Das Schöne vom Tag…

Liebe S.,
das wollten wir doch eh mal machen, oder? Das wir uns jeden Tag von was Schönem berichten.
Deine Geschichte von gestern hat mich berührt. Manchmal reicht es, die Augen offen zu halten und zu spüren, und merken, der meint mich, und dann bin ich einfach nur froh. Mehr muss nicht sein.
Manchmal erlebe ich auch so kleine FreudeGeschichtchen.
Letztens gab es im Supermarkt so kleine Blümchen in winzigen Emailgiesskannen. Ich habe eine gekauft, damit ich die vor die Tür stellen kann, um ein kleines Zeichen gegen die  (wörx, scheussliche) HalloweenDeko meiner Nachbarin zu setzen. Vor mir, an der Kasse, eine sehr kleine alte Frau, sie kauft ein solches Blümchen in der Giesskanne ganz in Pink . „Die sind so niiiiedlich!“, freut sie sich, „so niiiiiedlich!“
Ich sag,“ ich hab mir auch eins gekauft, schaun Sie mal!“
„Die sind aber auch niiiiedlich!“ sagt sie und lacht. „Die schenk ich einer Kranken, die freut sich sicher!“
Ich sag, „Sie sollten sich auch eins für sich kaufen!“
„Hm,“ macht sie, “ da haben Sie recht!“
Weisst du, was mich so berührt hat, war ihre Freude. Die Freude, das sie sowas niedliches gefunden hat, was auch nicht viel gekostet hat und die Vorfreude, das jemandem zu schenken.
Das war so eine kleine feine Begegnung an der Supermarktkasse!

So, dir einen schönen Abend im Sturmumtosten Norden. Hier ist es harmlos.
Umarmung Kat.

Von Maria und Erntedank

Liebe S.!
wir wollten doch eine Marienwallfahrt zusammen machen, erinnerst du dich? Wir haben das mal fantasiert. Heute war ich in der Moritzkirche in Augsburg. (Siehe meinen Blogbeitrag auf meinem wechsel-zeiten.blog).
Und dort sah ich sie, diese wunderbare Maria.
Die Moritzkirche ist eine besondere Kirche und es gibt, wie in allen katholischen Kirchen, kleine Seitenaltäre, in denen man still sein kann, Kerzen anzünden kann, sich auf eine Bank setzen zum Beten, ich mag das…..

Nachdem wir diese wunderbare Kirche auf uns haben wirken lassen, die SchönsteTochter und ich, sind wir in diesen kleinen Seitenaltar gegangen.Kerze anzünden muss sein, wenn wir in einer Kirche sind.

Mein Kleingeld klöterte sehr sehr laut in den Opferstock, und dann warf die SchönsteTochter auch noch Geld ein, so zündeten wir also 3 Kerzen an. Vielleicht die dritte für dich? Magst du?
Zu Füssen dieser wunderbaren Maria haben wir die Kerzen angezündet, und ich dachte, wir, du und ich, könnten eigentlich unsere Marienwallfahrt hier, in Augsburg,  beginnen.
Im AugsburgerDom steht eine wunderbare Maria, die mir immer mein Herz erwärmt und von der ich glaube, dass sie mir hin und wieder zugezinkert hat, wenn ich besonders verzweifelt bei ihr Rat gesucht habe.
Und dann steh ich da in dieser Moritzkirche, und da leuchtet SIE in dem Licht, das durch das Fenster hineinfällt. Und ich finde SIE wunderschön, in ihrem silbernen Leuchten.
Und just in diesem Moment meiner Ergriffenheit betritt ein altes Weiblein die Seitenkapelle, murmelt:Heilige MutterGottes,voll der Gnaden, gebenedeit…. und ruft aus: Wie schön du bist! Heilige MutterGottes!Und fragt, an uns gewandt: Es ist wegen ErnteDank, oder, das sie so schön ist….

