KatakombenKrimi Nummero 4

Liebe S.,

 

was ist heute für ein Tag? Ich weiss nicht wie lange ich in diesem Stahlschrank gehockt bin, ich hab vielleicht ein bisschen geschlafen, die Luft wurde dünn, dann diese dauernde Dunkelheit….Ich war sogar zu schwach zum Klopfen, am Anfang. Aber dann bekam ich doch Panik, und als ich dumpfe Geräusche hörte, nach gefühlt einer Ewigkeit, hab ich gewummert und gerufen, und dann hat irgendwer die Tür geöffnet von diesem Schrank. Als ich ins helle Neonlicht blinzelte, sah ich einen grossen bleichgesichtigen Bauarbeiter vor mir stehen. Ich schwör dir, der hatte blutunterlaufene Augen und so spitzige Eckzähne. Sein Blauer Overall hatte so komische braune Schlieren am Ärmel, ich fürchte, es war Blut. Aber sicher war ich mir nicht.
Der hat auch nicht gesprochen, er hat so komisch geknurrt. Und sein Kollege, der ein völlig behaartes Gesicht hatte, der hat auch geknurrt. Und dabei die Zähne gefletscht. Ich hab gewimmert, und dann haben sie abschätzig mit der Zunge geschnalzt und haben sich umgedreht und mich da in dem geöffneten Schrank sitzen lassen.
Ich bin aber nicht lange sitzen geblieben. Mit wackeligen Beinen bin ich aufgestanden und hab den Ausgang gesucht. Aber das war noch nicht das Schlimmste. dsc_1086
Auf der Suche nach Tageslicht bin ich an so einer komischen Maschine vorbeigekommen, die sah aus wie ein Riesenfleischwolf, und da hing ein ARM raus! Das war richtig schlimm, ich hab gedacht, um Himmels willen, wer hat denn da  bloss wen reingestopft? Ich bin wie gelähmt stehen geblieben, ich konnte den Blick nicht lösen. Und dann hab ich Schritte gehört, und die Stimmen von Rosa und Jagna. Bloss nidsc_1080cht wieder in einen Schrank, hab ich gedacht und bin in den alten Speisenaufzug gerutscht. Ich hörte Jagnas Stimme: „Schaun wir doch mal, ob jetzt alles klein geschreddert ist von unserm Herrn Max“. Um Gottes Willen, wer war Herr Max? hab ich gedacht, und hörte Rosa sagen: „Na, der ist doch bestimmt nach all den Jahren ganz schön zäh, der ist bestimmt noch nicht ganz zerkleinert!“ Und sie lachten scheppernd, alle beide. Und dann gab es ein Geheule und Gejaule, der Fleischwolf rumorte, und als er dann nach einer Ewigkeit nicht mehr knirschte, sagte Rosa: “ So, jetzt ist er klein , der Herr Max, jetzt packen wir ihn in eine Tüte, und rufen in der Krankenpflegeschule an und sagen, das sie ihn jetzt feierlich beerdigen können!“
Mir wurde flau. Noch mehr eingeweihte Mörder!
Jagna telefonierte: „Schwester Mareike? Der Herr Max ist jetzt geschreddert, ihr könnt ihn abholen…ja…. nee… Er war echt zäh, der Fleischwolf hat ziemlich gebraucht….ja…klar, der war ja auch schon 30 Jahre im Dienst, der Herr Max, hahaha, der hat schon ganz schön vielen Schülerinnen zur Verfügung gestanden. Ja, nee….. klar… Ja, der neue Pflegeübungsdummy,  ja der ist richtig schnuckelig, da wollen bestimmmt jetzt viel mehr junge Frauen ihre dsc_10131Krankenpflegeausbildung machen, wenn sie an der neue Puppe lernen dürfen, hahahaha!“
Oh nein! Welch Glück! Keine Mörder! Im Fleischwolf steckte eine Übungspuppe für die Pflege!
So ein TraumaDummy!
Jetzt bin ich ziemlich erleichtert, dass Rosa und Jagna doch keine Mörderinnen sind!

