Strukturen, die erste

Liebe S.,
wir haben festgestellt, das wir uns vielleicht ein bisschen verzetteln könnten, mit unseren Themen,dass wir uns wiederholen und das wir vielleicht unseren privaten Kontakt mit dem Blogkontakt vermischen. Es passiert, dass verschwimmt, was wir schon beredet haben, und was in den Blog kommen soll. Deshalb stellen wir jetzt jede Woche unter ein bestimmtes Thema. Find ich ein sehr gute Idee!

Wir stellen jetzt den Blog unter eine Struktur.

Thema dieser Woche: Strukturen

Wie sieht es im Alltag aus? Gerade im Schichtdienst vermisse ich Strukturen. 3 Tage Spät, ein Tag frei, dann Frühdienste, dann Nachtdienste, „welches Wochenende hast du frei? Och,schon wieder 3 Wochenenden hintereinander musst du arbeiten, Mensch, da können wir dann ja gar nichts unternehmen.“
Als die Kinder klein waren ,hat das meinen Familienalltag ziemlich belastet. Es hatte natürlich auch Vorteile, ich war zu Hause, wenn der Partner arbeiten ging, seinen nine-to-five-Job, aber vermisst hab ich eine gewisse  Regelmässigkeit schon. Wobei es schön ist, frei zu haben wenn andere arbeiten. Leere Geschäfte, leere Wälder zum Spazierengehen,….Allerdings bin ich besonders im Sommer traurig, wenn ich Samstags abends zum Nachtdienst fahre, aus den Gärten dringen Grillfeuer, die Leute sitzen zusammen und lachen und ich kann nicht dabei sein. (Weil ich in Bereitschaft bin,  die grillbedingten Verbrennungen zu versorgen. ) Es kostet viel Energie, im Schichtdienst soziale Kontakte zu pflegen.

In der Arbeit selber haben wir Strukturen, Gott sei Dank, sonst ginge das kaum. Es gibt gewisse Verrichtungen, die ritualmässig ablaufen müssen, das gibt Sicherheit, ich weiss was ich tun muss, wenns hektisch wird. Standarts nennt man das, glaub ich. Früher fand ich es schrecklich, dass alles nach Plan ablaufen muss, eine gewisse Intuition sollte schon dabei sein. Die Intuition kann ich mir mittlerweile leisten , weil ich Erfahrung habe, da kann ich dann vielleicht auf diese Standarts oder Strukturen verzichten.

Aber für meinen Alltag gehören Strukturen dazu, oder Rituale:
Das gemeinsame Familienessen einmal am Tag,die Mutter am Wochenende anrufen, der Tatort am Sonntag, das regelmässige Sportmachen 2 mal die Woche , wenn möglich!!! grrr, geht ja oft dann nicht, aber VERSUCHEN!
Das fängt mich auf, in diesem ganzen Wirrwarr. Ich glaube, man brennt sonst aus.

Wir haben einen Familienplan in der Küche, wo meine Dienste drauf stehen, und trotzdem werde ich 3 täglich mal mindestens gefragt: Bist du morgen früh daheim? Mama, wann können wir einkaufen gehen? Hast du dieses Wochenende frei?
Dieser Plan gibt mir selber Sicherheit, du glaubst nicht, wie oft ich da selbst drauf gucke. Was kann man machen, wenn es keine Regelmässigkeiten gibt, wie wohl zur Zeit bei dir?

Ach ja, ich glaub ich hab Spätdienst heute, oder? Also,ich muss los! Tschüssy, bis bald in diesem Blog!

Kat.

Das Mitbewohner

20150601_122853 Das Mitbewohner ist ein  Mensch, mit dem wir zusammenleben und das wir sehr gern haben.
Ein Mensch,   mit dem wir meist nicht blutsverwandt sind.
Das Mitbewohner ist liebenswert und  wir verbringen schöne Stunden mit ihm. Manchmal schnarcht das Mitbewohner, oder hat  einen Bart oder Löcher in den Strümpfen.Das finden wir oft sehr sympathisch.
Aber es gibt Tage, an denen das Mitbewohner unsere alltäglichen Abläufe erheblich stört, meist mit den Worten: „Ich hab früher aus! Ich komme jetzt schon nach Hause! Dann können wir was zusammen machen!“
Oder es passiert an dem Abend, wenn wir uns selber auf den nächsten Tag freuen,weil wir ihn alleine verleben wollen-und genau planen , wie dieser Tag aussehen soll: z. B. nach dem Frühstückmachen wieder ins Bett. Oder Putzen und dann zum Sport und sich dann , bis das Kind aus der Schule kommt, an der sauberen Wohnung freuen. Oder: den ganzen Tag Mediathek gucken und dabei Schokolade essen, -dann passiert es, das das Mitbewohner  verkündet: „Weisst du was, ich bleib morgen auch zu Hause, dann haben wir wenigstens mal Zeit miteinander.“
Es ist in solchen Momenten schwierig, sich über die Freude des Mitbewohners, uns einen  tollen Vorgeschlag gemacht zu haben, hinweg zu setzen, und unseren Unmut zu äussern, ohne das Mitbewohner zu verärgern, denn das Mitbewohner ist in der Hinsicht sehr empfindsam.
Es verabscheut, wenn wir ihm nicht unserere ganze Aufmerksamkeit schenken, wenn wir am Computer sitzen und nicht sofort aufspringen, um uns wieder was tolles anzugucken, was das Mitbewohner erschaffen hat, es verabscheut den Benachrichtigungston des Handy, wenn wieder eine sehr wichtige Botschaft der Freundin angekommen ist, es möchte unsere ganze Aufmerksamkeit.

Es ist schön mit einem Mitbewohner zu leben,aber mit unserem zunehmendem Alter brauchen wir immer mehr Freiräume. Das versteht das Mitbewohner manchmal nicht. Und dann fliegt es krächzend und schimpfend oder Türeknallend auf den Dachfirst und beobachtet finsteren Blickes, wie wir unser Leben da unten allein behaglich machen.

Jedenfalls für wenige Momente.
Dann fehlt es uns wieder. Das geliebte bärtige Mitbewohner. 😉