Irre die Alte…oder bloss bekloppt?

Liebe S.,
Ich mach dir ein KnödelCarePaket, ich musste so sehr lachen, weil ich weiss, wie du bist, wenn du Hunger hast, und andere dich nerven, und wie du grummelst und murmelst, und schmatzt, wunderbar!

Dass das manche Leute irritiert, das ist doch normal. Dass sie(deine Kollegin) es ausdrückt, oder drüber spricht, auch gut, das heisst ja aber nicht, das wir das ändern müssen.
Während des Schulkurses wurde ich als Hippie bezeichnet,na und? Ich liebe bunte Kleider, bunte Schuhe, ich darf das. Und ich dachte heute so, mittlerweile dürfen wir das. Früher durften wir das auch, da hab ich mich aber eher nicht so getraut. Jetzt trau ich mich das, so zu sein, wie ich bin. Keine Stöckelschuhe zu tragen im Theater, weil ich Stöckelschuhe nicht mag. Wollstrumpfhosen unter bunten kurzen Röcken mit Norwegerpullis, das tue ich.Bunt. Die Haare, die ergrauenden, orangerot gefärbt. Leuchtend.(Gestern aber beim Friseur doch wieder etwas dezentere Farbe druffgemacht) Laut lachen. Schimpfen, wann ich will.
Wir hatten ein Kinderbuch: die neugierige kleine Hexe, ich hab es geliebt, meiner Tochter das vorzulesen. Die kleine Hexe lebte bei 3 alten bunten, verrückten Hexen. Diese alten Hexen, die fand ich so klassindexe!
So will ich sein.
Ich stosse auch immer wieder in der Frauenliteratur auf die Figur der alten verrückten weisen Frau, in dem Buch von Inge Riedel, Die weise Frau, ist ein Märchen beschrieben, in dem die Alte auch so ist, wie ich gerne dann wäre. Oder wäre ich gerne jetzt schon so?

Die Alte scheisst sich nix, wie der Bayer sagt. Es ist ihr egal, was andere von ihr denken. Sie nimmt sich, was sie braucht. Sie benimmt sich, wie sie will. Sie lacht, sie keift, sie lässt Dampf ab. Sie ordert, was sie will. Das irritiert andere. Das macht Angst.
Das ist so urgewaltig. Und ich finde es schön. So zu sein, ist ein Zeichen von sich sicher sein in sich.Das darf ich im Alter. Ich hab nämlich Sicherheit, Lebensweisheit, Erfahrung gesammelt, und weiss Beschied über vieles.
Mein JüngstLiebsterSohn sass vorgestern am Frühstückstisch und sagte plötzlich:
„Ich freu mich aufs Altsein.“
„Hä?“, machte ich, „wieso?2
„Dann darf ich beim Essen schmatzen und schlürfen, und rülpsen , und ich nehme mir immer das beste Stück vom Fleisch und wenn wer mit mir schimpft- der wird einfach enterbt!“

Und übungshalber hat er mir dann vorgemacht, wie laut und genussvoll er dann seinen Tee schlürfen wird.

Also in diesem Sinne: GutSchlürf beim Sonntagskaffeetrinken!
Bis dann, du oide Hex 😉

Kat.

Neue Wege

Liebe S.,
eigentlich wollen wir ja unsere wöchentliche Themenreihe machen, aber jetzt mach ich was ausser der Reihe. Es war etwas schweigsam in unserem Blog die letzten Tage, manchmal ist im Leben landunter, dann sind andere Dinge wichtiger.

