Wie es sein sollte und was es jetzt ist

Liebe S.,

ja- es sollte ein Blog über Wechseljahre, Klimakterium, Umorientierung , Leben mit Hitzewallungen oder ähnliches werden. Ich finde, das ist es auch geworden. Und ich bin tatsächlich auf Blogs mit ähnlichen Themen gestossen(Haben wir eigentlich eine Blogroll, wo die Leser sehen, wem wir folgen? )

Ich hab mich in diesen 12 Monaten mit diesem WechseljahreThema sehr beschäftigt, nicht nur hier im wordpress, sondern ganz viel auch im Real life. Ich hab Frauen  gefragt, wie es ihnen geht oder ging  in dieser Zeit. Ich hab Bücher über dieses Thema gelesen, manche haben mich weitergebracht, andere eher nicht.Ich hab mich mit mir selber  ganz viel beschäftigt.

Ich bin meiner Mutter so nahe gekommen wie noch nie zuvor, weil ich sie gefragt habe, wie es ihr gegangen ist, und sie war so unglaublich ehrlich zu mir. Ich habe gedacht, was für ein Glück, das ich in dieser heutigen Zeit lebe und darüber sprechen kann, wie es mir geht. Und das ich nicht verlacht werde, wenn ich erzähle, das ich noch Träume habe, und das ich gerne wieder manchmal jünger wäre, und das ich in so schweren schwarzen Traurigkeitslöchern bin, und nicht rauskomme, weil alles so ist wie es ist und ich bin, wie ich bin. Ich muss nicht einsam durch den Wald laufen und mich traurig ans Wasser stellen,weil niemand da ist, dem ich das erzählen kann.Meine Mutter war damals allein. Mit sich, ihren Gefühlen, ihren Sorgen. Eine einzige Freundin hatte sie, hat sie mir erzählt, mit der konnte sie reden. (Ich fand diese Freundin damals schrecklich, unheimlich fast, weil meine Mutter  entspannt war, wenn sie sie besucht hatte, so gelöst.Diese Frau war dubios für mich).
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In unserem Blog ist viel passiert.
Lösungsvorschläge gab es nicht, muss es auch nicht geben. Und die Themen geben wir vor. Es gibt sehr unterhaltsame, spannende Beiträge von dir wegen Arbeitswechsel,  Arbeitsamt

Arbeitmässig hat sich nichts geändert , aber du bist umgezogen, und das ist auch schon ganz schön mutig. In deinem Alter. >:)
(Zu mir hat letzes Jahr mal ne Kollegin gesagt, während  wir Immobilienanzeigen anguckten: „Du brauchst doch in deinem Alter  kein Haus mehr kaufen!“  IyFB!)
Tja, und du ziehst um!Respekt!
Eine andere Freundin macht eine Ausbildung über 3 Jahre und schliesst die erfolgreich ab mit 54! Respekt!
Eine weitere Freundin eröffnet mit 49 eine eigene ArztPraxis! Respekt!
Ich mach nen Palliativkurs und lerne was dazu und hab andere Perspektiven. Respekt!
Und wir machen einen Blog und der ist ein bisschen bekannt und wird noch bekannter und wir werden berühmt und reich damit, wer weiss! Respekt!

Höhöhö-Hauptsache aber ist, das es Spass macht, alles was wir tun.

Wir lassen uns einfach nicht ausbremsen! Denn mittlerweile wissen wir, wo es langgeht!

Grüsse Kat.

Motivierungsschreiben oder „sei einfach mal Königin“

Liebe S.,
(für alle Leser: Wir schreiben auch noch Emails, in denen sehr sehr persönliche Dinge stehen, es scheint so, als hätten wir sonst gar nichts zu tun, grins…)

So, heute kam ein langes Email von dir, und was ich daraus  lese ist, dass der Alltag auffrisst, das alles zu nahe kommt, das keine Zeit bleibt, das abgrenzen, ausruhen, auftanken so schwierig ist. Kenn ich. Kenn ich. Seufz….Ich lebe zwar nicht auf einer halben Baustelle, aber ich kenn diese Situationen, wo ich nur noch für mich sein möchte. Wo ich mich danach sehne, dass niemand an mir zerrt, niemand etwas will,niemand mit mir spricht,… endlose Liste.

Ich bin ja mit dem „Göttinnen altern nicht“ Buch ein bisschen weiter gekommen,fast 2/3 hab ich geschafft, und ich sage dir: Lies es. Nimm dir Zeit dazu. img-20161004-wa0003Es ist zwar nicht esoterisch, und bezieht sich nicht auf Göttinnen unbedingt, aber was die Autorin immer wieder, manchmal auf eine sehr grossmütterliche Art sagt, ist:
Sei du. Sei so glücklich mit dir, weil du gut und perfekt bist, wie du bist. Vergib dir.Akzeptiere, dass du nicht so bist, wie es andere von dir erwarten. Nimm dir deine Rechte, nimm dir das Recht, nein zu sagen, nimm dir das Recht, Dinge zu machen, auf die DU Lust hast. Die dir gut tun.
Hei, wir sind klasse! Ja, und wir dürfen grummeln, wir dürfen meckern, wir dürfen Ansprüche haben, wir dürfen uns nur nicht verbiegen. Denn wenn wir nicht mehr wir selbst sind, und nicht in Wahrheit zu dem stehen, was wir wollen, dann merkt das Gegenüber sofort, dass wir dann in dem Moment angreifbar sind. Verletzbar. Ich stelle mir in solchen Momenten vor, ich hab ne Krone auf dem Chakra  Kopf (zuviel ChakraGedöns gelesen, aber das hilft mir auch gerade mich zu erden!), und mit ner Krone muss ich ja erhobenen Hauptes gehen, oder? Sonst rutscht die mir vor die Augen, wie doof sieht das dann aus! Mit ner runtergerutschten Krone nimmt niemand die Königin mehr ernst. Also, erheb dein Haupt und sag:
*****Nein! Jetzt drehe ich mich mal um mich selber.
Ich bin jetzt das Zentrum allen Seins. ****

