Vielleichtvorsätze

Liebe K.,

super Idee mit den Nichtvorsätzen.. auch paradoxe Intervention genannt ? ,-)

Ich habe“ vielleicht und möglicherweise kann schon sein“ Vorsätze..

Stricken, neue Muster lernen und psssst… ein Strickcafè just for fun besuchen.. durch Zufall fand ich Wolle, die mit Pflanzen gefärbt ist und megaaaa aussieht.. Birkenrinde, Stockrose usw. nimmt diese Frau zum färben.. sehr toll.. kann sein, dass ich mir ne Decke stricke.. stell ich mir gerade sehr gemütlich vor..

Evtl. könnte ich mir vielleicht vornehmen alles wie immer auf mich zukommen zu lassen.. oder ich finde was .. genau ! Ich nehme mir vor was zu finden, was mich weiter bringt auf meinem Weg. Oder wir nehmen dass was wir auf der Vielleicht -Marienwallfahrt finden als Zeichen.. und wenn wir nichts finden, dann ist das eben kein Zeichen ?!

Egal

Foto am 30.12.17 um 22.24 #2 oder Meditation und abheben ? Alles möglich.. könnte ich mir vielleicht vornehmen..

Komm gut ins nächste Jahr liebe Freundin..

ich wünsche uns allen ein gutes 2018

herzlichst

S.

 

Niemand verlässt ohne Not sein weites Feld….

Liebe S.,
ich musste überlegen, wo du aufgewachsen bist? Dass du in den siebzigern schon so multikulturelle Erfahrungen gemacht hast.
Ich bin, wie gesagt, in einer Stadt aufgewachsen, wo die Menschen genug mit ihrer eigenen Fluchtgeschichte oder Emigration zu tun hatten, die meisten waren aus dem Osten, wenn ich mich richtig erinnere, und es gab einfach keine Italiener, Griechen oder anderes. Das einzige, was ich über Italiener wusste, waren die Geschichten über diese „Italienerkinder!“ von meiner Tante, die Grundschullehrerin in Wolfsburg war.
Fremde waren mir fremd. Fremde mit einer anderen Hautfarbe besonders. Als ich dann diese Stadt verlassen habe, gab es „Sie“ trotzdem nicht, in anderen Städten, oder sie sind mir nicht aufgefallen? Ich hatte keinen Kontakt.
Anfang der Achtziger hat dann in meiner Heimatstadt der „Chinese“ aufgemacht, und die chinesische Familie wurde beäugt, sie sahen „komisch“ aus. Sie lächelten so übertrieben. Das Essen war gut. Bisschen fremd, aber okay….

Dann gab es , Anfang der Achtziger, in unserer Strasse, gegenüber der Kläranlage, eine Unterkunft für Menschen mit dunkler Hautfarbe.
„Pass bloss auf, geh da schnell vorbei, wer weiss, was die sind!“ wurde gewispert. Meine  Schwester ist aber einmal stehen geblieben und hat mit einem dieser Menschen gesprochen. Es war verboten, mit ihnen zu sprechen.“Sowas tut man nicht!“
Aber sie hat es getan, und nicht nur einmal. Durch den Zaun, sie auf der Strasse, dieser Mensch hinter dem Zaun.Sie hat teilgenommen an seiner Geschichte. Ich erinner mich, das es Tratsch gab, was sie da tut, denn „man hat sie gesehen, wie sie mit denen da spricht!“
Deshalb , als ich deinen Beitrag gelesen habe, hab ich dich beneidet, das du so früh schon die Möglichkeit hattest, mit anderen bunten Menschen in Berührung zu kommen.
Ich bin ihnen bewusst erst begegnet, als ich in der Grossstadt lebte und im Kindergarten meiner Kinder die Vassilys spielten, die Dimitris, die Blanches, die Hatices, die Mohammeds. Und ich mit deren Müttern in der Theatergruppe und im Elternbeirat war.
Als der Krieg in Ruanda gewesen ist, haben wir Hamadi und Salama kennengelernt, ihre Kinder waren so alt wie unsere. Wir haben gemeinsam Weihnachten gefeiert, wir haben einander besucht, und von denen beiden habe ich gelernt: Niemand verlässt seine Heimat ohne Not. Soviel Heimweh wie bei Salama hab ich noch bei niemandem gesehen. Sie haben damals Deutschland verlassen, obwohl der Krieg in Ruanda noch nicht vorbei war. Ich weiss nicht, was aus ihnen geworden ist. Ich hoffe sehr, das es ihnen gut geht.

Ja, es ist ein weites Feld, dieses Thema….
Ich wünsche dir einen schönen Sonntag!

Kat.

Bescheidenheit ist eine Zier….

Liebe S.,
Es gibt ein gesellschaftliches Phänomen , welches mich ein bisschen irritiert.

