Vom Handeln und Feilschen

Huuu, liebe S.,

ich wäre so gerne in der Lage, zu feilschen, zu handeln, zu verhandeln,… aber ich kann das nicht.
Das wurde mir heute wieder klar, als ich auf Raten meiner LiebstenSchwester eine bunte  Handtasche einer Modefirma (von der mir übrigens nur die Handtaschen passen, der Rest ist für zarte Spanische Flamencotänzerinnen gemacht) , also als ich auf Raten meiner Schwester diese Tasche in ein KleinanzeigenVerkaufsportal stellte.
Kurz nach Einstellung kamen Fragen:
Kann man verhandeln? Klar.
Versand möglich? Was kostet?Viel!
Was hat gekostet Tasche neu? Hmm…Weiss nicht….

Naja, weiter ist nix passiert, aber leider hatte ich mich schon gefreut, ein paar extra Penunsen zu haben, denn die Interessentin klang interessiert.

Deshalb hasse ich es auch auf Flohmärkten zu verscherbeln. Da gucken sie interessiert, nehmen in die Hand, legen zurück, und ich denk: Kaufts doch, liebe Leut! Dann preise ich an: „Handgemacht, Unikate!“(mein selbstgenähtes Zeug) oder :“heissgeliebt als die Kinder klein waren!“ (Tragesack Snuggli, damals fast unerschwinglich, Lego, Playmobil, Stofftiere….) .
Stirnrunzeln der Interessentenseite: „Kriegst du ein Euro!“
„Wie bitte??? Nix da!“
„Markt fast vorbei, willst du heimschleppen das Zeug?“
„Ja,“ grummle ich böse. „dann schlepp ich das gerne heim wieder. “
Interessent zieht ab. Nächster Interessent, für einen Geschenkband von A.H. , Hochglanz, Hartcover, TEUER gewesen. „Ein Euro!“

Man, bin ich denn eine EinEuroshopin? RudisResteRampe?KatsKrempelKatastrophen?

Weisst du, ich nehm tatsächlich mein Zeug dann wieder mit. Und verschenke es an Leute , die es zu schätzen wissen.
Und diese Tasche für FlamencoElfen, die schenk ich dann meiner LiebstenSchwester, denn ihre Freude ist mir dann 1000mal lieber als dieses Getue von Leuten, die meine Schätze nicht zu schätzen wissen. Und wenn jetzt einer sagt, Schätze verkauft man auch nicht- das stimmt! Aber auch NichtSchätze haben wert, wenn sie kein Schrott sind.

Was meinst du? Kannst du verhandeln?
Liebe Grüsse Kat., nicht Bazarfähig

 

P.S.: Gehalt muss man auch verhandeln. Und da scheitere ich auch . Leider. Deshalb wäre Krempel verkaufen eine Möglichkeit….. Hmmm…..

Advertisements

Wiedersehen

Liebe S.,

Dieser kleine Dackel lag auf dem Fensterbrett bei meiner Schwester.DSC_1636(1)

Als ich klein war, hatte er seinen Platz auf der Mahagonikommode meiner Grosseltern. Sein Fell, auf dem er lag, war weich und flauschig, sein kleiner Bronzekörper kühl, glänzend und glatt. Auch dieser Waldi ist in die Jahre gekommen, früher fühlte sich sein Fell weicher an als jetzt. Aber es war schön, ihn wieder zusehen.

So wie auch dich am letzten Wochenende!
Hamburg ist einfach wunderbar! Danke für alles! Kat.

zweihundertsechsundvierzig

Seiten hat dieses schöne Buch, liebe K. Ich bin erst auf Seite 78
und wage schon jetzt zu sagen, daß es leicht und schön geschrieben ist.
Vom Wassertheater hatte ich vorher noch nie gehört, aber vietnamesische Geschäfte in Berlin.. die habe ich Ende der 80ger gesehen. Und nun im Rückblick und unter dem Eindruck dieses Buches in einem anderen Licht. Sehr schön !

Bis bald
grüsst dich
S.

Aufschieberitis

Liebe K.,

ich bin gespannt auf den Besuch, die Überraschung und deine Karteikarten..

Diese Tulpen habe ich an Ostersamstag gekauft.. sie sind immer noch schön.. hatten ja auch keine langen Anfahrtswege.. aus dem Alten Land  … sind die..

 

Dieses kleine Blatt im Vordergrund sieht so aus, als stütze sie sich den Kopf… seufz.. ich tue das auch… in Gedanken…

 

Und ich habe Aufschieberitis  auch Pro kras tination genannt.. so krass ist das.. 🙂 und so in etwa sieht es hier auch aus.. hoffe du verschrickst nicht.