Und entfernt sich murmelnd: Heilige MutterGottes, wunderschöne MutterGottes,….
Und ich denke, ja, Ernte Dank, morgen ist ErnteDank, wir haben allen Grund zu Danken, ICH habe allen Grund zu Danken, für alles, für das Brot, was ich habe, für die Menschen, die ich kenne, für all die Liebe, die mir begegnet.
Starten wir unsere Wallfahrt hier, was meinst du?
Es gibt hier auch ein Pilgerbüro.
Wann machen wir uns auf den Weg?
Voller Liebe, …

Deine Freundin Kat.

Stresslevel gering halten, wie geht das?

Liebe S.,

du hast Recht, sich etwas anzueignen ,  etwas neues lernen, das ist leicht.
Aber alte Muster abzuwerfen, Verhalten ändern, das, was man 30 Jahre so getan hat, überdenken, reflektieren,…
„War denn alles schlecht, was wir schon immer so gemacht haben?“, hat mich  eine Kollegin gefragt, als ich vorgeschlagen habe,  etwas mal anders zu machen.
Und ich merke leider auch diesen Unmut, neu zu lernen. Die Frage kommt dann: Warum tust du dir das an? Das nützt doch eh nichts! Und dann womöglich noch in der Freizeit! Oder auf eigene Kosten! Niemals würden sie das tun.

Ich hab es aber getan und du tust es auch. Und mich hat es weitergebracht, ich kann das Erlernte im Berufsalltag nicht immer anbringen, aber manchmal doch, und dann bin ich froh, weil das Lernen mich gelehrt hat, anders mit vielem umzugehen.

Zum Beispiel „Mobilisieren eines Patienten“. Nicht das ich da perfekt drin bin. Aber ich kann ihm(dem Patienten) sagen, was ich vorhabe und was er zur Unterstützung tun kann.
Gestern zum Beispiel hab ich eine Patientin mobilisiert, ihr Ehemann wollte sie (schwerkrank, Tumore, halbseitengelähmt, so alt wie wir) nach draussen bringen lassen, weil „sie hat doch immer so viel geraucht . Das tut ihr bestimmt gut, frische Luft !“
Mein erster Gedanke: Die hatte gerade LUFTNOT! Sie benötigt Sauerstoff, sie kann da doch nicht raus zum Rauchen!
Gab bissl Diskussion, der Arzt hat die Ausfahrt befürwortet und meine Bedingung war: Sie mobilisiert sich weitgehend selber und wird nicht mit so einem Rollbrett wie am Vortag in einen Lehnstuhl gefrachtet,mit Hauruck und Gezerre und Geziehe und Spannungsblasen am Ende, wegen dem Rutschen. Und Kreuzweh der Schwestern, weil das immer anstrengt.
Okay, ich hab ihr gesagt, was ich wie mit ihr vorhabe, sie fing an mir zu vertrauen und siehe da, sie konnte mich beim Umsetzen von Bett in Stuhl sehr gut unterstützen. Ich hab zwar gekeucht hinterher, und sie hat gefragt, ob es mir gutgeht und ich hab gegrinst, und gesagt, klar, Sie haben gut mitgemacht.
Dann wollte sie den ekligen Gulasch nicht essen und ihr Mann hat geredet und an sie hingeredet, sie muss doch essen…… , sie muss doch was essen….
Hab ich gesagt, gehen Sie ins Cafe, und lassen Sie sie ein Eis oder ne Wurst mit Pommes essen, was sie will…
Als ich Feierabend hatte ,waren sie immer noch nicht zurück, und ich hab gedacht: huuh, hoffentlich ist alles gut. Und als ich heimgeh, sitzen beide im Cafe und sie hat eine leere Schale vor sich und sagt zu mir: Ich hab so einen Rieseneisbecher gegessen! Wollen Sie auch einen ? Ich lad sie ein.

