Spinnen, stricken, knüpfen….

Liebe S.,

ich finde es sehr schön, dass du mit Wolle lauter so Sachen erlebst, und wie schön,dass sich die Verkäuferin mit dir verbündet hat. Sozusagen verstrickt hat.

Solche kleinen Momente sind Lichtblicke, finde ich. Ich war gestern auf einer ekligen öffentlichen Toilette in einem Einkaufszentrum, ich bin schon mit vor die Nase vorgebundenem Schal  da rein gegangen. Als ich wieder rauskam, stand eine Frau vor dem Einlass, ebenfalls ihren Schal vor der Nase. Sie hat wohl auf jemanden gewartet. Ich hab meine im Schal versteckte Nase gerümpft und sie angegrinst, und die Augen gerollt, und da hat sie auch ihre Nase gerümpft und ein Würgegeräusch gemacht und der Mann neben ihr hat erst mich, dann sie ziemlich erstaunt angeguckt und dann hat er sehr laut losgelacht.

Da siehste mal, wofür so ein Schal gut sein kann. Kontakte knüpfen kann man damit!

 

Ich bin sehr gespannt, wie der wird, den du strickst- ein bunter Wollschal mit Nicht-Beerentönen, ohne komplizierte Muster! Das Leben ist schon kompliziert genug, finde ich 😉

Bis bald! Kat.

 

 

 

Warten-die nächste

Liebe S.,
sehr interessant ,deine Gedanken zum „Warten“. Eben hab ich ungeduldig gewartet, dass dieser lahme Laptop hochfährt, damit ich endlich schreiben kann, was mir zum „Warten“ eingefallen ist. Dann hab ich darauf gewartet, das dieses LAHME INTERNET endlich checkt, das ich online sein will.

Früher hab ich darauf gewartet, dass mein neugeborenes Baby mich endlich anlächelt, weil es mich erkennt. Das dauert vier Wochen oder sechs, bis sie auf Gesichter reagieren. Ich habe darauf gewartet, dass sie endlich laufen können, dass sie endlich aufs Klo gehen allein,dass sie endlich sprechen können,dass sie endlich in den Kindergarten, die Schule gehen…Ich habe GEWUSST, dass ich die Zeit mit ihnen JETZT nur einmal erlebe. Dass ich dann nie wieder(hoffentlich)ihre vollgeschieterten Windeln wechseln muss, dass die Zeit JETZT unwiederbringlich ist,…. trotzdem…hab ich gewartet.

Und jetzt warte ich im Moment nicht mehr. Ich hab eher das Gefühl die Zeit rennt mir davon.
Und ich werde so stinkewütend, wenn ich im Aufzug in der Klinik zum Beispiel von einer etwa gleichaltrigen Kollegin angesprochen werde: Mei, die Jungen, die haben noch mindestens 30 mal Sylvesterdienst vor sich, aber wir haben nur noch wenige Dienste an Sylvester, gell? Is bald vorbei, dann gehen wir in Rente!
Und ich denke:ALTE! Worauf wartest du? Leben ist JETZT! ICH HAB NOCH !$ JAHRE!
Und das , echt, passiert mir so oft! Dass sie über die Rente sprechen, und MICH mit einbeziehen, und sagen, gell, is nimmer lang, dann können wir hier die Segel streichen….Es ist nicht so, das ich mich darüber ärgere, weil ich denke, ui! Jetzt seh ich scheinbar echt Alt aus.
Es stellt sich mir eher die Frage: Wenn ich auf die Rente warte, kann ich mir die Zeit dann jetzt noch schön machen?
Oder  sitze ich jeden Tag ab, und schneide Stückchen vom Massband, damit ich sehe, wie oft noch? Und werde darüber alt und grau, eher noch gräuer, und versäume dabei mein Leben, mit Warten?
Nix da! Und wenn ich warten muss,auf Bahn und Zug, dann schau ich und nehme auf, und erlebe, so wie du, ich sehe die Menschen und dann hab ich Geschichten im Kopf, aber wenigstens war dann diese Zeit nicht unnütz zerwartet….