Ich bin seit Freitag auf Wolke sonstwo. Am Freitag gab es die PalliativZertifikate, und die Kursleitung hatte alle Chefs zum Festakt eingeladen . Ich wollte das erst nicht, ich dachte, der nimmt mich doch sonst auch nicht wahr! Aber dann kam Herr Chef, gab mir die Hand, brachte mir eine Flasche Wein(leider war die nimmer gut, wörx, egal, die Geste zählte) und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, in einer Weiterbildung für andere Kollegen Stunden zu geben zum PalliativThema . Klar, logisch gerne! Und dann fragt er mich, ob ich woanders arbeiten möchte, Onkologischer Schwerpunkt und die Weiterbildung zur Onkologie Fachkraft machen will. Hei, ich bin 52! Die Ausbildung dauert 2 Jahre! Aber der Arbeitsplatz danach wäre dann ohne Nachtdienst, ich wäre weg von der Intensivstation. In der neuen Arbeit wäre der Schwerpunkt Patientenbetreuung und Medizin, und ach, alles so Gutes Sach, was ich nie dachte, das ich dafür mich qualifizieren würde! Als ich ihn fragte, ob er wüsste, das ich 2031 in Rente dann ginge, sagt er: Alte Pferde schickt man nicht immer gleich zum Metzger. 😉

Es tun sich neue Wege auf, S., ich bin so glücklich. Erst mal durch die Wertschätzung, die mir entgegen gebracht wird, er sagte, jemand der sich so einsetzt, diesen Palliativkurs durchzuboxen,der ist in seinen Augen sehr gut befähigt, die Arbeit in der Onkologie zu machen.
Dieses Schreckgespenst: Nachtdienst und 3 Schichten bis zur Rente machen müssen, ist weg, die Sorge, wie schaffe ich es mit 60 Jahren 150 Kilo schwere Menschen zu lagern und zu pflegen, wie halte ich die Situation mit der Ethik in der Intensivmedizin noch 15 Jahre lang aus, ohne abzustumpfen, oder zu zerbrechen- all das ist gelöst.

Es gibt Wege raus aus diesen Sorgen. Wir beide stellen uns ja seit 2 Jahren die Frage, wie geht es beruflich mit uns weiter, wie lange können wir das so noch machen? Bei mir hat sich ne Tür geöffnet, unverhofft….Und niemand hat mir bis jetzt abgeraten, selbst Kollegen, die ich sehr vermissen werde, denn wir sind ein Supertolles Team, sagen: Mach das, das ist deine Chance, wenn nicht du wer dann?
Und weil ich da so beschwingt war, konnte ich auch Gehaltsvorschläge machen, da ich mich ja auf Grund der fehlenden Schichtzulagen finanziell eher verschlechtern werde, und Herr Chef hat gesagt: Okay, er schlägt es der Personalabteilung so vor. Schaun mer amoi….ob das so klappt…
Ich hoffe, ich werde jetzt nicht grössenwahnsinnig, haha!

Es wird spannend. Und wir zählen noch laaang nicht zum Alten Eisen! Das freut mich besonders!

Liebe Grüsse
Kat. auf dem Höhenflug

….älter werden, jung bleiben?….

Liebe S.,
heute fuhr ich an einem Haus vorbei, an dem ein riesengrosses bemaltes Bettlaken hing mit der Aufschrift:

         Liebe G…., du wirst heute nicht 60!!!!!
❤ ❤ ❤
Nein!!!
Du wirst erst 18 mit 42 Jahren Erfahrung!!!!!

Mein erster Impuls war: Oweia, bitte, niemand soll jemals ein solches Bettlaken an meiner Hauswand aufhängen!
Mein zweiter Impuls: Fühlt sich G. wie 18 jährig? Ist es blöd, noch 18 jahre alt zu sein?
42 Jahre lang 18 zu bleiben, und Erfahrungen zu sammeln, aber immer noch in der
18 jährigen zu stecken und keine Veränderungen an sich wahrzunehmen?
Ich möchte niemals wieder 18 jahre alt werden. Als ich 18 wurde,  war ich noch gar nicht fertig. Da war noch so vieles , was werden konnte, was kommen sollte, und ich selber war noch gar nicht die, die ich jetzt bin. Und jetzt, so wie ich bin, ist es doch richtig gut, finde ich. Fertig bin ich ja immer noch nicht, aber da bleib ich dran.Ich höre oft Gespräche, in denen es ums Älter werden geht. Meine Kollegin meinte letztens, ihr schlimmster Geburtstag war der 30. Ich dachte an meinen 30., zwei Kinder die auf mir rumturnten, ein Mann,der mir ein tolles Fest am See beschert hat, und keine Angst vor der Zukunft.
Mein 40.? War ein bisschen blöd, eine Mücke hatte mir am Vorabend ins Auge gestochen und ich sah aus wie Quasimodo, es gibt keine Fotos von dieser Feier, aber Erinnerungen an Freunde, grosse Kinder , die musizierten, an Lachen und ein bisschen Wehmut. Irgendwas war im Umbruch.

