Findungen-Empfindungen

Liebe S., danke dass du mir auf meinen Schockbeitrag geantwortet hast. Ja, wenn man in so einer Klinik arbeitet, tritt es ja gehäuft auf, diese Unfälle, diese Erkrankungen, man kann panisch werden, weil man denkt, dass es schnell passiert, das Unglück, und vor allem oft, und das JEDER, der zu dick ist, nach einer Bauchoperation eine Wundheilungsstörung bekommt, und dass jeder 17 jährige, der besoffen vom Skateboard fällt, eine Hirnblutung hat,… wie oft hab ich meinen Söhnen Nachrichten geschickt: „Niemals betrunken im Schwimmbad von 1-Meter – Brett springen(Querschnittslähmung!). Niemals betrunken mit dem Skateboard über einen Bordstein springen( Kopfsturz, Hirnblutung, usw….). “
Der Grosse schrieb dann oft zurück: War wieder was schlimmes, Mama?
Ja, pass bitte auf dich auf!
Ein junger Arzt sagte gestern zu mir (ich bin zur Zeit auf HNO, Uniklinik, also nicht nur chillig Mandeloperationen, Nasengeraderücken-OPs, sondern Kopf-Hals-Tumoren!), also der sagte: wenn man hier arbeitet, denkt man, das jeder Raucher Kehlkopfkrebs kriegt, dass alle irgendwas bekommen!
Tja, so ist, das wenn man in so einer Klinik arbeitet…

Ich finde das schön mit deinen Findungen, das sind sowas wie Achtsamkeitsgedanken, oder lieg ich da falsch?
Ich bin vor 3 Tagen mit dem Fahrrad aus der heissen stickigen Stadt langsam auf mein Dorf zurück geradelt, und mit dem jeden Kilometer wurde es kühler, klarer und frischer. Das hab ich so genossen! Diese kühle klare Luft, die aus dem Wald strömte, dieser Temperaturunterschied von fast 4 Grad, als ich dann daheim war.
Das war meine Findung, meine Emp-findung, wie schön ich das hab. Welch ein Glück ich hab. Und das, wenn ich das immer wieder spüre, das macht mein Leben wunderbar.
Da halte ich dann auch diese ganzen krassen Krankheiten in der Welt aus.  Naja, ich versuche es … grins….
Heute ist übrigens Feiertag in Augsburg, jetzt strömen die Augsburger in die umliegenden Gemeinden, um da zu shoppen, denn da haben die Geschäfte auf! Haha! Gestern war multireligiöses Friedensgebet, und das war schön.
Alles Liebe, und Frieden und Shalom!

Deine Kat.

Stresslevel gering halten, wie geht das?

Liebe S.,

du hast Recht, sich etwas anzueignen ,  etwas neues lernen, das ist leicht.
Aber alte Muster abzuwerfen, Verhalten ändern, das, was man 30 Jahre so getan hat, überdenken, reflektieren,…
„War denn alles schlecht, was wir schon immer so gemacht haben?“, hat mich  eine Kollegin gefragt, als ich vorgeschlagen habe,  etwas mal anders zu machen.
Und ich merke leider auch diesen Unmut, neu zu lernen. Die Frage kommt dann: Warum tust du dir das an? Das nützt doch eh nichts! Und dann womöglich noch in der Freizeit! Oder auf eigene Kosten! Niemals würden sie das tun.

Ich hab es aber getan und du tust es auch. Und mich hat es weitergebracht, ich kann das Erlernte im Berufsalltag nicht immer anbringen, aber manchmal doch, und dann bin ich froh, weil das Lernen mich gelehrt hat, anders mit vielem umzugehen.