Ach doch,klar warte ich. Ich warte auf längere Tage und kürzere Nächte, denn mir geht in diesem Ort, wo ich lebe, und das ist ein TAL! diese Dunkelheit auf die Nerven.Von 16.00 bis 7.00 ist es „Dusterklabuster- im Keller hockt der Schuster….“, ich möchte , das es hell ist. Aber- wird scho, sagt der Bayer.

In diesem Sinne!
Warten als Chance!
Ich geh schlafen. Gute Nacht dir!
Kat.

Kleine Fluchten

Liebe S.,
ich glaube man erwartet einfach immer zu viel, das man sich Ruhe gönnt, das alles vielleicht anders wird, das man etwas ändern kann, das man die Kraft, die man braucht, einfach irgendwoher kriegt….

Ich merke an mir,dass  ich mir schon wieder viel zuviel aufhalse buchstäblich, weil sich ja was geändert hat: der JüngstLiebsteSohn ist volljährig, selbstständig, fährt Auto, und ich merke, ich muss die Lücke füllen.
Da ist zum einen meine FachWeiterbildung, Schule beginnt wieder nächste Woche, dieses Jahr stehen dann Prüfungen an, ich möchte beim Ethikkommitee der Klinik mitmachen, mir ein riesengrosses Anliegen, Ethik in der Pflege, ich bin bei Projekten dabei, mache einen kleinen Vortrag Ende Januar, plage mich Powerpointpräsentation rum…. Warum? Warum muss ich so geschäftig sein? Warum kann ich nicht sitzen schauen Luftholen? Das kann ich nicht andauernd, so ein Mensch bin ich nicht , aber zum Alltag kommen ja noch die Alltagsanliegen, der Müde Mitbewohner, die Gasableser, die Freundin in Trennung,….

Ich stand gestern auf dem Laufband, und obwohl ich meine Kopfhörer laut anhatte, hörte ich ein Gespräch mit von diesen Frauen, die sich im Fitnesstudio treffen und ratschen, du weisst, das ich das hasse, aber jeder so wie er mag.
Die eine dieser Frauen sah sehr müde aus, und sie sprach von ihrem Alltag, der sie auffrisst, der Mann, der soviel Überstunden macht, die Mutter, der ihr Telefon kaputt gegangen ist, die Schwiegermutter, die es nicht mehr schafft, ihren kranken Mann zu versorgen….“und an wem bleibt alles hängen? An mir!!!“ hat sie gesagt und ich dachte, dann sag NEIN.

So leicht ist Nein sagen aber nicht. Wir könnten es  lernen. Wir können uns rausnehmen aus der Überbelastung, eben mit dem Anschauen der Lavalampe, toll, das du das hast! Oder mit dem Ausmalen hübscher kleiner Bildchen in einem hübschen kleinen Büchlein,das ich mir gestern gekauft hab. Ich habe mir auch einen Füller gekauft mit einer breiten Spitze, zum Schönschreiben. Ich male in diesem Büchlein die Bildchen aus und schreibe ordentliche feine Worte hinein.
Vielleicht reichen manchmal zehn Minuten. Zehn Minuten ganz bei sich sein.
Am Sonntag waren wir in 3 Augsburger Kirchen,der LieblingsItaliener und ich. Nur so schauen zum Neujahr. Im St. Ullrich spielte die Orgel. Momente ganz für mich. Der Klang, der Hall, die Töne.20180105_121756

Heute gehe ich nach München in die Gabriele Münter Ausstellung mit der SchönstenTochter. Das ist auch ein Abstand nehmen vom Alltag.

Jemand nannte das mal „kleine Fluchten“. Schönes Wort. (Natürlich nicht im Zusammenhang mit Krieg und Elend)

Meine Fluchttasche ist immer gepackt. Wer weiss…..

Alles Liebe Deine Kat.

