Pappelpuschelregen

Liebe S.,

wie war es heute mit dem Dampfreiniger?Hat es geklappt, bist du vorwärts gekommen? Würde mich schon interessieren, ob die Fettansammlungen der Vormieterin sich aufgelöst haben. Ich denke nämlich gerade, wenn das auch bei mir mit dem Dampfreiniger ginge,das Fettansammlungauflösen, würde ich das sofort ausprobieren. Gestern nämlich zeigte meine Waage 2 Kilo minus an, aber heute? Nichts da! Alles wieder wie IMMER! Wollte die mich veräppeln? So ein doofes Ding, nur weil sie auf einer anderen Bodenfliese stand als sonst, macht sie mir gute Laune. Ich hätte das Nachkontrollieren heute lieber sein lassen sollen!

Darum hab ich das Auto heute stehen lassen und bin Fahrradgefahren.
Durch einen Pappelpuschelregen . Schade, das ich es nicht fotografieren konnte, aber ich versuche es zu beschreiben. Ich bin auf einem Radweg geradelt, entlang an einem Wiesengebiet, ein kleiner Bach schlängelt sich da durch. Über den Bach führt eine Brücke, die ein sehr grosses Dach hat,manchmal treffen sich die Jugendlichen auf der Brücke, sie sind so geschützt vor Regen und Wind.
Ich bin in den Sonnenuntergang geradelt, das Licht war schon ein wenig gebrochen, und die Sonne schien mir entgegen. Auf der Brücke waren viele Spaziergänger, Fahrradfahrer, Kinder mit Rollern, und auf einmal  kam ein Wind auf, und die Pappeln in der Wiese liessen ihre Puscheln fliegen. Wie ganz zarte Schneeflockensterne flogen die Puscheln um die Menschen, und liessen sie alle wie verzaubert wirken. Ich bin in den Puschelregen hineingefahren. Kurz stellte ich mir vor, es sei eine andere Welt hinter der Brücke. Mir fällt ein, dass meine SchönsteTochter mir erzählte, als sie mit ihren syrischen Freunden am See sass, flogen auch die Puscheln, und die Syrer waren erstaunt darüber, das Baumwolle durch die Luft fliegen kann. DSC_0132
Vielleicht mag ich Pappeln auch, weil im Garten meiner Kindheit viele Hohe Pappeln auf dem Nachbargrundstück standen. Meine Eltern schimpften oft über die Pappelpuscheln, aber wir Kinder haben versucht sie zu fangen.

Und lies mal, was die Pappel alles kann! Aus der Familie der Weidengewächse, Salicacaea. Klingt schön.

Wie heissen die Puscheln eigentlich richtig? Ich google das jetzt nicht, ist ja auch egal.
Lass uns tanzen wie die Pappelpuscheln!Ganz ohne Dampfreinigungsfettablösung!

 

Guckst du heute Fussball? Ich freu mich auf die Isländer, wenn sie heute spielen!
Deine KatSalica Romysdottir

 

