Rauhnachtszauberei

Liebe S., ich bin ganz doll im Räucherrauhnachtsmodus.

Es heisst ja, man sollte sich in diesen Tagen Stille gönnen, klappt aber nicht irgendwie bei mir.

Gut, ich versuche mir Zeit zu nehmen, für mein tägliches Ritual der Besinnung, mit Räucherharzen und Kräutern, ein bisschen Hokuspokuskartenlegerei, mit Nachdenken und dem Verbrennen meiner 12 Wunschbrieflein an das Universum. Damit ich besinnlich bin, mach ich das. Nächstes Jahr soll ein gutes Jahr sein. 20151227_185849

So, heute war es dann , nach guten klärenden Gesprächen, leergegessenem Kühlschrank, resümieren über die  letzten Tage und den Begegnungen mit der Verwandschaft, da klagt mein Mitbewohner über Kreuzweh. Du sagst, es könnte Frau Percht gewesen sein, die ihn getreten hat, tja, welche Gründe kann es dafür geben? Ich hab ihn ins Schwimmbad geschleppt. Schön war der Tag also für uns.

Heute abend, meine Sehnsucht nach Stille. Ich richte mir mein Räucherplätzchen ein, beginne. Die Kohle glimmt, ich streue meine Harze in die Glut. Weihrauch riecht gut, wenn man ihn verbrennt.Ich schaue in den Rauch. Interessant, was da für Muster entstehen.Nachdenken, besinnen…

Und was ich noch geschafft hab? Ich hab meinen Liebsten vom Sofa weggeräuchert. Er sprintete ob des für ihn unerträglichen Geruches in seine Werkstatt.
Mein Wunsch nach kurzer Stille und Einsamkeit in unserem Lieblingsraum hat sich also prompt erfüllt. Und vom Kreuzweh geheilt war er auch.

Da sag noch einer, zaubern geht nicht!

Hokuspokusfidibus!

Deine K.

Müttermeinenesdochnurgut

Liebe K.,

mein Weihnachten ist auch um… uff… es war aaaanstregend.. was soll ich sagen..

Muss man einen fast 45 minütigen Vortrag über die Herstellung von Quittengelee ertragen, wenn man Quitten in aller Form nicht mag und noch nie mochte ? “ Kennst du Quittengellee ?“ Ja.. kenn ich.. ich mag keine Quitten.. weisst du wie man das herstellt ? Nein.. also… tja.. es gibt Menschen die legen eine gewisse Grausamkeit an den Tag.. ohne Gnade bekommst du einen Vortrag darüber egal ob du das hören willst oder nicht.. kommt mir fast schon sadistisch vor.. ja ich habe gesagt, dass ich keine Quitten mag und auch nie welche einmachen werde . “ OOh  S. !!! Das ist aber ein Fehler !!!!! Die sind so gut und so gesund… ! Ich mag sie aber nicht… ach was… trotzdem solltest du dich damit befassen !

Mein lieber Mitbewohner war paralysiert und hat auch nichts machen können. Ich wollte einfach nicht grob und unhöflich werden und hatte immer im Kopf, dass der Mann meiner Mutter im Sommer gestorben ist und  Quitten so gern mochte… uff…und  gehofft, dass sie ( meine Mutter) einfach mal merkt, wenn es reicht… uff..Sie hat immer noch dieses zwingende.. dieses ichweisswasfürdichgutist und für alle anderen auch. Dieses rücksichtslose auf Menschen einreden..weil es ihr einfach in den Sinn kommt.. mich macht das zornig… aber ich will doch keinen Streit..also habe ich geseuft…. „ja.. seufz ruhig S.  da muss du (ihr) jetzt durch “   Wer muss da durch und warum muss überhaupt jemand da durch ??

Quitten haben glaube ich keine Feinde.. man kann sie auch nicht roh essen.. sie sind haarig  und das kleine Eichhörnchen im Sommer hat sich ganz doll geschüttelt, als es probiert hat ob diese gelblichen Dinger schmecken 🙂 und ! Quitten sind schleimig… und kommen in Hautmasken vor… ach ja.. seufz…

Aber das war nur am 25.Gestern mit der anderen Familie wars echt nett..immerhin !

Ich hab Kopfweh von dem Weihnachten bei 14 Grad.. Meine Muskeln haben sich verspannt und es kommt mir vor als hätte ich eine laange Wanderung gemacht.. fremdbestimmt… mit dem bei sich bleiben, hat es nicht so gut geklappt.. das muss ich weiter üben..

