Von grossen und kleinen Revoluzzern

Liebe S.,
eigentlich wollte ich warten mit einem Beitrag, bis du selber wieder was geschrieben hast. Aber heute hab ich frei, und dann hab ich Zeit zu denken.
Du machst gerade ein bisschen Protest auf deine Art, vielleicht wirst du darüber schreiben, was du tust, das würde mich freuen.
Morgen sind Warnstreiks im öffentlichen Dienst. Ab 5.30 Uhr stehen wir vor dem Klinikum und protestieren für mehr Lohn. Hoffentlich kommen genug  Kollegen. Ich muss dann um 6.00 zum Dienst.Ich hoffe sehr, dass genügend Leute zu den Kundgebungen mitfahren, und dass der Streik und die Demonstrationen Wirkung zeigt.

Es nützt nichts,wenn wir immer nur jammern , und wenn es dann drauf ankommt, dann kneifen alle den Schwanz ein und jammern weiter: „Ähh, das nützt ja sowieso nichts, was erwartest du denn,…“Nöhl nöhl,jauljaul….,- ich kann sowas gar nicht ab.
Wenn ich doch mit etwas unzufrieden bin,und was ändern will, was bewegen will, dann muss ich mich bewegen! Ich kann nicht immer erwarten, dass es von alleine geschieht!
Oh, ich rede mich in Rage!
Und ich hasse diese Sätze, wie den von einem Bekannten, dem ich von der Sicherheitskonferenz erzählt hab, wie das war und warum und so weiter und er sagt: „Und? Interessiert es IRGENDJEMANDEN , das du dabei warst? „(IYFA, hab ich gedacht)
Allerdings weiss ich nicht wirklich, ob es jemanden interessiert und ich weiss auch nicht, ob es irgendetwas beeinflusst, aber wo wären wir, wenn wir niemals Aufstände gemacht hätten, niemals protestiert hätten, niemals aufgemuckt, niemals etwas gedacht und gesagt und riskiert hätten? Immer noch in der Höhle, und zwar OHNE Feuer. Vermute ich mal.
Und deshalb, Widerstand ist zweckmässig, ist meine Devise.

Ich hab mich mal mit Anarchismus beschäftigt, hab Emma Goldmanns Biografie gelesen, hab gelernt, das es verschiedene Formen des Anarchismus gibt, sehr interessant, ich bin ja der Meinung , das man Anarchismus nur leben kann, wenn man auf die Meinung der anderen pfeift, was die wenigsten können, und ich schon gar nicht, aber egal. Anderes Thema. Dabei bin ich auf ein Gedicht von Erich Mühsam gestossen, das füg ich jetzt hier ein. Denn das passt so gut zu unseren Minirevolutionen, die wir jeden Tag anzetteln.

Revulotinäre  Grüsse! hoch die Fahnen!

Bis bald hoffentlich! Deine Kat.

„Der Revoluzzer

War einmal ein Revoluzzer,
Im Zivilstand Lampenputzer;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: ‚Ich revolüzze!‘
Und die Revoluzzermütze
Schob er auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
Mitten in der Straßen Mitten,
Wo er sonsten unverdrutzt
Alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
rupfte man die Gaslaternen
Aus dem Straßenpflaster aus,
Zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer
Schrie: „Ich bin der Lampenputzer“
Dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn’ das Licht ausdrehen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
Laßt die Lampen stehn, ich bitt!
Denn sonst spiel’ ich nicht mehr mit!“

Doch die Revoluzzer lachten,
Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich
Fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zuhaus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich, wie man revoluzzt
Und dabei doch Lampen putzt.

Erich Mühsam

„Drum ist sie dann zu Haus geblieben, und hat an einem Blog geschrieben, wie man friedlich revoluzzt und dabei noch Hintern putzt!“ Schmeiss mich weg, Bussi! bis bald!

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10 Kommentare

  1. dosenkunst · April 25, 2016

    Ich bin in Hessen am Mittwoch in Sachen Warnstreik unterwegs. In Wiesbaden ist alles unterwegs was öffentlicher Dienst ist. Ob wir was bewegen außer uns? Nun, wenn wir es nicht versuchen passiert auf jeden Fall nix. Also bin ich dabei.
    Grüße
    Jörg

    Gefällt 2 Personen

  2. Vetch · April 25, 2016

    „Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“
    Kurt Marti

    VIEL ERFOLG! Ihr seid nicht nur für euch unterwegs, sondern Vorbilder!

    Gefällt 2 Personen

  3. sweetkoffie · April 25, 2016

    Was wäre denn ein Streik, wenn niemand hinginge, das wäre sowas wie Tomatensalat ohne Tomaten 😉

    Gefällt 2 Personen

  4. Flowermaid · April 25, 2016

    Gefällt 1 Person

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