Gullydeckel Art ;-)

Guten Abend liebe K.,

du hast viel erlebt auf deiner Reise. Alleine reisen und damit klarkommen, Erkenntnisse, Hindernisse überwunden, auch Sprachliche und viele schöne Sachen gesehen. Diese Burgen sind ja echt megaaaaa !

So kann der Sommer auch sein !

Tschja… hier war es während deiner Reise trübe, d.h. trübes Wetter und  viel zu kalt. Ich musste tatsächlich bis heute warten um wieder trockenen Asphalt um den Gullydeckel zu haben. Die Regentonne läuft bereits über, so viel Regen kam hier in den letzten Tagen runter..omg..

Und nun fisselt es auch wieder; diesen fiesen Landregen der nach und nach durch alles durchgeht. Bin gespannt ob er noch etwas von meiner Gullydeckel Verschönerung übrig lässt. Morgen früh werde ich es sehen.

Tschüss und schönen Abend

grüsst dich S.

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Reisen macht dreckige Fingernägel

Kennst du das, liebe S.?

Ich hab beim Verreisen immer Schmutz unter den Nägeln, da kann ich noch so oft putzen, ekliges Thema oder?

Jedenfalls hab ich gestern eine recht lange Wanderung hingelegt, und es war sehr interessant für mich, niemanden zum Reden zu haben, während ich ging. Ich musste mir meine Wege selber finden, ich hab mit niemandem diskutieren müssen, ob es jetzt rechts oder links längs geht, ich bin einfach meinem Gefühl gefolgt, und das war nicht immer richtig, ich bin mehrmals im zickzack gelaufen.
Bis mir dann der nette Mann vom Weinberg, den ich gefragt habe, gesagt hat, wo es längs geht.
So bin ich also gegangen, in Gedanken, oder auch nichts denkend, was denkt man so 5 Stunden?
Als ich mein Ziel erreicht hatte, eine riesengrosse Jesustatue auf einem Berg, war es vorbei mit der Stille.
Und wieder war ich froh, dass ich allein unterwegs war, denn, wäre ich zu zweit gewesen, hätte eine von mir beiden gemotzt.
Dass die 5 französischen Wanderer so laut reden müssen, wenn ich doch die Stille geniessen will und die Aussicht, dass sie so laut in ihre Chipse beissen müssen, dass ich alles mitkriege, über das sie reden obwohl mein Französisch doch so rudimentär ist.

Und das die 3 anderen Leute da ein bisschen albern sind, hätte ich mit mir gelästert, dass sie sich so freuen, dass sich ein Schmetterling auf das faltige braungebrannte Bein der einen Frau setzt, und die andere , jüngere , mit Faltenrock, es unbedingt fotografieren muss, quietschend, „C`est tres jolie, oh mon dieu!“ und dann vor lauter Wonne beginnt, Kirchenlieder zu singen, in einer sehr schlimmern Oktave, sehr hoch! Und der alte Mann einstimmt, leider etwas falsch,und dann beten sie, und die Frau mit dem Schmetterling am Bein geht weg.
Zurück blieb ich mit den Chipsfutternden Franzosen.
Wenn ich nicht alleine gewesen wäre, hätte ich reden müssen, ob wir noch bleiben, oder ob wir lieber gehen, und dann hätte ich gesagt.“ Also so schlimm ist das doch nicht! Die haben ihre Freude!“ und das andere Ich hätte womöglich schlechte Laune gekriegt und hätte rumgemotzt…. wer weiss. S
So entschied ich mich dann für mich alleine in den Wald zurück zu gehen und meine Wanderung fortzuetzen. Ausserdem hab ich Höhenangst, ich hab das wieder gemerkt, wie ich ganz oben stand, mir wurde dezent flau im Magen und ich hatte Angst runter zu fliegen. Das andere Ich hätte gesagt, reiss dich zusamen, und das Angst-Ich wäre womöglich geblieben und hätte sich in die Hose gemacht.

Nee nee, da ging dann das Alleine-Ich frohen Mutes wieder den Brg hinunter.
Es war fein. Ich hab mich an einen Bach gesetzt, hab mich ins Moos gehockt, hab gedacht und nicht gedacht….Ja, so ist das mit dem Alleine Urlaub machen.
Trotzdem gewöhnungsbedürftig. Die eine Gästin hier schaut mich immer an, und lächelt und beobachtet mich freundlich, ich glaube, sie will mir helfen. So guckt sie jedenfalls. Ich lächel freundlich zurück. Ihr Mann summt die ganze Zeit Melodien.

