Motivierungsschreiben oder „sei einfach mal Königin“

Liebe S.,
(für alle Leser: Wir schreiben auch noch Emails, in denen sehr sehr persönliche Dinge stehen, es scheint so, als hätten wir sonst gar nichts zu tun, grins…)

So, heute kam ein langes Email von dir, und was ich daraus  lese ist, dass der Alltag auffrisst, das alles zu nahe kommt, das keine Zeit bleibt, das abgrenzen, ausruhen, auftanken so schwierig ist. Kenn ich. Kenn ich. Seufz….Ich lebe zwar nicht auf einer halben Baustelle, aber ich kenn diese Situationen, wo ich nur noch für mich sein möchte. Wo ich mich danach sehne, dass niemand an mir zerrt, niemand etwas will,niemand mit mir spricht,… endlose Liste.

Ich bin ja mit dem „Göttinnen altern nicht“ Buch ein bisschen weiter gekommen,fast 2/3 hab ich geschafft, und ich sage dir: Lies es. Nimm dir Zeit dazu. img-20161004-wa0003Es ist zwar nicht esoterisch, und bezieht sich nicht auf Göttinnen unbedingt, aber was die Autorin immer wieder, manchmal auf eine sehr grossmütterliche Art sagt, ist:
Sei du. Sei so glücklich mit dir, weil du gut und perfekt bist, wie du bist. Vergib dir.Akzeptiere, dass du nicht so bist, wie es andere von dir erwarten. Nimm dir deine Rechte, nimm dir das Recht, nein zu sagen, nimm dir das Recht, Dinge zu machen, auf die DU Lust hast. Die dir gut tun.
Hei, wir sind klasse! Ja, und wir dürfen grummeln, wir dürfen meckern, wir dürfen Ansprüche haben, wir dürfen uns nur nicht verbiegen. Denn wenn wir nicht mehr wir selbst sind, und nicht in Wahrheit zu dem stehen, was wir wollen, dann merkt das Gegenüber sofort, dass wir dann in dem Moment angreifbar sind. Verletzbar. Ich stelle mir in solchen Momenten vor, ich hab ne Krone auf dem Chakra  Kopf (zuviel ChakraGedöns gelesen, aber das hilft mir auch gerade mich zu erden!), und mit ner Krone muss ich ja erhobenen Hauptes gehen, oder? Sonst rutscht die mir vor die Augen, wie doof sieht das dann aus! Mit ner runtergerutschten Krone nimmt niemand die Königin mehr ernst. Also, erheb dein Haupt und sag:
*****Nein! Jetzt drehe ich mich mal um mich selber.
Ich bin jetzt das Zentrum allen Seins. ****

Ohhmmmm mal wieder.
Versuchs mal. Und schreib, ob das funktioniert!

Kraftspendende Umarmung!

Kat.

Uff….

Liebe S.,

ich hab das Gefühl, ich bin nur am Hetzen. Wer sagt,dass Ferien entspannt sind? Für Eltern, wenn sie arbeiten müssen, jedenfalls nicht.
Irgendwie fällt mir gerade alles schwer, arbeiten im  Nachtdienst, ich weiss nicht was ich dem hungrigen JüngstLiebstenSohn kochen soll, meine Wohnung ist staubig ,die Sommerblumen verblühen und die Tomaten sind immer noch grün,…..

Morgen fahren wir für 4 Tage nach Richtung Fulda, der LieblingsItaliener macht irgendwas in Messer mit bärtigen Männern, es werden viele Leute da sein, die ich nicht kenne, aber er kennt sie alle, das wird komisch, seufz. Ich hab geplant, mich tagsüber zurück zuziehen. Einen Tag nach Fulda, da war ich damals mit dem Brackelmann öfter,seine Eltern haben da gelebt, Fulda fand ich immer schön. Ich werde mich in ein Cafe setzen, allein, die Leute begucken, nachdenken, spazieren, schauen, denken. Am anderen Tag werde ich wandern gehen. Allein. Auch das wird schön. Hey, andere pilgern tagelang allein, da schaff ich wohl 4 Stunden so für mich entlangzutrotten! Und am Abend misch ich mich unter die Menge der bärtigen Männer, die über Messer fachsimpeln, werde mich mit deren Frauen unterhalten, und wenn wir dann am Sonntag wieder kommen, hab ich wieder was gelernt. Über Messer, Whisky, wie man ein Spanferkel zubereitet und warum ich meinen LieblingsItaliener so mag. 😉
Wetten? Danach gehts mir gut. Deine K.

Messpunkte

Hallo liebe S.,

ja, es gibt keine einfachen Antworten, nicht auf das Weltgeschehen und das Warum und auch schon gleich gar nicht auf das Leben, auf die Fragen nach dem Warum, dem Woher, dem Wohin……

Ich stolpere über „Mess-Punkte“. „Mess“ von messen? Oder „Mess“ von Englisch: Ducheinander, Schlamperei,Kuddelmuddel(übersetzt aus Leo, Englisch).

Passt beides, oder?

