Weiterpaddeln, weiterlernen, weiterdenken, yeah!

Doch noch nicht in SommerUrlaubsPause!

Liebe S., ich hab mich für ein Webinar angemeldet.
Was ist das, dachte ich. Da kriegt man vielleicht Vorträge , die man lesen muss….?
Naja, heute hab ich mich mal dran gesetzt, ich hab erst nicht kapiert, wie das funktioniert. Es sind schon Vorträge, aber die muss ich nicht lesen, diese Vorträge wurden bereits gehalten und somit mir vorgelesen,  und ich kriege die Präsentation auf mein Laptop.

Thema: Webinar zur pflegerischen Versorgung geflüchteter Menschen.

Erster Beitrag: Traumata.
Ich bin so berührt, S., dieser Psychologe hat so super gesprochen, und ich bin entsetzt darüber, wie wenig  wir die Seele dieser Menschen erkennen wollen, wie leichtfertig wir sie abkanzeln in ihrem Verhalten und in ihrem Rückzug, und wie wenig wir bereit sind, da mal hinzugucken, und zu spüren, was vielleicht passiert sein könnte mit ihnen.
Denn sprechen tun die wenigsten darüber.

„They did things to me, i can`t talk about“   Lieblingssyrer, 2013.

Und S., ich mach jetzt zwar meine Onkologie Fachweiterbildung, aber das heisst nicht, das ich nicht auch noch dazu lernen kann, wie man mit Menschen, die NICHT OHNE GRUND herkommen, auch im Krankenhaus mit Wertschätzung umgehen sollte.
Es gab nämlich auch im Klinikalltag der letzten Jahre immer wieder Situationen, gegenüber Geflüchteten, die ich nicht gut fand, und bei denen ich das Bedürfnis hatte, meinen Kollegen klar zu machen, was überhaupt los ist, und mit diesem Webinar krieg ich wieder bisschen mehr Wissen, und Wissen ist Werkzeug und Macht. Gell?
Bin ganz Feuer und Flamme!
Und morgen ist dann endgültig Abflug, yeah!

Kat.
Dieses Webinar ist auch vielleicht für Nichtpflegende interessant.Zum besseren Verständnis.

 

Was politisches….

Liebe S.,

Wahlkampf in den Niederlanden, Rechtspopulist trifft auf gemässigten Anpasser. Soweit wie überall.

Gestern kam auf Arte eine Sendung über eine höllandische Politikerin Sylvana Simons, familiäre Wurzeln aus Afrika, jung, engagiert, weiblich, hübsch. Ich fand sie sehr sympathisch. Ihre Partei steht für Vielfalt, für gleiche Rechte für jeden, für Akzeptanz, … das was ich mir für die Zukunft von dieser Welt sehr wünsche.

Und dann , im Laufe der Sendung, war ich irritiert.
Einmal ging es darum, das sie/ihre Partei die Figur des „schwatte Piet“abschaffen will, das sind die Figuren, die den Nikolaus auf seinem Boot begleiten, und die sind angeblich schwarz, weil sie durch den Schornstein rutschen, wegen der Geschenke, die sie in den Häusern ablegen. (Im Norddeutschen gibt es den Kujees, Weihnachtsmann, der hat bei Klaus Groth auch einen schwarzen Begleiter, der auch den Schornstein runterrutscht, aber nicht aus Afrika kommt. Angeblich)

Hört Vielfalt und Akzeptanz irgendwo auf? Muss ich dann , weil es meine Ehre verletzt, gewachsene Traditionen abschaffen? Oder kann ich nicht auch darüber ins Gespräch kommen, und die Ansichten der anderen verstehen?
Später dann hielt sie einen „Vortrag“ in einem Viertel in Rotterdam, einer farbigen Glaubensgemeinsschaft, und dann sprachen sie über die Kolonialisierung ,über das  Leid , welches ihrem Volk angetan wurde . Sie riefen ihre Ahnen an, Sylvana zu unterstützen, und wieder gut zu machen,  was damals ihnen angetan wurde. Sie bildeten eine geschlossene Gemeinschaft, und fühlten sich gut,  sich, so mein Eindruck, an dem ihren Altvorderen angetanen Leid.
Ich dachte dann so: haben nicht ALLE Völker was scheussliches durchgemacht, im Laufe der Jahrhunderte? Da gab es hier die Ausbeutung der Leibeigenen Bauern durch die Junker und Adligen, da gab es die schrecklichen Kriege des letzten Jahrhunderts, es gab das Massentöten in Ruanda, es gibt das fürchterliche Kriegsgeschehen in Syrien,….
Aber Menschen, denen es in einem Land, in dem sie seit Generationen gut leben, müssen die denn immer noch klagen? Kann man nicht nach vorne gucken? Man soll nicht vergessen, was geschehen ist, damals…..( obwohl die Welt das ja ganz fix immer tut, wenn sie neue Kriege anzettelt)

Aber wichtig ist: Nach vorne gucken.

Ja, ich möchte Vielfalt, ich möchte Diversität, wie es so schön heisst, ich schaue nicht darauf, woher ein Mensch kommt, welches Geschlecht und welche Hautfarbe und welche Sprache er spricht, wenn er mir als MENSCH begegnet.