Ohhmmmm mal wieder.
Versuchs mal. Und schreib, ob das funktioniert!

Kraftspendende Umarmung!

Kat.

Herzkissen

Liebe S.,

ja, das wäre schön, wieder mit dir bei Planten und Blomen heute auf einem Liegestuhl gelegen zu haben und „Göttinen altern nicht“ mit dir zu lesen. Ich bin bereits bei Kapitel 5 und sollte was dazu schreiben, aber erst mal muss ich jammern, denn kaum  bin ich zu Hause, geht der Stress los. Wäsche waschen, Kram für die Schule organisieren, dann ist der Laptop zu lahm, für Überweisungen brauch ich  jetzt eine Secur App, der LieblingsSyrer in Paris hat Sorgen, also skype ich mit ihm, einkaufen muss ich, der JüngstLiebsteSohn ist krank, der GrösstLiebsteSohn hat einen unverschuldeten Bumms mit  meinem Auto gemacht, der Nachbar schneidet die Hecke in unserem Gemeinschaftsgarten , und weil ich nicht will,das er Patient bei uns auf Intensivstation wird, helfe ich ihm, denn er schnauft zum Erbarmen. Und während ich das Geschriebene so lese, kann ich was zu diesem obengenannten Buch schreiben:

Gestern machte jemand, den ich lange kenne, und den ich aber lange nicht gesehen habe, eine fiese Bemerkung zu meiner Statur. (Ich sei ja mittlerweile ein ganz schöner Brummer geworden und deutete auf meinen Oberkörper). Fast jeder weiss, dass ich kämpfe wie blöd mit Sport und weniger und anders essen, um noch ein bisschen wie vor 10 Jahren auszusehen und diese Bemerkung hat mich verletzt. Dann sass ich im Zug heimwärts, immer noch genervt, gereizt, traurig, und las in diesem Buch, Kapitel 5 glaub ich, es geht um : die Weibliche Brust.

Wie Frauen sie wahrnehmen, dass sie nie zufrieden sind, das sie sie verändern möchten(grösser oder kleiner) , und wie wunderbar diese Brust doch ist, was sie kann, was sie bedeutet, und dann las ich das Wort: Herzkissen.
Und dann ging es mir wie ein Licht auf: Deshalb hab ich mittlerweile eine BH Grösse wie ein Pornostar(nein, das ist ein Witz!), meine Oberweite wurde im Laufe des Lebens immer grösser, weil mein Herz soviel mitgemacht hat. Weil es so viel liebt, und so viel gibt, und weil da so viele Menschen Platz drin haben, weil es vergibt, und weil es spürt, und mitfühlt,…und deshalb muss es geschützt werden, umsorgt und gepolstert. Das ist die geniale Erklärung dafür!
Ich hab das tatsächlich mehrmals gelesen, und es hat mich froh gemacht.Ich darf so sein wie ich bin. Und ich sollte lernen, das es mir gefällt.

Das Buch könnte dabei helfen.
Ich lese weiter.

Die Tage mit dir waren schön. Und der November kommt bestimmt fix und dann besuchen wir gemeinsam die Weihnachtsmärkte. Und lesen weitere kluge Bücher, am prasselnden Feuer. Okay?
Umarmung!!!