Zum Beispiel „Mobilisieren eines Patienten“. Nicht das ich da perfekt drin bin. Aber ich kann ihm(dem Patienten) sagen, was ich vorhabe und was er zur Unterstützung tun kann.
Gestern zum Beispiel hab ich eine Patientin mobilisiert, ihr Ehemann wollte sie (schwerkrank, Tumore, halbseitengelähmt, so alt wie wir) nach draussen bringen lassen, weil „sie hat doch immer so viel geraucht . Das tut ihr bestimmt gut, frische Luft !“
Mein erster Gedanke: Die hatte gerade LUFTNOT! Sie benötigt Sauerstoff, sie kann da doch nicht raus zum Rauchen!
Gab bissl Diskussion, der Arzt hat die Ausfahrt befürwortet und meine Bedingung war: Sie mobilisiert sich weitgehend selber und wird nicht mit so einem Rollbrett wie am Vortag in einen Lehnstuhl gefrachtet,mit Hauruck und Gezerre und Geziehe und Spannungsblasen am Ende, wegen dem Rutschen. Und Kreuzweh der Schwestern, weil das immer anstrengt.
Okay, ich hab ihr gesagt, was ich wie mit ihr vorhabe, sie fing an mir zu vertrauen und siehe da, sie konnte mich beim Umsetzen von Bett in Stuhl sehr gut unterstützen. Ich hab zwar gekeucht hinterher, und sie hat gefragt, ob es mir gutgeht und ich hab gegrinst, und gesagt, klar, Sie haben gut mitgemacht.
Dann wollte sie den ekligen Gulasch nicht essen und ihr Mann hat geredet und an sie hingeredet, sie muss doch essen…… , sie muss doch was essen….
Hab ich gesagt, gehen Sie ins Cafe, und lassen Sie sie ein Eis oder ne Wurst mit Pommes essen, was sie will…
Als ich Feierabend hatte ,waren sie immer noch nicht zurück, und ich hab gedacht: huuh, hoffentlich ist alles gut. Und als ich heimgeh, sitzen beide im Cafe und sie hat eine leere Schale vor sich und sagt zu mir: Ich hab so einen Rieseneisbecher gegessen! Wollen Sie auch einen ? Ich lad sie ein.

Was ich damit sagen will: Dank meines Kurses letztes Jahr weiss ich, das unkonventionell sein auch in der Pflege Platz hat. Das es nötig ist-ich hätte streiten können mit dem Ehemann, dass hätte mich auf meiner Stressskala bestimmt an die 10 gebracht. So aber hab ich ihr auch ein Stück abgegeben, indem ich von ihr etwas erwarte. Und ich hab zwar gekeucht, aber es hat nicht angestrengt. Und sie dann so fröhlich und aufrecht im Cafe sitzen zu sehen, das war toll.

Gerade diskutieren und lamentieren verbraucht so viel Kraft, es ist einfacher, ganz pragmatisch Lösungen zu finden, die für BEIDE Seiten okay sind. Oder sich aus diesen Situationen rauszunehmen.

Ich schreibe jetzt klug, gell? Ich bin es nicht immer, aber ich kann manche Dinge, ent-stressen, indem sie nicht mehr so wichtig sind. Es gibt andere Wege die man einschlagen kann.
Wir versuchen es! Alles kann, nichts muss!
Schönen Tag Dir! Kat.

Never change a running system ….

….auch wenn es noch so blöd läuft

Liebe S., ja , es ist schön das mein eigener alleiniger Blog gefällt, und ja, es gibt sicher Parallelen und es ist schön wenn du sie entdeckst, die Parallelen 😉
Aber ich freu mich sehr, wenn dieser unserer Briefwechsel Blog hier nicht einschläft, dazu hab ich ihn zu gerne!

Zu deinem letzten Beitrag:
Das mit der eingefahrenen Struktur,  dem Klagen und dem in der Höhle bleiben. Ich habe in den letzten Wochen meiner Fachweiterbildung ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich war auf einer Station eingesetzt, wo ich im Frühdienst mehr als 14 km gewetzt, gerannt, geflitzt bin, nicht, weil  so furchtbar viel zu tun war, sondern weil z.B.Dinge, die ich für eine Sache gebraucht habe, an 4 verschiedenen Orten lagen, zu denen ich rennen musste, und wenn ich den Vorschlag gemacht habe, vielleicht an einem Ort zum Beispiel es einzurichten ,dass ich wenigstens für den NOTFALL alles beieinander habe(es ging darum ein Magensonde zu legen), da wurde ich angequakt: „das mach ma normalerweise NIE, so eine Magensonde legen, DES BRAUCH MA NET!!!!! “
Ich habe in den 3 Wochen dort aber 2mal eine Magensonde legen müssen.

