Wer braucht Dinosaurier?

Liebe K.,

ich habe von Suska gelesen.. und das sie scheinbar unpassend im Zumba Kurs war..

So geht es doch auch „uns“ oft… denen die über 50 sind.. die die scheinbar in kein Schema passen… Alles ist möglich, wenn man nur will.. das von mir vielzitierte Motto unsere Generation. Aber stimmt das denn.. noch ? Nein , würde ich sagen.. diese Geschichten von Gegenangehen, trotzdem seinen Weg gehen, sich Mut zu sprechen weil man nicht ins Schema passt und trotzdem liebenswert und toll ist ..  sie sind wichtig und machen mir auch Mut.. und ich habe es auch satt.. das das überhaupt Thema sein muss ..

Vielleicht sollte z.B. die Suska aus deiner Geschichte, sich einfach nicht mehr solchen Situationen aussetzen… vielleicht sollten Frauen unserer Generation überhaupt aufhören  soviel Kraft darauf zu verwenden gegen an zu gehen, ein mutiges Trotzdem auf ihre Fahnen zu schreiben und sich immer und immer im Vergleich mit anderen zu sehen. Vielleicht sind wir ja mal eine Kategorie für sich? Auf jeden Fall !  Wir die sog. Babyboomgeneratien !Individualisierbar heisst es doch überall bei allen „Produkten“ der heutigen Zeit. Warum nicht auch bei uns ? Tatsachen schaffen, sich nicht mehr rechtfertigen müssen, einfach Sein , so wie wir sind. Indem sollten wir eine stille Übereinkunft finden und das irgendwann nicht mehr kommentieren sondern vorwärts gehen und zwar dahin wohin wir wollen ! Das Annehmen was ist, und sich nicht verrückt machen lassen..

Wer braucht Dinosaurier ? Keiner, sie sind ausgestorben. Aber sich an den Biss der Säbelzahnkatze erinnern, wär vielleicht ein Anfang ? 😉

herzlichst aus dem nieseligen Norden der Republik

dein

S.

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Aussergewöhnlich Normales

Liebe K.,

dass  du eine unkonventionelle Lösung für diese Patientin gefunden hast, eine die ihr mehr entspricht als irgendwelche Vorgaben und Annahmen was gut für sie sei, ist gut.

Dafür sind wir da.. in meinem Alltag in der Notaufnahme ist diese Fähigkeit oft gefragt.. und bringt die jüngeren Kolleginnen an ihre Grenzen… wieso macht ihr das jetzt so ? Fragen sie dann… das habe ich aber anders gelernt usw.. und sie lernen bei uns relativ schnell, das manchmal improvisiert werden muss um den Menschen bestmöglich zu helfen und um Stress zu vermeiden. Das die Kurzfassung dazu..

Mit meiner Frage nach den Anstrengungen war allerdings noch etwas anderes gemeint. In Stresssituationen  wendet man oft viel mehr Kraft an, als man müsste. Die Zähne werden zusammengebissen, die Muskeln verkrampfen sich.. alles auf Maximalleistung..

Das ist das was auf Dauer krank macht…1,2,3 und bei 3 wird umgelagert… jeder hat ein anderes 3 und wenn man Glück hat klappt es synchron.. wenn nicht trägt einer mehr Last als der andere.. Man schiebt im  Stress die Betten mit mehr Druck..gibt fester die Hand, dreht die Menschen ruppiger im Bett usw.. weil man dann ganz fokussiert ist, weil da kein Platz für Nebentöne mehr ist.. zack zack.. muss fertig werden… um diese Anstrengungen geht es.. Stress ist da, den zu merken und dann innehalten… wieviel Anstrengung wende ich jetzt auf… oh oh.., mehr als nötig…  dann runterzuschalten auf diese Stufe 2-3 ist sehr schwer.. aber genau das schafft innerlich den Raum, den man braucht aus der Stressspirale herauszukommen.. und wir wisse doch alle… Druck erzeugt Gegendruck.. bin ich zu schnell, zu ungeduldig oder wohlmöglich sogar  zu ruppig mit einem Patienten, blockiert er und es wird noch schwieriger das eigentliche Ziel zu erreichen..

Aus diesem Muster der Anstrengung zu kommen, ist nicht einfach.. So ist es gelernt, antrainiert .. jahrelang.. unbewusst.. : Oh Achtung jetzt gibts Stress, Druck.. also Ärmel hochkrempeln dagegen angehen, sich dagegen stemmen, den  „Kampf“ aufnehmen. Bei dem Kinästehik Kurs fiel mir irgendwann ein, dass ich früher Tai Chi gemacht habe.. man kann mit einer kleinen Drehung auch dem Druck ausweichen..Es heisst also weiterhin in Bewegung bleiben… sowohl im Körper als auch im Geist!