Aber ich sag dir, so schnell verschwinde ich nicht mehr unten in den Katakomben!
Welcher Tag ist heute?

Ich wünsch dir was!

 

KrimiKat

 

KatakombenKrimi, der Dritte

Liebe S.,
nachdem ich ja weder Rosa noch Jagna letzte Woche unten in den Katakomben getroffen habe, sondern nur ein paar bleiche Bauarbeiter, ist mir Rosa gestern im Flur vor meiner Station über den Weg gelaufen. Ich wollte sie herzlich begrüssen, denn ich hab mich echt gefreut sie zu sehen, aber sie telefonierte sehr hektisch. „Ach, ist er schon da? Ja, natürlich, ich komme gleich. Ja, unten , alles klar in unserem Hobbyraum! “
Ha, dachte ich, sie haben wieder was zumSezieren , meine beiden Hobbiepathologenfreundinnen! Ich bin sehr neugierig gewesen, und hab micdsc_1087h beeilt, VOR Rosa unten zu sein. Ich weiss, das sie es nicht mag, wenn ich mich da einmische, also hab ich mich in einem Schrank versteckt. Und nur einen kleinen Spalt aufgelassen,damit ich mitkriege, was die Zwei jetzt so treiben, da unten in der alten Frauenklinik in ihrem HobbieSezierRaum.

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Eine Rolltrage wurde hereingeschoben. Ich hörte die Stimme von Rosas Mann, dem Beerdigungsunternehmer: „Rosa, bist du schon da? Ich hab hier was. Ich glaub nicht, das der hier an Altersschwäche gestorben ist, kannst du vielleicht mit Jagna mal reinschauen , ob du was findest, was die Todesursache sein könnte?“
Ich hörte die Stimme eines  Jungen: „Die Tochter von dem Herrn Müller behauptet ja auch, ich sei schuld, dass er tot ist!“
Jetzt hörte ich Jagnas Stimme: „Aha, das ist also Herr Müller, was ist denn passiert? Ich glaub, ich kenn Herrn Müller, das ist doch der Vater von unserer Oberärztin? Was hast du denn mit ihm angestellt?“ Währenddessen schien sie ein Messer zu wetzen. Die Stimme des Jungen zitterte, als er antwortete: „Ich pass manchmal auf Herrn Müller auf, weil seine Tochter arbeiten muss.“ Metall klirrte auf Metall. Jagnas Stimme dröhnte: “ Und warum sollst du Schuld sein? Weil du nicht gut auf ihn aufgepasst hast? Die Tochter von Herrn Müller, die Frau Doktor, ist doch auch schon kurz vor der Pensionierung, da wird er auch nicht mehr der Frrischeste gewesen sein, oder?“
„Er war nicht mehr frisch und sie gewiss auch nicht , zumindest in der Birne!“ hörte ich Rosa grummeln, während sie mit einem Messer Stoff zu zerschneiden schien. „Frau Doktor Vegan! Jedem hat sie erzählt, das man auf Tierische Produkte verzichten soll, damit man fit und frisch bleibt.Wenn ich geklagt hab, ich sei so müde von meinem 3Schichtdienst, hat sie gesagt: Dann musst du auf alles, was vom Tier kommt, verzichten, dann macht dir das gar nichts mehr aus! “
„Ja, „lachte Jagan dröhnend, „angeblich hat sie sogar ihren armen alten Vater auf VeganDiät gesetzt, weil das seine Demenz heilen sollte, und nachdem er 7 Wochen nur Gemüse essen musste, hat er sogar wieder angefangen zu sprechen, was er wohl vorher nicht tat!“
„Stimmt das!!!“ herrschte sie den Jungen an.
Eine Säge wurde angeworfen. Huu, was taten die da!