Kat.dsc_0122

Vom Befreien

Liebe S.!
(Und  liebe Leserinnen, die ihr so viel Anteil an Hildes Geschichte nehmt.)
Schön wäre es, wenn Hilde auf dem Campingplatz am Atlantik einen Job in der Rezeption gefunden hätte, der Campingplatzbesitzer hätte sich in Hilde verliebt und sie hätte auf ewig täglich Spaziergänge am Strand machen können. Aber Hilde wollte ja heim.
Vielleicht nicht unbedingt zu ihrem Herbert, aber sie hat ja 2 Enkelkinder, die sie liebt und eine Tochter, die meistens ja auch nett ist und die sie ebenfalls liebt. Seine Kinder liebt man einfach, egal wie ekelhaft die ihre Mutter auch manchmal behandeln.
Hilde fuhr also wieder nach A. zurück, ihre Siebensachen passten in eine kleine Sporttasche, in den Ohren hatte sie immer noch das Rauschen des Meeres und um den Hals trug sie eine Muschel, die sie am letzten Tag gefunden hatte. Die Muschel hat ein Loch an ihrer engsten Stelle, und Hilde hat sie aufgefädelt auf ein dünnes Lederband, das sie im Souvenirschop gekauft hatte. Sie fühlte sich ein bisschen wie ein Hippie. Als sie am Abend in A. zu ihrem Haus kam, war alles dunkel, die Vorhänge zugezogen, das Wasser abgestellt, und nirgendwo ein Herbert zu finden. Ein klein bisschen schlechtes Gewissen hatte Hilde, weil sie erleichtert darüber war. Sie inspizierte  den Kleiderschrank, ein paar Kleidungsstücke von Herbert fehlten, also war er nicht gestorben, sondern vielleicht auch verreist, dachte sie.
Sie schlief gut in dieser Nacht.
Am nächsten Morgen fuhr Hilde zu ihrer Tochter.Sie klingelte , ein wenig zaghaft, an der Haustür. Die Tochter öffnete und als sie Hilde erkannte , brach sie in Tränen aus.
„Mama, ich bin so sauer gewesen erst auf dich und dann hatte ich Angst, das dir was passiert ist, aber auf den Kontoauszügen hab ich gesehen, dass du Geld abgehoben hast und wo du bist, aber warum bist du weggegangen , es war schrecklich, Papa war furchtbar, ach Mama, ich bin so froh ,dass du wieder da bist!“
„Schschsch, „, machte Hilde, “ jetzt bin ich ja wieder da. Und wo ist Papa?“. Da guckte die Tochter zornig. „Papa“, schnaubte sie, “ den hab ich in Kurzzeitpflege gesteckt, der Pflegedienst kam dreimal täglich und dreimal täglich hat er den Schwestern in den Hintern gekniffen und da haben die ihm kurzerhand den Vertrag gekündigt. Einmal am Tage sei tolerierbar, hat die Pflegedienstleitung gesagt, aber dreimal am Tag sei zuviel. Aber ich finde auch einmal am Tag ist zuviel, und dann hat er mit mir nur rumgenörgelt und gemeckert und da hab ich verstanden, warum du weggegangen bist, Mama!“
In Hilde machte sich ein zufriedenes Gefühl breit. „Mich hat er zuletzt vor 25 Jahren in den Po gekniffen, aber schön fand ich das auch nicht“,  sagte sie.

Heute hab ich Hilde im Zoo wieder getroffen, nicht bei den Waranen, sondern bei den Kattas.20160621_131318 20160621_131555Kattas sind kleine Baumaffen, mit langen Schwänzen, die im Zoo in A. ein Freigehege haben und weil es Menschen gibt, die sie am Schwanz ziehen oder mit Steinen versucht haben, sie von den Bäumen zu holen, hat der Zoo Mitarbeiter gesucht, die die Besucher und die Affen im Blick haben, die Türen zum Freigehege öffnen, und aufpassen, dass die Kattas nicht gefüttert werden.
Hier arbeitet Hilde 4 mal in der Woche. Sie liebt es, die Menschen zu beobachten und die Kinder , die über die Sprungkünste der kleinen Affen staunen, sie liebt es zu beobachten, wie die Affen miteinander umgehen.Keiner von ihnen ist alleine, diese Affen kuscheln gemeinsam und springen gemeinsam.
Manchmal kommt ihre Tochter mit den Enkeln vorbei. Die schlingen dann ihre runden Ärmchen um Hildes Nacken und schnaufen ihr in die Haare, dann ist Hilde glücklich. Herbert ist von der Kurzzeitpflege direkt in ein Pflegeheim gegangen, Hildes Schwiegersohn hat das Haus verkauft und Hilde lebt in einer kleinen Gartenwohnung nicht weit vom Zoo. 4 mal in der Woche besucht sie Herbert, sie erzählt ihm von ihrer Arbeit, sie schauen alte Fotos an oder sie fährt ihn im Park spazieren.
Gestern hat ein Zoobesucher, der regelmässig kommt, Hilde gefragt, ob sie mit ihm nächste Woche zum Tanztee gehen möchte. Hilde hat an ihre Muschelkette gefasst, kurz überlegt, und lächelnd gesagt:  Tanzen-ja, das  wäre mal wieder schön.

Kat.

Einhundertzehn

Guten Morgen, liebe S.,
leider kriegst du das gar nicht so mit,was hier passiert.Wegen deinem Umzugsgedöns hast du ja kein flottes Internet und wahrscheinlich auch nicht viel Zeit , unseren Blog zu verfolgen.
Aber ich muss doch berichten,  dass es jetzt 110 Follower sind!
Und was mich besonders freut: Es sind Frauen dazu gekommen, die auch über das Thema schreiben,  was uns bewegt hat, diesen Blog zu machen. Die Wechseljahre, die veränderte Lebenssituation, das Älterwerden in Beruf und Alltag.
Haben wir eigentlich so eine „Blogroll“, wo andere Leute sehen, wem wir folgen? Denen, die dazu gekommen sind, folgen wir jetzt auch, denn nur so kann ein Austausch stattfinden, auch wenn manchmal die Zeit knapp ist, zu lesen und zu kommentieren. Was ich gerne öfter täte.
Also an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die uns folgen, die Kommentare da lassen, und an alle, die mir (ich kann jetzt nur für mich sprechen) mit ihren Blogbeiträgen Anregungen zum Nachdenken geben, Momente in denen ich lache, wenn ich ihre Beiträge lese, in denen ich mich über ihre Bilder freue, und über ihre Geschichten.

