52 ist nicht 20 ;)

Liebe S., es wird mal wieder Zeit für ein Blögchen….

Der Urlaub ist bereits wieder in weite Ferne gerückt- schade, dass der Alltag einen immer sofort wieder in seine Klauen nimmt.

Ich bin ja zur Zeit in meiner Fachweiterbildung, und muss dementsprechend auf verschiedenen Stationen in unserer Klinik arbeiten. Die Wechselintervalle sind ziemlich kurz, meinen erster Einsatz dauerte 2 Monate, für die nächsten bin ich jeweils 4-wöchig eingeteilt.

Ich sag dir, es fällt mir schwer. Ich bin es nicht gewöhnt, mich nicht auszukennen.
6 Jahre habe ich auf der Intensivstation gearbeitet, wo ich mich auskannte, wo ich wusste, mit welchem Kollegen ich wie umgehen muss, damit der Tag gut wird, und jetzt komme ich an neue Kollegen, die ich nicht kenne, in Teams, denen es schwer fällt, anzuleiten, einzulernen, mich ins Team aufzunehmen.“Du bist ja eh nur so kurz da!“.

Sie beäugen mich kritisch, bellen mir Befehle zu, die ich ausführen muss, ich bin den halben Tag damit beschäftigt, mich zurecht zu finden, öffne Schränke , Schubladen, suche Dinge, sammel Sachen ein, die für  mich an unlogischen,ineffizienten Stellen stehen, und renne mir die Hacken ab. 14 km waren es vorgestern. Gestern ein halber weniger, grins, spare ich mir das Sportprogramm.

Der erste Einsatz war ganz anders, da hatte ich 8 Wochen Einarbeitung, aber auch das fiel mir schwer, denn das war eine Intensivstation und da kannte ich mich immerhin etwas aus! Aber ich muss sagen, ich hab dort sehr viel gelernt über Knochenmarkstransplantationen. Und jetzt auf der Normalstation fühle ich mich als Hilfskraft.

Woran liegt das? Es ist der Personalmangel, es ist die chronische Unterbesetzung, die Überlastung der Kollegen, es ist die Routine. Ich sehe Dinge in diesen Routineabläufen, die ich selber ändern würde.Aber ich kann nichts sagen, ich bin ja „nur so kurz da“.

Schwierig. Ich hab tatsächlich überlegt, ob ich aufhöre, und wieder in meinen gewohnten Trott arbeiten gehe, aber das, was als Ziel winkt, ist es hoffentlich wert, das durchzustehen! Und dann dachte ich so: in der Ausbildung haben wir das anders weggesteckt, oder? Da haben wir Hilfsarbeiten übernommen und gelernt indem wir etwas taten.
Es ist schon anders, mit 52 ne „Ausbildung “ zu machen als mit 20. Vielleicht ist es auch für die Kollegen komisch, so ner „Ollen“ zu erklären, wie sie was machen soll, zumal wenn die „Olle“ dann noch ihren Senf dazugibt und sagt: „Ich kenn das so und so, wäre das auch was für Euch, es so anders zu machen?“ Dann gibt es ein Gekreische und ein „Des ham ma aba allerweil scho so gmacht!!!“
Und ich seufze, schweige und denke: „Noch 10 mal hier sein und ein Viertel der Ausbildung hab ich auch schon hinter mir. Zähne zusammen beissen und  durch!“

Und dann erzähle davon zu Hause, wie mich eine polnische Kollegin anfährt mit den Worten: „Waaas maaaakst du daaaa? “ und der LieblingsItaliener lacht und sagt: „Antworte das nächste mal einfach: Ich weiss es auch nicht!“
Und ich schreib  dir und meiner lieben Kurskollegin J. kleine Whattsapp- Nachrichten mit Teufelchen und dem kleinen Kackhaufen und erzähle, worüber ich mich ärgere und lache über eure Antworten. Mistkrücken, alle! Inklusive Gesundheitsministerium!
Nieder mit dem Pflegenotstand!

Und wenn es ganz schlimm ist und die Füsse Schmerzen und der Rücken und alles weh tut, dann geh ich in meinen Garten und schaue den Mohn an. Dann bist du nämlich nicht weit weg, denn der Mohn ist von dir, erinnerst du dich, du hast mir vor 2 Jahren Mohnkapseln geschickt, und dieses Jahr blüht er prächtig!

DSC_2431

Ein Stück von Dir in meinem Garten ist wie als würde ich mit dir Tee trinken, liebe Freundin!

Jetzt muss ich los, mir die Hacken abrennen! Bussi! Kat.

 

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2 Kommentare

  1. finbarsgift · 12 Days Ago

    Was für ein beeindruckender Bericht, ich wünsche dir Kraft und Geduld, auch weiterhin!
    Liebe Morgengrüße vom Lu

    Gefällt 1 Person

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