Ja. und heute suche ich ein Freibad, es wird heiss! Liebste Grüsse
Kat., lonely but proud 😉

Sommerliches

Liebe K.

man merkt jetzt richtig,daß es sommerlich ist. Die Linden blühen so schön und duften fein. Ich freue mich immer wieder besonders an den 2 Bäumen die genau hintereinander stehen an meiner walking Strecke.. Die Zweige hängen richtig tief, sodass man bequem dran schnüffeln kann mmmmmhhhhh.. so ein schöner Sommer ! Auch hier sitzen die Leute draussen, machen Musik und sind abends noch auf den Strassen.Kinder lernen Fahrradfahrer auf richtigen kleinen Rädern. Sie tragen Helme und der Sattel ist immer zu niedrig eingestellt, weil sie das whs. von ihren Laufräder so gewohnt sind.  Aus der Nachbarschaft kam gestern eins der Mädchen angeradelt, ganz verschwitzt von der Aufregung, dass sie jetzt fahren konnte. “ Wer hat diese Blume gemalt ?“ fragte sie mich.. und ich antwortete ihr, das ich das war. „Wozu ist das gut ?“ diese Frage hatte ich nicht erwartet.. eine 5 jährige fragt wozu das gut ist. Wir kamen ins “ Gespräch“.. –einfach so- wurde von ihr nicht akzeptiert. Weil es mir Freude macht und ich das schön finde.. fand sie auch sichtlich komisch.. sie musste fast schon weinen.. Warum ich das gemacht hätte, das müsste doch für irgendwas sein.. jeder wüsste doch, dass die Kreide bei Regen weggespült würde. Dann wär doch die Blume weg..“so ein Blödsinn!“  irgendwie klang sie gar nicht nach Kind.. Dann kam ihre Mutter dazu, und fragte mich ob ich dieses Mandala gemalt hätte, sie hätte es gerade aus ihrem Küchenfenster gesehen. Dabei stemmte sie eine Hand in die Hüfte und guckte mich an. Ja, sagte ich und sie sagte „schön“ und das Mädchen sagte auch „schön“ und schnaubte dabei ein wenig wie ihre Mutter.

-Ob ich mir nicht komisch vorkäme als Erwachsene mit Strassenmalkreide sowas „einfach nur so“ zu machen.. oder geht es um einen Strassenwettbewerb ? Von dem hätte sie dann aber noch nichts gehört…

Ich sagte einfach nichts mehr und schaute den Wolken zu und pfiff eine einfach Melodie um die Amsel zu ärgern, die immer lauter wurde und komplizierte Melodien erfand.“Wann regnet es wieder ? “ fragte das Mädchen seine Mutter.. „weiss nicht… morgen ?“

„O.K. wenn der Regen die Blume weggespült hat komme ich wieder und gucke ob du eine neue malst“……

Die Mutter zwinkerte mir zu.. ich könne ja bei ihnen klingeln und Bescheid sagen, wenn ich wieder was malen würde. Da könnte die Kleine zugucken, aber montags sei sie bis ….. in der Kita, am Dienstag hätte sie………….  piiiiiiep, die Amsel flötete  und ich hörte einfach nicht mehr zu. Der Wochenplan einer 5jährigen die ich kaum kenne, gehört nicht zu dem was ich mir unbedingt merken will, eher erschreckt es mich. Irgendwann richtete die Mutter das Wort wieder direkt an mich und sah mich an : …. und für sie wäre es ja sicher auch einfacher mit Strassenkreide zu malen wenn ein Kind in der Nähe wäre, da würde dann auch bestimmt keiner komisch gucken, denn eigentlich wäre es doch eher was für Kinder… meinen sie nicht ?

 

Ich musste lachen.. sagte nichts , versprach nichts und ging einfach ins Haus um meinen Fotoapparat zu holen. Ein Foto vom Mandala bevor der Regen kommt. Oder die Nachbarn mit dem Gartenschlauch. .-)

Komische Welt. Da tauche ich lieber noch ein wenig ab und schwelge in Erinnerungen ferner Sommertage.

einen guten Start in die neue Woche

Grüssli

deine S.

Das Leben ist schön -Mashallah!