Wenn du da bist müssen wir uns mal über dieses= blogding= hier unterhalten.. wie weiter und ob.. ich hab da so meine Gedanken dazu..

Gute Reise dir

bis mooooooorrrgennnn

S.

Reisefertig

Liebe S.,

damit die Zeit im Zug morgen auf der Reise zu Dir nicht ungenutzt vergeht, hab ich meine Karteikärtchen zur Wissensfestigung heute reisefertig gemacht.

Und stell dir vor: meine Farbstifte sind leer. Das ist mir noch nie passiert, meistens sind sie ausgetrocknet, aber das ich sie geleert habe, das hatte ich so noch nie! Nun weiss ich also, das ich äusserst fleissig war und es hat Spass gemacht, alles bunt zu markieren und farbig zu unterstreichen. Ob es auch den Weg in mein Hirn findet? All das nutzvolle Wissen, was ich am 22. Mai abrufen muss? Vieleicht ist es schon drin, aber noch nicht bereit,sich abrufen zu lassen?

Jedenfalls sind meine Handgelenke taub, mein rechter Mittelfinger hat Schreibschwielen, und ich freu mich wie verrückt, dass ich eine kleine Reise unternehme, um dich und andere liebe Menschen zu sehen!
Wenn Leerlauf ist, hole ich den kleinen Karteikartenordner raus und lese ein bisschen über Qualitätsmanagement, Pflegeforschung,Alkoholentzugssymptome, Krisenintervention, Krankenhausfinanzierung, Assessments,Burnout und Gewalt in der Pflege.
Und wenn kein Leerlauf ist, hab ich den kleinen Ordner auf alle Fälle dabei gehabt, und brauch kein schlechtes Gewissen haben, dass ich nix getan hab im Urlaub!
Wie nennt man sowas? Sich selbst was vormachen?Grins…
Morgen mittag sitz ich im Zug, ich fahre Erste Klasse, denn das bin ich mir wert! 😉
Servus! Bis morgen abend, meine liebe Freundin! Und ich hab ne Überraschung für dich! Freu mich auf dein Gesicht!

Kat.

Karfreitaggottesdienst,…

…aus einer schönen alten evangelischen Kirche zur Sterbestunde Jesu…..

Liebe S.,
ich war im Gottesdienst. Ich hatte heute das Bedürfnis dazu.

Karfreitag hab ich immer zelebriert , in dem ich „Jesus Christ Superstar“ angehört hab, dieses Musical, und da gibt es dann die Szene, wo der Hammer klopft und „Jesus “ ruft: „My God, why have you forgotten me!“ Da hab ich dann immer geweint. Dieses mal aber dachte ich mir: Ich brauch einen Gottesdienst, ich, die evangelisch- lutherisch getauft ist und laut meiner Mutter katholischer als der Papst ist. Weil ich dieses ganze Weihrauchgedöns und Gebimmel so mag und vor allem! weil wir in München so einen tollen katholischen Pfarrer hatten, der mich sogar in den Pfarrgemeinderat berief, obwohl ich evangelisch bin, weil dem Herrgott ist es egal, ob katholisch oder evangelisch.

Gut, also heute: Alte evangelische Barockkirche im Herzen Augsburgs.(Die Katholen feiern den Karfreitag nicht so.)
Ich wollte eine alte Kirche, da ist mir ein bisschen heiliger als in diesen modernen kühlen Gotteshäusern.

Der Pastor trug einen schwarzen Talar mit weissem gefälteltem Kragen. Der war sauber, der Kragen und der Pastor begrüsste jeden Besucher mit Handschlag. Mich nicht, denn ich witschte vorbei, ich wollte ihm noch nicht die Hand geben, ich kannte ihn ja nicht. Dann kam er später und verteilte Kissen. Damit der Gottesdienst nicht so hart wird, hat er gegrinst.
Derweil betrachtete ich die bedrohlich dunklen Gemälde an der Kirchenwand.

Das Orgelspiel begann, es war kurz vor drei .Die Sterbestunde Jesu ist um 15.00 genau.
Es begann mit leichten sanften Tönen, und um drei Uhr ertönte die Orgel mächtig, gewaltig, mit Disharmonien, es brauste und tobte und sauste, und dann schlug die Uhr im Gotteshaus mit leichtem glockenhellem Klang erst vier, dann drei mal, und die Orgeltöne wurden wieder leicht und wehmütig.
Toll.