Jetzt auf dieser weiteren Station gibt es Klagen über das, was die Stationsleitung in 2 Jahren verändert hat, um die Abläufe besser zu strukturieren, obwohl vorher wohl alles perfekt funktioniert hat- warum also wurde dann etwas verändert? Jetzt scheint dort alles mühsamer und chaotischer zu schaffen zu sein.

Veränderungen sind nötig, wenn Abläufe nicht stimmen und die Arbeitsanforderungen sich verändern. Dann muss ich auch kreativ sein, dann muss ich vielleicht auch altgewohnte Arbeiten abgeben können, damit ich mich mehr auf die neuen, anderen Aufgaben konzentrieren kann. Früher haben wir noch die Betten abgewaschen und die Nachtkästchen. Erinnerst du dich? Das machen die Reinigungskräfte jetzt. Es gibt Staionsassistentinnen, die die Visiten ausarbeiten. Es gibt eine Pflegehelferin, die die Zugänge aufnimmt und einweist. So bleibt uns auf der Station, wo ich zur Zeit bin, wirklich mehr Zeit (meistens ) für den Patienten.
Aber es gab Aufschreie ohne Ende: Was? Arzthelferinnen in der Pflege? Was?Ungelernte Bürohilfen im Stationsalltag? Was? Rettungssanitäter auf der IN-TEN-SIV-STATION???? NEIN!!!!
Und? Es funktioniert. Die Rettungssanitäter haben ihre klar zugeteilten Aufgaben, die MTAs auch, die Reinigung sowieso und jeder weiss, wo und was sein Job ist.
Es war damals, ich erinnere mich an die Zeit in München, wo es hiess, es werden Stationshelferinnen eingestellt, da wurde die Angst gross: Die nehmen mir den Job weg. Das, was ich 15 Jahre gemacht habe, macht jetzt jemand mit einer anderen Ausbildung, ich bin also überflüssig. Das sind die Ängste. Oder:
Jetzt kommt die von der FWB(Fachweiterbildung) und will mir erzählen , wie ich das besser machen soll, blöde Ziege, ich hab das schon immer so gemacht und so mach ich das jetzt weiter.
Und bei dir:Was?Extra Zeit aufwänden? Zum Vorschläge machen? Das will doch eh keiner hören, das wird doch eh nicht umgesetzt.

Aber , liebe Leute, wer nicht mit wählt, hat keine andere Wahl, als das anzunehmen,was ihm vorgesetzt wird am Schluss. Dann nützt das ganze Gemeckere nichts mehr, dann muss das angenommen werden, was euch vorgesetzt wird.
Und übrigens: Vorgesetzte haben ein bisschen Schiss vor kritischen, mündigen Arbeitnehmern, und nur so aber ereichen wir was!
Und Chefs haben auch ihre Schwächen.Mein Oberchef zum Beispiel, der fasst sich immer an die Nase, wenn er was wichtiges zu sagen hat. Dann denk ich: Der ist ja total nervös! Und schon schwimm ich gefühlsmässig oben und denke: der kann mir nichts tun!

Und dann bin ich in der Lage, ihm vernünftig meine Vorschläge zu unterbreiten. Manchmal klappt es, aber wir müssen auch was riskieren. Denn es geht um uns.

Viel Erfolg Euch! Make the Revolution!
Deine Kat.

Weiterpaddeln, weiterlernen, weiterdenken, yeah!

Doch noch nicht in SommerUrlaubsPause!

Liebe S., ich hab mich für ein Webinar angemeldet.
Was ist das, dachte ich. Da kriegt man vielleicht Vorträge , die man lesen muss….?
Naja, heute hab ich mich mal dran gesetzt, ich hab erst nicht kapiert, wie das funktioniert. Es sind schon Vorträge, aber die muss ich nicht lesen, diese Vorträge wurden bereits gehalten und somit mir vorgelesen,  und ich kriege die Präsentation auf mein Laptop.