Sommerlaune-Sommerblues

Meine liebe Freundin S. wie Sommerlaune!
Tolles Foto in deinem letzten Beitrag. Ist das aus eurem Urlaub?
Und ja, bitte antworte auf meinen letzten  Beitrag, der hat so viele Reaktionen hervorgerufen, gute tolle inspirierende Kommentare, dass ich heute meine eigene Einstellung zu diesem Thema überdacht habe. Eben fällt mir die erste Zeile zu einem Gedicht ein, dass ich mit 16 geschrieben hab: Der Tod ist kein wilder Knochenmann, nur für die , die das Leben lieben……ach je, was war ich da aber dunkelmütig drauf!
Und deshalb war der Kommentar von Ulli so toll, dass der Tod eine Todin ist, eine zahnlose Schwarze. Warum nicht eine Frau? Warum nicht eine Art Mutter, die mich dann aufnimmt? Mir fällt dazu das Bild der BabaYaga ein, so wie es in den Märchenbüchern dargestellt wurde, die mir meine Oma aus der DDR geschickt hat: Russische Märchen.
Die BabaYaga, die in ihrem Häuschen aus Hühnerknöchelchen sitzt und sich dreht und mal sieht der Ankommende Suchende im Fenster des Häuschens das Gesicht der jungen Frau, und mal das der Alten. Als meine SchönsteTochter geboren war, lag ich im Halbschlaf, erschöpft nach der Geburt und sah SIE(Die Göttin?Die MUTTER? Die BabaYaga?). Ihr altes zahnloses fast hässliches Gesicht, dann das Gesicht der liebevollen warmen Mutter und dann als junge neugierige Frau. Ich erinnere mich, daß ich dachte: Die Reihe wird fortgesetzt. Ich bin eine Tochter meiner Mutter, eine MutterTochter, die jetzt eine TochterMutter ist.
Klingt etwas wirr vielleicht. Aber, da ich ja quasi leiblich-mutterlos aufgewachsen bin, war das für mich ein Zeichen,dass nichts verloren ist. Dass die Reihe sich fortsetzt. Das sie nicht aufhört, die Liebe.

So. Das war jetzt mein Sommerblues.
Jetzt zur Sommerlaune: Es finden überall Feste statt. Strassenfeste, Altstadtfeste, Mittelalterfeste, Karneval der Kulturen, das Hohe Friedensfest. Lebensfeste. Da feier ich dann mal mit.

Bis bald , liebe Freundin, und lass dich nicht ärgern von Putzlumpen, Dübeln, Schrauben und Farbeimern. Wenn dein  Umzug geschafft ist, komm ich dich besuchen!
Deine K.

Von der Kornmuhme und anderen Naturgeistern

Liebe S.,

ich hab jetzt auch Urlaub, 2 Tage, grins..
Eben hab ich noch gearbeitet, und Mittwoch geht es weiter, aber ich wurde fröhlich mit den Worten verabschiedet: Schönen Urlaub! Ich mag meine Kolleginnen sehr 😉

Vor der Arbeit hab ich heute kurz eine Pause an einem Kornfeld gemacht und hab dem Mohn beim Wiegen zugeschaut. Ich mag es, wenn das Korn so wiegt. Als Kind bin ich oft durch Kornfelder gelaufen, wir haben Verstecken gespielt im Korn, und mein Vater sagte: Pass auf, dass dich die Kornmuhme nicht holt. Kennst du die Kornmuhme? Ich hatte keine Angst vor der Kornmuhme, eine Muhme war für mich eine warme Frauengestalt.
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Die Kornmuhme wohnte im Weizenfeld, und hat sich wohl ab und zu Kinder geholt, aber ich dachte, die wird dann schon nichts böses Anstellen mit den Kindern. Genauso wie wie die Frau Holle unterm Hollerbusch gewohnt hat, diese Stellen unterm Hollerbusch waren für mich Verstecke, verzauberte Orte, in denen ich verschwinden konnte, wenn mich die Erwachsenenwelt bedrückt hat. Deshalb hatte ich nie Angst vor diesen Frauengestalten, manchmal hoffte ich, sie gäben sich mir zu erkennen.20160612_124254

Irgendwann hast du mir mal dieses Buch geschenkt: Die Welt der Naturgeister. Da hab ich dann noch mehr gelernt über diese Gestalten, die wir gut behandeln müssen, damit sie uns nichts Böses wollen.

Ich glaub,  manchmal spüre ich sie .

Seien wir nett zu ihnen.

Liebe Grüsse bis bald! Kat.

Rauhnachtszauberei

Liebe S., ich bin ganz doll im Räucherrauhnachtsmodus.

Es heisst ja, man sollte sich in diesen Tagen Stille gönnen, klappt aber nicht irgendwie bei mir.