Aber der Moment der Stille gestern… mit dem Gong der Klangschale … der war schön !

Bussi  deine S.

Das war Weihnachten

Liebe S., das das waren jetzt die Weihnachtstage, uff….

Geschafft,  würde ich fast sagen. Schön war es, die Jungs um mich rum , das andere Kind gut wieder zurückgekehrt  in ihre derzeitige Homebase.

Nur der andere  Mitbewohner  empfand mich als sehr zänkisch und bestimmend. Aber es soll doch passen, es soll doch alles schön sein. Unter Druck setzen, zu viel erwarten von mir und den anderen, es perfekt haben wollen. Und dann die Geschichten über die Raunächte, dass jetzt, wo Wotans wilde Horden durch die komische Frühlingsluft toben, Wotan welches sich von Wut ableitet, ja, kann ich nur zustimmen. Ich hatte Wut. Zoŕn. Nix Weihnachtsfriede.

Ich gehe weiter in mich, verbrenne  jeden Abend meine Wunschzettel und suche das Gespräch mit dem Mitbewohner. Und wir finden Lösungen für das Miteinander.

Meine Orakelkarten heute waren schön. Der Dom gestern , nach dem Gottesdienst  ohne Menschen,  Weihrauchschwaden im Sonnenlicht,  das war Ruhe und Frieden. Gut,dass ich das fotografieren kann. Und somit immer wieder  nach Bedarf abrufen kann.

Schlaf gut. Und schliesse Fenster und Türen. Damit sie nicht hineinfahren und noch mehr wüten, die wilden Horden.

Deine Freundin K.

Die Anderen

sind nicht so ganz bei sich… oder ganz bei sich..

Liebe K.,

gestern wars ziemlich anstrengend in der Welt da draussen. Obwohl ich keine leise Stimme habe und deutlich spreche, verstand man mich gestern oft nicht. X Mal Sätze wiederholt, und dann wurden sie immer noch nicht richtig verstanden.

Die Wintersonnenwende hätte was damit zu tun, sagte eine Freundin von mir.. vielleicht ist einfach die Zeit , die jetzt kommt, sehr speziell.. zwischen den Jahren wo im besten Fall alles ruht und man sich an das vergangene Jahr erinnern kann und es abschliessen . Aber davor kommt noch Weihnachten. Und jetzt stecken die meisten noch in den Vorbereitungen … und all das was im letzten Jahr nicht geklärt wurde , klopft auch wieder an. Wie wollen wir zusammen feiern ist bei uns hier ja geklärt… eigentlich…dachte ich… und nun kommen die üblichen Verdächtigen und klopfen an.. willst du den Kleinen nicht doch was schenken.. jaaaa.. sie haben alles .. aber irgendwas vom Tiger Laden.. die haben doch so Glitzerkram gaaaanz günstig… o.k.

Ich habe die Räuchermischungen hervorgeholt… und nun glimmt es im Flur schön vor sich hin.

Bei sich selbst bleiben ist heute mein Thema. Nicht so sehr schauen was die anderen alles brauchen und wie es ihnen geht und was ich tun könnte oder was ich lassen könnte. Einfach bei mir bleiben.

Herzlichst

Deine S.

Looking into the past

Hallo liebe K.,

nun bin ich wieder ganz im Norden angekommen… Wa ?! Wie Schotty der Tatortreiniger sagen würde.. 😉

Wir beide sind verschiedengleich.. deshalb verstehen wir uns,glaube ich zumindest. Und wir können zusammen eine Idee entwickeln und umsetzten und ergänzen uns … siehe die sog. Liegrumchens.. kicher.

Da hab ich echt was für mich gefunden ! Das Bemalen von Kieselsteinen, wo ich doch Steine so mag…. jahrelang fand ich das böse böse böse.. die Steine zu bemalen und habe mich gefragt, ob man das darf.. ja lach ruhig.. man kann sie ja nicht fragen ob sie das gut finden.. einer meiner vielzitierten Ex hat mal ganz liebevoll gesagt, ich hätte ein animistisches Weltbild.. alles sei beseelt und hätte auch Namen. Mein Staubsauger z.B.heisst Silence vom Werk aus und ich nenne ihn Sly ( wie Sylvester Stallone, der hat auch ne grosse Klappe).