Mein 50., ja das war schon ne Nummer härter, weil 50. Die Kinder erwachsen, das Leben neu aufgebaut, trotzdem zweifelnd, was noch kommt.Sorge, wie es weiter geht und wo ich hinwill. Was noch bleibt.
Aber als schrecklich hab ich keinen meiner runden Geburtstage gefunden. Immer ein bisschen so als Resümee, was war , was kommt, wie geht es weiter mit mir.
Meine Mutter sagte an ihrem 80.: „Es ist komisch, aber viele runde Geburtstage kommen jetzt nicht mehr“.
Tja, ……was soll ich dazusagen? Bitte, hängt niemals ein Bettlaken mit meiner Jahreszahl an die Hauswand!

Liebe Grüsse!Kat.

…oder am Rande stehen?

Liebe S.,

ein schöner Bericht vom Abtanzen. Ich war früher immer die , die sich nicht getraut hat. Ich blieb am Rande stehen. Ich dachte immer, ich tanz nicht elegant genug, nicht cool genug, die anderen waren immer so selbstsicher und ich war so schüchtern. Ich hab immer gewartet , das ein besseres Lied kommt, und wenn sie dann von Foreigner Urgent gespielt haben, blieb ich vor lauter Unsicherheit wie erstarrt am Rande stehen.
Das ist meine Erinnerung, und wer mich kennt, wird es kaum für möglich halten. Tanzschule war auch schlimm, mein Tanzpartner war einen Kopf kleiner als ich, das war auch einer der übrig blieb, und als er mich beim Abschlussball einmal um die Tanzfläche tragen sollte-ich, die gefühlt doppelt so viel wog wie er, und die  in einem scheusslichen selbstgenähten grünen langen Rock steckte-da hab ich gesagt, „fairer wäre es, wenn ich dich tragen würde, also lassen wir das, das sieht doof aus.“(Ich weiss sogar noch, wie der Knabe hiess)
Naja, und dann kam die Discozeit, und  später, während der Ausbildung, als ich etwas selbstsicherer war, sind wir von IZ ,wo wir wohnten, nach HL ins Galaxis gefahren, 70 km, nur um zu feiern und zu tanzen.Da war es dunkel, schummrig, keiner kannte mich, keiner guckte speziell auf mich, da hab ich wild tanzen können und rockte mit den Headbangern im Kreis und am nächsten Morgen tat meine Halsmuskulatur weh.Es war miefig da drin, und stickig, es wurde auch noch geraucht, ich hab ebenfalls geraucht, und fand das cool.Alles hat geklebt, die Tische, die Stühle, der Boden.Éinmal kam sogar mein Cousin auch LG, um in HL mit zu feiern. Und hat sich übelst den Kopf an einem Stahlträger  angehauen.Es war ne tolle Zeit. Meine Mutter war übrigens felsenfest überzeugt davon, das ich DROGEN nehmen würde, weil ich so bunt angezogen war und Patchouli liebte. Hihi.
Aber irgendwie doch toll, wenn du, wie du schreibst, sehen kannst,wie sie früher drauf waren, das sich der Mensch nicht ändert, sondern ein bisschen von seiner Jugendlichkeit erhalten bleibt.Die Erinnerung daran auf alle Fälle.
Du hast an deinen Lieblingsmitbewohner eine schöne Liebeserklärung gemacht. Ja, was wäre wenn….gewesen, wenn ihr Euch früher….? Wenn ich damals nicht…WAS ist Schicksal? Was ist vorherbestimmt? Ich hätte 1985 in einer Klinik in M. arbeiten können, die um die Ecke des Hauses meines späteren Mannes lag. Ich hab abgelehnt. Ich bin 3 Jahre später nach M. gegangen, in diese Millionenstadt und fand eine Wohnung, die um die Ecke des Hauses meines späteren Mannes lag. Wir haben uns in der UBahn kennengelernt.Hätte ich das nicht gemacht, und wäre ich an diesem Tag nicht Ubahn gefahren, hätte ich ihn trotzdem kennengelernt,denn wir wohnten fast um die Ecke. ICH BIN MIR DA SICHER! Das war vorbestimmt vom Schicksal, das ich ihn treffe, damit wir diese wunderbaren Kinder zusammen kriegen.
Und wer weiss, wenn ihr Euch vorher kennengelernt hättet, hättet ihr euch vielleicht gar nicht gesehen? Ich glaub, das Schicksal sucht sich schon immer den richtigen Zeitpunkt aus.
Okay, wir sehen uns morgen. Dann lass uns gemeinsam die Schwarten zum Krachen bringen.