Was ich damit sagen will: Dank meines Kurses letztes Jahr weiss ich, das unkonventionell sein auch in der Pflege Platz hat. Das es nötig ist-ich hätte streiten können mit dem Ehemann, dass hätte mich auf meiner Stressskala bestimmt an die 10 gebracht. So aber hab ich ihr auch ein Stück abgegeben, indem ich von ihr etwas erwarte. Und ich hab zwar gekeucht, aber es hat nicht angestrengt. Und sie dann so fröhlich und aufrecht im Cafe sitzen zu sehen, das war toll.

Gerade diskutieren und lamentieren verbraucht so viel Kraft, es ist einfacher, ganz pragmatisch Lösungen zu finden, die für BEIDE Seiten okay sind. Oder sich aus diesen Situationen rauszunehmen.

Ich schreibe jetzt klug, gell? Ich bin es nicht immer, aber ich kann manche Dinge, ent-stressen, indem sie nicht mehr so wichtig sind. Es gibt andere Wege die man einschlagen kann.
Wir versuchen es! Alles kann, nichts muss!
Schönen Tag Dir! Kat.

Alle weg…Ferien

Liebe S.,

es ist sehr fatal, nachtdienstmüde den alten PC aufzuräumen und dabei auf Fotos und Filme zu stossen, die schon 13 Jahre alt sind und dazu kommt von der alten Festplatte Stone Sour, die Stimme von Corey Talor,wicked game,  und ich werde so WEHMÜTIG!!!!
Diese Kinder, die vor 13 Jahren so süss und unschuldig waren, die Tochter in der Pubertät, der Kleinste mit dem grossem Bruder als Beschützer am Meer entlanglaufend, Frankreich , Atlantik, die Wellen, seufz…. und nun?

Gondelt zur Zeit jeder allein irgendwo in der Weltgeschichte rum, der eine ist nach Korsika abgezischt, „Also, Mama, jeden Tag meld ich mich nicht! Ich mach es wie  der Bruder, ich schick nur Bilder, wenn ich mich verletzt hab,damit du mir sagen kannst, was ich drauf tun soll, an Salben oder Verbänden , okay?“
Das macht nämlich der andere gerne, der zur Zeit in Georgien reist, mit Freundin, ich krieg Fotos von Mückenstichblasen und Rötungen,mit der Frage: Müssen wir was tun ausser Salbe?  Und erst als ich schrieb: „Ich hatte mir eigentlich andere Reisebilder von dir vorgestellt! 😉 „, da krieg ich dann schöne Fotos.
Die erste Whattsapp Nachricht aus Georgien begann mit den Worten:
Gamardschoba, ihr Lieben! und endetet mit den Worten: fotos folgen asap.

Und ich, unwissend was Abkürzungen angeht, dachte: Wow! Der weiss nach 2 Tagen, was guten Tag und auf Wiedersehen auf Georgisch heisst!

Aber asap heisst….na weisst du es vielleicht?? As soon as possibel.

Hab ich mich wieder als Computerspracheabkürzungsneandertalerin geoutet…. naja, vor 14 Jahren war alles irgendwie anders…

Melancholische Grüsse! Gerade höre ich Seether und Amy Lee: Broken, Musik für alle Lebenslagen!
Schluchzend grinsend
Deine Kat.

Fremde Gärten

Liebe S.,

ich bin geradelt heute früh. Weil mir nämlich der JüngstLiebsteSohn, der SportAdditum macht in der Schule, erklärt hat, dass es nichts bringt, wenn man nur Krafttraining macht, sondern Ausdauertraining sei wichtig.  Besonders mit zunehmendem Alter, wenn die Pfunde purzeln sollen.
Und so gehe ich seit 3 Wochen im Fitnesstudio eisern auf den Crosstrainer, und zwar 40 Minuten, Herzfrequenz 140, schnaufschnaufschwitz…. und mach dann ein wenig Muskelstärkung. Oder, wenn es die Zeit erlaubt, fahre ich mit dem Radel zu meinem Nebenjob. Dank meiner Supercoolen Fahrrad- App weiss ich jetzt auch , wieviel Kilometer es sind (6,9 einfach), welche Steigung (121 meter) wieviel Zeit (Hinweg 32 Minuten weil Steigung hinauf, Rückweg 21 Minuten weil Steigung hinab) und wieviel Kalorien ich dabei verbrauche (egal!).

