Das Schweigen brechen oder : Die Hoffnung ist grün

Liebe S.,
das ist jetzt politisch. Ich habe gestern auf Arte eine Sendung gesehen:
Re: Breaking the silence.
Als ich letztes Jahr in Israel war, bin ich mit einigen Aktivisten einer anderen Friedensorganisation (combattants for peace)in Kontakt gekommen und war beeindruckt von deren Arbeit für den Friedensprozess zwischen Israel und Palästina.
Nun sah ich zufällig gestern auf ARTE diese Sendung- es ist tatsächlich so, das Breaking the silence polarisiert, auch wohl bei den in Israel arbeitenden Friedensorganisationen. Nichtsdestotrotz ist Aufklärung notwendig:

Breaking the silence gibt ehemaligen Israelischen Soldaten die Möglichkeit, über ihre Einsätzen in von Israel besetzten Palästinensergebieten zu sprechen (Arte)

Wen näheres interessiert, kann diese Sendung noch 4 Wochen lang in der Mediathek ansehen.

Aber worüber ich hauptsächlich schreiben möchte, ist über eine Szene, die am Ende der Reportage (Minute 28) läuft:
Der Leader der Organisation, Yehuda Shaul,  ist mit dem Reporterteam in Hebron, er spricht, wie ich finde bewegt, über das was er in Hebron erlebt hat, und dann fährt ein Auto mit israelischen Fahnen vorbei , hält an, ein Mann steigt aus, hält sein Handy vor sich, filmt  Shaul, stellt Fragen, auf Hebräisch und Englisch, und filmt und filmt mit seinem Handy, während der Shaul zur Seite schaut, versucht nichts zu sagen, und ich bin wie gelähmt davor gesessen, und dachte: Was für ein Hass, und was für eine Stärke von Shaul, sich nicht provozieren zu lassen. Nicht zu sagen:Komm, Alter, pack dein Handy weg!
Er ist berührt, meine ich, bis die Reporterin sagt: Komm , lass uns gehen! da kann er : Yallah sagen und weggehen, während der andere in sein Auto steigt und mit wehenden Fahnen davon braust.

Viele Fragen stellen sich mir: Was ist das für eine Gesellschaft, die versucht zu dokumentieren was geht? Der wird seine kleine filmische Leistung bestimmt ins Internet gestellt haben. Wo bleibt die Privatsphäre? Sicher ist Shaul eine öffentliche Person und rechnet damit, immer im Kreuzfeuer der Öffentlichkeit zu stehen. Trotzdem!Welch ein Mut gehört dazu, nicht aufzuhören, weiter zu machen, auch wenn du angefeindet wirst.

Er sagt einen guten Satz :

„Ich möchte mir am Ende des Tages in den Spiegel schauen können. Und wenn wir das Schweigen nicht brechen, dann erfährt es niemand. „

S., ich wäre manchmal auch gerne so mutig, denn es gibt so viel, was wir erzählen könnten, und was geändert gehört,….
Ich lese gerade von Hannah Arend :“Über das Böse“, und genau darum geht es immer wieder:
Nicht wegschauen, hinsehen, aufstehen, laut werden, und sich nicht nur kurz wundern, warum, wie Arend schreibt, erlernte moralische Prinzipien plötzlich nicht mehr gelten, der Bürger  kurz irritiert ist, sich wundert, aber weil die Gesellschaft es okay findet, plötzlich anders -unmoralisch-zu handeln, der Bürger da einfach mitmacht. „Machen ja schliesslich alle so, also ist es auch okay, wenn ich da mitmache“.
Nee, nee, so will ich niemals sein!

Und ja, grün ist ne schöne Farbe, wenn auch nicht unbedingt in diesem Retrostyle, aber Grün ist Hoffnung.
Alles Liebe Kat.

