Vom Kleinmachen und Grosswerden

Liebe S.,
Friseur tut gut. Hast du richtig gemacht, erst das Handy kaufen und dann zum Selbstverschönern, und dann noch Glitzerstaub, schön. Ich hab mir das heute auch gegönnt.Wieder bei der Naturfriseurin, bei der ich letztes Jahr doch schon mal war, und ich erst ein wenig voreingenommen gewesen bin oder skreptisch, was die mit mir anstellt, erinnerst du dich? Aber weil das Endprodukt damals so überwältigend war, hab ich das wieder gemacht, wieder auch mit Farbe. Und ich bin fluffig und schwungvoll und hab ne gesunde normale neue Haarfarbe. Und nebenbei gab es Seelenmassage.
Mein Lieblingsitaliener ist zwar der Meinung, das die schon wissen, welche Floskeln sie verwenden müssen, damit meine Seele gestreichelt wird, aber ich war jetzt 3 mal dort, und dreimal hat sie was anderes gesagt, und  jedesmal hat es zu meiner derzeitigen Lebenssituation gepasst.
Dieses mal meinte sie, ich hätte mich auf den Weg gemacht, um etwas zu verändern und ich dürfe mir durchaus was zutrauen und müsse mich nicht klein machen.
Und das stimmt.
Ich dachte da spontan an meinen PalliativKurs und wie mich selbst das Schreiben meiner „Fach“Arbeit ein ganzes Stück im Denken und meiner Einstellung weiter gebracht hat. Dann dachte ich an manche Situationen in der Arbeit, wo ich in der letzten Zeit das Gefühl gehabt hatte, das ich ja wohl gar nichts kann und alles falsch mache(was ja nicht stimmt).
Aber da hab ich mich klein gefühlt und klein gemacht.

Die Naturfriseurin hat irgendwie gesagt, das System erfüllt das, was du dir denkst.

Klar,wenn ich mich klein fühle dann strahle ich das auch aus. Wenn ich selbstbewusst und erhobenen Kopfes vortrete, gibt es ganz andere Reaktionen.
Letzte Woche gab es eine Situation in der Arbeit, die so zu dem passte  was ich mag.
Eine Patientin durfte sterben. Der Oberarzt stand vor dem Zimmer und fragte: Wer von Euch ist denn hier in dem Zimmer? Ach, Kat., Sie? Das ist aber schön.
Und dann haben wir dem Sterben in dem Zimmer einen richtig guten Rahmen gegeben, ich hatte Zeit für die Angehörigen, ich hab die Fassungslosigkeit lenken können, die Angst, bis es zu einem Frieden kam bei allen.
So ein Tag erfüllt mich, denn ich denke, so soll es sein. Das ist das, was ich gut kann und gut tun möchte.
Und weiter tun werde.
Das Leben ist schön, besonders mit einem fluffeligen Kopf!
Kat.

Anders orientieren?

Liebe S. wie Sonne, die sich hier so langsam vorsichtig zeigt um 14.00. Dabei soll laut Bayern 3 überall die Sonne scheinen heute, fragt sich nur wo!

Ich hab heute eine private Email von dir bekommen, und dazu möchte ich hier was sagen. Es ging um das berufliche Verändern, um Besuche im Arbeitsamt, um die Frage, wie lange können wir unseren Beruf als Krankenschwestern noch ausüben und was ist dann die Alternative?
Du arbeitest in einer Notaufnahme, ich auf einer Intensivstation. Wir arbeiten in diesem Beruf seit 30 Jahren. Mit wenigen Unterbrechungen, Kindern oder mal anderes Arbeiten. Im Grossen und Ganzen arbeiten wir gerne in diesem Beruf. Schichtdienst hat durchaus Vorteile, wenn ich frei habe, hab ich daheim meine Ruhe, weil alle anderen arbeiten oder in der Schule sind. Nachtdienst gefällt mir, es ist in der Regel ruhiger, ich behüte die Schlafenden.

Ich liebe es, Menschen zu begleiten,auf dem Weg zur Gesundung, oder auch auf dem Weg in die andere Richtung, und ihnen dabei Frieden und Wärme geben. Das mag ich.
Im Sommer allerdings hab ich eine grosse Müdigkeit gespürt, ich war erschöpft, ich hatte dann aber auch die Chance, mich zu regenerieren.

Jetzt kann ich weiter machen und ich tue es gerne. Aber tatsächlich ist die Frage, wie lange geht das noch?

Für mich hab ich festgestellt, um gut in meiner Arbeit zu sein, brauche ich ein stabiles geordnetes Zuhause.
Und wie du in deiner Email schreibst, Abgrenzungen. Auch nein sagen können, wenn ich merke, mich frisst irgendwas auf. Die Kollegen nerven, ich muss einspringen, der Dienstplan ist nicht so wie ich es gerne hätte.(Was bei uns gottlob nicht oft der Fall ist!) Oder auch zu Hause…wie viel Kraft es manchmal kostet, nein zu sagen! sich einen Raum zu schaffen, abzugrenzen…

Aber nötig ist es! Und was hätten wir für Alternativen? Was ganz anderes? Oder doch in dem Metier bleiben, und sich in kleinen Schritten weiter verändern? Deshalb mach ich den Palliativkurs nächstes Jahr.Als Möglichkeit, eine andere Richtung einschlagen können.

Mal gucken, welche Alternativen dir das Arbeitsamt anbietet, bin gespannt!
Allerdings hab ich es aufgegeben daran zu glauben das von der offiziellen Seite was konstruktives kommt, ich denke, ich bin mir selbst der nächste und muss die Inititaive ergreifen.
Sonst ward datt nix im Leben. In diesem Sinne K. wie konstruktiv! und nicht wie Kaos 😉