Wenn das Unglück so nah kommt

Liebe S.,

Gestern erfuhr ich, dass der Bruder eines Schulfreundes des JüngstLiebstenSohnes tödlich verunglückt ist. Ich kenne diese Geschichten, ich hab auf Intensivstation gearbeitet, wo sie eingeliefert wurden nach ihren Unfällen ,aber das waren Fremde. Ich dachte zuerst: Oh, Gott! Die Mutter! Ich dachte daran wie furchtbar das sein muss. Ich hatte , ganz egoistisch, Angst um mein eigenes Glück. BAP singt in dem Song: anner leitplank: wie flöck dat jet, datt es din glöck nimmi tät…. Es gab den Studienfreund vom anderen Sohn, den ein Zug erfasst hat, es gab den Freund eines Sohnes unserer Freundin, der in der UBahn verunglückt ist, es sind immer die Jungs, hat sie damals gesagt

Zum JüngstLiebstenSohn hab ich gesagt, Leben, das ist wichtig, jetzt und hier und lieben.

Und jetzt geh ich zu einem , der das ebenfalls erlebt, aber überlebt hat ,und sein Leben lebt, wie es halt jetzt ist, im Rollstuhl, aber mit Freude, überlebt zu haben.

Ach, Kackmist, sowas…..

Kat.

Herbst Zeit Los

Liebe S.,
wir beide mögen ja Ullis Blog „cafeweltenall„, und heute las ich einen Beitrag von ihr, der mich jetzt fast eine Stunde beschäftigt hat. Herbstzeitlose, dieses Wort hat sie erwähnt, und ich dachte darüber sehr nach. Ich glaube, dass ich als ein Kind ein Bilderbuch hatte, wo die Frau Herbstzeitlose unter der Erde hockt und im Herbst hervorkommt. Ich glaube, das ich auch ein Gedicht kannte, in dem es um die Herbstzeitlose ging.Im Grossen WWW hab ich aber nichts darüber gefunden, nur ein sehr schönes Gedicht von Else Lasker Schüler:

Weltflucht

Ich will in das Grenzenlose
Zu mir zurück,
Schon blüht die Herbstzeitlose
Meiner Seele,
Vielleicht – ist’s schon zu spät zurück!
O, ich sterbe unter Euch!
Da Ihr mich erstickt mit Euch.
Fäden möchte ich um mich ziehn –
Wirrwarr endend!
Beirrend,
Euch verwirrend,
Um zu entfliehn
Meinwärts!

Das passt so gut zu meinen Gedanken! Und zu dem was wir uns immer so schreiben!
Und dann ist mir eingefallen, das die Herbstzeitlosen in meiner Heimatstadt im Herbst ganze Wiesen füllen und jemand  mal zu mir sagte, „verrücktes Wetter, blühen jetzt schon die Krokusse!“ und ich sagen konnte, „Nein, das ist die Herbstzeitlose!“

Und nach diesen Gedanken hab ich mich aufs Fahrrad gesetzt und bin in den Wald geradelt, um zu gucken, ob sie jetzt bei mir schon blüht. Es regnete, es war kühl, das Laub das schon zu Boden gefallen war, raschelte , der Wald roch nach Erde und Feuchtigkeit, und ich dachte so für mich.“ Das ist meine Jahreszeit“. Satt, grünbunt, erdig,..
Und dann fiel mir mein Vater ein, der  vor Jahren sagte:“ Die Herbstzeitlose ist wie eine  Frau im Herbst ihres Lebens und  sie hat sich noch mal so richtig rausgeputzt.“
Und ich dachte so sehr an ihn, weil er heute Geburtstag hat, aber schon lange in der anderen Welt ist, und ich bin traurig geworden, weil er mir fehlt. Immer noch. Immer wieder. Komisch, oder?

Ist Trauer zeitlos?

Melancholische Grüsse

Kat.