Vorsatzlos

Hallo, hallo, liebe Freundin S.!

Habe gerade über Vorsätze nachgedacht. Und Sylvesterwünsche. Und weisst du ,was ich mir nicht vornehme?
Also, ich nehme mir nicht vor:
abzunehmen-sportzumachen-gesundzuleben-aufschokoladezuverzichten-reichzuwerden-netterzusein-regelmässigdenrasenzumähen-meinemsohnkeinebutterbrotemehrzuschmieren(er ist18, aber er will das doch noch huuu!)-wenigerschlechteserienzugucken…..

NEIN!

Aber etwas nehme ich mir doch vor!

Ich nehme mir vor, mit wachen Augen durch die Welt zu gehen. Vorgestern ging ich so ganz laaangsam und entspannt durch den Wald  und das ohne Tacho und ohne Schrittzähler, und ich habe geschaut, geguckt und entdeckt, nämlich, was auf Baumstümpfen alles so los ist.
Schau:

Ich fand es schön, so zu gehen…. und das mach ich 2018 öfter. Und du? Welche Vorsätze hast du nicht?

Rutscht gut hinein und hinauf und dahin… Kat.

Heliumrausch

Liebe S.,
wie gehts, wie stehts? Ich hab gestern die leere Heliumflasche vom 18. Geburtstag wieder Retoure schicken wollen, in einem Paketshop. Ich hab nur einen Retourenaufkleber drauf tun müssen und dann eben im Paketshop abgeben. Dieser Paketshop ist in einem Computerladen, da liegt alles mögliche rum, ich möchte da nicht aufräumen müssen, oder Inventur machen müssen, dachte ich, als ich die Flasche dahin brachte. Der Laden schien leer. Ausgeleerte Kartons am Boden, Kabel liegen rum. Hallo! hab ich gerufen. Da krächzt eine heisere Stimme: Jaaa?
Und aus irgendeiner Ecke kam eine alte Frau, die mich mit einem sehr bohrenden Blick musterte. „Ich möchte dieses Paket abgeben, das ist eine Retoure!“
„Sooooo?“ krächzt sie, „Hat es Ihnen nicht gefallen! Was ist da drin?“

Und blöd wie ich bin, erkläre ich ihr alles. „AHA! “ macht sie, “ da brauch ich Hilfe! IRMELA!“
Und Irmela kommt. Ich sag dir S., ich fand Irmela zum Fürchten. Irmela trug Netzstrümpfe, braune, dazu braune  Stiefeletten mit höchsthohen Absätzen . Über den Stiefeletten ein braunes minikurzes Kleidchen mit Volants. Ihr Gesicht bestand aus ewiglangen angeklebten Wimpern, die Augen waren umrahmt, mit viel viel Farbe und wirkten riesengross in ihrem makeup-getränktem Gesicht.Dazu ganz dick gemalte Augenbrauen.  Es sah so unecht aus, alles, aber gut, jeder wie er mag. Und dann diese Fingernägel! Braungoldenglänzend lang.
Irmela nahm das Scannergerät und scannte den Retourenschein. So mit spitzen Fingern, weisst du, wie das aussieht, wenn jemand so lange Fingernägel hat?
„Geht nicht, “ sagte sie, und machte noch mal. Und noch mal. Und wartete und dann noch mal und noch mal. „Nimmt er nicht!“Dann drehte sie sich um , klimperte mit den Wimpern und drückte auf einen kleinen Drucker. Es gab einen Knall, ungelogen! Beide Frauen im Laden schrien auf:
“ Ach Gott! Was ist jetzt!“ Dann rappelte das Gerät , quietschte und spuckte einen völlig zerfetzten Druckerbeleg aus.
„Ach Gott!“ machte Irmela wieder,“ausgerechnet heute, wo niemand anderes da ist!“
Ich dachte, wenn sie jetzt anfängt zu weinen, sieht sie noch grusliger aus. Die ältere Kollegin schaute mich böse an. „Dann nehmen Sie das wieder mit!“
„Oh nein!“, hab ich gesagt,“ ich lass das schön hier! Sie haben das jetzt so oft eingescannt, das jeder Apparat explodiert, ich lass das hier, und wenn Ihr Kollege wieder kommt,dann können Sie das ja wegschicken!“
Die Ältere schaute böse. Irmela sagte:“Ja, das ist besser so!“ und dann hat sie den Karton unter dem Tisch verschwinden lassen. Ist mir aber egal, ich hab getan was ich tun musste, ich muss nichts dafür bezahlen, und wenn die da unter dem Tisch alle Retouren sammeln, sollen sie.
Irmela ist dann auch wieder ins hintere Eck zu den Aktenordnern und leeren Kisten gegangen, die Alte hat meinen Karton immer noch argwöhnisch beäugt, als ich den Laden verlassen hab.
Und du so? Die Luftballons waren übrigens klasse, aber am besten war, als wir das Helium eingeatmet haben und dann gesprochen haben.
Quäkend-schnarrende Grüsse