Liebe S.,

ich bin heute abend mit einer Freundin in die Stadt geradelt. Von mir bis zu der Freundin sind es 6 km und von dort in die Stadt noch mal 6 km. Sie würde mir einen tollen Radweg durch ein neues Wohngebiet zeigen, hat sie gesagt.
Naja, wie du weisst bin ich kein Freund von neuen Wohngebieten.Dieses neue Wohngebiet wurde in den letzten Jahren auf einem alten Kasernengelände der amerikanischen Besatzung gebaut. Ich habe es immer gemieden, ich fand die alten Kasernengebäude irgendwie schön, es gab da vorher so Werkstätten und Kleinkunst, das war toll. Und nach dem Abriss hab ich es tatsächlich nicht gewollt, dadurch zu gehen. Erst mal, weil die Wohnugen da sowieso unerschwinglich sind und dann naja, altes zerstören um neues zu bauen,…macht mich traurig.
Auf dem Hinweg konte ich gar nicht soviel wahrnehmen, sie ist geflitzt wie ein Henker, weil sie Hunger hatte wahrscheinlich, und sowieso heimlich ein Elektrobike hat, egal.

Aber der Rückweg, es war so schön!
Es sind dort breite Wege angelegt, ein Teich, Sitzbänke, zwischen den Wegen waren so Pflanzinseln mit Echinacea und Gräsern, nicht unbedingt heimische dort ansässige Gewächse, glaub ich, aber egal. Und das schönste, es waren auch noch um 22.oo Menschen unterwegs!
Leute mit Hunden, Familien mit Kindern, Moslems, ein alter Mann mit seinen Enkeln, es war lebendig.
Ich dachte, ja, heute ist Ramadan vorbei,  es ist Zuckerfest, Eid Mubarak!
Auf den Bänken junge Mädchen mit Musikboxen, die tanzten. Die Mädchen also tanzten.
Ich lieferte meine Freundin bei sich zu Hause ab, und radelte weiter.
Im nächsten Ort, laute Musik an der Musikschule, es war Musikfest. Viele Menschen auf dem Gelände. Der nächste Park, wieder Musik, junge Leute, ob mein Sohn dabei war?
Er hat heute seine Abiturnote bekommen. Sie feiern.
In den Schrebergärten Musik, Lagerfeuer, Lachen.
Der nächste Spielplatz, wieder junge Leute. Dann auf einem Fussballplatz ein Zelt, viele Leute, Fussballmonitor, klar, Weltmeisterschaft, sie feiern, was auch immer.
Ich radel weiter, wieder Musik- da singen welche irgendein Lied aus den 80ern, wieder ein Fest.
Mann ist hier was los, hab ich gedacht.
Dann oben am Himmel die Mondsichel.
Weisst du, ich dachte, soviele Menschen. Soviel Leben überall, so eine schöne lebendige Sommernacht.
Jetzt sitze ich auf meiner Terasse, hab mir ein paar Lichter angemacht und höre von ferne wieder Musik.
Glühwürmchen taumeln. Jetzt ist es ganz finster hier an meinem Waldrand.
Trotzdem höre ich das Leben.
Schön, denke ich. Trotz Zäunen.
Die Menschen begegnen sich und treffen sich und freuen sich am Leben. Und die Glühwürmchen freuen sich auch.
Hab eine gute Nacht!
Kat.

 

Wenn das Paradies Dellen bekommt

Liebe S.,
schon wieder Ärger mit den Nachbarn. Ja, es ist nicht nett, wenn ich als Reaktion auf einen Schrieb an der allgemeinen Pinnwand , dass man die Trockenmaschine nicht in Standby haben soll in der Nacht! den Zettel wegnehme und stattdessen Ohrstöpsel hinhänge.
Das ist nicht nett. Aber es ist auch nicht nett, das uns nicht persönlich zu sagen, obwohl ich mehrmals darum gebeten habe, wenn etwas stört, dann mir das doch zu sagen. Ich kann das dann nachvollziehen oder meine Gründe nennen, warum es so ist(Schichtdienst, grosse Familie)  und darauf reagieren. Der Standby diente dazu, das das Ding erst morgens um acht losgeht, wenn ich in der Arbeit bin- dass er Nachts nicht laufen soll, der Trockner, verstehe ich ja. Es hing vor zwei Wochen schon mal so ein Wisch da und ich habe gesagt, bitte , Sagen Sie es mir doch persönlich! Sagen Sie es mir, wenn Sie etwas an uns stört! Und es wurde gelächelt und scheinheilig gegrinst und gesagt, selbstverständlich, wir sind erwachsene Leute, wir können ja reden! Und ich dachte, es sei gut, und war freundlich und habe denen den Schnee weggeschippt, weil ich nett bin und weil ich friedlich leben will.