Sonntagmorgen in der Provinz

Liebe S.,

Sonntagvormittag.
Ich sitze sehr gemütlich auf meiner Terrasse , lese Zeitung.
Ich lese vom Angriff  des amerikanischen Präsidenten auf dieses Lager in Syrien, weil er -laut SZ-, erschüttert über den Giftgas-Tod dieser „beautiful babies“ war.
Hallo, Mr. President, der Krieg geht jetzt schon einige Jahre! Muss da, weil man einen Anflug von Rührung kriegt, so nebenbei bisschen geschossen werden, und dann geht man wieder fein zum Essen mit dem Chinesischen Staatsoberhaupt, dessen Frau so eine schöne Stimme hat?
AAArrrgghhh, diese beknackte Oberflächlichkeit! Das er nicht nebenbei noch ein paar russische Militärangehörige getroffen hat, und dann ein Atomkrieg losbricht-Schwein gehabt, wir alle!YEP!DSC_1402

Und so verspeise ich gemütlich, aber erschüttert, meine Semmel, lese weiter die Zeitung und mache mir so meine Gedanken zum Weltgeschehen.
Da werde ich aufgeschreckt durch keuchende Laute und Getrappel auf der ehemaligen Bahnstrecke hinter dem Garten. Massen an schanufenden joggenden Menschen ziehen vorbei , wippende Pferdeschwänze, Gespräche:

huuh, ich mach das jetzt öfter,-schnaufschnauf- guck mal-lufthol– ich – schnauf– ich finde-schnauf– morgen machen wir das wieder….“

„Ne-schnauf-nein- morgen –keuch-machen wir Pause- schnaufschnauf– man soll nicht- keuch– jeden Tag-……“
Flockigen Schrittes werden die Damen überholt von einem tänzelnden Angebertypen Mitte 40 : „Nun die Damen, nicht so viel reden, dann klappt das auch mit der Fitness“ und der Angeber springt davon.
Der Pferdeschwanz hüpft jetzt nicht mehr so lebhaft. Ein älterer Herr radelt an den Damen vorbei, auf dem E-bike: „Nicht entmutigen lassen, Mädels!“ sketch-1491727657136

Sirrrrr, entschwindet er aus dem Blickfeld.

Tja, so ist das Sonntags in der Provinz.
Dazu fällt mir was von  Tina Teubner ein:

„…Wenn die Evolution will, das der Mensch hektisch durch Parks rennt, hätte sie mehr Löwen reingestellt. Aber das will die Evolution nicht. Die Evolution will,das der Mensch sich ausruht…..“

 

In diesem Sinne einen geruhsamen Sonntag!

Umärmelung
Kat.

„… was wird aus den nicht-gelebten Sachen…“-oder: nie mehr Prinzessin

Liebe S.,

„was wird aus den nicht-gelebten Sachen?“-ich weiss es nicht.
Manche Träume kann ich weiter tragen und weiter leben, weil ja immer noch Zeit bleibt. Ich träume zum Beispiel davon, Kanada zu bereisen, den Osten, Toronto, Ontario. Ich träume davon, an einem dieser grossen Seen zu sitzen, auf das Wasser zu schauen, dann kommt einer mit dem Kanu und lädt mich ein, mitzufahren, durch das Wasser zu gleiten, an den Inseln vorbei, vorbei an alten mystischen Stätten,…(der Hüter der Trommel)
Zu meinem 40. Geburtstag schenkten mir meine Kinder einen Reiseführer: Kanada, der Osten.Und eine Karte mit einem Ahornblatt, selbstgemalt. Für deinen Traum, liebe Mama.

Was ist aber, wenn dieser Traum real wird? Ist Kanada danach dann immer noch so verheissungsvoll? Oder hat es seinen Reiz verloren?
Manche Träume frisst sicher die Zeit auf, wie den Traum nach einer Familie, den Traum nach einer intakten Partnerschaft, nach einem eigenen Häuschen, nach einer Führungsposition im Beruf. Oder nach einem elfenhaften Dasein.

Manche Träume aber kann ich weiter träumen und vielleicht werden sie real. Irgendwann.

Audrey Hepburn, ja, so wäre ich auch gerne gewesen.Oder Sophie Marceau, oder die Amelie aus diesen französischen Filmen. Was reizt mich daran, so sein zu wollen? Ich bin doch gerne ich, bodenständig, kraftvoll, zupackend, und so bist du doch auch. Dass sie dich nicht liessen, oder das du so nicht sein wolltest,…rosazart, hmmm….Stecken in uns zwei Frau-sein-Möglichkeiten? Müssen wir in unserer heutigen Zeit so doppelbildig sein? Auf der einen Seite zart, anschmiegsam, hilflos, auf der anderen Seite zupackend, initiative-ergreifend, im leben stehend, … ich weiss es nicht.