Als vorgestern der Anschlag in Bangladesh war, kam ein Blogger zu Wort, der sagte, er habe Angst um sein Leben, denn er würde kritisch bloggen. Uiuiui, hab ich gedacht, naiv wie ich bin, das ist krass. Ja, aber ich glaube, wenn du kritisch bloggst, dann kann das schon manchen Menschen aufstossen und sie können sauer werden. Zum Glück leben wir in einer Gesellschaft, in der wir sagen und schreiben dürfen, was wir denken.

In diesem Sinne: Allen, die das lesen , wünsche ich eine wunderbare Woche! Bloggen bereichert!

Liebe Grüsse Kat.

Von nassen Rittern, Regen und Spelunkenwirtinnen

Hallo, na, liebe S.? Wie war der Friseurbesuch? Hat es dich sehr geärgert, das Haareschneiden? Aber es war ja nur Farbe.
Die Zeit rast, 9 Wochen ist es her, das du zuletzt dort warst und wir diese Blogs  (oder sagt man Beiträge?)geschrieben haben über Haareschneiden und Besuche aus dem Jenseits.
Ich war gestern auf einem Rittermarkt, ich liebe es ja, dieses Eintauchen in eine Zeit, die wohl doch ein bisschen anders war als auf diesen Märkten. Es wird damals keine Thüringer Bratwurst gegeben haben und auch kein Schmalzgebäck in Rosenform. Aber egal. Seit Jahren liebäugel ich ja damit, mir mal so ein mittelalterliches Kleid zu kaufen, aber ich werde damit aussehen wie eine Spelunkenwirtin. 20160516_155424Weisst du, diese alten Weiber in diesem Mittelalterschinken, oder bei Game of Thrones, die in zerfetzen Kleidern zahnlos den schmutzigen Reitern der wilden Horden das Bier auf den Tisch knallen. Und denen eine scheuern, wenn sie anzüglich werden. Ich glaub , mir gefallen solche Frauen, denn die machen sich keine Gedanken mehr ums Gefallen müssen, wie diese hübschen Prinzessinnen -die alten Zahnlosen Weiber dürfen hässlich sein. Auf Dauer will ich das natürlich nicht, aber manchmal wäre es sehr praktisch. Was meinst du?
Jedenfalls hat es sehr geregnet, am Sonntag auf dem Markt, und beim Lagerleben sassen sie da, die Ritter mit ihrem Gefolge, ihre Schafspelzumhänge sogen sich voll mit Wasser, der Regen rann die Zeltwände hinab,in die Zelte hinein,  und ich freute mich über meine Gummistiefel IMG-20160516-WA0002und dass ich mit einem warmen Auto gleich heim in meine warme Wohnung fahren kann.
Und nicht auf einem nassen lahmen Pferd in eine zugige kalte Burg zurück oder, wenn ich eine Spelunkenwirtin bin, mit l20160516_162107öchrigen Schuhen durch den Matsch in meine verräucherte Kneipe vom Markt heimschlurfen müsste.Die hiesse übrigens „Zum zugigen Eck“.
Es hat Vorteile im 21. Jahrhundert zu leben! Auch wenn es keine Prinzen gibt, die eine vor dem Drachen retten können.

Selber Drachen sein ist die Devise.

Bussi! K.

Erinnern

Liebe S.,
Letztes Jahr im Oktober hab ich meine alte Tante in meiner Heimat besucht. Sie ist 83.Sie hat immer viel erzählt , und ich wollte auch immer viel von ihr wissen, nur leider, wie das mit erzählten Erinnerungen so ist, hab ich vergessen oder durcheinander gebracht, was sie mir alles erzählte. Dieses Mal hab ich mir ein Aufnahmegerät mit genommen, ich wollte diese Geschichten, die sie zu erzählen hat, und die zu meiner Identität gehörenm, die wollte ich wissen und bewahren.Wir sassen 2 Abende in ihrer kleinen Küche, mit Blick auf denSee, an dem sie wohnt,  wir assen geräucherten Aal, wir tranken ein wenig Bier, ab und zu rauchte sie eine Zigarette. Die Schatten der Bäume wurden länger. Die Kormorane zogen über das Wasser.Ein Fischerboot schlug Wellen.
Und sie erzählte ihre Geschichten.
Es sind dann 4 einhalb Stunden verwertbarer Text geworden. Einen Auszug schreibe ich hier, denn ich bin auf das Projekt „Gegen das Vergessen“ hier im Blog aufmerksam geworden, über Juck Plotz Beitrag, hier ist es noch mal extra erläutert. (Ich weiss nicht , ob ich das jetzt richtig verlinke, aber ich mach das jetzt mal so.)

Meine VaterFamilie-meine Tante ist die Schwester meines Vaters- ist gebürtig aus Mecklenburg, sie stammen aus „einfachen“ Verhältnissen, mein Grossvater war Maurer, meine UrGrossmutter Dienstmagd bei Hochwohlgeboren.Das folgende ist ein Auszug aus ihren Erzählungen:

Die Nazi-Zeit

….-Opa musste nicht in den Krieg, weil er zu alt war.
Er hat ja den ersten Weltkrieg mitgemacht, aber dafür war er im Volkssturm(1945,) er war Volkssturm Erster, und da hat er und A.P…, der hatte schon einen Arm verloren, im Krieg, mit dem ist er an der Eldebrücke gewesen.Die sollte gesprengt werden.Die Soldaten hatten da Sprengstoff gelegt, kurz vor Schluss, vor dem 3.Mai. Das hat Opa durch geschnitten, damit die Brücke nicht gesprengt wird.
Leider steht da nicht sein Name , an der Brücke,aber da steht:
Plauer Bürger haben das gemacht.