Es ist ein wunderschöner Weg dorthin, durch die Dörfer, über die Wiesen, an einem Bächlein entlang. Ich schaue beim Fahrradfahren in die Gärten. Wie verschieden Gärten sein können!

Manche sind sehr klar und strukturiert, mit weissen Kieseln ausgelegt, schnurgerade Wege, ein einsamer Buddha auf einer Betonplatte.
Andere zeigen, dass sie vor Jahren mit Planung angelegt wurden, mittlerweile verwildern und verwuchern sie. Vermooste Betontreppen, überwachsene Gartenwege. In einem steht ein Pavillon, erinnert an eine Weinlaube aus den 70er Jahren, der Garten ist winzig, aber die Weinlaube findet ihren Platz.

Dann gibt es die Gärten der neugebauten Häuser, mit niegelnagelneuen Schaukeln drin, und Sandmuscheln. Für die neue junge Familie.

Ich male mir dann aus, wer wohl in den Häusern zu diesen Gärten wohnt, was sind das für Menschen und welche Geschichten haben sie?
Im Moment blüht so viel, es wuchert, ich liebe die Kletterosen an den Mauern der alten Häuser, ich liebe den Phlox, der in den alten Gärten überbordend blüht.
Nach 8 Jahren in Schwaben hab ich bereits Erinnerungen an Häuser, die einst an Stellen standen, zu denen ich fuhr im Pflegedienst, und die alten Leute versorgte, die dort drin wohnten, mit Holzofen und fliessend kalt Wasser.

Diese Häuser mussten neuen weichen, mit eben  kleinen Gärten aus geraden Steinplatten und mit Metallzäunen.
Schade, denk ich dann, und denk an den alten Mann, der mit 86 sein Holz zum Heizen reinschleppte trotz wehem Fuss und dessen Sprache ich kaum verstand, weil er ein Hiesiger war, und ich nicht, aber gelacht miteinander haben wir trotzdem.

Was für schweifende Gedanken!

Ich radel weiter durch die Gärten, denn auf dem Crosstrainer denk ich nicht so schöne Gedanken!

Liebe Grüsse

Kat.

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Von Zahnärzten-Quecksilber die zweite

Ach, liebe S.,

man ist so abhängig von dem was die Mediziner tun, seufz,… wissen wir ja aus eigener (beruflicher) Erfahrung.

Ich hatte vor 25 Jahren gesundheisbewusste, grosszügige Schwiegereltern, die darauf bestanden, das ich die Amalgamfüllungen rausmachen liess- und Keramik musste ich reintun lassen.
Es war so teuer!
Ich dachte, als ich fertig war, den Mund voller Porzellan, ich hätte einen Kleinwagen im Mund. Was ist, wenn ich beim Rausgehen aus der Praxis von einem Auto umgefahren werde, und alles ist kaputt? Das war zu teuer! So waren meine Gedanken damals.
Es hält immer noch! Das meiste jedenfalls, und ich hab noch keine Zahnprothese, wie mein Kinderzahnarzt mir das damals , als ich 12 Jahre alt prophezeit hatte.
„Wenn du weiter so schlecht deine Zähne putzt und soviel Süssigkeiten isst, dann  hast du mit 30 Jahren ein Gebiss!!“ hat er mir gedroht. Und meine Zähne ohne Betäubung mit Amalgam gefüllt, sodas ich elektrische Stromstösse gekriegt hab, wenn ich auf Alufolie biss.
Kennst du dieses Gefühl? Grässlich, wenn es blitzt im Mund.