„Ähm, ja….“ zitterte die Stimme des Jungen, „er hat schon gesprochen, aber nur so Worte wie: Bratwurst, oder Frikadelle, und wenn er ganz aktiv war, dann brüllte er sogar :FLEISCH! Aber trotzdem hat er immer nur püriertes Gemüse bekommen.“
„Na, da würde ich auch wieder sprechen , wenn ich keine Wurst bekäme, ich würde mich total beschweren!“ hörte ich die Stimme von Rosas Mann, „Also, Mädels, dann viel Erfolg, ich verzieh mich hier aus diesen Kellern!“
Und ich hörte eine schwere Tür zu fallen. Zurück blieben der Junge, Rosa und Jagna, der tote Herr Müller und ich in meinem Schrank. Sehen konnte ich nichts, nur hören, und ich roch den Angstschweiss des Jungen.
„Bürschchen, komm her und halt fest,“ Jagna mit dieser lauten tiefen Stimme.“ halt den Kopf nach hinten von dem hier, und lass nicht los, ich schneide auf! “
Rosa schien mit einer blechernen Schere zu klappern, es gab ein hässliches Sägegeräusch, und einen Plumps.
„Ui, na, der hält ja gar nichts aus, „sagte Rosa, “ jetzt ist er um gefallen, der Knabe. Aber schau mal, Jagna, was sehn wir denn da? In der Lunge? Was ist das für ein Knochen?“
„Ja, wenn das kein Hühnerbein ist! “ Jagnas Stimme donnerte durch die gefliesten Räume „Und vom ganzen Hühnerschmaus hängt nur noch ein Bein heraus“, zitierte Rosa Wilhelm Busch. „Scheint mir, das Herr Müller an einem Hühnerbein erstickt ist!“
Der Junge stöhnte , als Rosa ihn zu schütteln schien“Hast du Herrn Müller ein Brathähnchen besorgt? Und dann ist er daran erstickt?Ha? Stimmt das?“
„Ja, “ wimmerte der Junge, „er hat so herzerweichend „Brathähnchen“ gekrächzt, wenn HeinisHühnerBude bei uns am Mittwoch immer durch die Strasse fuhr, da musst ich ihm doch eins kaufen!“
„Na, dann ist er wenigstens glücklich gestorben“ , murmelte Rosa, “ verdammt, ich will ihn wieder zunähen, wo ist der blöde Faden?“
„Die Hühnerreste schreddern wir in der Püriermaschine, da fällt dann bei der Exhumierung kein Verdacht auf unseren edlen Hühnerkäufer. Und das nächste mal, Bürscherl, tust du Knochen weg vom Huhn, denn wie du siehst: Knochenkauen kann mit dem Tode enden. Und jetzt verzieh dich, wir kümmern uns um den Rest!“

Wieder klappte eine Tür, und ich hörte Rosa und Jagna , die sich in die Hände klatschten, lachten und emsig anfingen, ihre Pathologiegeräte zu reinigen.

Nur…wie würde ich hier wieder rauskommen? Denn als sie gingen, haben siedsc_1082 meine Tür zugeschmissen. „Wer hat denn hier wieder nicht aufgeräumt, “ hörte ich sie scheppernd lache, dann klappte die schwere Tür vor meiner Nase zu, und es ist seitdem total dunkel um  mich rum.
Und draussen scheint die Sonne.

Kat.

KatakombenKrimi Teil 2

Huhu, Liebe S.,

ich war heute wieder in den menschenleeren Katakomben der alten Frauenklinik unterwegs, und hab gedacht, ich treffe auf Rosa und Jagna.
Aber ausser ein paar Bauarbeitern ist mir dort niemand begegnet.
Unheimlich war es trotzdem, die haben so komisch gelacht, die Bauarbeiter, und waren so blass um die Nase. Wahrscheinlich, weil sie immer unten im Halbdunklen arbeiten müssen.