Bei den Spielen im Wald mit meiner jüngeren Schwester war ich immer der Prinz, der sie gerettet hat. Ich wäre so gern auch mal die Prinzessin gewesen, aber dazu war sie, die Schwester, zu zart und zu schmal und ich zu kräftig. Also hab ich sie gerettet.
Und wurde so zu der, die ich bin, unter anderem.
Ach ja, und als im Kindergarten des JüngstliebstenSohns ein Theaterspiel der Eltern für die Kinder anstand, es hiess „Der Waldmensch“, wurde die Rolle des verwilderten Waldmenschen, der der Prinz war, na rate mal-wem zugeschoben? MIR! Ich hab das Video letztens wieder angesehen, und so schlecht war ich nicht in der Rolle des grollenden brummenden Waldmenschen.

Und noch was: ich hatte eine kurze Zeit in meinem Leben einen Partner , für den ich die Prinzessin war, und ich sage dir: Es hat mich kolossal genervt!DSC_0070

Lieber Rebellin als Prinzessin!
Morgen gehts nach England, ich hab den Koffer schon gepackt, mit ganz viel Senfgläsern drin für die englische Freundin. Und für dich bring ich was Schönes aus Glastonbury mit.

Bis in 2 Wochen! Kat.

Bittersweet Symphony

Liebe S.!
Familienausflüge an schöne Orte machen Spass,Sonntagsnachmittagsspaziergänge,  plaudernd läuft man über Wege, man lacht miteinander,  man spricht miteinander. Das ist schön. Aber heute war mir der Sinn nach Alleinsein. Allein ein Ziel anstreben, nicht nur einfach mal ne Runde durch den Wald laufen, sondern an einen besonderen Ort fahren. Einen Ausflug machen. So bin ich dann in den Botanischen Garten gefahren.

Schonwie mich die Kassierin angelächelt hat, hat mich fröhlicher gemacht. Ich bin nämlich im Moment sehr erschöpft und müde.
Erst hab ich mir im Biergarten eine Bratwurst gegönnt.
Eine Gruppe älterer Damen war ebenfalls dort, sie haben dort zu Mittag gegessen, und sich darüber unterhalten wie sie Kartoffelpuffer zubereiten.Die eine isst Kartoffelpuffer am liebsten mit Remoulade, die andere mit Apfelmus. Sie bestellten sich ihre Currywurst, ihre Kartoffelpuffer und ihre Sauerkrautwürstel und unterhielten sich.Gerti und Traudi und die Erika, und sie haben laut gelacht dabei.
Das fand ich schön. Ich fand es schön, ihnen zuzuhören und zu sehen wie sie aufeinander achten.
Später kamen die Gärtner und assen ebenfalls zu Mittag, auf Personalkasse.
Ich hab überlegt, ob ich vielleicht Gärtnerin  werden sollte.Mit  der Erde arbeiten, mit den Pflanzen, später zu sehen, was meine Arbeit bewirkt hat, wie alles blüht. Das macht vielleicht nicht so traurig(Typische klimakterische depressive Verstimmungsattacke gerade, würde ich sagen, seufz….)
Zum Abschluss hab ich mir noch Eis gekauft, wenn schon denn schon.
Ich setzte mich damit  in eine Pergola, die ganz überwachsen war mit Geissblatt , und hab den Hummeln beim Summen zugehört.
Später bin ich dann  ganz entspannt über  die Wege gegangen, hab den Rosen beim Blühen zugeschaut, dem Wasser im japanischen Garten beim Fliessen, und den Karpfen im Teich  beim Luftschnappen.
Jetzt, zu Hause, habe ich bittersüsses Gelee gekocht, aus Limonen und Pfefferminz, ich bring dir ein Glas mit, im September, wenn ich dich besuche,  und gerade denk ich, bittersweet ist meine Stimmung. Herrje.
Draussen jagen die Wolken über den Himmel, die Äste schleudern hin und her an den Stämmen, aber ich hab schöne Bilder gemacht.Im Botanischen Garten.
Schau:

Morgen ist alles wieder richtig gut.Heute hab ich ja schon damit angefangen. 😉
Deine K.