Thema: Webinar zur pflegerischen Versorgung geflüchteter Menschen.

Erster Beitrag: Traumata.
Ich bin so berührt, S., dieser Psychologe hat so super gesprochen, und ich bin entsetzt darüber, wie wenig  wir die Seele dieser Menschen erkennen wollen, wie leichtfertig wir sie abkanzeln in ihrem Verhalten und in ihrem Rückzug, und wie wenig wir bereit sind, da mal hinzugucken, und zu spüren, was vielleicht passiert sein könnte mit ihnen.
Denn sprechen tun die wenigsten darüber.

„They did things to me, i can`t talk about“   Lieblingssyrer, 2013.

Und S., ich mach jetzt zwar meine Onkologie Fachweiterbildung, aber das heisst nicht, das ich nicht auch noch dazu lernen kann, wie man mit Menschen, die NICHT OHNE GRUND herkommen, auch im Krankenhaus mit Wertschätzung umgehen sollte.
Es gab nämlich auch im Klinikalltag der letzten Jahre immer wieder Situationen, gegenüber Geflüchteten, die ich nicht gut fand, und bei denen ich das Bedürfnis hatte, meinen Kollegen klar zu machen, was überhaupt los ist, und mit diesem Webinar krieg ich wieder bisschen mehr Wissen, und Wissen ist Werkzeug und Macht. Gell?
Bin ganz Feuer und Flamme!
Und morgen ist dann endgültig Abflug, yeah!

Kat.
Dieses Webinar ist auch vielleicht für Nichtpflegende interessant.Zum besseren Verständnis.

 

Ortsspaziergang, Sonntag , 15.00

Liebe S.,

nach meiner ganzen Auf-Karteikarten-Schreiberei und mich fragen: Warum muss man Theorien erneut theoretisieren und nennt das dann MetaTheorien und warum hab ich das, was ich da lernen soll, nicht schon vorher gewusst? ….Nachdem mir also meine Amygdala signalisiert hat: Aufhören, sonst drehst du durch, hab ich einen kleinen Ortsspaziergang gemacht.
Es wird Frühling! Die Häuser im Ort wirken so offen, manche Fenster waren geöffnet und Stimmen drangen heraus. Über einem Gartenzaun hing ein sehr verranzter Badezimmervorleger zum Lüften.
Auf dem Sportplatz an der Schule hatten Jungs ein Musikgerät aufgestellt, die Musik vibrierte zwischen den Mauern und die Jungs spielten Fussball und lachten.
Am Parkplatz an der Kirche standen mehrere Lieferwagen, sie waren geöffnet und Männer trugen Kartons und Kisten hin und her, mit Elektrokabeln und Decken. Da bin ich schnell weiter gegangen, ich habe auch ihre Sprache nicht verstanden und fand es ein bisschen merkwürdig was sie da taten, diese Männer.
Ich hab die Häuser angeschaut, und ich frage mich manchmal, was für Menschen wohnen dort drin? In diesen hübschen Einfamilienhäusern mit dem neuen Holzzäunen davor und den Überwachungskameras an der Haustür.
Der Dorfteich war noch zugefroren und von Warnschildern umstellt und abgeklebt. dsc_1048
Am Zigarettenautomaten vor der Dorfwirtschaft stand ein verzweifeltes älteres Pärchen und versuchte, eine Schachtel Glimmstängel zu bekommen.Der Automat akzeptierte ihren Ausweis nicht und ignorierte seinen 5-Euro-Schein.Ich frage mich, was tun sie jetzt? Fahren sie vor lauter Verzweiflung mit dem Auto zur 5 km entfernten Tankstelle oder essen sie stattdessen nach einem ausgiebigen Spaziergang Schokolade?
Egal, ich hab Weidenkätzchen entdeckt und Knospen, die sicher bald aufblühen.siehe Beitragsbild.