Ich bin so durch die Gänge gestreift, als ich auf einmal in einer Ecke ein Stöhnen vernahm. Am liebsten wäre ich weggelaufen. Ich bin stehen geblieben und hab genau hingehört. Es war eher ein Wimmern.
Es kam auch nicht direkt aus dem Raum, in dam ich mich befand(du weisst schon, gelbliche Fliesen und Spinnweben und abbröckelnder Putz), das Geräusch kam aus einer Ridsc_1071chtung hinter dem Fenster.
Hinter dem Fenster befanden sich alte Küchengeräte, wahrscheinlich war dieser Raum einmal die Klinikküche gewesen. Ich bin da ganz leise hingegangen und hab da reingelinst. Und da entdeckte ich hinter dem alten Herd, unter dem Waschbecken eine alte Krankenschwester,so in Tracht noch und mit Haube. Um den Hals baumelte ihre Ordenskette, naja, gebaumeldsc_1069t hat die nicht unbedingt um den Hals,  eher war sie verschlungen mit dem Abfluss von diesem alten verranzten Waschbecken. Du weisst, wie stark und fest diese Ketten sind, irgendwer hat sie dort rumgewickelt.
Die alte Ordensschwester bemerkte mich und krächzte: „Mach mich sofort los!“
„Würde ich ja gerne“, sagte ich, aber die Tür ist zu! Sie funkelte mich böse durch das Fenster an. „Sofort! Bei mir herrscht Zucht und Ordnung! Und du hast zu parieren!“
Ich war echt eingeschüchtert, und bin losgelaufen, denn ich dachte, diese weissgesichtigen Bauarbeiter haben vielleicht ein Stemmeisen oder so.
Naja, aber die hatten schon längst Feierabend. Da hab ich dann einen alten Bürostuhl genommen und die Scheibe eingeschmissen. Diese Krankenschwester hat mich sehr missbilligend angeguckt, als ich ihre Ordenskette vom Abflussrohr abgefummelt hab. Sie stand auf, ächzend, sie war ziemlich gross, aber dann sah ich, das ihre Haube verrutscht war und der Kittel voller Schmutz und Spinnweben war, und ich war nicht mehr so eingeschüchtert.
„Wie ist das passiert?“ hab ich mich getraut zu fragen.
„Ach,“schnaubte sie, “ das waren die Leute von der Oberverwaltung, die wollten ein Gespräch mit mir,weil ich mich für bessere Arbeitsbedingungén für meine Kolleginnen einsetze, und Wände beklebe mit Parolen und so!“img-20170204-wa0005
Sie deutete auf eine Schachtel mit Aufklebern.
„Denn so, wie es ist, geht es nicht weiter! Wir sind nicht mehr Florence Nightingale! Wir wollen eine bessere Anerkennung und besseres Gehalt, wir wollen familienfreundliche, sozialverträgliche Arbeitszeiten,  wir wollen mehr Zeit für die Patienten, einen geregelten Ausfallplan, wir wollen nicht mehr einspringen, wenn ein Kollege krank wird, wir wollen mehr Gehalt, und noch einiges mehr. Das hab ich denen verklickert, und da wurde der Obermanager so wütend, weil ich gedroht habe, das Gesundheitsministerium anzurufen, da hat er mich angesprungen, meine Kette gezwirbelt, mich auf den Boden geschmissen und die Kette da rum gewickelt. Aber da hab ich ihm einen Tritt verpasst, dass er unter den alten Ofen gerutscht ist und da liegt er nun, der Wicht und wimmert! “

Tatsächlich, da hörte ich es, es wimmerte immer noch. Und ganz unten, unter dem alten Ofen, guckte ein schwarzglänzender Managerschuh raus. Und zappelte ein bisschen.
„Ich glaub, der hat sich total verkeilt, der Typ!“ triumphierte die alte Schwester, zuppelte ihre Haube gerade und sagte:“ Komm, der schafft es vielleicht alleine da rauszukrabbeln oder auch nicht. Dann haben wir ein Problem weniger!“

Und durch die langen, langen Flure gingen wir zum Ausgang…..aber unterwegs hab ich sie irgendwo verloren.dsc_1063

An irgendwen erinnert die mich, diese Kollegin 😉

Alles Liebe Kat.