Von der Kornmuhme und anderen Naturgeistern

Liebe S.,

ich hab jetzt auch Urlaub, 2 Tage, grins..
Eben hab ich noch gearbeitet, und Mittwoch geht es weiter, aber ich wurde fröhlich mit den Worten verabschiedet: Schönen Urlaub! Ich mag meine Kolleginnen sehr 😉

Vor der Arbeit hab ich heute kurz eine Pause an einem Kornfeld gemacht und hab dem Mohn beim Wiegen zugeschaut. Ich mag es, wenn das Korn so wiegt. Als Kind bin ich oft durch Kornfelder gelaufen, wir haben Verstecken gespielt im Korn, und mein Vater sagte: Pass auf, dass dich die Kornmuhme nicht holt. Kennst du die Kornmuhme? Ich hatte keine Angst vor der Kornmuhme, eine Muhme war für mich eine warme Frauengestalt.
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Die Kornmuhme wohnte im Weizenfeld, und hat sich wohl ab und zu Kinder geholt, aber ich dachte, die wird dann schon nichts böses Anstellen mit den Kindern. Genauso wie wie die Frau Holle unterm Hollerbusch gewohnt hat, diese Stellen unterm Hollerbusch waren für mich Verstecke, verzauberte Orte, in denen ich verschwinden konnte, wenn mich die Erwachsenenwelt bedrückt hat. Deshalb hatte ich nie Angst vor diesen Frauengestalten, manchmal hoffte ich, sie gäben sich mir zu erkennen.20160612_124254

Irgendwann hast du mir mal dieses Buch geschenkt: Die Welt der Naturgeister. Da hab ich dann noch mehr gelernt über diese Gestalten, die wir gut behandeln müssen, damit sie uns nichts Böses wollen.

Ich glaub,  manchmal spüre ich sie .

Seien wir nett zu ihnen.

Liebe Grüsse bis bald! Kat.

Es könnte einfacher sein… vielleicht

Liebe K.,

wie du weisst… ich auch nicht.. kein Abitur.. seufz.. sonst hätte ich studiert und einen anderen Weg beschritten.. seufz.. nun kann ich maximal an die Erwachsenenuni .. ohne Scheine machen zu können allerdings.. wenn es noch Plätze hat.. Philosophie wäre mein Fav.. vielleicht nächstes Jahr ..

Ich möchte so gern raus aus diesem Alltagstrott der Arbeit und lernen.. mich weiterbilden.. Zeit dafür zu haben und nicht wie ein Schluck Wasser in der Kurve hängen und unseren ach so nützlichen Beruf weitermachen..Unsere oberste Oberaufsicht hat verlauten lassen, dass wir zu teuer sind und nicht damit rechnen dürfen mehr Pflegekräfte zu bekommen. Es sollen mehr  Arzthelferinnen und andere „Hilfen“ eingestellt werden , die günstiger sind als wir. Tja.. ich sach ma.. viiiel Spass im Schockraum und bei der Reanimation… bei der Überwachung von instabilen Patienten.. beim Einschätzen von Situationen..

Ich liebe Schottys bockige Art..und er steht zu seinem Job . Auch ohne Abitur!

„Meine Arbeit fängt da an, wo sich andere vor Entsetzen übergeben“.. sein Satz..

Kennen wir auch, oder ?!

Sonntaggrüsse

Deine S.

Weltverbesserungsselbstbewusstsein

Liebe S.,

heute morgen fand ich diesen Cartoon irgendwo auf irgendeiner Seite im Netz. Und ich dachte: wie recht er hat, der Linus.
Denn! Weil es uns gibt(und damit meine ich jeden von uns hier!) ist die Welt ein bisschen besser , denn wir haben es in der Hand, sie besser zu machen als sie ohne uns wäre. Verstehst?
Und wenn ich diesen Linus betrachte ich, denke ich: Ja, wir haben es in der Hand, es liegt an uns!
In meinem Palliativkurs ging es heute wieder um die Zeit, die wir schenken können, um kleine Gesten , die wir zeigen können, um ein Glas Wasser, welches wir den Menschen, die verzweifelt oder in Trauer sind, hinstellen können, es ging um ein kleines Wort des Verständnisses, es ging um das Ohr, das wir leihen, ums Zuhören, ganz schlicht um Zuwendung.
Und wenn wir, jeder von uns, dem anderen ein bisschen Zuwendung, ein bisschen Geduld und Verständnis für seine Lage, seine Situation und seine Gefühle entgegenbringen können, dann haben wir die Welt ein bisschen besser gemacht. Nicht nur Patienten oder Angehörigen, sondern unseren MIT- Menschen.
Und dann können wir sagen: die Welt íst ein bisschen besser geworden, seit es uns gibt.

In diesem Sinne

K., noch immer im  Weltverbesserungsmodus!