Schönes Wochenende dir

es grüsst dich

S.

„Lebenslust ist zeitlos“- stimmt…

Liebe S.,

gestern kam mir ein in Folie verschweisstes Heft ins Haus geflattert. Bisschen dick innen fühlte es sich an-ich dachte: Da ist bestimmt eine nette Probepackung von irgendwas drin!
Und? Was glaubst du was es war? Dameneinlagen, Discreet, für die Inkontinenz ab 50. Haha, kaum ist Frau den einen Mist los, muss sie sich pampern wegen was anderem! Okay, ich hab trotzdem in diesem Werbeblättchen geblättert.
Woher hatten die denn meine Daten? Woher wussten die, das ich der Zielgruppe 50 plus, weiblich, entspreche?
Ahja,stimmt, ich hab ja so ne  Kaufladenbonuskarte!

Lebenslust ist zeitlos, ist der Titel.
Sehr wertvolle Tipps gibt es da drin!
Zum Beispiel kann ich mir für 98 Öcken so einen Massagegerät kaufen, welches mir die Augenpartie massiert, dann verschwinden Fältchen. Erst dachte ich, von der Optik sieht das Ding aus wie so ein Gerät aus dem Beate Uhse Laden. Rosa. Glatt. Gerade. Mit Griffschlaufe.
Ein AugenpartieDildo.:)
Dann empfielt mir „Victoria“, so heisst die Broschüre, einen weiteren Massageroller, gegen Hautalterung. Microneedling, mit tausend kleinen Nadeln gegen Cellulite!
Schmerz lass nach!
Needles and pins, uhuhuuu!
Ist aber wesentlich erschwingerlicher als der andere Massagestab.

Es gibt in dem Heftchen noch viele weitere  bunte Tipps, z. B. für einen flotten Kurzurlaub, mit YogaBootCamp,also nicht falsch verstehen, das ist nicht Yoga im Boot mit Camping, sondern 24 Stunden krass Yogatraining!
Oder  :wie werde ich glücklich mit Achtsamkeit, wie kann ich  plastikarm leben, daneben Werbung für Damenbinden, jede einzeln hygienisch in Plastik gemüllt.
Ach ja, und Haartipps, mit Shampoohinweis, wie graues Haar den Gelbstich kaschiert….
Auch köstliche Kochrezepte stehe da drin!
Aber nur der Titel, denn wenn ich es genau wissen will, wie ich klimakteriumkompatibel kochen kann, muss ich mich auf der Webseite anmelden, Victoria würde sich freuen!

Ich bin leider nicht so frei , das gleich in den Müll zu werfen. Ich schaue es an, und hab doch wirklich gedacht: Ich melde mich auf dieser Webseite an, denn die verstehen mich! Die kennen meine Träume! Schlank, faltenfrei, sportlich, entspannt…. SCHÖN! Die können mir dabei helfen, so zu werden, dachte ich.

Ich schmeiss das Heftle jetzt weg.
Anstatt auf buntbedruckten Seiten zu lesen, wie wohltuend  ein grüner Garten ist, gehe ich lieber in meinen Garten, da hab ich die Schönheit live und muss nicht davon träumen!
Schönen Himmelfahrtstag heute!

Kat.

Liebe Frau Sommer! ;)Ja, Sie haben wirklich recht, diese Geschichte…

 

….mit dem Namen….und dem Gehirn…

Guten morgen , liebe Freundin!

Wenn mich jemand damals, als ich noch jung und knackig war, mit Fräulein Schr. ansprach, fühlte ich mich unwohl. Als ich älter wurde und mit Frau Schr. angesprochen wurde, dachte ich, da meint jemand meine Mutter. Und hab mich mit erstaunten Augen umgeguckt, wo sie denn wohl ist, meine Mutter, Frau Schr.
Dann heiratete ich und wurde Frau Schn. Kein grosser Unterschied , aber auch kein Name, der zu mir gehörte.

In der Arbeit war ich immer Schwester Kat. Oder nur Kat. Für die Patienten in der Ambulanten Pflege war ich die Kat, und das schuf Vertrauen und Nähe.
Auf der Station, auf der ich zur Zeit arbeite, sprechen die Kolleginnen von einander als : „Ist die Frau Maier heute nicht da? Die Frau Eumel hat jetzt vier Tage frei und die Frau Murks ist auch wieder krank.“
Das hat mich sehr irritiert, denn auch sie Duzen sich untereinander.

Mein härtestes Erlebnis hatte ich in der Ausbildung auf der Neugeborenenstation, ich habe  es 8 Wochen geschafft, die Kolleginnen weder mit Namen noch personalisiert, als mit Sie  oder Du anzusprechen.Sehr sehr anstrengend war das!