Das sind die mega-lang-vorher-geplanten akribisch ausgearbeiteten minutiös durchgestylten superteuren HOCHZEITEN der jungen Frauen.

Heut hat eine Kollegin mit mir Dienst gehabt, die in 13 Monaten heiraten wird, oder 11, egal, aber bereits ihr Hochzeitskleid besitzt , für sie designt, fairtrade Stoffe, massgeschneidert, sie hat die „Location“, was für ein dämliches Wort, wir waren noch in einer WIRTSCHAFT!, also die Location passt zum Motto, welches heisst: Boho, Vintage…

Okay, Bohos sind , dachte ich, so bo-hemians ho-meless people,  aber gerade gesuchmaschint, das ist ein Modestil, na gut…..Vintage ist auch so möchte gerne alt, da passt die Grossmutter bestimmt supergut in ihre Location,  >: )
Naja, und da sie nicht die einzige ist, die viele viele Kollegen mit der Hochzeitsplanung nervt, stelle ich mir  vor, das ist ein Trend.

Ich hab damals!!!!!noch versucht, meine Hochzeit so günstig wie möglich zu gestalten, aus Geldmangel und weil mir anderes wichtiger war als das Brautkleid. Aber heute ist das anders.

Haben wir sonst keine wichtigen Rituale mehr? Fehlt unserer Gesellschaft was? Das wir alles so komisch celebrieren müssen? Die Hochzeit, Baby Welcome Partys(noch schwanger) ,Babypartys mit Baby,  der erste Kindergartentag, der erste Schultag- ich hab noch ne andere Kollegin, die ist schwanger, und sie kreischt täglich raus, wie sehr sie ihr Bauch nervt, wie viele Gläser sie da bereits drauf abstellen kann, was mich irritiert, es geschieht nicht leise und bescheiden, es wird ständig drüber geredet, herausgekreischt, Hochzeitsstoffe werden rumgereicht, Fotos gezeigt, Ultraschallbilder aufgehängt,….
Ich will diesen Fairtradestoff aber nicht fühlen! Ich will keine Fotos der Location sehen und der -hach, voll coolen-VintagestyleKirche!

Ich möchte einem Brautpaar ganz schlicht Glück und Liebe wünschen dürfen.
Wenn ein Kind seinen ersten Schultag hat, dann soll es sich darauf freuen,was es lernen wird, und nicht welche Geschenke es bekommt.
Einem neuem Kind, frisch geboren, hoffnungsvoll, möchte ich meinen Segen sprechen, ganz im Leisen und kraftvoll.

So stelle ich mir die Welt vor.

Was meinst du dazu?
Kat., vielleicht schon im  Vintagemodus….

Wörter 

Liebe S.,

da lese ich im vorvorigen Brieflein von dir: Grüsse aus der Versenkung.  Hu, denk ich, wo liegt das? Ist S. in Urlaub?  Die Versen- Kung. Mongolische Ostheide? Die Versen-Kung?
So gehts mir manchmal mit Wörtern.  Bei uns gibts einen Schulzen-Trum. Und auch bei der abendlichen FernsehAnkündigung zu boerseimersten, jetzt heisst es anders, ich glaub, Börse vor acht, da las ich immer Boers-Eimer-Sten. Und ein Bade-Zen-Trum gibts auch.
Okay, und dann gibt es auch noch den Hinweis auf Bäd-Erbe-Triebe.
Da denk ich jetzt so:

Da läuft  der Erbe vom alten Bäd mit ungehemmten Trieb, mit seinem Trum von Schulzen durch die Versen-Kung und steckt sein Badezen-Trum in den Börs-Eimer. Und der Eimer ist sowas von Sten!
Hoffentlich kommt er zur Ruh-Einsel, der Bäd!

Muhahahaha! Irre geworden grüsst Kat.

Allen die uns folgen und lesen, ne tolle Woche!

 

Kurztripp in eine andere Welt

Bom dia liebe K.,

deine Jeansjacken Geschichte, lässt ja hoffen auf „normale“ Größen..ich bin gespannt wie sie aussieht.. manche tragen ja auch Lederjacken auf diese „rockige“ Art.. die lassen sich gar nicht erst schliessen vorne..aber wozu brauche ich dann eine Jacke ?  Jaaaaa. ich weiss.. weils cool aussieht…

Lissabon war echt sehr toll.. ich mag diesen morbiden Charme der engen Gässchen. In manchen konnte ich mit ausgestreckten Armen rechts und links gleichzeitig die Häuserwände berühren. Dann gibt es da auch noch richtig tolle Aussichtspunkte,Miradouros genannt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Miradouro

Unglaublich.. du kannst die ganze Stadt sehen, den Fluss Tejo und am Horizont den Atlantik.