An welcher Skala messen wir, nach welchen Punkten beurteilen wir? Wie viele Punkte vergeben wir, an unser Leben, du deinem, ich meinem? Können wir unser Leben bewerten, was ist unser Leben wert? Was ist überhaupt ein Leben wert? Mein Leben ist mir viel Wert, und auch das Leben der Menschen, die ich liebe und schätze und kenne und mag, und auch das derer, die ich nur kurz kenne, ach, eigentlich ist mir jedes Leben auf der Welt viel Wert, aber ich kann mich nicht um alle kümmern.

Ich wollte das früher. Als ich 14 war, hatte ich ein Gespräch mit meinem Vater. Der fragte: was möchtest du denn mal machen? Ich sagte: Papa, ich werde die Welt verändern!Sie ist so sch….
Er sagte: K. , das haben schon so viele versucht und sind gescheitert. Datt klappt nicht, du kannst nur im kleinen die Welt verändern, nur in dem was dich unmittelbar betrifft. Du kannst den Menschen, die um dich sind, ein Lächeln ins Gesicht zaubern,ein bisschen Wärme ins Herz, wenn du gut bist,  du kannst ihnen das Gefühl geben, das du sie magst, du kannst den Armen, die vor dir sitzen ein Stück Brot geben, aber du kannst nicht die Welt verändern.

Ich war enttäuscht, geb ich zu. Aber später merkte ich, dass er recht hatte. Alles was ich tue, ob ich im Krankenhaus arbeite, oder im Entwicklungsdienst Brunnen baue, es wird immer jemanden geben, der das Wasser vergiftet,(oder mir ans Bein pinkelt) ,aber für einen Moment hat jemand daraus trinken können.Aus dem Brunnen.;)

Puuuh! ich hab zuviel Vikings geguckt, ich werde ganz pathetisch.

Und die Kuddelmuddelbedeutung?

Tja, solche Dinge, die uns die Tage beschäftigen, richten ganz viel Unordnung an, in unserem Herzen, in  unserer Gesellschaft. Sie wecken Zweifel und Unsicherheit, diese Geschehnisse, und machen Angst. Wir sollten uns nicht durcheinander bringen lassen von all diesen Sachen und nicht entmutigen lassen, auf diesem Weg, den ich doch immer noch gehe, seufz, die Welt zu verändern und wenn es  nur ein klitzekleines Bisschen  ist.

Manchmal, denk ich, klappts!

Hoffnungsfrohe Grüsse in den Norden! K.

Anders orientieren?

Liebe S. wie Sonne, die sich hier so langsam vorsichtig zeigt um 14.00. Dabei soll laut Bayern 3 überall die Sonne scheinen heute, fragt sich nur wo!

Ich hab heute eine private Email von dir bekommen, und dazu möchte ich hier was sagen. Es ging um das berufliche Verändern, um Besuche im Arbeitsamt, um die Frage, wie lange können wir unseren Beruf als Krankenschwestern noch ausüben und was ist dann die Alternative?
Du arbeitest in einer Notaufnahme, ich auf einer Intensivstation. Wir arbeiten in diesem Beruf seit 30 Jahren. Mit wenigen Unterbrechungen, Kindern oder mal anderes Arbeiten. Im Grossen und Ganzen arbeiten wir gerne in diesem Beruf. Schichtdienst hat durchaus Vorteile, wenn ich frei habe, hab ich daheim meine Ruhe, weil alle anderen arbeiten oder in der Schule sind. Nachtdienst gefällt mir, es ist in der Regel ruhiger, ich behüte die Schlafenden.

Ich liebe es, Menschen zu begleiten,auf dem Weg zur Gesundung, oder auch auf dem Weg in die andere Richtung, und ihnen dabei Frieden und Wärme geben. Das mag ich.
Im Sommer allerdings hab ich eine grosse Müdigkeit gespürt, ich war erschöpft, ich hatte dann aber auch die Chance, mich zu regenerieren.

Jetzt kann ich weiter machen und ich tue es gerne. Aber tatsächlich ist die Frage, wie lange geht das noch?

Für mich hab ich festgestellt, um gut in meiner Arbeit zu sein, brauche ich ein stabiles geordnetes Zuhause.
Und wie du in deiner Email schreibst, Abgrenzungen. Auch nein sagen können, wenn ich merke, mich frisst irgendwas auf. Die Kollegen nerven, ich muss einspringen, der Dienstplan ist nicht so wie ich es gerne hätte.(Was bei uns gottlob nicht oft der Fall ist!) Oder auch zu Hause…wie viel Kraft es manchmal kostet, nein zu sagen! sich einen Raum zu schaffen, abzugrenzen…

Aber nötig ist es! Und was hätten wir für Alternativen? Was ganz anderes? Oder doch in dem Metier bleiben, und sich in kleinen Schritten weiter verändern? Deshalb mach ich den Palliativkurs nächstes Jahr.Als Möglichkeit, eine andere Richtung einschlagen können.

Mal gucken, welche Alternativen dir das Arbeitsamt anbietet, bin gespannt!
Allerdings hab ich es aufgegeben daran zu glauben das von der offiziellen Seite was konstruktives kommt, ich denke, ich bin mir selbst der nächste und muss die Inititaive ergreifen.
Sonst ward datt nix im Leben. In diesem Sinne K. wie konstruktiv! und nicht wie Kaos 😉