Deine Kat. (Mutter von 3 Volljährigen, schnief….)

Rechtschreibung

Liebe S.!!!

Ich kann zwar nicht gut rechnen, bei Zahlen bin ich absolut legasthenisch veranlagt, aber es gibt Dinge die SPRINGEN mich an! Förmlich! Das sind FALSCHGESCHRIEBENE WORTE  auf öffentlichen Plakaten!
Liest da niemand dagegen, bevor es in Druck geht?
Auf den U-Bahnlandkarten in München stand über Jahre: Gemeidegrenze. Erst dachte ich, okay, ist wohl ein bayrischer Ausdruck. Gemeiden, vermeiden, warum nicht … irritiert hat es mich aber doch. Jedes Mal, wenn ich auf die U-Bahn gewartet habe, musste ich darauf starren und irgendwann dachte ich: Fehler. Es heisst Gemeindegrenze. Mittlerweile haben sie , weil die Stadt wuchs, neue Karten hingemacht, ohne diesen fehlenden Buchstaben.
Es  ist mir dann immer wieder sowas aufgefallen, was, das hab ich allerdings erfolgreich verdrängt.

Nur heute, da sprangen sie mich an. Die falschgeschriebenen Wörter….
Ich steh an der Ampel und gedankenverloren starre ich diese Bautafel vom Stadtmaueranbau an. Ich denke: Sag mal, wieder was falsch! Dachbegrünug. HÄ? Wasn dasn denn? Dann das nächste: Lanschaftsbau.
Herrje! Gibt es bei dieser Bautafelerstellung kein Rechtschreibprogramm? Das dann rot unterkringelt, wenn es ein Wort nicht kennt? Oder gibt es da so dreiste Dussel, die bei einer Warnung sagen: Was , das Wort kennst du nicht, du blöder Computer? Dann mach ich, das du es kennst! Und sie drücken den Button: Ins Wörterbuch hinzufügen, und schwupps, steht es irgendwann auf allen Plakaten.
Ich mach auch Fehler beim Schreiben, aber ich würde mir tatsächlich wünschen, das ein bisschen mehr Sorgfalt verwendet wird, beim Erstellen dieser öffentlichen Verlautbarungen, denn ich störe mich an sowas.
Aber vielleicht ist das auch Absicht und die haben einfach sparen müssen, weil sie nur eine gewisse Anzahl an Buchstaben bezahlt bekommen. Und was über dem Limit liegt, wird gelöscht, vielleicht… Was meinst du?
Es lebe die Rechtschreibung! Huuu! Kat.

Schichteln….