Heute morgen steht dann Vermieterin vor der Tür, die Nachbarin hätte sie gestern eine Stunde volltelefoniert und die Ohrstöpsel gingen ja gar nicht, sie sei enttäuscht von mir,dass ich sowas mache, und der Keller, da würde alles mögliche rumstehen im Flur , und die Schuhschränke vor der Wohnungstür, das sei hässlich,…. und ob wir das nicht in den Keller räumen könnten.
Es geht niemand in diesem Hauseingang ein und aus ausser uns. Und ja, diese Nachbarn nebenan, die können durch die Kellertreppe hier raufkommen, und sich dann ärgern,das wir Schuhschränke vor der Wohnung haben.
Ich vermute , sie tun es. Ich vermute, sie beobachten jeden Schritt, den wir tun. Sie weisen uns darauf hin, das wir nicht sofort den Gehweg von Laub befreien. Sie ärgern sich,das wir auf der Wiese Löwenzahn wachsen lassen. Sie teilen mir mit, das meine Waschmaschine wohl nicht läuft , aber leuchtet. (Zeitvorwahl, gell, damit es nicht stört!).
Bei den Eigentümerversammlungen geht es nur um uns. Wir sind die Mieter in diesem Viererdoppelhausgespann. Alle anderen sind Eigentümer.

Ich bin traurig, Ich mag meine Wohnung. Ich mag die Wiese und meinen wilden Garten und die gemütlichen Zimmer und die Ruhe und den Wald hinter dem Haus. Es war mein Paradies, als ich hier einzog. Und jetzt, seit ich einen Wäschetrockner habe, und die Nachbarn ihre Waschmaschinen ein bisschen zur Seite rücken mussten, damit der Wäschetrockner Platz hat und ich nicht mehr unsere Wäsche im Keller trocknen brauche, seitdem ist Krieg.
Mein Paradies hat Dellen bekommen. Und ich überlege auszuziehen.

Es wäre schade. Es ist mein Zuhause. Aber was kann man tun, wenn man solche Nachbarn hat und man nicht in Ruhe leben kann? Wenn man lauscht, ob im Wäschekeller jemand ist, damit man dem nicht begegnet?

Ja, die Ohrstöpsel,… das war meine Wut. Denn ich bin mir sicher, meine Waschmaschine oder der Trockner machen in Zeitvorwahl keine Geräusche. Aber wenn man so fixiert darauf ist, das man etwas hören wird, dann hört man auch was. Vielleicht sollte ich ihr einen Beruhigungstee schenken.

Oder vielleicht brauch ich den selber….

Ich will in die Einsiedelei!

Weisst du nicht eine kuschelige Höhle für mich?

Liebe Grüsse Kat.

 

 

Wollkarmas Zähmung

Liebe K.

noch eine Runde im Wollkarma.. auweia, magst du jetzt denken. Hört das denn nie auf mit der S. und ihrem Wollkarmagedöns ? 🙂

Ja, das frage ich mich doch selber !!!!  Es scheint allerdings so, als wäre es durchbrochen.. das „Wollkarma“ – Break on through the other Side-

Neee sicher nicht, ich kann immer noch keine Abzählmuster usw. das wird noch dauern, wenn überhaupt. Wahrscheinlich mache ich eher einen Nähkurs ( Nähmaschinen hassen mich ! Sie lauern nur darauf mich zu zwicken oder zu ärgern mit ihrem Unterfaden) als das ich Abzählmuster lerne. Aber wer weiss?!

Der erst kürzlich von mir entdeckte Wollladen scheint ein kleines Stück vom Wollparadies.

Ich war da um mir neue Wolle für einen Frühlingsschal zu holen. Die Frau war schon beim letzten Mal wirklich sehr nett und wir haben uns über Farbkombinationen unterhalten und über das Malen. Ich denke wohl eher in Bildkompositionen als daran was mir wirklich stehen könnte oder überhaupt mit einem Strickteil „erzählt“ werden kann. Das waren so meine Erkenntnisse.. und so stand ich also wieder in dem kleinen Laden und freute mich an den wolligen Knäulen und den schönen Farben.