Das mit den Steinen ist jetzt so in Ordnung. Lack oder andere Farbe die nicht vom Regen abgespült werden kann würde ich nicht nehmen. Hab mal einen lackierten Briefbeschwerer bekommen.. Marienkäfer… und habe Stunden damit verbracht den zu säubern und als er sauber war, hab ich ihn in die Elbe geworfen.. zur Erholung sozusagen..

Unsere Steine hingegen habe nur eine Art Decke bekommen und man kann den Stein noch gut dadurch sehen…und ! Acryl Farbe lässt sich abwaschen..

Was es mit dem Spacehopper auf sich hat ?  Zum 48igsten Geburtstag hab ich mir einen gewünscht. Genau so einen orange und mit Teufelsohren. Als Kind hatte ich mir damals… Achtung schon wieder eine Weihnachtserinnerung.. einen gewünscht und bekommen habe ich was Ähnliches… rot mit blauem Griff…. 😦  … der orange war besonders.. eine Freundin aus der Nachbarschaft hatte einen und wir haben Nachmittage mit dem Hüpfen auf dem Gehweg verbracht… Sommer.. es roch nach Asphalt.. und die Nachmittage nach der Schule waren noch halbe Ewigkeiten…. ich habe all die Jahre immer wieder an den Teufelshüpfball sehnsüchtig gedacht…

An meinem Geburtstag stand er dann da… und ich probierte in der Küche sofort etwas zu hüpfen damit.. was soll ich sagen… ich wusste noch genau wie es damals war.. aber.. es ging in echt nicht mehr so… bin als erstes hintenübergefallen… d.h. abgerutscht und lag auf dem Boden und habe mich scheckig gelacht.. ein Spacehopper für Erwachsene ist natürlich was anderes.. und gaaaaanz so wie der damals war er auch nicht. der damals war wie ein Basketball rauh… nun ja.. einen Sommer lang hab ichs immer wieder mal probiert auf dem Hof und dann gings ab zum Flohmarkt mit dem guten Hüpfi… ein ca 10jähriges Kind hat ihn bekommen , freudestrahlend. Und für mich ist es jetzt abgeschlossen.. auf gute Art.

Und was die Liegrumchens Steine anbelangt… da hab ich noch einige in meiner Sammlung die gern etwas bemalt werden wollen ! Sie drängeln sich auf meinem Schreibtisch herum…zu schade, dass ich nachher noch arbeiten muss… aber morgen…

Danke an dich liebe K., denn du hast das mit den Steinen „erlaubt“. Wieso soll man das nicht machen, hast du gesagt… die freuen sich doch bestimmt. Und wir beide haben da gesessen und ganz konzentriert und still gemalt… und das wo wir sooooo viel zusammen reden können !

Bussi !

Begegnungen

Liebe S.,

Bahnfahrt gut überstanden? Gut daheim wieder akklimatisiert?
Wenn ich bedenke, dass wir uns mehr als 20 Jahre aus den Augen verloren hatten, und trotzdem ist es , als wäre es gestern gewesen, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben! Unsere Themen, über die wir 1 Million Worte wechseln, die gehen uns nicht aus. Das gemeinsame Tun, die Freude, die wir dabei haben, scheinbar Sinnloses zu erschaffen, ach was macht es, dass wir „Stehrumchens “ fabrizieren?

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Gemeinsam fabrizierte Lieg-Rum-chens…

Ich habe noch so eine Freundin, die weit weg wohnt und trotzdem wir uns nur einmal im Jahr sehen, ist diese unglaubliche Nähe sofort wieder da. Diese Nähe entsteht beim Skypen, und dann , wenn Skype nicht geht, übers Whattsapp telefonieren. Oder übers Schreiben.