Ich beobachtete die Leute.
Eine Grossmutter wollte mit ihrem Enkelkind auf die Toilette, aber sie schaffte es nicht, die schwere Kirchentür zu öffnen. Da huschte eine junge Frau zu ihnen hin, und drückte die schwere Klinke hinunter und öffnete die Tür.
Während einer feierlichen Orgeleinlage wollte der Küster mit dem Klingelbeutel losgehen,aber der  Pastor(oder sagt man in Bayern auch zu einem Evangelischen Pfarrer?) hat abgewinkt, und geflüstert: Jetzt nicht, passt nicht.

Der PastorPfarrer begann  seine Predigt , und ich fand irgendwie Trost in den Worten. Er sprach vom Zusammenrücken in Katastrophenstunden, vom sich-aufeinander-besinnen in der Not , und ich dachte, ja, das passt.
Er verlas den 22. Psalm: Mein Gott ,warum hast du mich verlassen? Und das ist der , der mich so anrührt, denn das macht Jesus so menschlich in meinen Augen. Dass Jesus zweifelt und Angst hat, wie wir alle.

Dann sang die Gemeinde mit dünnen Stimmen unbekannte Lieder, vom GolgathaFelsen und ich dachte daran, wie ich da letztes Jahr stand , an diesem Felsen in der Geburtskirche in Jerusalem und mir so gar nicht heilig war dort.

Dann erschallte erneut die Orgel, es wurde der Segen gesprochen und beim Hinausgehen gab ich dem PastorPfarrer die Hand und er wünschte von ganzem Herzen einen gesegneten Feiertag.

Das wünsche ich allen und dir vor allem auch!

DSC_1443

Liebe Grüsse Kat.

(Ach ja, nur zur Info: Im Evangelischen legt man mehr wert auf das Sterben Jesu als auf die Auferstehung. Die zelebriert man im Katholischen mehr. So ist das. Weisste Bescheid. Deshalb bin ich gerne beides. Sozusagen Ökumenisch 😉 )

Vom Sich-grün-sein

Liebe S.,
Wenn man sich nicht grün ist…. Gründonnerstag ist heute…wenn man sich nicht grün ist, mag man sich nicht.
Wenn man niemanden hat, mit dem man sich grün ist, ist man alleine. Wieviele Menschen gibt es, die sich nicht grün sind? Die es nicht schaffen, in Freundlichkeit aufeinander zuzugehen, die immer wieder  alte Verletzungen ausgraben, die alte Geschichten erzählen,… Wieviele Menschen gibt es,  die einander nicht verzeihen können?
Irgendwie denke ich manchmal, ich bin harmoniesüchtig, denn ich ertrage es nicht, Streit zu haben, oder Schweigen auszuhalten.
So ein ungutes Schweigen, weisst du. Ich muss das klären, wenn es Streit gab, denn ich denke immer: Was ist, wenn der oder die oder ich nicht mehr zurückkomme?
Weil man vom  Säbelzahntiger angefallen wird, oder von einer Erdkuhle verschluckt wird? Dann bleibt dieses Gefühl des nicht Vergeben-habens ein Leben lang bei mir oder dem anderen.

Deshalb plädiere ich für Frieden! Vertragt Euch!

In meiner Verwandschaft ist jemand gerade verstorben, mit diesem „Nicht-Frieden- geschlossen-haben“ und das betrübt mich gerade sehr. Denn ich sehe, wie der, der am Nicht-Vergeben beteiligt war, leidet.

Wenn ich meinen Tag beschliesse, dann muss alles gut sein.
Ich möchte einschlafen mit dem Gefühl, das es nichts Unausgesprochenes gibt, denn wer weiss, vielleicht holt mich die grosse Schwester des Schlafes und ich kann nichts mehr klären? Klingt vielleicht bisschen neurotisch, und ich weiss auch um meine Gründe ,weshalb das so ist, aber das schlechteste ist es nicht.Find ich…Sich grün sein…

Grün ist immerhin eine meiner Lieblingsfarben!

Und jetzt tu ich Eier färben,das mach ich IMMER am Gründonnerstag, das ist meine Tradition, aber ich färbe die nicht nur grün, sondern BUNT.
Alles Liebe
Kat.

Gewesener Sonntag im Norden

Liebe K.,

kaum wird’s warm rennen sie los.. ich weiss.. denn die ZNA wurde hier bei uns u.a. auch von solchen Kandidaten heimgesucht.. Wadenschmerz, Muskelfaserriss, verstauchte Füsse , Kopfplatzwunde nach Sturz beim Joggen im Wald.. nun brichts aus.. wie so manches mehr bei Sonnenschein im Frühling… haaatschiiiiii

In Lissabon gab es dieses tolle Werbeplakat.. ach.. ja.. jedes  Land hat ja ne andere Werbung, deswegen mag ich auch die „Cannes Rolle „mit all den Werbungen des Jahres so gerne… kicher..