Liebe S.,

seit 3 Wochen läuft mein Leben in geregelten Zeiten ab(wie zuletzt 2003 oder so, ewig her!) Morgens zur gleichen Zeit aufstehen, täglich um 7.00 Frühstücken, um 8.00 zur Arbeit fahren, mit all den anderen Massen an Menschen, die das auch tun.
Am Abend mit anderen Berufstätigen die Einkäufe erledigen. Um 18.00 familiär zu Abend essen.Um 21.45 Heute Journal.22.15 Zähneputzen, dann ein wenig lesen, und schwupps- einschlafen.
Es ist schön! So regelmässig.
Ich bin so entspannt, das mich die Massen an Menschen überhaupt nicht ärgern, die sich um 18.00 Abends oder am Freitag nachmittag durch die Supermarkt Gänge drängeln.Es macht  mir gar nichts aus, dass wir keine gelben Säcke mehr haben, die ich auf der Gemeinde holen muss, die leider nur am Vormittag oder am Donnerstag nachmittag offen hat, genauso wie mein Zahnarzt, den ich nur  immer vergesse, am Donnerstag anzurufen.
Es stört mich überhaupt nicht, dass ich auf dem Anrufbeantworter Nummern blinken sehe von Firmen oder Banken, die mich tagsüber anrufen, aber nicht erreichen und wenn ich daheim bin, bereits Feierabend haben.
Dadurch, das ich Menschenmassen vermeiden möchte, gehe ich auch nicht shoppen, denn das ginge nur am Samstag, und da ist alles proppenvoll. Könnte also auf längere Sicht sparsam sein. Genauso wie Friseurbesuche, nein,da hab ich am Samstag keine Lust drauf. Also, let  the hairs grow (ich hatte heute Englisch Unterricht, you know ;)du weisst wovon ich spreche, es war Germish, was die uns lehrte, nicht english! )

Und meine Sportaktivitäten hab ich tatsächlich auf den Abend gelegt.Sonst war mein Motto immer: Was weg ist, ist weg, und ich hab den Sport so früh wie möglich gemacht. Aber auch am Abend ist es schön, muss mich nur wieder daran gewöhnen.

JA, so wird es sein, ich werde jetzt mal die nächsten 4 Monate so ganz entspannt auf der NichtSchichtWelle schaukeln…..
OOHHMMMM….RELAX….. HHHMMMMMHHHHHMMMMAAAAAUIUIUIUIUIUI….

Servaz! Kat.

Blogwoche:Alltagsfreuden-Altersfreuden I.

Liebe S.,
nachdem unsere letzten Themenwochen sehr melancholische Titel hatten (Sehnsucht und Heimat), dachte ich , wir schreiben mal über etwas, das uns bereits beim Schreiben die Stimmung hebt.
Und die Worte Altersfreuden und Alltagsfreuden hören sich, wenn man nuschelt, fast gleich an, also nehmen wir beide Worte zusammen, und schauen,was diese Woche draus wird!

Eine erste AltersAlltagsfreude ist ein Spruch, den ein Freund oft sagt: Du bemerkst, das du älter geworden bist, wenn du morgens aufstehst, und ALLES tut weh. Aber daran merkst du auch, das du noch nicht tot bist.

Eine zweite Alltagsfreude ist mir tatsächlich das Bloggen. Ich denke viel über das nach, was ich schreiben könnte, ich laufe mit offenen Augen durch die Welt, denn ich bin auf der Suche nach Fotos, die ich für einen Beitrag verwenden könnte, ich sehe einfach mehr. Ich nehme mehr wahr.

Gestern, bei meiner  Arbeit in dieser Intensivstation, war es wieder, das ich dankbar war darüber, wie es mir geht. Dass es mir gut geht, das gerade alles so rund und hoffnungsfroh ist. Wenn ich Patienten betreue, die sterbenskrank sind, und sie sind in meinem Geburtsjahr geboren, dann werde ich nachdenklich. Manchmal ist es sehr schlimm, und ich frage mich, wie wir Pflegenden das aushalten können. Dieses Leid, diese Schmerzen der anderen, diese Angst der Angehörigen.
Ich habe für mich herausgefunden, wie es geht, das auszuhalten und wieder Kraft zu tanken, um Hände zu halten und eine warme Stimme mit tröstenden Worten aus mir sprechen zu lassen.