Ja. Irgendwie war Opa doch ein Held. War er, ja….
Ja,und in der Gewerkschaft war er.Er hatte eine Urkunde, 25 Jahre Gewerkschaft, im Zimmer hing die, nachher war sie weg. Und da stand drauf:
Einer für alle, Alle für einen.
So ist der Spruch gewesen.
Während der Nazi-Zeit konnte er in der Gewerkschaft bleiben, das hat keinen gekümmert.Das musste er nicht verstecken,
Obwohl P(der Ort) voll war von Nationalsozialisten. Aber die haben sich zurück gehalten- …..

….-Der Alltag

Wir haben so gut es ging , Musik gemacht miteinander. 1945 hatten wir ja keinen Strom abends, dann kamen noch mehr Freunde aus dem Ort und der Strasse zu uns, M… ist dir vielleicht ein Begriff, Hans M….l. Und dann haben wir Blockflöte und Mandoline gespielt, und die Eltern haben dabei gesessen. Dann stand ne Kerze auf dem Tisch, selbstgedrehte Kerzen, meine Mutter hat dann aus dem Wachs auch Bohner gemacht, für den Fussboden(Bohnerwachs) und mein Vater hat die Zeitung gelesen, Pfeife geraucht, Mutti hat gestopft, oder gestrickt, oder irgendwas, und dann haben wir uns Geschichten erzählt.Unser Vater konnte tolle Geschichten erzählen.Spökenkiekerei.Und der hatte für alles irgendeinen Spruch.Das fand ich immer so toll.Aber ich kann mich leider gar nicht mehr an diese Geschichten erinnern.

……-Der Krieg
Opa versteckt die Mädchen. 1945

Eingemauert hat er uns.Wenn du so willst. Am Ende vom Hof, vom Garten war ja so eine kleine Mauer und dahinter floss die Elde.
Er hat hinter dem Garten zwischen dem Schwienstall an der Stadtmauer einen Verschlag gemacht, alles zugestellt mit Holz,und da war Stroh drin, in dem Raum.Und dann hat er ein Loch geschlagen in die Mauer,das wir da durch konnten, und da wurde so ein Schrank vorgeschoben.
Und G…. , also dein Vater, und R…waren mit einer alten Frau im Haus im Wohnzimmer, und die Russen haben immer gefragt: Wo Frau, Wo Frau? Die konnten sich das nicht erklären, dass wir nicht mehr da waren, und wo wir waren.Wir waren , glaub ich, über 20 Frauen drin.
Die suchten alle Schutz bei meinem Vater.
Wenn die Russen dahinter gekommen wären, ich glaub , die hätten meinen Vater auch erschossen.Wir haben das gemerkt, das die Russen da waren, wir waren so still, du hättest da wirklich die berühmte Nadel im Stroh fallen hören.So leise ist das gewesen. Und G… und R… , die waren draussen.Mit dieser alten Frau.Der haben die Russen wohl nix getan. Die war wohl selbst für die Russen zu alt. Die sei schon faul, haben die Russen gesagt.Furchtbar.
Und nach ner Weile haben wir dann gemerkt, wie die Russen auf dem Hof waren und mit der Taschenlampe durch das Holz, weisst du, wenn da so Ritzen sind, wie die da durch geleuchtet haben.Und da kam dann der Schein da rein, aber die konnten das (uns)nicht sehen.Die sind denn wieder abgehauen.Aber weisst du, ich hab in meinem ganzen Leben noch nicht so gezittert und auch nie wieder solche Angst gehabt.
Und denn war das ja Sommer, und es war so warm und die Schafe die blökten, und die Kühe haben Lärm gemacht und mussten gemolken werden, und die Schweine, und dieses Geblöke und so, das hör ich immer noch, das war schlimm.Ja, das war keine schöne Zeit, aber irgendwie haben wir die dann doch noch als schön empfunden.

…Geschwister…
G… ist ja nur ein Jahr jünger als ich. Aber ich hab die Verantwortung für meine jüngeren Geschwister übernehmen müssen.Und weisst du, ich seh dieses Bild immer noch… wir hatten ja auch nichts zu essen,E…(Älteste Schwester)brachte zwar immer Brotmarken mit,wir mussten ja Marken kleben, aber das hat nie gereicht  und ich stand am Küchenschrank und die drei Kleinen neben mir, und hatten Hunger.Und da war nichts drin.ImSchrank.
Das geht mir nicht aus dem Kopf.Das war schlimm.20150927_154954.jpg

Und du weisst ja, ich hab W…(Schwester) immer um mich rum gehabt.Zu Hause immer.Und nachher in Rostock haben wir in einem Betrieb gearbeitet,auch hier, in E…,und das ist mir schon ganz schön schwer geworden, als sie gestorben ist(2014).

Daher kommt auch dieser ganz starke Geschwisterverbund, wenn man so schlimme Zeiten miteinander durchgemacht hat.Und trotzdem haben wir aus allem was gemacht. W… kam nachher ins Internat, auf die Oberschule, ich war in der Schule keine grosse Leuchte.

….denn wir haben ja im Krieg und auch nach dem Krieg kaum Schule gehabt.
Wir haben uns dann alles selber anlernen müssen.