Gut, ich versuche mir Zeit zu nehmen, für mein tägliches Ritual der Besinnung, mit Räucherharzen und Kräutern, ein bisschen Hokuspokuskartenlegerei, mit Nachdenken und dem Verbrennen meiner 12 Wunschbrieflein an das Universum. Damit ich besinnlich bin, mach ich das. Nächstes Jahr soll ein gutes Jahr sein. 20151227_185849

So, heute war es dann , nach guten klärenden Gesprächen, leergegessenem Kühlschrank, resümieren über die  letzten Tage und den Begegnungen mit der Verwandschaft, da klagt mein Mitbewohner über Kreuzweh. Du sagst, es könnte Frau Percht gewesen sein, die ihn getreten hat, tja, welche Gründe kann es dafür geben? Ich hab ihn ins Schwimmbad geschleppt. Schön war der Tag also für uns.

Heute abend, meine Sehnsucht nach Stille. Ich richte mir mein Räucherplätzchen ein, beginne. Die Kohle glimmt, ich streue meine Harze in die Glut. Weihrauch riecht gut, wenn man ihn verbrennt.Ich schaue in den Rauch. Interessant, was da für Muster entstehen.Nachdenken, besinnen…

Und was ich noch geschafft hab? Ich hab meinen Liebsten vom Sofa weggeräuchert. Er sprintete ob des für ihn unerträglichen Geruches in seine Werkstatt.
Mein Wunsch nach kurzer Stille und Einsamkeit in unserem Lieblingsraum hat sich also prompt erfüllt. Und vom Kreuzweh geheilt war er auch.

Da sag noch einer, zaubern geht nicht!

Hokuspokusfidibus!

Deine K.

Anderswelt

Liebe S.,

hier war der Tag nicht blau und sonnig, hier lag eine Hochnebeldecke über den westlichen Wäldern.
Nichtsdestotrotz war ich mit meinen Jungs 3 Stunden unterwegs im Wald, wir  waren so unbeschwert.

Ja, Allerheiligen , Allerseelen, diese Zeit, die manchem das Herz schwer macht und andere um Süsses oder Saures bitten lässt.
Zu Hause , als Kind, hab ich nie Halloween gefeiert, das war wohl zu amerikanisch, die Peanuts, auch das hat nicht zu meiner Kindheit gehört.
Wir sind evangelisch, Martin Luther, der Weltspartag am 30. Oktober, das waren meine Highlights in der Schulzeit, wobei Martin Luther kein Highlight war, nur der Schulfreie Reformationstag.
Am Weltspartag mussten wir die Sparbüchsen in die Sparkasse bringen, und dann wurde gelobt, wenn man besonders viel Geld drin hatte. Ich hatte nie viel drin, irgendwann konnte ich nämlich mit einer Pinzette selbst diese Spardose knacken. Und drum hab ich nie tolle Spargeschenke bekommen. So handhabe ich es noch heute. Geld muss im Fluss sein, und nicht in der Büchse.

Aber da ich schon immer gerne eine Neigung zu mystischer Spökenkiekerei hatte, die Rauhnächte, Wotan, der auf seiner Horde durch die Luft reitet, mein abergläubischer Vater, und dann an Allerseelen, wenn „der Vorhang so dünn wird, das man die andere Seite sehen kann“, sowas celebriere ich, darum  werde ich heute abend räuchern. Wenn alle weg sind,  auf ihren Halloweenpartys.

Ich werde Kerzen entzünden, auch im Garten, und schauen was ich sehe. Und heute werde ich mich nicht fürchten, denn letzes Jahr, da war mir so intensiv unheimlich zu Mute, als ich in den Garten schaute, im Dämmern , da hatte ich das Gefühl :jetzt kommen sie alle aus dem Gebüsch gesprungen, die Mir-Vorangegangenen. Und da bin ich schnell ins  Wohnzimmer gesaust und hab die Türen zu gemacht, das war mir dann doch irgendwie unheimlich.

In diesem Sinne! Happy Halloween!

Alles Liebe in den Norden…. K. wie Kürbis