Ja,manchmal wird einem einfach etwas klar im Hirn, etwas , was man schon andauernd macht.
Deshalb bin ich jetzt auch mal guten Mutes wegen dieser Prüfung morgen, denn ich glaube, mein Hirn weiss schon einiges, ich muss morgen nur in der Lage sein, das auch rauszukitzeln aus der Masse unter meinem knöchernen Schädeldach. 😉

Und noch was: Ich liebe meinen Namen. Mein Name, das bin ich!

 

Deine Kat.

Wiedersehen

Liebe S.,

Dieser kleine Dackel lag auf dem Fensterbrett bei meiner Schwester.DSC_1636(1)

Als ich klein war, hatte er seinen Platz auf der Mahagonikommode meiner Grosseltern. Sein Fell, auf dem er lag, war weich und flauschig, sein kleiner Bronzekörper kühl, glänzend und glatt. Auch dieser Waldi ist in die Jahre gekommen, früher fühlte sich sein Fell weicher an als jetzt. Aber es war schön, ihn wieder zusehen.

So wie auch dich am letzten Wochenende!
Hamburg ist einfach wunderbar! Danke für alles! Kat.

Sonntagmorgen in der Provinz

Liebe S.,

Sonntagvormittag.
Ich sitze sehr gemütlich auf meiner Terrasse , lese Zeitung.
Ich lese vom Angriff  des amerikanischen Präsidenten auf dieses Lager in Syrien, weil er -laut SZ-, erschüttert über den Giftgas-Tod dieser „beautiful babies“ war.
Hallo, Mr. President, der Krieg geht jetzt schon einige Jahre! Muss da, weil man einen Anflug von Rührung kriegt, so nebenbei bisschen geschossen werden, und dann geht man wieder fein zum Essen mit dem Chinesischen Staatsoberhaupt, dessen Frau so eine schöne Stimme hat?
AAArrrgghhh, diese beknackte Oberflächlichkeit! Das er nicht nebenbei noch ein paar russische Militärangehörige getroffen hat, und dann ein Atomkrieg losbricht-Schwein gehabt, wir alle!YEP!DSC_1402

Und so verspeise ich gemütlich, aber erschüttert, meine Semmel, lese weiter die Zeitung und mache mir so meine Gedanken zum Weltgeschehen.
Da werde ich aufgeschreckt durch keuchende Laute und Getrappel auf der ehemaligen Bahnstrecke hinter dem Garten. Massen an schanufenden joggenden Menschen ziehen vorbei , wippende Pferdeschwänze, Gespräche:

huuh, ich mach das jetzt öfter,-schnaufschnauf- guck mal-lufthol– ich – schnauf– ich finde-schnauf– morgen machen wir das wieder….“

„Ne-schnauf-nein- morgen –keuch-machen wir Pause- schnaufschnauf– man soll nicht- keuch– jeden Tag-……“
Flockigen Schrittes werden die Damen überholt von einem tänzelnden Angebertypen Mitte 40 : „Nun die Damen, nicht so viel reden, dann klappt das auch mit der Fitness“ und der Angeber springt davon.
Der Pferdeschwanz hüpft jetzt nicht mehr so lebhaft. Ein älterer Herr radelt an den Damen vorbei, auf dem E-bike: „Nicht entmutigen lassen, Mädels!“ sketch-1491727657136

Sirrrrr, entschwindet er aus dem Blickfeld.

Tja, so ist das Sonntags in der Provinz.
Dazu fällt mir was von  Tina Teubner ein:

„…Wenn die Evolution will, das der Mensch hektisch durch Parks rennt, hätte sie mehr Löwen reingestellt. Aber das will die Evolution nicht. Die Evolution will,das der Mensch sich ausruht…..“

 

In diesem Sinne einen geruhsamen Sonntag!

Umärmelung
Kat.

Baustellen-kulturfrei-

Liebe S.,

Ich bin platt. Der 2MonatigeSchulblock nähert sich dem Ende. Ich habe kiloweise Skripte bekommen und sollte sie jetzt eigentlich sortieren, statt Blog zu schreiben.
Ich sollte lernen.
Ich sollte guten Mutes sein, den nächsten Monaten gefasst entgegen sehen , wenn mir der Wechsel auf verschiedene Stationen bevorsteht.
2 Jahre lang alle paar Wochen muss ich wechseln, die verschiedenen Disziplinen, die verschiedenen Stationen, muss mich alle paar Wochen an neue Kollegen gewöhnen, an neue Patienten, an neue Routinen.Mir graust, und fast hätte ich heute geheult.