Aber wir haben ja trotz allem ne schöne Jugend gehabt, wir hatten ja einen grossen Hof, und das gute war ja, das wir ein eigenes Haus hatten.
Wir haben da Höhlen gebaut, und wenn Gewitter war, dann hatten wir so eine Leiter hingelegt, Säcke rauf und da sind wir dann unter gekrochen.Wir waren immer zu dritt, oder nee, zu viert…nein, also ich war vielleicht immer manchmal bisschen böse mit den Gören, aber wenn man da erzieht , dann muss man manchmal bisschen streng sein.Aber das, denk ich, haben sie mir auch nicht so übel genommen.Die sind ja immer noch zu mir gekommen.

….Menschlichkeit
Und einmal musste mein Vater wo arbeiten, in  Rostock, das war im Krieg oder kurz davor, und da wurde er bewacht von den Nazis, und da war so ein alter Jude, den liessen die Nazis immer mit einem Stein in der Hand auf und ab springen.Und wenn der stolperte, haben sie ihn geschlagen. Der war wohl schon so alt und gebrechlich und Opa konnte das nicht mit ansehen. Der hat zu den Nazis gessagt,das das unwürdig ist,was die da machen und da haben die mit dem Gewehr auf meinen Vater gezielt und gesagt, wenn du noch einmal das Maul aufmachst, geht es dir genauso!
♥      ♥     ♥
Es gibt noch mehr Geschichten, ich habe sie eben alle noch mal gelesen, und bin wieder sehr berührt davon. Sie hat an den Abenden da gesessen und immer wieder gesagt,“ Ach Mensch, Kat… die Menschen sind doch immer noch nicht schlauer geworden, die machen denselben Sch… doch immer noch, hört das denn gar nicht auf?“
Sie hat immer wieder betont, dass sie ein gutes Leben hatte, wie wichtig ihr die Geschwister waren, die Familie, aber „den Krieg,…nee, datt hätt nicht sin möt“.
1950 bis 1960 sind sie und ein Teil ihrer Geschwister in den Westen geflüchtet, teilweise unter abenteuerlichen Umständen.

Und deshalb werde ich immer wütend, wenn ich die Stimmen gegen Flüchtlinge höre, wenn ich von Mauern höre, die gebaut werden sollen, wenn ich diese Diskussion über Familienzusammenführung höre… ich weiss wie das ist, wenn man einen Teil seiner Familie nicht sehen kann. Ich weiss wie das ist, wenn jemand seine Heimat verloren hat.
Und noch ein Nachsatz zu ihrer Bezeichnung: „Die Russen“. Das bedeutet nicht, das alle Russen böse Menschen sind. Es bedeutet, das es in jedem Krieg Menschen gibt, die die Achtung und den Respekt vor anderen „fremden “ Menschen verloren haben. Mittlerweile, denke ich, ist das sogar im Frieden der Fall.

Sehr nachdenkliche Grüsse

Kat.
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Altern

Liebe S.,
ein Thema treibt mich gerade um, das hat gar nichts leider mit deinem letzen Mailblog zu tun.
Das Älterwerden. Gerade mal wieder hab ich so mein Problem damit. Woran liegt das, dass es schubweise kommt?
Letzte Woche war ich wieder auf meiner Psycho-Reha-Gruppe, ich hab ja 2015 so eine Psychosomatische Reha gemacht, weil ich damals gerade etwas erschöpft war, beruflich. Jetzt sollte ich 26 Sitzungen in so einer Gesprächsgruppe machen. Irgendwie fühle ich mich dort aber fehl am Platz, diese Menschen da haben wirklich Probleme, Angstattacken, Depressionen, Panik, Psychosomatische Schmerzen. Mir aber geht es gut. Nur manchmal bin ich sehr traurig, weil mir die Zeit so davon rast, meine Lebenszeit. Der Gruppenobermensch fragte, welche Themen wir behandeln wollen in nächster Zeit, und bevor die anderen wieder sagen konnten: „meine Panik gefühle „oder „wie ich mich selber wertschätzen kann“, sagte ich, laut und deutlich-denn ich lasse mich sonst immer wieder übertönen, weil ich denke, meine Sorgen sind Pipifax gegen das, was die anderen haben! -sagte ich also laut: „ich möchte , dass wir über das Älterwerden reden, denn das ist gerade mein Problem“. Sagt die eine: „Hä? wie alt bist du denn? „sag ich 51. sagt sie: „Pah! Komm du mal erst mal in mein Alter!“ Will ich ja, aber jetzt noch nicht!  Aber immerhin, 80 % der anderen Teilnehmer nickten und sagten, das ist ein Gutes Thema!
Gucken was noch geht, wo es noch hingeht, wie ich klarkommen kann mit meinem merkwürdigen Selfiegesicht, wenn ich mich mal nicht von oben mit einem freundlichen Grinsen fotografiere, sondern in grellem Licht und das Bild schonungslos meine Falten zeigt, und ich eigentlich meinen Vater sehe, denn ich werde ihm immer ähnlicher, finde ich. Aber er war ja ein liebenswerter Mensch. Trotzdem!
Meine SchönsteTochter schickt mir ihre Fotos aus Israel, sie steht am Strand, sie ist so wunderschön, dass ich fast weinen muss! Ich erzähle das ihrem Vater, der ja mal mein Mann war, und der sagt: Das ist auch gut so, schöner wird sie nimmer, das ist die beste Zeit schön zu sein.
Ich will aber immer noch schön sein! Ich will Komplimente bekommen, wie früher, als ich lachte und jeder mein Lachen unwiderstehlich fand!