In der Praxis dieses Zahnarztes stand im Wartezimmer ein Aschenbecher, der war hüfthoch, ein richtiger AschenbecherStänder, und wenn man auf den Griff in der Mitte drückte, dann drehte sich der Deckel, damit die Zigarette wie in einem Karrussell durch die Fliehkraft im Inneren verschwindet. Diesen Mechanismus gibt es ja heute noch, aber hüfthoch hab ich so ein Ding nirgends mehr gefunden. Und was ich bis heute nicht verstehe, es waren abgerauchte Kippen drin, und es roch nach kalter Asche.
Während wir im Wartezimmer hockten, durfte ich mich nicht erwischen lassen, wenn ich den Griff reingedrückt hab, denn meine Mutter fand es eklig und ich spannend.
Das hat mich immerhin von dieser Zahnarztangst abgelenkt.

Ach, ja und seine Prophezeihungen bezüglich Gebiss mit 30 haben sich nicht bewahrheitet.

Und jetzt hab ich einen Zahnarzt,der zwar sehr viel redet, aber nicht nur IN den Mund guckt, sondern mich ganz anschaut. Als ich mal bei ihm war, weil ich Kieferschmerzen hatte, schaute er mich an und sagte: „Ihnen geht es nicht gut. Was macht Sie so traurig?“ Natürlich gingen meine Schleusen auf und ich heulte und er hörte zu, und dann verschrieb er mir eine Zahnschiene, und immer wenn ich jetzt zu ihm komme, erzählt er was vom ganzen Menschen und das der Kiefer in der Gesamtheit, was Verspannungen, Kopfschmerzen und sonstiges betrifft, unterschätzt wird.
Toll, jetzt hab ich über Zahnärzte geschrieben! Ich wollte über Quecksilber schreiben, denn dazu fiel mir spontan was ein. Das mach ich dann morgen. 🙂

Und ja, in deinem Brief klang ein bisschen durch, das du es bereust, 3 Jahre in dieser kleinen Stadt gelebt zu haben. Oder lieg ich falsch? Ich dachte nur, dass ich es schön fand, dass du dort wohntest, denn so konnte ich dich besuchen, wenn ich meinen GrösstLiebstenSohn, der dort studierte,  besucht habe, und du hast den GrösstLiebstenSohn manchmal gesehen und mir erzählt, wie er so war, auf seinem Skateboard, mit seiner Gitarre in der Hand, oder auf seinem bunten Fahrrad, das er von deinem „Mitbewohner“ bekommen hatte.
Da war so eine Verbindung, die ich schön fand.

Jetzt ist der Sohn wieder in meiner Nähe, und du in deiner Lieblingsstadt.
So geht die Zeit dahin….mit und ohne Quecksilber.
Vermisse dich.
Kat.

Wiedersehen

Liebe S.,

Dieser kleine Dackel lag auf dem Fensterbrett bei meiner Schwester.DSC_1636(1)

Als ich klein war, hatte er seinen Platz auf der Mahagonikommode meiner Grosseltern. Sein Fell, auf dem er lag, war weich und flauschig, sein kleiner Bronzekörper kühl, glänzend und glatt. Auch dieser Waldi ist in die Jahre gekommen, früher fühlte sich sein Fell weicher an als jetzt. Aber es war schön, ihn wieder zusehen.

So wie auch dich am letzten Wochenende!
Hamburg ist einfach wunderbar! Danke für alles! Kat.

Magic Konzert

Liebe K.,

Mari Boine… gestern … in der Fabrik in Hamburg.  Mir hat es seehehr gefallen.. diese Magie und Kraft die weiter über das Publikum hinaus ging.. raus aus der Fabrik.. aus Hamburg.. in die Nacht… ins Universum… Und doch hat sie ihre Ausdruckskraft wohl dosiert.. sie hätte uns alle an die Wand brüllen können oder einfach wegfliegen lassen zu den Rentieren.. hat sie aber nicht.. oder nur soviel, daß man es noch selber steuern konnte… ich zumindest.. obwohl… Rentiere habe ich auch „gesehen“.. diese Mischung aus Lyriktexten, Englisch gesungen und dann immer wieder das samische  ihrer Heimat und das grossartige Joiken…

Das ist was für „live“ meinte meine Begleitung, der auch sehr begeistert war…

Mari Boine ist mittlerweile über 60 und so war auch ein Teil des Publikums in ihrem Alter… kicher.. ich dachte vorher..hoffentlich sind da nicht nur Frauen und meine männliche Begleitung kommt sich da doof vor . ( was er sowieso nicht tut, weils ihm egal ist. Hauptsache die Musik ist gut).

