Und wenn ich dann mit ihm seine Musik höre, dann bekomme ich kleine Einblicke in das , was ihn bewegt und beschäftigt.

Und ausserdem kann ich endlich, obwohl mit genügend digitalem Nichtwissen ausgestattet ( 😛 ) von meinem FotoapparaDSCF8046t Bilder auf meinen Laptop schicken und dann hier in diesen Blog einfügen.

Noch ne fotografische Kostprobe?
Das sind richtig gemalte Kinoplakate, sowas hab ich ewig nicht mehr gesehen!

Tja, das war also ein wunderbarer Tag. Und ich hab beim Wegfahren nicht vergessen, den Herd auszumachen, grins, obwohl ich nach 60 km kurz davor war wieder umzukehren, weil ich mir nicht sicher war, ob ich die Suppe auf der Herdplatte hab brennen lassen.
So dusselig bin ich also nun doch nicht.
Mit dieser beruhigenden Erkenntnis verabschiede ich mich! Hab einen schönen Abend!

Deine K.

Mütter und Quitten

Liebe S., ich muss das jetzt schon schreiben mit den Quitten, wer weiss was morgen ist. Aber hier gibt es ja eine Einstellung ,das man das später veröffentlichen kann. Eigentlich sollte unser Blog ja so sein, das wir uns gegenseitig antworten, aber vor lauter Weihnachtstrubel gelang das die letzen Male nicht, mir kommt ja auch immer soviel in den Kopf.

Also, zu deinen Quitten. Und zu Müttern…

Erstens, ja! Mütter habe immer Recht! Mütter wissen IMMER, was gut ist! Und wenn nicht, „probier es wenigstens!!!!“(solange, bis das Kind den Rosenkohl, der doch so gut ist, wieder rauswürgt. Mittlerweile aber liebt dieses Kind Rosenkohl, genau wie ich) .
Und das Kind? Nun, entweder es entspannt sich und denkt, Quatsch du nur, oder es regt sich auf,und das führt dann zu gesunden Konflikten(Nachkommen müssen rebellieren, sonst gäbe es keinen Fortschritt).

Das dazu. Nun zu Quitten! images
Ich persönlich liebe Quitten. Früher machten meine Schwiegereltern Quittenbrot zu Weihnachten, den Saft der Quitte solange kochen bis er zäh war, dann auf ein Blech im Ofen trocknen, bis das wie Fruchtgummi wurde, in Zucker wälzen, dann auf dem Weihnachtsteller. Wunderbar!

Ich hab mal in M. im Pflegedienst gearbeitet. Ich betreute eine Frau H., die in einem grossen Haus lebte mit einem grossen Garten. In diesem Garten wuchsen Quittenbäume. Im Herbst roch es nach Quitten. Quitten duften. Sie duften fruchtig, satt, leuchtend. So empfand ich es. Ich erzählte ihr vom Quittenbrot. Daraufhin bekam ich 4 Jahre lang im Herbst Quitten. Körbeweise. Ich stellte mich in meine Küche und verarbeitete sie, diese pelzigen harten Früchte. Ich kam mir vor wie im Mittelalter, wenn man für den Herbst die Früchte der Erde und der Bäume haltbar gemacht hat. Dann brachte ich Frau H. Quittenbrot mit. Sie freute sich. Wir sassen in ihrer Küche, sie in ihrem Rollstuhl, unter dem Herrgottswinkel, und wir sprachen über vieles.

Nachdem ich dann nach A.gezogen war, kam 2 Jahre später eine Traueranzeige an mich, von ihrer Tochter. Sie wollte mir sagen , dass ihre Mutter verstorben war, weil ihre Mutter immer wieder von mir erzählt hatte.

Und deshalb, S. , mag ich Quitten.Vielleich auch nur, weil es diese Geschichte und diesen Menschen dazu gibt.
Alles liebe
K. wie Kwitte 😛images