Was hatte ich dir geschrieben ? Ich suche beerenfarbene Töne..und mitgenommen habe ich die da oben. Im Geschäft war gerade Stricktreffen und so wurde ich „beraten“ von den anderen Frauen. Hahahaha,normalerweise mag ich das nicht wenn mir was ungefragt geraten wird und ich in meinen Gedanken gestört werde. Diesmal wars o.k., die eine fand für mich ganz fremde Farbkombis super. Zumindest wars interessant, zumal die Besitzerin des Ladens ja auch noch da war und irgendwie auf mich aufpasste, bzw. ihre Kundinnen in Schach hielt.

Wir sprachen über beerenfarbene Töne und sie sagte sowas wie : “ man hätte doch jetzt auch sowas wie Rosahunger. Nach zarten Frühlingstönen und nicht nach Winterfarben“ Wie Recht sie hat !

Dann passierte das Unabwendbare! Die eine Kundin stand auf und kam auf mich zu .

„Sie wollen einen Schal stricken ? Ich zeig ihnen mal meinen .“ Alles was dann passierte war die xte Variante von dem Thema.

Sie zeigt mir ihren wunderschön gestrickten Schal in kompliziertem Muster. Tja, das sei ganz einfach- mmmh- doch schauen sie mal -grummel- nur so abheben, hintenrum eine Masche , gaaaaanz einfach zu zählen, muss man nur auf nem Extrazettel ankreuzen gaaaaanz einfach,habe ich schon gaaaaanz oft gemacht.

– Grummel- schön für dich dachte ich  – dann mach du doch das-    ich nicht. Ich will immer noch kein Muster stricken!

Als die entschlossene Strickerin näher und näher kam und ich sie schon verschwommen sah, weil sie zu nah neben mir stand und ich keine Brille aufhatte, wurde ich gerettet.

„Neeee, lass mal wir sind ungeduldig und stricken zur Entspannung “  Das -wir- war eigentlich komisch, aber es machte mir nichts aus in diesem Moment. Sie stand auf meiner Seite , die Ladenbesitzerin. Dafür bekommt sie 11 von 10 Punkten. Sie hat es mit sehr diplomatischer Art geschafft, dass die andere sich einfach wieder  hin setzte. Wow! Respekt! Danke!

Und nun stricke ich an einem Schal der blassrosa und blassaquamarinblau ist und irgendwo ein Highlight mit diesem supertollen Orangerot bekommt. Und ich freue mich schon darauf ihn dir zu zeigen. Soon….

Gutes Wochenende allerseits und herzliche Grüße

S.

 

 

 

Betrachtungen über Wartezeiten im Januar

Liebe K.,

hast du dich schon mal gefragt wieviele Minuten wir mit Warten verbringen ? Mit der Ungeduld auf eine nahe Zukunft in der der Zug kommt ? Man kann die Wartezeit „nutzen“ indem man Musik hört oder man starrt aufs smartphone , oder hüpft rum oder oder oder..

Es sind Lebensminuten die da verstreichen; ist uns das immer bewusst ?.Man könnte etwas Freundliches tun. Anstatt sich z.B. über die Verspätung zu ärgern.. z.B. jemandem zulächeln, oder jemanden kennenlernen der/die auch so dasteht und wartet.. in der Kälte des Januars bei fiesem Ostwind.. so wie ich heute..oder ist der Weg das Ziel ? Hahaha.. da stand ich . dachte Verschiedenes vor mich hin.. z.B. welcher Taschentyp ich bin.. und das ich keinen sogenannten Shopper möchte, weil die mir whs. zu schwer ist und an meiner ohnehin schon lädierten Schulter zieht ,aber Rucksack ist auch out.. oder ? Ewiges Öko…. wie kann ich meinen Milchkonsum einschränken, wenn ich Sojamilch nicht mag und Hafer und Mandelmilch zu süss finde ?

So stand ich also da mit all diesen „wichtigen“ Gedanken und ohne Kopfhörer mit Musik drauf.. nebenbei beobachtete ich 2 Frauen ca unserer Alters.. Yogamatten im übergrossen Shopper… … Ach was.. sagte die eine… von wegen der Weg ist das Ziel !  Weg!  ( sie sprach es wech aus…) ist das Ziel..“ ich musste lachen.. ich die Finderin hatte wieder einen Satz gefunden.. wie lustig… wech ist das Ziel.. die Duplizität der Ereignisse.. so kann man es auch sehen..