Ich glaube, daß das auch das tolle Licht dort macht.. wieder zu Hause, kommt mir alles blasser vor und mit weniger Strahlkraft.

Am Fluss unten, mit dem weiten Blick zum Horizont, kann man schon nachvollziehen, daß sich die Seefahrer aufmachten zu neuen Ufern.. Indien, die Gewürze, die Lissabon damals zu grossen Reichtum verhalfen, weil alle Welt ihre vergammelten Speisen mit Gewürzen übertünchten. Nur die Portugiesen selber brauchten nicht so viele davon. Alles möglichst frisch, regional.

Aber auch der Einfluss der verschiedenen Kolonien von damals ist heute noch zu sehen.

Ach jaa seufz….  Treppe auf und ab sind wir gelaufen.. viele viele Stunden am Tag.. Es gab Galaō, Pasteis de Natas, portugiesische Croissants und einfache leckere Speisen.

Natürlich waren an den beliebten Plätzen auch viele Touristen, aber es ging noch gerade so.. im Sommer und bei 40 Grad stell ich mir das nicht mehr so toll vor, wenns auch noch voll ist.. und klar.. es wird ganz viel touristisches Zeugs verkauft.. von der Fado CD bis zu den blauen Kacheln ( Azulejos) , und dann auch 1001 Artikel aus dem Kork der Korkeichen. Ausserdem gibt es noch die ganzen Fischkonserven die auch sehr berühmt sind. Aber… man kann auch ganz schnell abseits der Touristenfade sein.. in Nebengässchen, die nicht so herausgeputzt sind.. und dann fällt es einem auch leichter sich an die Zeiten von Pest und auch an den grossen Brand und das Erdbeben zu erinnern.

Ausserdem mochte ich die Limonade seeehr.. Limette und Zitrone mit etwas Eis und Wasser… mmmh..

Und den Rest kannst du jetzt in Reiseführern nachlesen..Mein Tipp ist u.a. Polyglott : Lissabon zu Fuss entdecken.

Ach so .. und wer sich richtig unbeliebt machen will, probiert es mit spanisch.. das no go heisst grazias… statt obrigado oder obrigada…( je nach dem ob sich ein Mann oder eine Frau bedankt). portugiesisch ist sehr schwer zu lernen.. ich kann jetzt ein paar Brocken… aber verstehen, wenn ich weiss worum es geht.. vielleicht etwas.. unglaublich viele schschschs.. nuscheln, verschlucken der Silben usw.

Dafür kommt man mit englisch allermeisten gut zurecht..

uma boa semana

Deine S.

Litera-Kul-tur

Steppe

Einer war,
der sang in den Abend. Draußen
schwer die Ebene,
baumlos, um niedres Gewächs
brennend der Sand –
da hielten die Wolken dunkel,
und ein Mond hing herab.
An dem Wasserloch falb
die Herde. Einer, braunbärtig,
kam, er trieb die Rinder
fort. Im Fenster der andere sang.

Dörfer
wie will ich leben
noch? In der Ferne weiß ich
endlos rinnender Himmel
Glanz. Den Jungen, der sang,
und den Hüter mit hellen
Augen hörte ich reden
an der Straße, ich stand,
im Rücken das Dorf.

Liebe S.,
Kultur ist für mich auch Sprache, Worte, Gedichte, Geschichten,….
Und heute morgen kam mir , ich weiss nicht warum, diese Gedicht von Johannes Brobowski in den Sinn, welches ich vor Jahren mir immer vorgesagt und aufgeschrieben hatte. Dieses Gedicht macht mir immer noch eine Gänsehaut, es berührt mich und weckt Sehnsucht in mir.(Ich wusste es noch auswendig!)

Leider fand ich niemanden, der dieses Gedicht auch so schön fand wie ich, ich wollte es damals teilen, diese Sehnsucht, die ich dabei empfinde, aber leider traf es den Nerv des Anderen nicht. Der machte nur: „Hm, ja und? Bisschen komisch, oder? “

Aber ich sehe  diese Männer da sitzen,in der Steppe, ich sehe die Herde am Wasserloch, ich spüre den brennenden Sand, ich höre , wie er singt.  Ich sehe wie er weggehen will, im Rücken das Dorf….Ich spüre die Sehnsucht.
Tja, so is datt mit die Kultür, nej, de Kultür is nich för jedermann, so is datt, min Deern!

Leeve Grööt  Kat.

Kultur 3 – FremdKultur

Liebe S.,

das mit dem Kulturbeutel ist auch so ein Ding. Wie heisst das in anderen Sprachen?

Kommt das daher, das man kultiviert ist, wenn man sich die Zähne putzt, einparfümiert, duscht und seine eigenen Duftmarken in seinem Kulturbeutel an alle fremden Orten dieser Welt mitschleppt?

Weil wir nicht ausprobieren wollen, was es für Düfte woanders gibt?