Mittlerweile werde ich auf dem Weihnachtsmarkt von einem gefühlt 70 jährigen angeflirtet, weil ich ne „heisse Oma“ trinke, und ich sei tatsächlich ne heisse Oma, und er hält meine 38 jährige Arbeitskollgin für meine Tochter.
Hilfe!!!!

Allerdings, es verbindet auch, das Älterwerden.
Heute  in der Arbeit wieder geseufzt, weil mir nach dem Lagern eines störrischen schweren Patienten sehr warm wurde, da sagt meine Lieblingsstationsärztin zu mir:“ K., hast du das auch so oft? Ich glaub bei mir ist das auch, und ich will das doch noch nicht“( ein bisschen jünger als ich ist sie schon) . Ich sag: „Komm, wir ignorieren das! Und lachen drüber!“

Guter Plan eigentlich! Wenn es nur nicht so schwer wäre!
Denn Lachen macht Falten!
Es grüsst dich K., nicht mehr so ganz taufrisch… aber immer noch gerne lachend  😉

Begegnungen

Liebe S.,

Bahnfahrt gut überstanden? Gut daheim wieder akklimatisiert?
Wenn ich bedenke, dass wir uns mehr als 20 Jahre aus den Augen verloren hatten, und trotzdem ist es , als wäre es gestern gewesen, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben! Unsere Themen, über die wir 1 Million Worte wechseln, die gehen uns nicht aus. Das gemeinsame Tun, die Freude, die wir dabei haben, scheinbar Sinnloses zu erschaffen, ach was macht es, dass wir „Stehrumchens “ fabrizieren?

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Gemeinsam fabrizierte Lieg-Rum-chens…

Ich habe noch so eine Freundin, die weit weg wohnt und trotzdem wir uns nur einmal im Jahr sehen, ist diese unglaubliche Nähe sofort wieder da. Diese Nähe entsteht beim Skypen, und dann , wenn Skype nicht geht, übers Whattsapp telefonieren. Oder übers Schreiben.

Gestern auf dem Weihnachtsmarkt bin ich einer Freundin wieder begegnet, die in M. wohnt, aus M. bin ich weggezogen vor 8 Jahren und wir haben uns aus dem Augen verloren vor lauter Alltag. Sie sah mich, und ihre Freude mich zu sehen war echt, sowie meine auch. Unsere Begegnung war sehr kurz, aber wir waren uns nicht fremd. Dann zogen sie weiter und ich auch. Ist das Leben so? Du begegnest Menschen, die dir lieb werden, dann verändern sich die gemeinsamen Wege, jeder geht  woanders weiter, manchmal kreuzen sie sich wieder, diese Wege. Du vergisst diese Menschen nicht, aber die Energie sich um sie kümmern,Kontakt mit ihnen zu halten, die wird geringer.
Ach,denkst du,  ich könnte P. ja auch mal wieder anrufen. Das denkst du dann 4 Jahre…. Dann triffst du sie auf dem Weihnachtsmarkt.
Oder B., vor 2 wochen  hatte ich eine Nachricht auf dem Handy, dass es ihr wieder besser geht, sie sei in der Klinik gewesen, wegen Depressionen, ich hab sie danach 3 mal angerufen, denn miteinander Sprechen erschien mir wertvoller als zu schreiben, … ich hab sie nicht erreicht. Und nun? Versinkt sie wieder im Nebel der Erinnerungen, an die Zeit, die   wir miteinander hatten?
Manchmal bin ich traurig, dass ich manche Menschen so „verliere“, aber ich gewinne ja auch andere dazu. Und manchmal tauchen „alte “ eben auch aus der Versenkung wieder auf.
Das ist es was das Leben so bunt macht. Begegnen, erkennen, weiter ziehen lassen….
Salbungsvolle Adventliche Grüsse K
(No Devil inside my heart today >: )

Frauenraum

Liebe S.,

brauchen wir Frauen mehr Solidarität untereinander und Freiraum? Ich hab gerade einen wunderschönen Abend mit meiner Freundin verbracht, mein bärtiger Mitbewohner ist heute nicht da. Als ich ihm erzählte, dass C. heute kommt, sagte er :Schade, ich bin heute abend nicht da. Ich antwortete: Es ist Absicht, denn ich möchte mit ihr alleine sein.
Denn letztes Mal war er anwesend, und so lieb ich ihn habe, er hat gestört. Da wünsche ich mir manchmal ein eigenes Zimmer, ein eigenes Reich.
Jedenfalls hatten wir tiefgehende  Themen, die wir heute am Wickel hatten und es war so vieles dabei, worüber ich mit dir auch rede.
Um unsere Findung, wie es denn mit Anfang 50 weiter geht. Die Aussage: wenn der jüngste aus dem Haus ist in 3 Jahren, dann lebe ich mein Leben neu.
Der Wunsch nach Veränderung, noch mal wieder lebendig sein. Wer findet mich noch attraktiv? Männer unseres Alters gucken nach jüngeren mit Klimpernwimpern und fangen an zu posen, wenn eine 25 jährige sie anhimmelt. Oder ist das unser Neid? Dass wir diese Klimperwimpern nicht mehr haben?
Was haben wir erreicht, was fehlt noch? Was kommt noch?