-Ihr Zug verspätete sich auf Weiteres-… unbekannt… Polizei und Rettungseinsatz am Hauptbahnhof… nah toll.. also weiter warten.. gleichmütig wie eine Kuh mit ihren 4 Mägen dastehen.. Gedankenfetzen verdauen.. welcher Taschentyp.. achgottchen das sind Problemchen.. Quarko käso.. wie einer meiner Exen immer sagte.. ein kurzer Gedanke an ihn.. wie es dem wohl geht… er wollte damals die Welt retten… seufz… lange30 Jahre ists her..

Zwei Teenies wecken meine Aufmerksamkeit.. “  man alder eeyyy.  PRANK !!!!! Hab ich schon 1000 mal gefeiert.. eeeey, bist du bekloppt ???oder was ? Kennst du nich ?????

WAAAAAASSSSS ? Wissu mich als bekloppt desinfizieren oder was ??? “

Ich muss lachen.. wie das wohl geht.. jemanden als bekloppt desinfizieren.. Kopfkino…

In der Bahn sitzt mir ein anderer Teenie gegenüber.. bebrillt.. cool.. Sennheiser Kopfhörer auf LAUT.. er starrt mich gelangweilt an und verdreht langsam die Augen zu einem Schielen.. kann ich auch.. er verdreht die Augen nach oben rechts ( doofe Alte) ich mache mein erprobtes Debilengesicht und fletsche die Zähne.. er lacht.. ich grinse.. mehr geht nicht.. es ist einfach zu kalt… dieser Ostwind.. und die Frage.. welcher Taschentyp bin ich denn nun.. ich warte auf meine Haltestelle um endlich aussteigen zu können..Januargrau… zu Hause erstmal Kerzen anmachen und Kakao kochen..

Deine S.

Kleine Fluchten

Liebe S.,
ich glaube man erwartet einfach immer zu viel, das man sich Ruhe gönnt, das alles vielleicht anders wird, das man etwas ändern kann, das man die Kraft, die man braucht, einfach irgendwoher kriegt….

Ich merke an mir,dass  ich mir schon wieder viel zuviel aufhalse buchstäblich, weil sich ja was geändert hat: der JüngstLiebsteSohn ist volljährig, selbstständig, fährt Auto, und ich merke, ich muss die Lücke füllen.
Da ist zum einen meine FachWeiterbildung, Schule beginnt wieder nächste Woche, dieses Jahr stehen dann Prüfungen an, ich möchte beim Ethikkommitee der Klinik mitmachen, mir ein riesengrosses Anliegen, Ethik in der Pflege, ich bin bei Projekten dabei, mache einen kleinen Vortrag Ende Januar, plage mich Powerpointpräsentation rum…. Warum? Warum muss ich so geschäftig sein? Warum kann ich nicht sitzen schauen Luftholen? Das kann ich nicht andauernd, so ein Mensch bin ich nicht , aber zum Alltag kommen ja noch die Alltagsanliegen, der Müde Mitbewohner, die Gasableser, die Freundin in Trennung,….

Ich stand gestern auf dem Laufband, und obwohl ich meine Kopfhörer laut anhatte, hörte ich ein Gespräch mit von diesen Frauen, die sich im Fitnesstudio treffen und ratschen, du weisst, das ich das hasse, aber jeder so wie er mag.
Die eine dieser Frauen sah sehr müde aus, und sie sprach von ihrem Alltag, der sie auffrisst, der Mann, der soviel Überstunden macht, die Mutter, der ihr Telefon kaputt gegangen ist, die Schwiegermutter, die es nicht mehr schafft, ihren kranken Mann zu versorgen….“und an wem bleibt alles hängen? An mir!!!“ hat sie gesagt und ich dachte, dann sag NEIN.