Bis denne

Kat.

Wo ist nur der Rock geblieben?Oder :Punk`s not dead

Dedicated to : LieblingsItaliener

Liebe S.,
Am Samstag waren wir, der LieblingsItaliener und ich, unterwegs. Abends, wie in alten Zeiten. Erst im Kino, dann was feines essen, und dann auf der Heimfahrt hörten wir im Auto Musik, und ich bekam so Lust, Tanzen zu gehen.Ich liebe Rockmusik, Metallica, Rise Against, und so weiter. Meine neueste Lieblingsmusik sind fiver finger Death punch und das allerneueste ist Musik von GWLT, tolle Texte, toller Punkrock, wie ich finde. Also, am Samstag , als ich tanzen wollte, fuhren wir spontan in die Rockfabrik. Da ist der LieblingsItaliener früher andauernd gewesen. Jedes Wochenende!

Vor der Eingangstür standen viele Gestalten, stark geschminkt, schwarz angezogen, mit wallenden Gewändern, klobigen schwarzen Stiefeln. Cool,dachte ich, mag ich, die tanzen bestimmt ihren üblichen 3- Schritte- vor- und- 3- Schritte- zurück -Tanz in der kleinen Halle, und auf der grossen Tanzfläche gibts das, was wir mögen. Als wir reingingen, lächelten sie freundlich und niemand sagte, wie vor 2 Jahren geschehen, als wir damals da reingingen: Ey, hat da wer ne Gruft aufgemacht? Sie waren ja selber alles Grufties, wenn auch nicht so alt wie wir.

Als wir unten reingingen, wummerte es und dröhnte, und der Kartenabreisser guckte uns so komisch an, aber wurscht, ich wollte tanzen!
In der kleinen Halle tanzten sie, wie erwartet, dreischrittevordreischrittezurück,….

Aber auf der grossen Tanzfläche AUCH! Es lief so Industrialpunk, oder wie das heisst. ElektroRock!
Mein LieblingsItaliener ging zum DJ: „Weisste was, ich frag den jetzt wie lange das so gehen soll hier!“
„Ey, DJ, warum spielt ihr hier keinen Rock mehr?“

„Alter, ey, Rock is tot, man!“

So tot wie wir vielleicht? Zu Hause haben wir dann Rockmusik gehört, GWLT bis morgens um 3.00 und von den  Texten haben wir irgendwann jedes Wort verstanden!

Schritt für Schritt dem Abgrund näher,…bis es nicht meht weiter geht… und dann noch ein bisschen mehr!

 

Punk`s not dead!

Kat.