Als ich zu Hause war, hatte ich eine Email von dir im Postfach , und die lese ich jetzt und dann verschwende ich keinen Gedanken mehr an Pflegekonzepte, Assessements, EvidenceBasedNursing, Florence Nightingale und Oberschwester Irmgard mit ihrem RotkreuzOrden auf dem mächtigen Busen.Die hätte uns das damals doch schon alles beibringen können! Dann täte ich mich jetzt nicht so schwer damit! Grins!
Bussi and Byebye….

Kat.

Ethik-Lernen

Liebe S.,

ich habe gestern auch einen schönen Sonntagsspaziergang gemacht, und stiess dabei wieder auf dieses wunderbare Marterl am Wegesrand.

In der Schule ging es heute überwiegend um Ethik, und ich dachte, wenn ich das alles schon früher gewusst hätte, wäre mir während der Jahre auf Intensivstation vieles weniger schwer gefallen. Was die Frage: „Was tun wir hier, warum machen wir das?“ angeht.

Es gibt ein Fragemodell, medizinische Behandlungen, die fragwürdig scheinen, zu hinterfragen. Dieses Prinzipien sind:
Autonomie des Patienten (hat er das so gewollt, was war/ist seine Einstellung)
Nicht Schaden
Wohltun
Gerechtigkeit(gegenüber dem Patienten, der Familie, der Gesellschaft)

Du weisst wie sehr ich oft mit manchen Situationen dort gehadert habe.

Wenn mir damals klar gewesen wäre, wie ich das hinterfragen kann, (denn manchmal spielt tatsächlich die Autonomie des Patienten  und die Gerechtigkeit eine grosse Rolle, damit ist der kulturelle und der familiäre Hintergrund gemeint, )dann wäre mir manche Traurigkeit weniger schwer gewesen. Oder ich hätte anders auftreten können gegenüber den am Leben und der Medizin sich festklammernden Medizinern.
Und nur weil wir als Pflegepersonen das Leiden so entsetzlich finden, heisst es nicht, das das vielleicht DOCH im Sinne des Patienten ist. Wir sind keine Richter und Entscheider.

Aber nun…. Frau lernt nie aus, und ich bin froh, dass ich das jetzt so kapiere, und ich werde es ja weiterhin anwenden können.dsc_1042

Und morgen steige ich wieder in die Katakomben hinab, und mache bei Gelegenheit eine Fortsetzung meines Pflegekrimis, hihi, Material gibt es ja genug  😉
Einen schönen Tag morgen!

Kat.

 

Neuigkeiten

Liebe S.,

  • Neue Arbeit: Gut. Viel weniger stressig als Leben retten auf der Intensivstation. Was vielleicht auch daran liegt, das ich erst mal nur zuschaue und mitlaufe, bzw. mitsitze, es ist unglaublich viel Administrative Arbeit.(Hab mir gestern ein Diätbuch gekauft, damit ich nicht kugelig werde, wenn mein Grundumsatz sinkt)
  • Neue Kollegen: ein Team, das seit 20 Jahren in derselben Besetzung arbeitet. Sowas schon mal erlebt? Ich nicht. Alle so in unserem Alter. Wie fühle ich mich da? Hmm… werde ich noch feststellen, denn sonst hab ich ja überwiegend mit jüngeren Kolleg/innen gearbeitet.
  • Kleines, überschaubares Haus: Erinnert mich an meine Arbeitsanfangszeiten, jeder kennt jeden, jeder spricht mit jedem, sogar der Geruch erinnet mich an Anno Dunnemals…
  • Gestern ein Netzwerktreffen, zu dem die Teilnehmerinnen des Onkologiefachkurses eingeladen waren, auch was ganz Neues für mich.Ein Netzwerktreffen, wo man sich austauscht, bespricht, und das alles auf Arbeitszeitkosten. (Dauert aber nur eine Stunde, hurtig hurtig ging der Austausch!)
  • Montag beginnt dann der Fachkurs.Da bin ich mit Abstand die Jüngste( da war der Wunsch Vater des Gedanken!) die Älteste . Auch das wird wieder eine Herausforderung, lernen, nicht einschlafen während des Unterrichts, aufnehmen, umsetzen… aber ich bin ja langjährig berufserfahren.