So leicht ist Nein sagen aber nicht. Wir könnten es  lernen. Wir können uns rausnehmen aus der Überbelastung, eben mit dem Anschauen der Lavalampe, toll, das du das hast! Oder mit dem Ausmalen hübscher kleiner Bildchen in einem hübschen kleinen Büchlein,das ich mir gestern gekauft hab. Ich habe mir auch einen Füller gekauft mit einer breiten Spitze, zum Schönschreiben. Ich male in diesem Büchlein die Bildchen aus und schreibe ordentliche feine Worte hinein.
Vielleicht reichen manchmal zehn Minuten. Zehn Minuten ganz bei sich sein.
Am Sonntag waren wir in 3 Augsburger Kirchen,der LieblingsItaliener und ich. Nur so schauen zum Neujahr. Im St. Ullrich spielte die Orgel. Momente ganz für mich. Der Klang, der Hall, die Töne.20180105_121756

Heute gehe ich nach München in die Gabriele Münter Ausstellung mit der SchönstenTochter. Das ist auch ein Abstand nehmen vom Alltag.

Jemand nannte das mal „kleine Fluchten“. Schönes Wort. (Natürlich nicht im Zusammenhang mit Krieg und Elend)

Meine Fluchttasche ist immer gepackt. Wer weiss…..

Alles Liebe Deine Kat.

Zwischen den Zeiten

Liebe K.,

immer noch Rauhnächte… eigentlich sollte man die Zeit nutzen können inne zu halten.. zu schauen wie das neue Jahr daher kommt.Im Übergang das Alte abschliessen..denn irgendwie scheint sich das „Gezappel“ zu rächen… die Geschäftigkeit.. manches erscheint mir schwerer als sonst.. mühsamer der Alltag.. schwerfälliger… wenig geht einfach seinen Weg.. ich muss nachsetzten, nachdoppeln, hinterher sein.. aber so verlangt es der Alltag und auch die Arbeit.. und es braucht einen Ausgleich.. der u.a. Lavalampe heisst.s.o. Der schaue ich zu und der Alltag entfernt sich immer mehr.. der Lärm und die Geschäftigkeit bleiben draußen,und ich kann wenigstens etwas eintauchen in diese Übergangszeit und horchen… nach Innen , nach Aussen.. in den Wasserkocher, in das Ticken der Uhr.. sehr meditativ und erdend.. die Zeit scheint sich wieder etwas zu dehnen, der Atem wird länger und ruhiger…der Druck des Alltags fällt ab und es gibt wieder Platz für andere Dinge.

Unknown  das wär z.B. eins der Bücher die ich lesen möchte.. wenn es meine Bücherei nicht hat, werde ich es kaufen… und dir ausleihen, wenn du magst.. es soll sehr schön sein !

einen guten Abend

herzlich Deine

S.

Wer braucht Dinosaurier?

Liebe K.,

ich habe von Suska gelesen.. und das sie scheinbar unpassend im Zumba Kurs war..

So geht es doch auch „uns“ oft… denen die über 50 sind.. die die scheinbar in kein Schema passen… Alles ist möglich, wenn man nur will.. das von mir vielzitierte Motto unsere Generation. Aber stimmt das denn.. noch ? Nein , würde ich sagen.. diese Geschichten von Gegenangehen, trotzdem seinen Weg gehen, sich Mut zu sprechen weil man nicht ins Schema passt und trotzdem liebenswert und toll ist ..  sie sind wichtig und machen mir auch Mut.. und ich habe es auch satt.. das das überhaupt Thema sein muss ..

Vielleicht sollte z.B. die Suska aus deiner Geschichte, sich einfach nicht mehr solchen Situationen aussetzen… vielleicht sollten Frauen unserer Generation überhaupt aufhören  soviel Kraft darauf zu verwenden gegen an zu gehen, ein mutiges Trotzdem auf ihre Fahnen zu schreiben und sich immer und immer im Vergleich mit anderen zu sehen. Vielleicht sind wir ja mal eine Kategorie für sich? Auf jeden Fall !  Wir die sog. Babyboomgeneratien !Individualisierbar heisst es doch überall bei allen „Produkten“ der heutigen Zeit. Warum nicht auch bei uns ? Tatsachen schaffen, sich nicht mehr rechtfertigen müssen, einfach Sein , so wie wir sind. Indem sollten wir eine stille Übereinkunft finden und das irgendwann nicht mehr kommentieren sondern vorwärts gehen und zwar dahin wohin wir wollen ! Das Annehmen was ist, und sich nicht verrückt machen lassen..

Wer braucht Dinosaurier ? Keiner, sie sind ausgestorben. Aber sich an den Biss der Säbelzahnkatze erinnern, wär vielleicht ein Anfang ? 😉

herzlichst aus dem nieseligen Norden der Republik

dein

S.