Von der eigenen Timeline

Liebe S.,

ich hab überlegt, ob das Thema, über das ich jetzt schrieben will, im Sommer überhaupt angesagt ist, eigentlich ist es ja ein Novemberthema. Es geht ums Sterben. Meine Facharbeit für den Palliativkurs ist fertig, und meine SchönsteTochter hat mir den Schlusssatz gegeben: Sterben und Tod ist immer noch nicht Teil unserer Gesellschaft. Vorgestern haben wir uns darüber unterhalten. Sehr interessante Thesen hat meine Lieblingssoziologin SchönsteTochter. Sie sagt zum Beispiel, das andere Kulturkreise viel selbstverständlicher mit dem Tod umgehen. In anderen Kulturen wird der Tod zelebriert, es gibt Klageweiber, es wird gerufen und laut geweint. Bei uns steht eine leise Todesanzeige in der Zeitung, auf Beerdigungen ist man bedrückt, erschrocken über sein eigenes mögliches Ende.
Woran liegt das?
Die SchönsteTochter sagte: Weil uns die Spiritualität fehlt, die Hoffnung, die Vorstellung, dass nach dem Tod etwas weiter geht.
Früher glaubte man an eine Belohnung. „Den Seligen ist das Himmelreich“.Oder?Sagt man so? Früher, als die Lebensumstände schlecht waren, als Krieg , Not und Hunger herrschten, da brauchten die Menschen Hoffnung, einen Glauben an das danach, damit sie das alles überstehen konnten, das Leben. Heute , wo es uns gut geht, wo wir keinen Hunger haben und kein Krieg am Horizont aufzieht, und wenn,dann betrifft der uns nicht, heute haben wir keinen wirklichen Bezug zum Sterben. Da erschrickt er uns, weil es jemanden in der Nachbarschaft traf, und kurz befassen wir uns damit selber, mit unserer eigenen Endlichkeit, aber nur kurz.
Früher hatte ich keine Angst. Da war ich mir sicher, das die , die gestorben sind, nicht weg sind.Früher dachte ich, wenn ich tot bin, dann bin ich ein Lichtfunkeln in einem nie-endenden Feuerwerk.
Jetzt fürchte ich mich davor. Ich möchte noch lange leben.Möchte niemals aufhören, den Tag zu begrüssen, meineSchönsteTochter in den Arm zu nehmen, meinem JüngstLiebstenSohn die Haare zu verwuscheln, möchte singen mit dem GrösstLiebstenSohn, möchte noch tanzen und reisen und leben.

Dann kam mir noch etwas in den Sinn: Dass wir älter werden, dass wir, die schon älter geworden sind, oft hadern mit dem Alter , und nicht akzeptieren wollen, das das Fleisch faltig wird, die Augen schwächer, die Spannung nachlässt und die Gelenkigkeit, können wir es nicht akzeptieren, weil da der Tod um die Ecke guckt? Und uns angrinst, und sagt: „Naaaa?Nimmer lang, gell“, und in hässliches Gelächter ausbricht?
Letzte Woche fand ich in einer Zeitschrift ein Bild von Madonna, sie ist 57 , wenn ich nicht irre, und dieses Bild mit der Kleidung, die sie da trug, war einfach nur scheusslich. 20160621_103600

Ich hab es gesehen und gedacht: warum macht sie das? Verleugnet sie ihr Älterwerden? Darf eine Frau so rumlaufen? (Klar, dachte ich dann, soll sie, wenn es ihr gefällt,aber ich finde es nicht hübsch.) Sicher kann man darüber diskutieren. Egal. Diese ganzen Promis in fortgeschrittenerem Alter betreiben Körperkult und stählen ihre Straffheit.

EmmaNormalFrau hat für sowas keine Zeit.EmmaNormalFrau muss akzeptieren , das sie nicht mehr knackig ist,  selbst wenn sie immer noch in die Klamotten ihrer pubertierenden Tochter passt. Wenn man sie von hinten sieht, dann kann man vielleicht denken :Wow! Wenn sie sich umdreht, sieht man ihr Alter. Von hinten Lyzeum, von vorne Museum, hat mal jemand gesagt.