Gestern auf dem Weihnachtsmarkt bin ich einer Freundin wieder begegnet, die in M. wohnt, aus M. bin ich weggezogen vor 8 Jahren und wir haben uns aus dem Augen verloren vor lauter Alltag. Sie sah mich, und ihre Freude mich zu sehen war echt, sowie meine auch. Unsere Begegnung war sehr kurz, aber wir waren uns nicht fremd. Dann zogen sie weiter und ich auch. Ist das Leben so? Du begegnest Menschen, die dir lieb werden, dann verändern sich die gemeinsamen Wege, jeder geht  woanders weiter, manchmal kreuzen sie sich wieder, diese Wege. Du vergisst diese Menschen nicht, aber die Energie sich um sie kümmern,Kontakt mit ihnen zu halten, die wird geringer.
Ach,denkst du,  ich könnte P. ja auch mal wieder anrufen. Das denkst du dann 4 Jahre…. Dann triffst du sie auf dem Weihnachtsmarkt.
Oder B., vor 2 wochen  hatte ich eine Nachricht auf dem Handy, dass es ihr wieder besser geht, sie sei in der Klinik gewesen, wegen Depressionen, ich hab sie danach 3 mal angerufen, denn miteinander Sprechen erschien mir wertvoller als zu schreiben, … ich hab sie nicht erreicht. Und nun? Versinkt sie wieder im Nebel der Erinnerungen, an die Zeit, die   wir miteinander hatten?
Manchmal bin ich traurig, dass ich manche Menschen so „verliere“, aber ich gewinne ja auch andere dazu. Und manchmal tauchen „alte “ eben auch aus der Versenkung wieder auf.
Das ist es was das Leben so bunt macht. Begegnen, erkennen, weiter ziehen lassen….
Salbungsvolle Adventliche Grüsse K
(No Devil inside my heart today >: )

Erinnerungen

Liebe K.

stell dir mal vor !!! Ich kenne diese Wundertüten von denen du schreibst nicht  ! Krass, oder ? Lach….vor ein paar Jahren hat Luisa Francia ( Autorin aus München) zu Weihnachten sogenannte Wundertüten verkauft. Da war ein gemaltes Bild von ihr drin und ich glaube noch ein Stein von der Isar ?!  Keine Ahnung was noch.. das fand ich toll ! Wo ich doch alle Bücher von ihr gelesen habe, was heisst gelesen.. verschlungen ! Ihre Bücher begleiten mich seid Anfang der 90ger Jahre. Und natürlich habe ich auch so eine Wundertüte erstanden… aber irgendwie… war diese Wundertüte nicht so toll… wahrscheinlich hatte ich gehofft, dass die ganz besonders und magisch und was weiss ich was Alles ist… dabei war sie o.k. im nach hinein betrachtet.. ein gute Verkaufsidee von ihr… ich glaub das Ganze war auch für einen guten Zweck… Tja… so geht das vielleicht.. das es in der Vorstellung toll ist mit den Wundertüten..Diese Parfümerie die du meinst, hat übrigens auch richtig fiese „Wundertüten“. Eine Arbeitskollegin hat eine zum Geburtstag bekommen.. roch alles irgendwie nach „Pumapippi“  echt eklig… keine von uns wollte auch nur 1 Stk davon geschenkt bekommen. Insofern hast du ja echt Glück gehabt mit deiner Kollektion im Bad !

Bei den alten Wundertüten assoziiere ich Brausepulver, Brausewürfel, Pezzis und Prickel Pit… kennst du die zitronigen Prickel Pit ? Manchmal gibts die am Kiosk oder im Kino. Dann schlage ich zu ! Und sie erinnern mich an Freibadbesuche , schwimmen im See und gefühltes stundenlanges Anstehen am Kiosk in der Sonne. Der Geruch von Sonnnencreme auf der Haut, Badetuch und Rasen, der frische Wind in den alten Bäumen am See und meine Mutter die mit anderen Müttern lacht..

Es wird Zeit mal wieder diese Zitronendinger zu finden und zu geniessen !

Wundertüten

Liebe S.,

kennst du die noch? Wundertüten, die es beim Kaufmann um die Ecke für 10 Pfennig gab. Manchmal durfte ich mir eine kaufen, wenn ich Milch geholt hatte. Vorsichtig tasten, spüren , was wohl drin sein könnte, nehme ich die mit dem grossen Gegenstand drin oder lieber eine , wo gefühlt ein kleines unbekanntes Teil  steckte? Und dann beim Auspacken diese Enttäuschung, denn die Tüte mit dem grossen Gegenstand war oft nicht die Beste. Die Schwester hatte in ihrer Tüte meistens die besseren Sachen. Trotzdem…immer wieder konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, doch eine zu kaufen.

Immer noch geht es mir so.
Am Dienstag , in der Stadt, Weihnachtseinkäufe , dieses mal lieber rechtzeitig, wer weiss was alles so kommt,  und so musste ich unter anderem in einen namhaften Parfümladen, den ich normalerweise nicht betrete, weil ich schon von dem Namen Kopfweh bekomme.