War aber nicht.. viele Männer… auch ältere.. was heisst ältere ?! In unserem Alter… in der Pause haben wir dann geguckt.. wie alt die so waren.. die da um uns herum auch getanzt haben.. No comment…

Nun.. ich war vor 30 Jahren zum ersten Mal in der Fabrik  zum Tanzen…und manche Dinge ändern sich einfach nicht wirklich.. Es gab Knobi Brot und das wurde auch gekauft.. möffel möffel  in der Kombi mit Energiedrink allerdings. richtig wuaaah..

Eigentlich hatte ich im Stillen anfangs zu mäkeln.. das die Menschen immer sofort los klatschen wenn ein Stück fertig ist, auch wenn es sehr berührend war. Das einige getanzt haben, als hätten sie ihre Abendmedikamente vergessen.. Knobigeruch. .. usw. usw.

Aber Mari Boine hat mich eingefangen, mich das nach und nach vergessen lassen.. nur noch ihr Gesang, die Trommel, ihre tollen Musiker und die weite einer Steppe, die ich noch nie sah…

es grüsst dich

S.

Kurztripp in eine andere Welt

Bom dia liebe K.,

deine Jeansjacken Geschichte, lässt ja hoffen auf „normale“ Größen..ich bin gespannt wie sie aussieht.. manche tragen ja auch Lederjacken auf diese „rockige“ Art.. die lassen sich gar nicht erst schliessen vorne..aber wozu brauche ich dann eine Jacke ?  Jaaaaa. ich weiss.. weils cool aussieht…

Lissabon war echt sehr toll.. ich mag diesen morbiden Charme der engen Gässchen. In manchen konnte ich mit ausgestreckten Armen rechts und links gleichzeitig die Häuserwände berühren. Dann gibt es da auch noch richtig tolle Aussichtspunkte,Miradouros genannt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Miradouro

Unglaublich.. du kannst die ganze Stadt sehen, den Fluss Tejo und am Horizont den Atlantik.

Ich glaube, daß das auch das tolle Licht dort macht.. wieder zu Hause, kommt mir alles blasser vor und mit weniger Strahlkraft.

Am Fluss unten, mit dem weiten Blick zum Horizont, kann man schon nachvollziehen, daß sich die Seefahrer aufmachten zu neuen Ufern.. Indien, die Gewürze, die Lissabon damals zu grossen Reichtum verhalfen, weil alle Welt ihre vergammelten Speisen mit Gewürzen übertünchten. Nur die Portugiesen selber brauchten nicht so viele davon. Alles möglichst frisch, regional.

Aber auch der Einfluss der verschiedenen Kolonien von damals ist heute noch zu sehen.

Ach jaa seufz….  Treppe auf und ab sind wir gelaufen.. viele viele Stunden am Tag.. Es gab Galaō, Pasteis de Natas, portugiesische Croissants und einfache leckere Speisen.

Natürlich waren an den beliebten Plätzen auch viele Touristen, aber es ging noch gerade so.. im Sommer und bei 40 Grad stell ich mir das nicht mehr so toll vor, wenns auch noch voll ist.. und klar.. es wird ganz viel touristisches Zeugs verkauft.. von der Fado CD bis zu den blauen Kacheln ( Azulejos) , und dann auch 1001 Artikel aus dem Kork der Korkeichen. Ausserdem gibt es noch die ganzen Fischkonserven die auch sehr berühmt sind. Aber… man kann auch ganz schnell abseits der Touristenfade sein.. in Nebengässchen, die nicht so herausgeputzt sind.. und dann fällt es einem auch leichter sich an die Zeiten von Pest und auch an den grossen Brand und das Erdbeben zu erinnern.