Neujahrsnachtdienstgeprägte Sentimentalitäten

Liebe S.,

jetzt hat das neue Jahr begonnen, wie war dein Sylvester? Irgendwelche Pläne für 2016?
Ich hab gearbeitet in der Nacht-Sylvester muss ich nicht unbedingt haben als Feierei,und so hab ich mit netten Kollegen Nachtdienst gemacht. Wir hattten andere Verletzungen als sonst zu versorgen, ein Suizidversuch, ein durchgeschossenes Auge,(Knallkörperverletzung).. mich lässt das immer nicht kalt, ich hab mir den betroffenen Menschen angeschaut und hab gedacht, wie schnell das geht, das sich dein Leben auf den Kopf stellt. Manchmal macht mir das Angst.
Und dann gingen meine Gedanken weiter, an all die Menschen, die kriegsbedingt ebenfalls solche und noch schlimmere Verletzungen erleiden müssen.2015 hab ich viel davon mitbekommen….
….weil meine Tochter seit Oktober in einem dieser Krisengebiete weilt, richte ich meinen Fokus natürlich besonders darauf.
Ich habe am Mittwoch eine DOKU in meiner Mediathek gesehen, Betlehem 2015 , und ich war so berührt davon. Ich hab nicht gewusst, das Betlehem so ist, von einer Mauer umgeben. Ich hab , als ich die Doku sah, gedacht, warum wissen wir das alles so nicht? Wir feiern Weihnachten und reden von Betlehem, aber wie es dort wirklich ist, wer weiss das denn? Das Betlehem von dieser Mauer umgeben ist, die sie immer höher bauen,warum müssen Menschen denn so etwas tun? Die Geschichten, die mein Kind aus Israel und Palästina erzählt, erinnnern mich so oft an die damalige Deutsch-Deutsch-Grenze, an die Willkür der Grenzbeamten, wenn wir unsere Verwandten im Osten besuchen wollten, an die Angst und die Spannung meines Vaters, im Auto beim Grenzübertritt.
Ich bin immer wieder so naiv, zu glauben ,dass sich das ändern wird in der Welt,dass es doch auch gute Menschen gbt, ja,  ich weiss es dass es solche Menschen gibt, die sich für den Frieden einsetzen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Unterdrückten und den ungerecht Behandelten ein wenig Zuversicht und Hoffnung zu geben.
Gestern gab es ein Attentat in Tel Aviv, oder war es eher ein Amoklauf? Der junge Mann, der das angerichtet hat, wurde von seinem Vater erkannt, der dann den Sohn bei der Polizei meldete. Wie fühlt sich denn jetzt der Vater? Herrje, was mir alles durch den Kopf geht.
Mein jüngster Sohn fragte mich vor einiger Zeit, wie ich denn reagieren würde, wenn er was ganz schlimmes tun würde. Ich hab gesagt, ich würde erschrocken sein,warum er das getan hätte, und würde mich fragen , was falsch gelaufen ist, was ihn dazu getrieben habe könnte, etwas „Schlimmes“ zu tun, denn ich hab doch immer versucht, in ihm das Gute zu unterstützen. Aber lieben würde ich ihn immer.
Immer.
Für 2016 wünsche ich mir mehr Offenheit und  weniger Angst in der Welt, ja, und irgendwie mehr Liebe. Ohne das ich jetzt salbungsvoll und heilig klingen möchte.

Offenheit und Verständnis für die , die anders sind. Und Mauern einreissen könnnen , die in unseren Köpfen, und die an den Grenzen. Das wäre schön.

Viele liebe Grüsse   K., nachtdienstsentimentalisiert…..

Das Beitragsbild, (ich finde es wunderschön und aussagekräftig!) ist von Nasrin Abu Baker, einer palästinensischen Künstlerin. Pieta heisst es. Nasrin Abu Baker ist eine sehr mutige kluge Frau.
Und wenn ich mir das Bild so angucke, fallen mir andere „Pietas“ von anderen Künstlern ein, von Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, und wie sehr mich diese Darstellungen der Trauerernden Mütter immer berührt haben, dieser Mütter, die doch für ihre Kinder nur das Beste wollen, und dann müssen sie sie opfern in Kriegen die sie nicht wollten… STOPP!

Let the sunshine……IMG_2385

Deine K.

Das war Weihnachten

Liebe S., das das waren jetzt die Weihnachtstage, uff….

