Was politisches….

Liebe S.,

Wahlkampf in den Niederlanden, Rechtspopulist trifft auf gemässigten Anpasser. Soweit wie überall.

Gestern kam auf Arte eine Sendung über eine höllandische Politikerin Sylvana Simons, familiäre Wurzeln aus Afrika, jung, engagiert, weiblich, hübsch. Ich fand sie sehr sympathisch. Ihre Partei steht für Vielfalt, für gleiche Rechte für jeden, für Akzeptanz, … das was ich mir für die Zukunft von dieser Welt sehr wünsche.

Und dann , im Laufe der Sendung, war ich irritiert.
Einmal ging es darum, das sie/ihre Partei die Figur des „schwatte Piet“abschaffen will, das sind die Figuren, die den Nikolaus auf seinem Boot begleiten, und die sind angeblich schwarz, weil sie durch den Schornstein rutschen, wegen der Geschenke, die sie in den Häusern ablegen. (Im Norddeutschen gibt es den Kujees, Weihnachtsmann, der hat bei Klaus Groth auch einen schwarzen Begleiter, der auch den Schornstein runterrutscht, aber nicht aus Afrika kommt. Angeblich)

Hört Vielfalt und Akzeptanz irgendwo auf? Muss ich dann , weil es meine Ehre verletzt, gewachsene Traditionen abschaffen? Oder kann ich nicht auch darüber ins Gespräch kommen, und die Ansichten der anderen verstehen?
Später dann hielt sie einen „Vortrag“ in einem Viertel in Rotterdam, einer farbigen Glaubensgemeinsschaft, und dann sprachen sie über die Kolonialisierung ,über das  Leid , welches ihrem Volk angetan wurde . Sie riefen ihre Ahnen an, Sylvana zu unterstützen, und wieder gut zu machen,  was damals ihnen angetan wurde. Sie bildeten eine geschlossene Gemeinschaft, und fühlten sich gut,  sich, so mein Eindruck, an dem ihren Altvorderen angetanen Leid.
Ich dachte dann so: haben nicht ALLE Völker was scheussliches durchgemacht, im Laufe der Jahrhunderte? Da gab es hier die Ausbeutung der Leibeigenen Bauern durch die Junker und Adligen, da gab es die schrecklichen Kriege des letzten Jahrhunderts, es gab das Massentöten in Ruanda, es gibt das fürchterliche Kriegsgeschehen in Syrien,….
Aber Menschen, denen es in einem Land, in dem sie seit Generationen gut leben, müssen die denn immer noch klagen? Kann man nicht nach vorne gucken? Man soll nicht vergessen, was geschehen ist, damals…..( obwohl die Welt das ja ganz fix immer tut, wenn sie neue Kriege anzettelt)

Aber wichtig ist: Nach vorne gucken.

Ja, ich möchte Vielfalt, ich möchte Diversität, wie es so schön heisst, ich schaue nicht darauf, woher ein Mensch kommt, welches Geschlecht und welche Hautfarbe und welche Sprache er spricht, wenn er mir als MENSCH begegnet.

Ja, ich möchte auch verstehen und nicht vergessen, was geschah, ich möchte auch ,das es benannt wird.
Aber ich möchte nicht, dass mir das Tun meines „Volkes“ von vor hundert Jahren immer noch aufs Butterbrot geschmiert wird.
„Irgendwann muss gutsein jetzt“, hat mein Vater immer gesagt.

Und ich finde , es ist in dieser verrückten Zeit nötig, das dieser ganze Hass und diese ganzen alten , wieder ausgegrabenen Vorwürfe und begangenen Taten in den Geschichtsbüchern bleiben, damit wir nach vorne gucken können, für eine neue bunte lebendige Welt.

Liebe Grüsse Kat.

Und vielleicht hat jemand eine Idee, was ich anstelle von „Farbigen“, und „Volk“ hätte schreiben können?

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s