Ich war übrigens vorgestern in der Apotheke, weil ich Gingko Tabletten kaufen wollte, denn ich denke, dass man damit sich  besser was merken kann.

Die Apothekerin schaut mich an und fragt: Wofür brauchen Sie das? Ich sag stolz: Ich muss wieder was lernen. Ihr Blick wird zweifelnder: Also, da bin ich mir nicht sicher, ob das was nützt. Das kann man oder man kann es nicht.Oh, dachte ich, seh ich unintelligent aus, das sie denkt, da nützt gar nichts mehr? Haha!
Aber Ginkgo soll auch gegen Tinnitus helfen, und das hat er JüngstliebsteSohn im Moment wieder, also hab ich die Tabletten für ihn gekauft.Die Apothekerin war recht zuversichtlich, dass diese Tabletten gegen Ohrgeräusche helfen können, und dann werde ich ihm vielleicht ab und zu mal eine stibitzen.

Jetzt lese ich in meinem Diätbuch und trinke Abendtee! Bussi!

Kat.

Neue Wege

Liebe S.,
eigentlich wollen wir ja unsere wöchentliche Themenreihe machen, aber jetzt mach ich was ausser der Reihe. Es war etwas schweigsam in unserem Blog die letzten Tage, manchmal ist im Leben landunter, dann sind andere Dinge wichtiger.

Ich bin seit Freitag auf Wolke sonstwo. Am Freitag gab es die PalliativZertifikate, und die Kursleitung hatte alle Chefs zum Festakt eingeladen . Ich wollte das erst nicht, ich dachte, der nimmt mich doch sonst auch nicht wahr! Aber dann kam Herr Chef, gab mir die Hand, brachte mir eine Flasche Wein(leider war die nimmer gut, wörx, egal, die Geste zählte) und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, in einer Weiterbildung für andere Kollegen Stunden zu geben zum PalliativThema . Klar, logisch gerne! Und dann fragt er mich, ob ich woanders arbeiten möchte, Onkologischer Schwerpunkt und die Weiterbildung zur Onkologie Fachkraft machen will. Hei, ich bin 52! Die Ausbildung dauert 2 Jahre! Aber der Arbeitsplatz danach wäre dann ohne Nachtdienst, ich wäre weg von der Intensivstation. In der neuen Arbeit wäre der Schwerpunkt Patientenbetreuung und Medizin, und ach, alles so Gutes Sach, was ich nie dachte, das ich dafür mich qualifizieren würde! Als ich ihn fragte, ob er wüsste, das ich 2031 in Rente dann ginge, sagt er: Alte Pferde schickt man nicht immer gleich zum Metzger. 😉

Es tun sich neue Wege auf, S., ich bin so glücklich. Erst mal durch die Wertschätzung, die mir entgegen gebracht wird, er sagte, jemand der sich so einsetzt, diesen Palliativkurs durchzuboxen,der ist in seinen Augen sehr gut befähigt, die Arbeit in der Onkologie zu machen.
Dieses Schreckgespenst: Nachtdienst und 3 Schichten bis zur Rente machen müssen, ist weg, die Sorge, wie schaffe ich es mit 60 Jahren 150 Kilo schwere Menschen zu lagern und zu pflegen, wie halte ich die Situation mit der Ethik in der Intensivmedizin noch 15 Jahre lang aus, ohne abzustumpfen, oder zu zerbrechen- all das ist gelöst.

Es gibt Wege raus aus diesen Sorgen. Wir beide stellen uns ja seit 2 Jahren die Frage, wie geht es beruflich mit uns weiter, wie lange können wir das so noch machen? Bei mir hat sich ne Tür geöffnet, unverhofft….Und niemand hat mir bis jetzt abgeraten, selbst Kollegen, die ich sehr vermissen werde, denn wir sind ein Supertolles Team, sagen: Mach das, das ist deine Chance, wenn nicht du wer dann?
Und weil ich da so beschwingt war, konnte ich auch Gehaltsvorschläge machen, da ich mich ja auf Grund der fehlenden Schichtzulagen finanziell eher verschlechtern werde, und Herr Chef hat gesagt: Okay, er schlägt es der Personalabteilung so vor. Schaun mer amoi….ob das so klappt…
Ich hoffe, ich werde jetzt nicht grössenwahnsinnig, haha!

