Maria

Das ist ein schöner Text; danke liebe K.  Das geht manchmal tatsächlich unter in all dem Weihnachtsglitzerkonusm..

Ich vergesse sie nicht.. seit 1988 begleitet mich diese phosphorrisierende Maria, die ich irgendwo in Berlin auf einem  Markt gekauft habe.. damit sie mir im Dunklen leuchten möge.. sie hat einen Platz wo ich sie immer sehen kann,wenn ich durch die Wohnung gehe..

Meistens „wohnt“ sie im Flur oder auf dem Küchenaltar.. wenn ich abends das Licht ausmache, ist da immer noch ihr schwacher Schein für einen kurzen Moment.. sie wacht,passt auf in den dunklen Stunden, nicht nur im Winter.

Dafür darf sie dann im Sommer auch öfter mal auf der Terrasse stehen und sich „sonnen“ und sie wird auch sorgfältig abgestaubt und manchmal nimmt sie ein Bad im Waschbecken mit Rosenduschgel…

Wir beide wissen viel voneinander aber es gibt immer noch was Neues.. so wie ich nichts von dieser deiner Weihnachtsbotschaft wusste, wusstest du bestimmt nichts von meiner Leucht Maria…denn das ist sie für mich… egal ob die anderen sagen.. ach watt. ist doch nur ne Plastikmadonna oder so was.. für mich ist sie Maria.

herzlichste Weihnachtsgrüsse

Deine S. ( auch heute im Spätdienst)

Weihnachtsmelancholie

Liebe S.,
eigentlich wollte ich zu Weihnachten nichts schreiben, aber …
Ich hänge doch an Weihnachten, und beschreibe meinen derzeitigen Zustand jetzt als Weihnachtsmelancholie.
Heute hab ich Spätdienst, weil die „Kinder“ alle beim Papa feiern. Selbstschutz, wegen Heulerfahrung am ersten Weihnachtsfest ohne Familie vor 8 Jahren. Mittlerweile ist es nicht mehr schlimm, es hat auch seinen Reiz. Trotzdem….Seufz…

Morgen musste ich Dienst tauschen,wegen Krankheitsfällen und Bombenräumung in der Innenstadt, wer weiss, was kommt….huuuuh… Natürlich passiert NIX! Die können das, die Sprengstoffexperten!
Also haben wir den morgigen Familienbesuchsplan der „Schwiegerleute“ umgeswitscht, gibts das Italienische Festmahl eben schon um halb 12 Mittags.

Übermorgen dann Frühdienst und am Nachmittag Patchworkfamilientreffen….Das klappt ja immer gut. Und das ist dann eine Weihnachtsfreude, wenn wir alle miteinander lachen und essen und fröhlich sind und dann die alten Lieder singen, die wir immer an Weihnachten singen.

Und dann sitz ich heute früh so da, und denke so vor mich, und guck mir meine Weihnachtskarten an -da fällt mir mein Allerlieblingsgedicht zu Weihnachten ein, und dann merk ich, wie der Kloss im Hals dick wird , weil das Gedicht ist SO SCHÖN!

Maria

Die Nacht ihrer ersten Geburt
war kalt gewesen.
In späteren Jahren aber
vergass sie gänzlich
den Frost in den Kummerbalken
und rauchenden Ofen
und das Würgen der Nachgeburt
gegen Morgen zu.
Aber vor allem vergass sie
die bittere Scham,
nicht allein zu sein,
die den Armen eigen ist.
Hauptsächlich deshalb ward es
in späteren Jahren zum Fest,
bei dem alles dabei war.
Das rohe Geschwätz der Hirten verstummte.
Später wurden aus ihnen Könige
in der Geschichte.
Der Wind, der sehr kalt war,wurde zum
Engelsgesang.
Ja, von dem Loch im Dach,
das den Frost einliess,
blieb nur der Stern, der hineinsah.
Alles dies kam vom
Gesicht ihres Sohnes,
der leicht war,
Gesang liebte,
Arme zu sich lud
und die Gewohnheit hatte, unter Königen zu leben
und einen Stern über sich zu sehen zur Nachtzeit.

Bertold Brecht

Das ist immer wieder meine Weihnachtsbotschaft, jedes Jahr. Vergessen wir Maria nicht. Alles Liebe, schöne Weihnachten,Frieden, Liebe, Zuversicht.
Kat
Anbei Bilder aus Betlehem, Januar 2016