Ausserdem mochte ich die Limonade seeehr.. Limette und Zitrone mit etwas Eis und Wasser… mmmh..

Und den Rest kannst du jetzt in Reiseführern nachlesen..Mein Tipp ist u.a. Polyglott : Lissabon zu Fuss entdecken.

Ach so .. und wer sich richtig unbeliebt machen will, probiert es mit spanisch.. das no go heisst grazias… statt obrigado oder obrigada…( je nach dem ob sich ein Mann oder eine Frau bedankt). portugiesisch ist sehr schwer zu lernen.. ich kann jetzt ein paar Brocken… aber verstehen, wenn ich weiss worum es geht.. vielleicht etwas.. unglaublich viele schschschs.. nuscheln, verschlucken der Silben usw.

Dafür kommt man mit englisch allermeisten gut zurecht..

uma boa semana

Deine S.

Vom Alters-Starr-Sinn und Verbündeten

Wuhuuu!

Liebe S., heute ist Freitag! Du hast Urlaub und ich freies Wochenende, haha!
Seit einigen Tagen bin ich ja auf meiner neuen Arbeitstelle, und ich sag dir, es ist kein Leichtes, wieder von vorn anzufangen, wenn man eigentlich ein alter Hase ist!
Ich fühlte mich auf meiner vorigen Station so sicher und kompetent, und jetzt muss ich nachfragen und mit grossen Augen zugewandt den Erklärungen der alteingesessenen Kolleginnen lauschen.
Und mach mir so meine Gedanken, ob dort alles so gut und fortschrittlich ist, wie das eigentlich sein sollte. Auf dieser Station ist man seit 30 Jahren untereinander bekannt, hat gemeinsam das Examen gemacht, arbeitet seit Jahrzehnten miteinander, und ist so richtig schön eingespielt.

Und dann kommt Kat. da an, und denkt: Ich  kenn das anders. Ich würde das anders machen.
Aber Kat. hält erst einmal noch brav die  Klappe, und passt sich (vorläufig) an.
Bis heute eine andere Kollegin sagte: Wenn du dann nächstes Jahr ganz kommst, dann machen wir das anders!

Ich bin dann ja erst mal wieder ein paar Monate weg, zum Lernen, und wenn ich dann zurückkomme, werde ich sanft und vorsichtig schauen, ob ich nicht doch was ändern kann. Mit dieser anderen Kollegin.

Vorsichtig weil: wenn man 15 Jahre lang Formulare zurechtgeschnippelt, überklebt und ausgemalt hat, dann möchte man nicht , das da eine kommt und sagt: Du , da kann man im Computer was runterladen. Soll ich dir zeigen, wie? Und dann wird gegrummelt und geklebt und gemurmelt: Des ham ma allerwei scho so gmacht!
Nun gut, denkt sich die Fortschrittliche, gut Ding will Weile….
Und diskutiert dann auch nicht lang, wenn die Meinung herrscht: Das Medikament L. macht SÜCHTIG! (Was ist Sucht? denkt sich Kat., wenn du nach Absetzen des Medikamentes Herzrasen, Depressionen, Schwitzanfälle bekommst, ja, dann war das ein Suchtmittel. Aber wenn der Pat. sagt: das hat mir so geholfen, die Schmerzen waren weg, ich möchte das bitte wieder,… ist das dann auch Sucht? Hm….)
Kat. schweigt.
War ja nur eine Diskussion. Und noch kein schmerzgeplagter Patient.

Aber schön ist: Weil in dieser meiner neuen  Abteilung alle! um die 50 plus sind, begegnen mir Frauen, die auf dem Gang hinter ihrem Arbeitswagen sich  mit  einem Handtuch den Hals und den Kopf abwischen und lachend sagen: Depperte  Hitzn!Wanns bloss bald um war!
Und mich verschwörerisch anlächeln, und ich sag: Irgendwann ist das auch rum!
Und dann lachen wir alle.
Klimakterische Grüsse

Kat.