Kleine Fluchten

Liebe S.,
ich glaube man erwartet einfach immer zu viel, das man sich Ruhe gönnt, das alles vielleicht anders wird, das man etwas ändern kann, das man die Kraft, die man braucht, einfach irgendwoher kriegt….

Ich merke an mir,dass  ich mir schon wieder viel zuviel aufhalse buchstäblich, weil sich ja was geändert hat: der JüngstLiebsteSohn ist volljährig, selbstständig, fährt Auto, und ich merke, ich muss die Lücke füllen.
Da ist zum einen meine FachWeiterbildung, Schule beginnt wieder nächste Woche, dieses Jahr stehen dann Prüfungen an, ich möchte beim Ethikkommitee der Klinik mitmachen, mir ein riesengrosses Anliegen, Ethik in der Pflege, ich bin bei Projekten dabei, mache einen kleinen Vortrag Ende Januar, plage mich Powerpointpräsentation rum…. Warum? Warum muss ich so geschäftig sein? Warum kann ich nicht sitzen schauen Luftholen? Das kann ich nicht andauernd, so ein Mensch bin ich nicht , aber zum Alltag kommen ja noch die Alltagsanliegen, der Müde Mitbewohner, die Gasableser, die Freundin in Trennung,….

Ich stand gestern auf dem Laufband, und obwohl ich meine Kopfhörer laut anhatte, hörte ich ein Gespräch mit von diesen Frauen, die sich im Fitnesstudio treffen und ratschen, du weisst, das ich das hasse, aber jeder so wie er mag.
Die eine dieser Frauen sah sehr müde aus, und sie sprach von ihrem Alltag, der sie auffrisst, der Mann, der soviel Überstunden macht, die Mutter, der ihr Telefon kaputt gegangen ist, die Schwiegermutter, die es nicht mehr schafft, ihren kranken Mann zu versorgen….“und an wem bleibt alles hängen? An mir!!!“ hat sie gesagt und ich dachte, dann sag NEIN.

So leicht ist Nein sagen aber nicht. Wir könnten es  lernen. Wir können uns rausnehmen aus der Überbelastung, eben mit dem Anschauen der Lavalampe, toll, das du das hast! Oder mit dem Ausmalen hübscher kleiner Bildchen in einem hübschen kleinen Büchlein,das ich mir gestern gekauft hab. Ich habe mir auch einen Füller gekauft mit einer breiten Spitze, zum Schönschreiben. Ich male in diesem Büchlein die Bildchen aus und schreibe ordentliche feine Worte hinein.
Vielleicht reichen manchmal zehn Minuten. Zehn Minuten ganz bei sich sein.
Am Sonntag waren wir in 3 Augsburger Kirchen,der LieblingsItaliener und ich. Nur so schauen zum Neujahr. Im St. Ullrich spielte die Orgel. Momente ganz für mich. Der Klang, der Hall, die Töne.20180105_121756

Heute gehe ich nach München in die Gabriele Münter Ausstellung mit der SchönstenTochter. Das ist auch ein Abstand nehmen vom Alltag.

Jemand nannte das mal „kleine Fluchten“. Schönes Wort. (Natürlich nicht im Zusammenhang mit Krieg und Elend)

Meine Fluchttasche ist immer gepackt. Wer weiss…..

Alles Liebe Deine Kat.

Kurz davor und doch dazwischen….

Liebe S.,
nach fast zwei Jahren bloggen haben wir es geschafft, zwar einen gemeinsamem Blog, aber jeder einen eigenen Anzeigenamen zu haben.Mal sehen wir es läuft, buona futura, wie du jetzt heisst!
Gruselbambusel, dieses Wort liebe ich. Ich hab , muss ich gestehen, das früher verwendet, wenn ich den Kinder Gespenstergeschichten erzählt hab, man kann das UUUU so schön langziehen, gruuuuuuuselbambuuuuusel….. huuuuuu….
Nein, ich habe gerade keinen Blick für aussergewöhnliches in U-Bahn oder in Geschäften, aber schön, wenn du das spürst,das jetzt eine andere Stimmung ist, weil die Zeiten wechseln, oder wir zwischen den Jahren sind, wie es auch heisst. Wobei das für mich erst nach Weihnachten der Fall ist. Das ist für mich die Zeit, in der das Alte noch nicht beendet und das Neue noch nicht begonnen hat.
Das war die Zeit, in der ich als Kind einen besonderen , fast heidnischen, Zauber erlebt habe. Das meine Mutter keine Wäsche waschen durfte, weil sich da die bösen Geister des alten Jahres reinsetzen und ins Neue Jahr mitrüber huschen können.
Das , wenn der Sturm bläst und die Äste der grossen Buchen knarzen, Wotan mit seinen wilden Reitern durch den Himmel jagt, ruhelos, getrieben.
Dass der Tannenzweig vor der Tür ihn vertreiben sollte.
Ich erinnere, dass diese Zeit nach Weihnachten eine ganz besonders stille Zeit war, weil es gab nichts mehr zu tun gab als zu warten. Auf das Neue, das verheissende Jahr voller neuer Möglichkeiten und Versprechungen.

Komisch, eigentlich ist es ja das Weihnachtsfest,was Hoffnung bringt, und Jesus der Retter der Welt , ankommt. Der Advent die Zeit, in der wir Hoffnung schöpfen können.
Ich als Christin, die daran glaubt und relativ bibelfest ist, und Gemeindearbeit gemacht hat und alles , ich hab trotzdem innen drin in mir immer noch dieses „Zwischen den Jahren“-Gefühl. Und sehe manchmal in den Büschen die Schatten von denen, die mich begleiten und schützen, und spüre manchmal ihre Gegenwart. Widerspricht sich das nicht?
Ich gucke vielleicht zuviele Wikingerfilme. 😉
Ich hab gestern ein wunderschönes Weihnachtslied gehört:

punch brothers : Emanuel

Da krieg ich total eine Gänsehaut.

Ich wünsche allen frohen Weihnachten!

Kat.