Zu sich stehen, sich seiner Timeline bewusst sein, wie mein Lieblingsitaliener gerade sagt, das ist eine Kunst. Sich mögen mit all den Falten und den einfach nicht verschwinden-wollenden Speckrollen, so sehr frau sich auch anstrengt, die bleiben einfach da! Der eigenen Vergänglichkeit ins Auge blicken, seine eigene Spirtualität finden, seine eigenen Hoffnungen finden und  Möglichkeiten, und wenn der Tod dann mal wieder um die Ecke luurt und grinst und fies kichert, dann mach ich ihm ne lange Nase! Dann mach ich einen Purzelbaum und tanz ihm davon.

Nicht wahr? Das machen wir! Und fürchten ihn nicht.

Grüsse Kat.

Bittersweet Symphony

Liebe S.!
Familienausflüge an schöne Orte machen Spass,Sonntagsnachmittagsspaziergänge,  plaudernd läuft man über Wege, man lacht miteinander,  man spricht miteinander. Das ist schön. Aber heute war mir der Sinn nach Alleinsein. Allein ein Ziel anstreben, nicht nur einfach mal ne Runde durch den Wald laufen, sondern an einen besonderen Ort fahren. Einen Ausflug machen. So bin ich dann in den Botanischen Garten gefahren.

Schonwie mich die Kassierin angelächelt hat, hat mich fröhlicher gemacht. Ich bin nämlich im Moment sehr erschöpft und müde.
Erst hab ich mir im Biergarten eine Bratwurst gegönnt.
Eine Gruppe älterer Damen war ebenfalls dort, sie haben dort zu Mittag gegessen, und sich darüber unterhalten wie sie Kartoffelpuffer zubereiten.Die eine isst Kartoffelpuffer am liebsten mit Remoulade, die andere mit Apfelmus. Sie bestellten sich ihre Currywurst, ihre Kartoffelpuffer und ihre Sauerkrautwürstel und unterhielten sich.Gerti und Traudi und die Erika, und sie haben laut gelacht dabei.
Das fand ich schön. Ich fand es schön, ihnen zuzuhören und zu sehen wie sie aufeinander achten.
Später kamen die Gärtner und assen ebenfalls zu Mittag, auf Personalkasse.
Ich hab überlegt, ob ich vielleicht Gärtnerin  werden sollte.Mit  der Erde arbeiten, mit den Pflanzen, später zu sehen, was meine Arbeit bewirkt hat, wie alles blüht. Das macht vielleicht nicht so traurig(Typische klimakterische depressive Verstimmungsattacke gerade, würde ich sagen, seufz….)
Zum Abschluss hab ich mir noch Eis gekauft, wenn schon denn schon.
Ich setzte mich damit  in eine Pergola, die ganz überwachsen war mit Geissblatt , und hab den Hummeln beim Summen zugehört.
Später bin ich dann  ganz entspannt über  die Wege gegangen, hab den Rosen beim Blühen zugeschaut, dem Wasser im japanischen Garten beim Fliessen, und den Karpfen im Teich  beim Luftschnappen.
Jetzt, zu Hause, habe ich bittersüsses Gelee gekocht, aus Limonen und Pfefferminz, ich bring dir ein Glas mit, im September, wenn ich dich besuche,  und gerade denk ich, bittersweet ist meine Stimmung. Herrje.
Draussen jagen die Wolken über den Himmel, die Äste schleudern hin und her an den Stämmen, aber ich hab schöne Bilder gemacht.Im Botanischen Garten.
Schau:

Morgen ist alles wieder richtig gut.Heute hab ich ja schon damit angefangen. 😉
Deine K.

