Neue Wege

Liebe S.,
eigentlich wollen wir ja unsere wöchentliche Themenreihe machen, aber jetzt mach ich was ausser der Reihe. Es war etwas schweigsam in unserem Blog die letzten Tage, manchmal ist im Leben landunter, dann sind andere Dinge wichtiger.

Ich bin seit Freitag auf Wolke sonstwo. Am Freitag gab es die PalliativZertifikate, und die Kursleitung hatte alle Chefs zum Festakt eingeladen . Ich wollte das erst nicht, ich dachte, der nimmt mich doch sonst auch nicht wahr! Aber dann kam Herr Chef, gab mir die Hand, brachte mir eine Flasche Wein(leider war die nimmer gut, wörx, egal, die Geste zählte) und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, in einer Weiterbildung für andere Kollegen Stunden zu geben zum PalliativThema . Klar, logisch gerne! Und dann fragt er mich, ob ich woanders arbeiten möchte, Onkologischer Schwerpunkt und die Weiterbildung zur Onkologie Fachkraft machen will. Hei, ich bin 52! Die Ausbildung dauert 2 Jahre! Aber der Arbeitsplatz danach wäre dann ohne Nachtdienst, ich wäre weg von der Intensivstation. In der neuen Arbeit wäre der Schwerpunkt Patientenbetreuung und Medizin, und ach, alles so Gutes Sach, was ich nie dachte, das ich dafür mich qualifizieren würde! Als ich ihn fragte, ob er wüsste, das ich 2031 in Rente dann ginge, sagt er: Alte Pferde schickt man nicht immer gleich zum Metzger. 😉

Es tun sich neue Wege auf, S., ich bin so glücklich. Erst mal durch die Wertschätzung, die mir entgegen gebracht wird, er sagte, jemand der sich so einsetzt, diesen Palliativkurs durchzuboxen,der ist in seinen Augen sehr gut befähigt, die Arbeit in der Onkologie zu machen.
Dieses Schreckgespenst: Nachtdienst und 3 Schichten bis zur Rente machen müssen, ist weg, die Sorge, wie schaffe ich es mit 60 Jahren 150 Kilo schwere Menschen zu lagern und zu pflegen, wie halte ich die Situation mit der Ethik in der Intensivmedizin noch 15 Jahre lang aus, ohne abzustumpfen, oder zu zerbrechen- all das ist gelöst.

Es gibt Wege raus aus diesen Sorgen. Wir beide stellen uns ja seit 2 Jahren die Frage, wie geht es beruflich mit uns weiter, wie lange können wir das so noch machen? Bei mir hat sich ne Tür geöffnet, unverhofft….Und niemand hat mir bis jetzt abgeraten, selbst Kollegen, die ich sehr vermissen werde, denn wir sind ein Supertolles Team, sagen: Mach das, das ist deine Chance, wenn nicht du wer dann?
Und weil ich da so beschwingt war, konnte ich auch Gehaltsvorschläge machen, da ich mich ja auf Grund der fehlenden Schichtzulagen finanziell eher verschlechtern werde, und Herr Chef hat gesagt: Okay, er schlägt es der Personalabteilung so vor. Schaun mer amoi….ob das so klappt…
Ich hoffe, ich werde jetzt nicht grössenwahnsinnig, haha!

Es wird spannend. Und wir zählen noch laaang nicht zum Alten Eisen! Das freut mich besonders!

Liebe Grüsse
Kat. auf dem Höhenflug

Anders orientieren?

Liebe S. wie Sonne, die sich hier so langsam vorsichtig zeigt um 14.00. Dabei soll laut Bayern 3 überall die Sonne scheinen heute, fragt sich nur wo!

Ich hab heute eine private Email von dir bekommen, und dazu möchte ich hier was sagen. Es ging um das berufliche Verändern, um Besuche im Arbeitsamt, um die Frage, wie lange können wir unseren Beruf als Krankenschwestern noch ausüben und was ist dann die Alternative?
Du arbeitest in einer Notaufnahme, ich auf einer Intensivstation. Wir arbeiten in diesem Beruf seit 30 Jahren. Mit wenigen Unterbrechungen, Kindern oder mal anderes Arbeiten. Im Grossen und Ganzen arbeiten wir gerne in diesem Beruf. Schichtdienst hat durchaus Vorteile, wenn ich frei habe, hab ich daheim meine Ruhe, weil alle anderen arbeiten oder in der Schule sind. Nachtdienst gefällt mir, es ist in der Regel ruhiger, ich behüte die Schlafenden.

Ich liebe es, Menschen zu begleiten,auf dem Weg zur Gesundung, oder auch auf dem Weg in die andere Richtung, und ihnen dabei Frieden und Wärme geben. Das mag ich.
Im Sommer allerdings hab ich eine grosse Müdigkeit gespürt, ich war erschöpft, ich hatte dann aber auch die Chance, mich zu regenerieren.

Jetzt kann ich weiter machen und ich tue es gerne. Aber tatsächlich ist die Frage, wie lange geht das noch?

Für mich hab ich festgestellt, um gut in meiner Arbeit zu sein, brauche ich ein stabiles geordnetes Zuhause.
Und wie du in deiner Email schreibst, Abgrenzungen. Auch nein sagen können, wenn ich merke, mich frisst irgendwas auf. Die Kollegen nerven, ich muss einspringen, der Dienstplan ist nicht so wie ich es gerne hätte.(Was bei uns gottlob nicht oft der Fall ist!) Oder auch zu Hause…wie viel Kraft es manchmal kostet, nein zu sagen! sich einen Raum zu schaffen, abzugrenzen…

Aber nötig ist es! Und was hätten wir für Alternativen? Was ganz anderes? Oder doch in dem Metier bleiben, und sich in kleinen Schritten weiter verändern? Deshalb mach ich den Palliativkurs nächstes Jahr.Als Möglichkeit, eine andere Richtung einschlagen können.

Mal gucken, welche Alternativen dir das Arbeitsamt anbietet, bin gespannt!
Allerdings hab ich es aufgegeben daran zu glauben das von der offiziellen Seite was konstruktives kommt, ich denke, ich bin mir selbst der nächste und muss die Inititaive ergreifen.
Sonst ward datt nix im Leben. In diesem Sinne K. wie konstruktiv! und nicht wie Kaos 😉