Ja, ich möchte auch verstehen und nicht vergessen, was geschah, ich möchte auch ,das es benannt wird.
Aber ich möchte nicht, dass mir das Tun meines „Volkes“ von vor hundert Jahren immer noch aufs Butterbrot geschmiert wird.
„Irgendwann muss gutsein jetzt“, hat mein Vater immer gesagt.

Und ich finde , es ist in dieser verrückten Zeit nötig, das dieser ganze Hass und diese ganzen alten , wieder ausgegrabenen Vorwürfe und begangenen Taten in den Geschichtsbüchern bleiben, damit wir nach vorne gucken können, für eine neue bunte lebendige Welt.

Liebe Grüsse Kat.

Und vielleicht hat jemand eine Idee, was ich anstelle von „Farbigen“, und „Volk“ hätte schreiben können?

Baustellen-kulturfrei-

Liebe S.,

Ich bin platt. Der 2MonatigeSchulblock nähert sich dem Ende. Ich habe kiloweise Skripte bekommen und sollte sie jetzt eigentlich sortieren, statt Blog zu schreiben.
Ich sollte lernen.
Ich sollte guten Mutes sein, den nächsten Monaten gefasst entgegen sehen , wenn mir der Wechsel auf verschiedene Stationen bevorsteht.
2 Jahre lang alle paar Wochen muss ich wechseln, die verschiedenen Disziplinen, die verschiedenen Stationen, muss mich alle paar Wochen an neue Kollegen gewöhnen, an neue Patienten, an neue Routinen.Mir graust, und fast hätte ich heute geheult.

Ich hätte Intensivstation  weiter machen können, weil ich mich da auskenne. Aber ich wollte das ja nicht mehr.
Also muss ich das hier jetzt weiter machen.

Ein bisschen fühle ich mich wie auf einer Baustelle. Ich kann mir vorstellen, wie es dann, 2019 , sein wird, wenn ich mich Onkologische Fachkraft nennen darf. Aber jetzt ist das alles noch lang nicht fertig. Noch stehen noch ziemlich viele Kräne und Betonmischer um mich rum.
Meine Güte! Und das auf meine alten Tage!
Ich könnte faul in einer Hängematte liegen, und unter dem Himmel schaukeln, aber nein,….
Hängematte muss warten.

Ich sortier jetzt.
Blätter, Schriften, Schlagwörter.

Grüssele Kat.

P.S.: Was der Kran da übrigens durch die Lüfte schweben lässt, war eine Treppe. Die Treppe in den Himmel, aufstrebend. Ich seh das jetzt mal positiv.

Culture beats vs beads ?!

Guten Abend liebe K.,

im Bastelgeschäft gabs diese  Tüte für meine gekauften Perlen..die sind für ne Baumwollmütze (upgrading) , wie ich sie aus den uralten videos von

„culture beat“ kenne… und da wären wir wieder bei  dem song“ Mr. Vain “

Reicht das an Kultur für heute ? 🙂

Zombienachwachgrüsse

S.

Litera-Kul-tur

Steppe

Einer war,
der sang in den Abend. Draußen
schwer die Ebene,
baumlos, um niedres Gewächs
brennend der Sand –
da hielten die Wolken dunkel,
und ein Mond hing herab.
An dem Wasserloch falb
die Herde. Einer, braunbärtig,
kam, er trieb die Rinder
fort. Im Fenster der andere sang.

Dörfer
wie will ich leben
noch? In der Ferne weiß ich
endlos rinnender Himmel
Glanz. Den Jungen, der sang,
und den Hüter mit hellen
Augen hörte ich reden
an der Straße, ich stand,
im Rücken das Dorf.

Liebe S.,
Kultur ist für mich auch Sprache, Worte, Gedichte, Geschichten,….
Und heute morgen kam mir , ich weiss nicht warum, diese Gedicht von Johannes Brobowski in den Sinn, welches ich vor Jahren mir immer vorgesagt und aufgeschrieben hatte. Dieses Gedicht macht mir immer noch eine Gänsehaut, es berührt mich und weckt Sehnsucht in mir.(Ich wusste es noch auswendig!)

Leider fand ich niemanden, der dieses Gedicht auch so schön fand wie ich, ich wollte es damals teilen, diese Sehnsucht, die ich dabei empfinde, aber leider traf es den Nerv des Anderen nicht. Der machte nur: „Hm, ja und? Bisschen komisch, oder? “

Aber ich sehe  diese Männer da sitzen,in der Steppe, ich sehe die Herde am Wasserloch, ich spüre den brennenden Sand, ich höre , wie er singt.  Ich sehe wie er weggehen will, im Rücken das Dorf….Ich spüre die Sehnsucht.
Tja, so is datt mit die Kultür, nej, de Kultür is nich för jedermann, so is datt, min Deern!

Leeve Grööt  Kat.

Kultur 3 – FremdKultur

Liebe S.,

das mit dem Kulturbeutel ist auch so ein Ding. Wie heisst das in anderen Sprachen?