An der Kasse hingen „Überraschungstüten“. 10 Euro. Ach, und alleine diese Tüten , nicht aus leichtem Plastik, sondern aus fester Pappe, mit glänzender Hülle (die kann ich garantiert noch mal für was anderes verwenden)

10 Euro! Wer weiss was drin ist! Soll ich tasten? Zu blöd, das mach ich nicht. Nehme ich die erste? Vielleicht ist da ein schöner Lippenstift drin, den ich mir nie kaufen würde? Doch tasten? Hinter mir eine Schlange von Kaufwütigen. Ich nehme die erste Tüte vom Haken. Hänge sie wieder zurück. Ach , ich nehme sie doch. Schnell bezahlen. Beim Abscannen: „Badebrizzels“ erscheint auf dem Kassendisplay, oh, sowas will ich doch nicht! Das andere, was die Verkäuferin abgescannt hat, hab ich nicht gesehen. Okay, es sind vielleicht nicht nur Badebrizzels drin, sie ist schwer,  bestimmt gibt es noch  einen richtigen  Schatz .
Zu Hause lasse ich mir Zeit, erst die anderen Einkäufe anschauen, wegpacken, und dann! Der Moment!
Die Tüte öffnen, vorsichtig(ich will sie ja wieder verwenden!)
Eine Badeprizzelspraline, Badesalz, eine goldene Flasche mit Duschgel, mit einer goldenen Schleife drum und allerdings sehr praktischen Pumpdings.Gott, wie das wohl riecht? Zur Not verschenk ich es. Dazu eine Riesenflasche mit Körperlotion, auch in golden, mit glänzendem Plastikdiamanten. Aber riechen will ich. Wenn ich es aber öffne, kann ich es nicht mehr verschenken. Also gut… öffnen, dran riechen.Wider Erwarten-es gefällt mir! 20151206_102056

Es steht jetzt in meinem braungekachelten Bad, eigentlich gehörte es an eine Jakouzi Badewanne (schreibt man das so?), weissgefliest, mit goldenen Bordüren, und es sieht etwas fehl am Platz aus, aber wenn ich es benutze, dann fühle ich mich ein bisschen wie Cleopatra, königinnenbesonders irgendwie…

Und irgendwie harmoniert es durchaus mit den würgbraunen Fliesen.

Einen goldenen Nikolaustag dir! K.

Frauenraum

Liebe S.,

brauchen wir Frauen mehr Solidarität untereinander und Freiraum? Ich hab gerade einen wunderschönen Abend mit meiner Freundin verbracht, mein bärtiger Mitbewohner ist heute nicht da. Als ich ihm erzählte, dass C. heute kommt, sagte er :Schade, ich bin heute abend nicht da. Ich antwortete: Es ist Absicht, denn ich möchte mit ihr alleine sein.
Denn letztes Mal war er anwesend, und so lieb ich ihn habe, er hat gestört. Da wünsche ich mir manchmal ein eigenes Zimmer, ein eigenes Reich.
Jedenfalls hatten wir tiefgehende  Themen, die wir heute am Wickel hatten und es war so vieles dabei, worüber ich mit dir auch rede.
Um unsere Findung, wie es denn mit Anfang 50 weiter geht. Die Aussage: wenn der jüngste aus dem Haus ist in 3 Jahren, dann lebe ich mein Leben neu.
Der Wunsch nach Veränderung, noch mal wieder lebendig sein. Wer findet mich noch attraktiv? Männer unseres Alters gucken nach jüngeren mit Klimpernwimpern und fangen an zu posen, wenn eine 25 jährige sie anhimmelt. Oder ist das unser Neid? Dass wir diese Klimperwimpern nicht mehr haben?
Was haben wir erreicht, was fehlt noch? Was kommt noch?

Ich für mein Teil bin ja glücklich und hab noch einiges vor. Wie geht es anderen Frauen? Ich hatte die Idee einer regelmässigen Gruppe von Frauen in unserem Alter, die sich treffen , zum Austausch und zum Lachen.

Vor einigen Jahren habe ich eine Frauengruppe geleitet, das waren Mütter, die bei mir in einer Eltern-Kind-Gruppe waren. Nachdem die Kinder im Kindergarten waren, entstand daraus eine Frauengruppe. Das hat mir so gefallen und war so schön. Es war da eine starke Verbundenheit, eine grosse Nähe, privat haben wir uns nicht getroffen- immer nur in diesem offiziellen Rahmen.
Und das Konzept dieser Gruppe hatte einen Namen:“ Frauen gehen ihren Weg.“ Ein Witzbold hat in den Flyer, der in der Pfarrei hing , das Wort Männern eingefügt. „Frauen gehen ihren Männern Weg. “ Wahrscheinlich selbst ein Mann.
Als ich dann hierher nach A. zog, bin ich zur hiesigen Pfarrei gegangen, und hab gefragt, ob es möglich ist, auch hier so ein Gruppe aufzuziehen. zur Antwort bekam ich :“Naaa, des brach ma do net, mir ham hier die Strickgruppe (rrrollendes Rrr) und an Fraunverein, der sich do um die Weihnachtsbasare kimmern dued. “
Tja, das ist bayrisch-schwäbische Provinz.