Und das ist : Bewusst wahrnehmen,was auch Schönes gerade im Moment geschieht.

Gestern war es z.B. ein Arzt, der ein einfühlsames Angehörigengespräch geführt hat, ohne falsche Hoffungen zu wecken. Gestern waren es Kollegen, mit denen ich lachen konnte. Und es war eine Patientin , die mich trotz ihrer Verzweiflung angelächelt hat.
Und gestern war es auch noch der Blick aus dem Fenster, in diedsc_0664ses unglaubliche Abendrot , die Spuren der Flugzeuge und eine zarte Mondsichel am Himmel. Kannst du sie erkennen auf dem BeitragsFoto, zwischen den Flugzeugstreifen?
Und dann war da gestern auch noch dieser Kran, der um sich rum eine Lichterkette leuchten lässt am Abend. Ein Adventskran.

Wer bitte klettert da rauf und bastelt eine Lichterkette da ran?Oder hab ich nur wieder zuviel Fantasie? Bei der Vorstellung, wie die da rumturnen und die Glühbirnen da ranfummeln, wird mir ganz schwummrig!
Und noch ne Alltagsfreude: Heute abend gibts ArabischBayrischesCrossoverTanzen :Dabkemeets Schuhplattl.

Ich bin gespannt und werde berichten!

Yallah und Servus! Kat.

Verhext und verzaubert

Liebe S.,

und sind die Wolken bei dir vorübergezogen?
Hier scheint jetzt die Sonne, zum  Glück.
Gestern war tatsächlich so ein Tag, so ein komischer. Putztag, vor dem Spätdienst, ich sollte das lassen, ich hab sowieso nichts von der zeitweilig sauberen Wohnung, wenn ich erst abends um halb 11 wieder daheim bin.
Die PutzhaushaltsGeräte hatten sich eh gegen mich veschworen.Der Wischmopp fiel immer um, kaum stellte ich ihn an die Wand , um den Feudel auszuwringen. Der Staubsauger verfing sich mit seinem Kabel immer unter den Türen, schwungvoll wollte ich alles komplett saugen, da bremste er , der Staubsauger und ich dachte:Hä? ich hab doch 9 Meter Kabel, warum ist der so kurz? Weil das Mistviech hängen blieb. Und dann zerrte und zog ich, und irgendwann war er frei. Dann war alles sauber und ich wollte entspannen , da krachte eine Tonfigur vom Regal und zerbrach. Hatte ich zu wild staubgewischt? Also holte ich den Staubsauger wieder raus, um die Scherben aufzusammeln, und trotz seiner hochgelobten grossen Räder verfing der sich in den Teppichen, die bei mir überall rumliegen. Wusstest du, das mich eine Freundin „Königin der Fleckerlteppiche “ nennt? Jedenfalls rollten die Teppich sich auf und ich riss und zerrte am Staubsauger wie blöd.
Dann fiel auch noch eine volle! Apfelsaftflasche aus der Kiste, weil ich das alles mal sortieren wollte, und wieder musste ich den Flur wischen. Verhext.

Zum Glück musste ich dann zur Arbeit, wer weiss, was sonst noch passiert wäre, womöglich wäre die Waschmaschine wandern gegangen, und hätte die Badezimmertür versperrt, oder die Sofakissen wären geplatzt und die Füllung durch die Wohnung geflogen,…alles ist möglich.
Meiner Familie begegne ich in dieser Spätdienstwoche überhaupt nicht, wir schreiben uns Botschaften. Wenn ich heimkomme, schlafen sie bereits, wenn ich aufstehe, sind sie alle bereits weg.

Aber heute morgen war es schön, der Raureif glitzerte und ich hab ein paar Eisblumensterne fotografiert.

Fazit:Manchmal ist die Welt verhext, und manchmal einfach nur verzaubert.

Hab du auch nen schönen Spätdienst!

Bussi! Kat.