Ich hätte Intensivstation  weiter machen können, weil ich mich da auskenne. Aber ich wollte das ja nicht mehr.
Also muss ich das hier jetzt weiter machen.

Ein bisschen fühle ich mich wie auf einer Baustelle. Ich kann mir vorstellen, wie es dann, 2019 , sein wird, wenn ich mich Onkologische Fachkraft nennen darf. Aber jetzt ist das alles noch lang nicht fertig. Noch stehen noch ziemlich viele Kräne und Betonmischer um mich rum.
Meine Güte! Und das auf meine alten Tage!
Ich könnte faul in einer Hängematte liegen, und unter dem Himmel schaukeln, aber nein,….
Hängematte muss warten.

Ich sortier jetzt.
Blätter, Schriften, Schlagwörter.

Grüssele Kat.

P.S.: Was der Kran da übrigens durch die Lüfte schweben lässt, war eine Treppe. Die Treppe in den Himmel, aufstrebend. Ich seh das jetzt mal positiv.

Morgengedanken

Liebe S., draussen stürmt und regnet es, ich sitze vor dem Taschenrechner und stelle entsetzt fest, wieviel weniger Gehalt mir bleibt, weil der Schichtdienst wegfällt und die Schichtzulage.
Wiegt weniger Geld ein geregelteres Leben auf? Ja, denke ich.

Ich wurde gestern gefragt, ob ich abgenommen habe, die Waage sagt NEIN, aber meine Körperhaltung vielleicht strahlt das aus, meine Energie, weil es Spass macht zu lernen, weil ich wie ein Schwamm bin , der all diese Informationen aus der Schulung aufsaugt,ich kann es zwar noch  nicht weitergeben, weil ich noch zu viel nicht kapiert habe(Von Checkpointinhibitoren und  Biomarkern), aber ich lasse es in mich hineinfliessen, und fülle mich damit.

Und hab beschlossen, dann macht weniger Geld vielleicht doch glücklich.

Keep calm and nurse on. Hahaha!
Dir einen schönen freien Tag!
Kat.

Vom Ausruhen und Weitermachen

Liebe S.,

wie war der Tag am Ufer, nachdem du weder mit noch gegen den Strom geschwommen bist?

Eine tolle Vorstellung:
Mir langts, ich hüpf raus, streck meinen Bauch in die Sonne und lass den lieben Gott oder wen auch immer einen guten Mann sein. Dann bin ich wieder fit, weiter gegen Ungerechtigkeiten, Pflegenotstand, wüste Arbeitsanfälle , unkollegiale Kollegen, doofe Politiker , Atomkraft, Kriege und die Flüchtlingsfrage zu kämpfen und jedem, der es verdient oder auch nicht, ein Lächeln oder ein freundliches Wort zu schenken.
Ich fand passend dazu heute einen Beitrag von Juck Plotz, der mich sehr sehr nachdenklich gemacht hat.

»Ich habe immer daran geglaubt, daß das Gegenteil von Liebe nicht Haß ist, sondern Gleichgültigkeit.

Das Gegenteil von Glaube ist nicht Überheblichkeit, sondern Gleichgültigkeit.

Das Gegenteil von Hoffnung ist nicht Verzweiflung, es ist Gleichgültigkeit.

Gleichgültigkeit ist nicht der Anfang eines Prozesses, es ist das Ende eines Prozesses.«

Elie Wiesel
Erinnerung als Gegenwart

Werden wir gleichgültig? Ich bin der Meinung, es ist fast gesund, wenn man manchmal „gleichgültig= Ohren zu und nichts mehr hören wollen “ ist, weil diese Gleichgültigkeit aus einer gewissen Erschöpfung resultiert. Diese Gleichgültigkeit aber ist nicht die , die man darunter versteht, die Gleichgültigkeit, die eine gewisse Wurschtigkeit ist, was ein schönes bayrisches Wort ist, und bedeutet : Mir ist das völlig egal alles, ich kann eh nichts ändern.LmaA.

Nein, dieses manchmal aus dem Strom hüpfen, die Wellen an einem vorbei fliessen lassen, um sich zu erholen, und dann gestärkt da wieder hineinspringen, in den Strom, nach dem Motto: Weiter gehts, Leute! Auf in den Kampf!

Das ist nötig, finde ich.
Elie Wiesel sagt einen schönen letzten Satz: „Gleichgültigkeit ist nicht der Anfang eines Prozesses, es ist das Ende eines Prozesses.“
Aber da das ganze Leben ein Prozess ist, wird es diese Form der Gleichgültigkeit selten geben. Denn dann hat sich der Mensch komplett aufgegeben.Für irgendwas wird er immer kämpfen. Und wenn es um  eine Flasche Bier ist.

Bin ich jetzt fies?

Liebe Grüsse Kat.