Geschafft,  würde ich fast sagen. Schön war es, die Jungs um mich rum , das andere Kind gut wieder zurückgekehrt  in ihre derzeitige Homebase.

Nur der andere  Mitbewohner  empfand mich als sehr zänkisch und bestimmend. Aber es soll doch passen, es soll doch alles schön sein. Unter Druck setzen, zu viel erwarten von mir und den anderen, es perfekt haben wollen. Und dann die Geschichten über die Raunächte, dass jetzt, wo Wotans wilde Horden durch die komische Frühlingsluft toben, Wotan welches sich von Wut ableitet, ja, kann ich nur zustimmen. Ich hatte Wut. Zoŕn. Nix Weihnachtsfriede.

Ich gehe weiter in mich, verbrenne  jeden Abend meine Wunschzettel und suche das Gespräch mit dem Mitbewohner. Und wir finden Lösungen für das Miteinander.

Meine Orakelkarten heute waren schön. Der Dom gestern , nach dem Gottesdienst  ohne Menschen,  Weihrauchschwaden im Sonnenlicht,  das war Ruhe und Frieden. Gut,dass ich das fotografieren kann. Und somit immer wieder  nach Bedarf abrufen kann.

Schlaf gut. Und schliesse Fenster und Türen. Damit sie nicht hineinfahren und noch mehr wüten, die wilden Horden.

Deine Freundin K.

Messpunkte

Hallo liebe S.,

ja, es gibt keine einfachen Antworten, nicht auf das Weltgeschehen und das Warum und auch schon gleich gar nicht auf das Leben, auf die Fragen nach dem Warum, dem Woher, dem Wohin……

Ich stolpere über „Mess-Punkte“. „Mess“ von messen? Oder „Mess“ von Englisch: Ducheinander, Schlamperei,Kuddelmuddel(übersetzt aus Leo, Englisch).

Passt beides, oder?

An welcher Skala messen wir, nach welchen Punkten beurteilen wir? Wie viele Punkte vergeben wir, an unser Leben, du deinem, ich meinem? Können wir unser Leben bewerten, was ist unser Leben wert? Was ist überhaupt ein Leben wert? Mein Leben ist mir viel Wert, und auch das Leben der Menschen, die ich liebe und schätze und kenne und mag, und auch das derer, die ich nur kurz kenne, ach, eigentlich ist mir jedes Leben auf der Welt viel Wert, aber ich kann mich nicht um alle kümmern.

Ich wollte das früher. Als ich 14 war, hatte ich ein Gespräch mit meinem Vater. Der fragte: was möchtest du denn mal machen? Ich sagte: Papa, ich werde die Welt verändern!Sie ist so sch….
Er sagte: K. , das haben schon so viele versucht und sind gescheitert. Datt klappt nicht, du kannst nur im kleinen die Welt verändern, nur in dem was dich unmittelbar betrifft. Du kannst den Menschen, die um dich sind, ein Lächeln ins Gesicht zaubern,ein bisschen Wärme ins Herz, wenn du gut bist,  du kannst ihnen das Gefühl geben, das du sie magst, du kannst den Armen, die vor dir sitzen ein Stück Brot geben, aber du kannst nicht die Welt verändern.

Ich war enttäuscht, geb ich zu. Aber später merkte ich, dass er recht hatte. Alles was ich tue, ob ich im Krankenhaus arbeite, oder im Entwicklungsdienst Brunnen baue, es wird immer jemanden geben, der das Wasser vergiftet,(oder mir ans Bein pinkelt) ,aber für einen Moment hat jemand daraus trinken können.Aus dem Brunnen.;)

Puuuh! ich hab zuviel Vikings geguckt, ich werde ganz pathetisch.

Und die Kuddelmuddelbedeutung?

Tja, solche Dinge, die uns die Tage beschäftigen, richten ganz viel Unordnung an, in unserem Herzen, in  unserer Gesellschaft. Sie wecken Zweifel und Unsicherheit, diese Geschehnisse, und machen Angst. Wir sollten uns nicht durcheinander bringen lassen von all diesen Sachen und nicht entmutigen lassen, auf diesem Weg, den ich doch immer noch gehe, seufz, die Welt zu verändern und wenn es  nur ein klitzekleines Bisschen  ist.

Manchmal, denk ich, klappts!

Hoffnungsfrohe Grüsse in den Norden! K.