Im Orient gibt es diese geschützten Frauenräume, den Harem, in meiner romantischen Vorstellung bietet er Schutz vor den Männern und ermöglicht den Frauen eine eigene Freiheit zu Sein.

Möglicherweise ist diese Vorstellung  falsch. Aber weil ich eigentlich einen Beitrag über Kardamon, Koriander, Zimt, Nelken und  Vanille und die Gastfreundschaft in Beirut schreiben wollte, passt der Harem jetzt als Vorstellung dazu. Und rundet das ab.

Gastfreundschaft in Beirut und ein opulentes Essen… das schreib ich wann anders.

Einen schönen 2. Advent!
K.

 

Liebe K.,

ich glaube nicht , dass wir Frauenräume brauchen… reiss mir jetzt bitte nicht den Kopf ab..was du dir vorstellst gibt unsere Kultur nicht her, glaube ich.. Auf mich wirkt Frauenraum hier als ausgrenzend… ausgrenzend für Männer.Ganz einfach, weil Männer auch keine Männerräume haben.. Fussball u.a oder Kneipenbesuche zählen da nicht mit für mich. Frauen haben sich, 68ger und Frauenbewegung sei dank einiges an Raum (zu-)rückerobert. Das ist gut so ! Selbstbewusste junge Frauen heute , sind toll im Umgang ! Es freut mich immer wieder, wenn ich bei der Arbeit oder auch sonst mit ihnen zu tun habe. Ich muss mit mir so manches Mal kämpfen, wenn ich etwas sage. Bei denen , die ich gerade vor Augen habe, geht das ganz selbstverständlich… da ist gar nicht die Frage.. auch nicht im Ansatz !  Oh… wenn ich das jetzt sage, dann mögen die mich nicht mehr… dann hat “ Papi“ mich nicht mehr gern…  sondern Zack ! Raus damit, selbstverständlich wird für sich eingestanden ! Auch vor sogenannten Autoritäten wird nicht gekniffen… o.k. das tu ich auch nicht 🙂  Viele Männer wissen heute gar nicht , wie sie denn sein sollen/wollen.. ich meine die in unserem Alter… Keine Vorbilder, hat mal einer zu mir gesagt.. es sei schwierig… an wem oder was orientieren… an den Ansprüchen und Bedürfnissen der Frau oder Freundin ? An sich selbst ? Manche Frauen probieren immer noch an „ihren“ Männern herumzuschrauben und umgekehrt wird auch gern“geschraubt“. Reichen wir denn nicht mehr aus so wie wir heute sind ? Ist es denn nicht schon schwierig genug ? Erfinde dich täglich neu ??? Wir gehören zu der Generation die sich mit ihrer Selbstverwirklichung befasst. Etwas , dass für die Elterngeneration merkwürdig und ichbezogen daherkommt. Wo bleibt das grosse Ganze hat meine Mutter immer gesagt… O.K. wir beide, liebe K. sind davon natürlich ausgeschlossen 😉  wegen unseres Berufes !  Wir tun schon genug für die Allgemeinheit… oder ?!

Frauenraum könnte doch bei jeder anfangen… das frau einfach keine blöden Bemerkungen über andere Frauen macht. Auch nicht das Äussere bewertet oder kommentiert. Einfach die Vielfältigkeit und Buntheit des Lebens respektiert. Hallelujah !Davon bin ich soweit entfernt wie der Frosch vom Fliegen… dabei hilft mir die eigene Boshaftigkeit nur vor eigenen Verletzungen… Wenn ich jetzt z.B. nicht mehr über andere Frauen fiese Sachen sage, heisst das ja noch lange nicht, dass sie das dann mir gegenüber auch nicht tun. Oder ?!  Soviel zum Selbstbewusstsein einer Anfang 50jährigen.. 😦

Wie wärs mit Resepekt ? Damit werde ich heute mal in den Tag gehen..

S. nachdenklich