Oder haben wir Sorge, wir könnten was falsches kaufen im fremden Land, weil wir nicht verstehen, was es ist,das Zeug in der Tube?
So wie damals, als ich in Frankreich Zahnpasta brauchte, und mit meinem spärlichen Französisch nicht genau wusste ,was auf der kleinen Tube stand, (ich brauchte nur ne kleine Tube,  der Urlaub war fast vorbei).
Aber das Wort „adhesive“, das kannte ich. Deshalb hab ich diese süsse kleine Tube mit den Kräutern drauf und dem Wort Menthe auch gekauft.

Und weisst du,  was drin  war? In der Tube?

Es war HAFTCREME! Adhesive  bedeutet „klebend“, ich stand da im CampingplatzWaschsalon und schmirgelte meine Zähne mit Haftcreme, scheusslich!
Das sind die kulturellen Fallstricke!

Hihi, dir einen ruhigen Nachtdienst!

Ich hab übrigens heute Vorträge über „Fehlerkultur“ gehört. Wo man das Wort Kultur überall dranhängen kann! Da schrieb ich dann morgen drüber!
Servus! Kat.

 

 

 

Kul-tu_r

Einem Volk das seine Kultur im Beutel trägt ,ist nicht zu trauen.

Liebe K.,

das wär mein Beitrag zum Thema für diese Woche. I’am sorry.. ich zermartere mir fast das Hirn.. aber irgendwie spuckt es immer dieses Zitat von Luisa Francia aus.. oder zumindest habe ich das mal bei ihr gelesen.. vielleicht rutscht ja jetzt was anderes nach.. abwarten..

während du im Unterricht sitzt und ich mich moralisch auf Nachtwache einstelle ( börx)

Grüssli

S.

Blogwoche: Kultur I.

Hellou, my friend,

starten wir ein neues Wochenthema? Unter dem Thema Kultur , das ist ein Riesenthema!
Kulturelle Identität, Kulturschaffende, Kulturbeutel, Trinkkultur, Blutkultur, Fisch aus Aquakultur … Dieses Wort begegnet mir ganz oft.
Draufgekommen bin ich eigentlich, weil wir letztes Wochenende im Theater waren, so richtig Voll-Kultur, Antigone von Sophokles.
Erst sass ich da im Parkett, 4. Reihe,  und dachte:Ein Hörspiel wollte ich nicht für 50 Euro hören, grummel, denn ich konnte nichts sehen. Antigone und ihre Schwester Ismene lagen nämlich am Boden und stritten sich, und in der Reihe vor mir sass ein riesengrosser Mann.
Dann hatte ich Mühe , der Sprache zu folgen, es war anstrengend , den Worten, die sie da so auf alt und Theatersprache sagten, konzentriert zu folgen und sie zu verstehen. Zum Glück hatte die SchönsteTochter vorher eine Inhaltsangabe gemacht, sonst hätte ich nicht gewusst, worum es geht.
Aber nach einer Viertelstunde war ich in der Sprache drin, und konnte gebannt zuhören, und hab mitgefühlt, als Antigone schrie und weinte, denn sie wird ja dann eingemauert, und der König Kreon, den fand ich schrecklich, und sein Sohn Haemon, der Antigones Bräutigam ist, war ein in meinen Augen profilloses Weichei. Die Geschichte nahm mich gefangen.

Es gab auch eine Dienerin in dem Stück, die kommentierte, erzählte und Rat gab.Sie war eine alte Frau, und die fand ich so toll! Meine kulturell gebildete SchönsteTochter erklärte später, in diesen Antiken Theaterstücken gibt es immer einen Chor, der die Geschichte erzählt, den sollte wohl die Alte Frau ohne Namen verkörpern.
Jedenfalls , als es dann am Ende an den Beifall ging, war ich kurz davor, den König Kreon nicht zu beklatschen, weil er in meinen Augen Schuld an der ganzen Misere ist, am Tod von Antigone, am Tod seines Sohnes Haemon, und Kreons Ehefrau, die goldene Königin, hat sich dann auch noch umgebracht, weil sich ihr Sohn selbstgetötet hat, weil sein Vater Antigone nicht verziehen hat, die wider das Gesetz aber für ihr Gewissen handelte.
Ich dachte dann, der Schauspieler hat ja nur seine Arbeit getan, der kann  ja nichts für seine Rolle, und  es ist ja eine Kunst , es so darzustellen, das ich ihn dann als Kreon sehe und nicht als Schauspieler.
Also hab ich ihm Beifall gezollt.

Ich konnte dann irgendwann übrigens wunderbar auf die Bühne sehen, der grosse Mann vor mir ist eingeschlafen gewesen und vornüber gekippt, dieser Kulturbanause!

Was fällt dir zu Kultur ein? Looking for it!

❤ Kat.