Zu D.T. fällt mir nix mehr ein.. als — ich glaub es nicht-… kreisch

Und Tina Teubner., die mag ich auch total gerne.. mir fällt bei ihr eine Zeile eines ihrer Lieder ein :—“ ich bin so klein, dass ich beim Küssen den Himmel sehen kann..“ — weil sie den Kopf in den Nacken legen muss. ..

ich habe sie 1998 oder 99 zum ersten Mal in der Schweiz gesehen.. ihr Programm hiess damals „Nachtwut“.. ich ging hin wegen des Titels, und freute mich diese tolle Chansonniere gefunden zu haben.. 🙂

Haaatschiiiiiiiiii

jetzt ist Feierabend , auch mit im Garten Gezupppel und so.. näh…

schönen Abend allerseits

S.

 

 

Sonntagmorgen in der Provinz

Liebe S.,

Sonntagvormittag.
Ich sitze sehr gemütlich auf meiner Terrasse , lese Zeitung.
Ich lese vom Angriff  des amerikanischen Präsidenten auf dieses Lager in Syrien, weil er -laut SZ-, erschüttert über den Giftgas-Tod dieser „beautiful babies“ war.
Hallo, Mr. President, der Krieg geht jetzt schon einige Jahre! Muss da, weil man einen Anflug von Rührung kriegt, so nebenbei bisschen geschossen werden, und dann geht man wieder fein zum Essen mit dem Chinesischen Staatsoberhaupt, dessen Frau so eine schöne Stimme hat?
AAArrrgghhh, diese beknackte Oberflächlichkeit! Das er nicht nebenbei noch ein paar russische Militärangehörige getroffen hat, und dann ein Atomkrieg losbricht-Schwein gehabt, wir alle!YEP!DSC_1402

Und so verspeise ich gemütlich, aber erschüttert, meine Semmel, lese weiter die Zeitung und mache mir so meine Gedanken zum Weltgeschehen.
Da werde ich aufgeschreckt durch keuchende Laute und Getrappel auf der ehemaligen Bahnstrecke hinter dem Garten. Massen an schanufenden joggenden Menschen ziehen vorbei , wippende Pferdeschwänze, Gespräche:

huuh, ich mach das jetzt öfter,-schnaufschnauf- guck mal-lufthol– ich – schnauf– ich finde-schnauf– morgen machen wir das wieder….“

„Ne-schnauf-nein- morgen –keuch-machen wir Pause- schnaufschnauf– man soll nicht- keuch– jeden Tag-……“
Flockigen Schrittes werden die Damen überholt von einem tänzelnden Angebertypen Mitte 40 : „Nun die Damen, nicht so viel reden, dann klappt das auch mit der Fitness“ und der Angeber springt davon.
Der Pferdeschwanz hüpft jetzt nicht mehr so lebhaft. Ein älterer Herr radelt an den Damen vorbei, auf dem E-bike: „Nicht entmutigen lassen, Mädels!“ sketch-1491727657136

Sirrrrr, entschwindet er aus dem Blickfeld.

Tja, so ist das Sonntags in der Provinz.
Dazu fällt mir was von  Tina Teubner ein:

„…Wenn die Evolution will, das der Mensch hektisch durch Parks rennt, hätte sie mehr Löwen reingestellt. Aber das will die Evolution nicht. Die Evolution will,das der Mensch sich ausruht…..“

 

In diesem Sinne einen geruhsamen Sonntag!

Umärmelung
Kat.

Alt-werden

Liebe S., ich musste heute so lachen:

Ich steh im Bio-Supermarkt und bemerke , wie mich ein ur-ur-alte Dame anschaut und mich anlächelt.

In meinem Kopf rappelt es: Kenn ich die aus meiner Pflegdienst- Zeit? Hatte ich sie als Patientin , Zustand nach Schenkelhalsfraktur, oder war das die Ehefrau eines Herzpatienten?
„Entschuldigung“, sag ich zu ihr, „woher kennen wir uns ?“

„Na“, sagt sie, „unsere Söhne waren doch zusammen im Kindergarten!“

Ich hab innerlich laut aufgelacht, wann denn? 1938?

Aber ich sag: „Ja, wie geht es Ihnen denn?“

„Ach,“ sagt sie, „bis auf das alt werden ist alles gut. Wo ist denn bloss die Leinsaat? “

Sie ergreift ihren Rollator und schnappt sich einen Beutel getrocknete Kichererbsen, lächelt mir zu und verschwindet im nächsten Gang.

Eigentlich hätte ich sie umarmen sollen.

Liebste Grüsse deine  Ur-ur-ur- alte Morla-Kat.