Kommt das daher, das man kultiviert ist, wenn man sich die Zähne putzt, einparfümiert, duscht und seine eigenen Duftmarken in seinem Kulturbeutel an alle fremden Orten dieser Welt mitschleppt?

Weil wir nicht ausprobieren wollen, was es für Düfte woanders gibt?

Oder haben wir Sorge, wir könnten was falsches kaufen im fremden Land, weil wir nicht verstehen, was es ist,das Zeug in der Tube?
So wie damals, als ich in Frankreich Zahnpasta brauchte, und mit meinem spärlichen Französisch nicht genau wusste ,was auf der kleinen Tube stand, (ich brauchte nur ne kleine Tube,  der Urlaub war fast vorbei).
Aber das Wort „adhesive“, das kannte ich. Deshalb hab ich diese süsse kleine Tube mit den Kräutern drauf und dem Wort Menthe auch gekauft.

Und weisst du,  was drin  war? In der Tube?

Es war HAFTCREME! Adhesive  bedeutet „klebend“, ich stand da im CampingplatzWaschsalon und schmirgelte meine Zähne mit Haftcreme, scheusslich!
Das sind die kulturellen Fallstricke!

Hihi, dir einen ruhigen Nachtdienst!

Ich hab übrigens heute Vorträge über „Fehlerkultur“ gehört. Wo man das Wort Kultur überall dranhängen kann! Da schrieb ich dann morgen drüber!
Servus! Kat.

 

 

 

Kul-tu_r

Einem Volk das seine Kultur im Beutel trägt ,ist nicht zu trauen.

Liebe K.,

das wär mein Beitrag zum Thema für diese Woche. I’am sorry.. ich zermartere mir fast das Hirn.. aber irgendwie spuckt es immer dieses Zitat von Luisa Francia aus.. oder zumindest habe ich das mal bei ihr gelesen.. vielleicht rutscht ja jetzt was anderes nach.. abwarten..

während du im Unterricht sitzt und ich mich moralisch auf Nachtwache einstelle ( börx)

Grüssli

S.

Blogwoche: Kultur I.

Hellou, my friend,

starten wir ein neues Wochenthema? Unter dem Thema Kultur , das ist ein Riesenthema!
Kulturelle Identität, Kulturschaffende, Kulturbeutel, Trinkkultur, Blutkultur, Fisch aus Aquakultur … Dieses Wort begegnet mir ganz oft.
Draufgekommen bin ich eigentlich, weil wir letztes Wochenende im Theater waren, so richtig Voll-Kultur, Antigone von Sophokles.
Erst sass ich da im Parkett, 4. Reihe,  und dachte:Ein Hörspiel wollte ich nicht für 50 Euro hören, grummel, denn ich konnte nichts sehen. Antigone und ihre Schwester Ismene lagen nämlich am Boden und stritten sich, und in der Reihe vor mir sass ein riesengrosser Mann.
Dann hatte ich Mühe , der Sprache zu folgen, es war anstrengend , den Worten, die sie da so auf alt und Theatersprache sagten, konzentriert zu folgen und sie zu verstehen. Zum Glück hatte die SchönsteTochter vorher eine Inhaltsangabe gemacht, sonst hätte ich nicht gewusst, worum es geht.
Aber nach einer Viertelstunde war ich in der Sprache drin, und konnte gebannt zuhören, und hab mitgefühlt, als Antigone schrie und weinte, denn sie wird ja dann eingemauert, und der König Kreon, den fand ich schrecklich, und sein Sohn Haemon, der Antigones Bräutigam ist, war ein in meinen Augen profilloses Weichei. Die Geschichte nahm mich gefangen.

Es gab auch eine Dienerin in dem Stück, die kommentierte, erzählte und Rat gab.Sie war eine alte Frau, und die fand ich so toll! Meine kulturell gebildete SchönsteTochter erklärte später, in diesen Antiken Theaterstücken gibt es immer einen Chor, der die Geschichte erzählt, den sollte wohl die Alte Frau ohne Namen verkörpern.
Jedenfalls , als es dann am Ende an den Beifall ging, war ich kurz davor, den König Kreon nicht zu beklatschen, weil er in meinen Augen Schuld an der ganzen Misere ist, am Tod von Antigone, am Tod seines Sohnes Haemon, und Kreons Ehefrau, die goldene Königin, hat sich dann auch noch umgebracht, weil sich ihr Sohn selbstgetötet hat, weil sein Vater Antigone nicht verziehen hat, die wider das Gesetz aber für ihr Gewissen handelte.
Ich dachte dann, der Schauspieler hat ja nur seine Arbeit getan, der kann  ja nichts für seine Rolle, und  es ist ja eine Kunst , es so darzustellen, das ich ihn dann als Kreon sehe und nicht als Schauspieler.
Also hab ich ihm Beifall gezollt.

Ich konnte dann irgendwann übrigens wunderbar auf die Bühne sehen, der grosse Mann vor mir ist eingeschlafen gewesen und vornüber gekippt, dieser Kulturbanause!

Was fällt dir zu Kultur ein? Looking for it!

❤ Kat.