Es wird spannend. Und wir zählen noch laaang nicht zum Alten Eisen! Das freut mich besonders!

Liebe Grüsse
Kat. auf dem Höhenflug

Strukturen, die erste

Liebe S.,
wir haben festgestellt, das wir uns vielleicht ein bisschen verzetteln könnten, mit unseren Themen,dass wir uns wiederholen und das wir vielleicht unseren privaten Kontakt mit dem Blogkontakt vermischen. Es passiert, dass verschwimmt, was wir schon beredet haben, und was in den Blog kommen soll. Deshalb stellen wir jetzt jede Woche unter ein bestimmtes Thema. Find ich ein sehr gute Idee!

Wir stellen jetzt den Blog unter eine Struktur.

Thema dieser Woche: Strukturen

Wie sieht es im Alltag aus? Gerade im Schichtdienst vermisse ich Strukturen. 3 Tage Spät, ein Tag frei, dann Frühdienste, dann Nachtdienste, „welches Wochenende hast du frei? Och,schon wieder 3 Wochenenden hintereinander musst du arbeiten, Mensch, da können wir dann ja gar nichts unternehmen.“
Als die Kinder klein waren ,hat das meinen Familienalltag ziemlich belastet. Es hatte natürlich auch Vorteile, ich war zu Hause, wenn der Partner arbeiten ging, seinen nine-to-five-Job, aber vermisst hab ich eine gewisse  Regelmässigkeit schon. Wobei es schön ist, frei zu haben wenn andere arbeiten. Leere Geschäfte, leere Wälder zum Spazierengehen,….Allerdings bin ich besonders im Sommer traurig, wenn ich Samstags abends zum Nachtdienst fahre, aus den Gärten dringen Grillfeuer, die Leute sitzen zusammen und lachen und ich kann nicht dabei sein. (Weil ich in Bereitschaft bin,  die grillbedingten Verbrennungen zu versorgen. ) Es kostet viel Energie, im Schichtdienst soziale Kontakte zu pflegen.

In der Arbeit selber haben wir Strukturen, Gott sei Dank, sonst ginge das kaum. Es gibt gewisse Verrichtungen, die ritualmässig ablaufen müssen, das gibt Sicherheit, ich weiss was ich tun muss, wenns hektisch wird. Standarts nennt man das, glaub ich. Früher fand ich es schrecklich, dass alles nach Plan ablaufen muss, eine gewisse Intuition sollte schon dabei sein. Die Intuition kann ich mir mittlerweile leisten , weil ich Erfahrung habe, da kann ich dann vielleicht auf diese Standarts oder Strukturen verzichten.

Aber für meinen Alltag gehören Strukturen dazu, oder Rituale:
Das gemeinsame Familienessen einmal am Tag,die Mutter am Wochenende anrufen, der Tatort am Sonntag, das regelmässige Sportmachen 2 mal die Woche , wenn möglich!!! grrr, geht ja oft dann nicht, aber VERSUCHEN!
Das fängt mich auf, in diesem ganzen Wirrwarr. Ich glaube, man brennt sonst aus.

Wir haben einen Familienplan in der Küche, wo meine Dienste drauf stehen, und trotzdem werde ich 3 täglich mal mindestens gefragt: Bist du morgen früh daheim? Mama, wann können wir einkaufen gehen? Hast du dieses Wochenende frei?
Dieser Plan gibt mir selber Sicherheit, du glaubst nicht, wie oft ich da selbst drauf gucke. Was kann man machen, wenn es keine Regelmässigkeiten gibt, wie wohl zur Zeit bei dir?

Ach ja, ich glaub ich hab Spätdienst heute, oder? Also,ich muss los! Tschüssy, bis bald in diesem Blog!

Kat.