Ich für mein Teil bin ja glücklich und hab noch einiges vor. Wie geht es anderen Frauen? Ich hatte die Idee einer regelmässigen Gruppe von Frauen in unserem Alter, die sich treffen , zum Austausch und zum Lachen.

Vor einigen Jahren habe ich eine Frauengruppe geleitet, das waren Mütter, die bei mir in einer Eltern-Kind-Gruppe waren. Nachdem die Kinder im Kindergarten waren, entstand daraus eine Frauengruppe. Das hat mir so gefallen und war so schön. Es war da eine starke Verbundenheit, eine grosse Nähe, privat haben wir uns nicht getroffen- immer nur in diesem offiziellen Rahmen.
Und das Konzept dieser Gruppe hatte einen Namen:“ Frauen gehen ihren Weg.“ Ein Witzbold hat in den Flyer, der in der Pfarrei hing , das Wort Männern eingefügt. „Frauen gehen ihren Männern Weg. “ Wahrscheinlich selbst ein Mann.
Als ich dann hierher nach A. zog, bin ich zur hiesigen Pfarrei gegangen, und hab gefragt, ob es möglich ist, auch hier so ein Gruppe aufzuziehen. zur Antwort bekam ich :“Naaa, des brach ma do net, mir ham hier die Strickgruppe (rrrollendes Rrr) und an Fraunverein, der sich do um die Weihnachtsbasare kimmern dued. “
Tja, das ist bayrisch-schwäbische Provinz.

Im Orient gibt es diese geschützten Frauenräume, den Harem, in meiner romantischen Vorstellung bietet er Schutz vor den Männern und ermöglicht den Frauen eine eigene Freiheit zu Sein.

Möglicherweise ist diese Vorstellung  falsch. Aber weil ich eigentlich einen Beitrag über Kardamon, Koriander, Zimt, Nelken und  Vanille und die Gastfreundschaft in Beirut schreiben wollte, passt der Harem jetzt als Vorstellung dazu. Und rundet das ab.

Gastfreundschaft in Beirut und ein opulentes Essen… das schreib ich wann anders.

Einen schönen 2. Advent!
K.

 

Liebe K.,

ich glaube nicht , dass wir Frauenräume brauchen… reiss mir jetzt bitte nicht den Kopf ab..was du dir vorstellst gibt unsere Kultur nicht her, glaube ich.. Auf mich wirkt Frauenraum hier als ausgrenzend… ausgrenzend für Männer.Ganz einfach, weil Männer auch keine Männerräume haben.. Fussball u.a oder Kneipenbesuche zählen da nicht mit für mich. Frauen haben sich, 68ger und Frauenbewegung sei dank einiges an Raum (zu-)rückerobert. Das ist gut so ! Selbstbewusste junge Frauen heute , sind toll im Umgang ! Es freut mich immer wieder, wenn ich bei der Arbeit oder auch sonst mit ihnen zu tun habe. Ich muss mit mir so manches Mal kämpfen, wenn ich etwas sage. Bei denen , die ich gerade vor Augen habe, geht das ganz selbstverständlich… da ist gar nicht die Frage.. auch nicht im Ansatz !  Oh… wenn ich das jetzt sage, dann mögen die mich nicht mehr… dann hat “ Papi“ mich nicht mehr gern…  sondern Zack ! Raus damit, selbstverständlich wird für sich eingestanden ! Auch vor sogenannten Autoritäten wird nicht gekniffen… o.k. das tu ich auch nicht 🙂  Viele Männer wissen heute gar nicht , wie sie denn sein sollen/wollen.. ich meine die in unserem Alter… Keine Vorbilder, hat mal einer zu mir gesagt.. es sei schwierig… an wem oder was orientieren… an den Ansprüchen und Bedürfnissen der Frau oder Freundin ? An sich selbst ? Manche Frauen probieren immer noch an „ihren“ Männern herumzuschrauben und umgekehrt wird auch gern“geschraubt“. Reichen wir denn nicht mehr aus so wie wir heute sind ? Ist es denn nicht schon schwierig genug ? Erfinde dich täglich neu ??? Wir gehören zu der Generation die sich mit ihrer Selbstverwirklichung befasst. Etwas , dass für die Elterngeneration merkwürdig und ichbezogen daherkommt. Wo bleibt das grosse Ganze hat meine Mutter immer gesagt… O.K. wir beide, liebe K. sind davon natürlich ausgeschlossen 😉  wegen unseres Berufes !  Wir tun schon genug für die Allgemeinheit… oder ?!

Frauenraum könnte doch bei jeder anfangen… das frau einfach keine blöden Bemerkungen über andere Frauen macht. Auch nicht das Äussere bewertet oder kommentiert. Einfach die Vielfältigkeit und Buntheit des Lebens respektiert. Hallelujah !Davon bin ich soweit entfernt wie der Frosch vom Fliegen… dabei hilft mir die eigene Boshaftigkeit nur vor eigenen Verletzungen… Wenn ich jetzt z.B. nicht mehr über andere Frauen fiese Sachen sage, heisst das ja noch lange nicht, dass sie das dann mir gegenüber auch nicht tun. Oder ?!  Soviel zum Selbstbewusstsein einer Anfang 50jährigen.. 😦

Wie wärs mit Resepekt ? Damit werde ich heute mal in den Tag gehen..

S. nachdenklich