Altern

Liebe S.,
ein Thema treibt mich gerade um, das hat gar nichts leider mit deinem letzen Mailblog zu tun.
Das Älterwerden. Gerade mal wieder hab ich so mein Problem damit. Woran liegt das, dass es schubweise kommt?
Letzte Woche war ich wieder auf meiner Psycho-Reha-Gruppe, ich hab ja 2015 so eine Psychosomatische Reha gemacht, weil ich damals gerade etwas erschöpft war, beruflich. Jetzt sollte ich 26 Sitzungen in so einer Gesprächsgruppe machen. Irgendwie fühle ich mich dort aber fehl am Platz, diese Menschen da haben wirklich Probleme, Angstattacken, Depressionen, Panik, Psychosomatische Schmerzen. Mir aber geht es gut. Nur manchmal bin ich sehr traurig, weil mir die Zeit so davon rast, meine Lebenszeit. Der Gruppenobermensch fragte, welche Themen wir behandeln wollen in nächster Zeit, und bevor die anderen wieder sagen konnten: „meine Panik gefühle „oder „wie ich mich selber wertschätzen kann“, sagte ich, laut und deutlich-denn ich lasse mich sonst immer wieder übertönen, weil ich denke, meine Sorgen sind Pipifax gegen das, was die anderen haben! -sagte ich also laut: „ich möchte , dass wir über das Älterwerden reden, denn das ist gerade mein Problem“. Sagt die eine: „Hä? wie alt bist du denn? „sag ich 51. sagt sie: „Pah! Komm du mal erst mal in mein Alter!“ Will ich ja, aber jetzt noch nicht!  Aber immerhin, 80 % der anderen Teilnehmer nickten und sagten, das ist ein Gutes Thema!
Gucken was noch geht, wo es noch hingeht, wie ich klarkommen kann mit meinem merkwürdigen Selfiegesicht, wenn ich mich mal nicht von oben mit einem freundlichen Grinsen fotografiere, sondern in grellem Licht und das Bild schonungslos meine Falten zeigt, und ich eigentlich meinen Vater sehe, denn ich werde ihm immer ähnlicher, finde ich. Aber er war ja ein liebenswerter Mensch. Trotzdem!
Meine SchönsteTochter schickt mir ihre Fotos aus Israel, sie steht am Strand, sie ist so wunderschön, dass ich fast weinen muss! Ich erzähle das ihrem Vater, der ja mal mein Mann war, und der sagt: Das ist auch gut so, schöner wird sie nimmer, das ist die beste Zeit schön zu sein.
Ich will aber immer noch schön sein! Ich will Komplimente bekommen, wie früher, als ich lachte und jeder mein Lachen unwiderstehlich fand!

Mittlerweile werde ich auf dem Weihnachtsmarkt von einem gefühlt 70 jährigen angeflirtet, weil ich ne „heisse Oma“ trinke, und ich sei tatsächlich ne heisse Oma, und er hält meine 38 jährige Arbeitskollgin für meine Tochter.
Hilfe!!!!

Allerdings, es verbindet auch, das Älterwerden.
Heute  in der Arbeit wieder geseufzt, weil mir nach dem Lagern eines störrischen schweren Patienten sehr warm wurde, da sagt meine Lieblingsstationsärztin zu mir:“ K., hast du das auch so oft? Ich glaub bei mir ist das auch, und ich will das doch noch nicht“( ein bisschen jünger als ich ist sie schon) . Ich sag: „Komm, wir ignorieren das! Und lachen drüber!“

Guter Plan eigentlich! Wenn es nur nicht so schwer wäre!
Denn Lachen macht Falten!
Es grüsst dich K., nicht mehr so ganz taufrisch… aber immer noch gerne lachend  😉

Frauenraum

Liebe S.,

brauchen wir Frauen mehr Solidarität untereinander und Freiraum? Ich hab gerade einen wunderschönen Abend mit meiner Freundin verbracht, mein bärtiger Mitbewohner ist heute nicht da. Als ich ihm erzählte, dass C. heute kommt, sagte er :Schade, ich bin heute abend nicht da. Ich antwortete: Es ist Absicht, denn ich möchte mit ihr alleine sein.
Denn letztes Mal war er anwesend, und so lieb ich ihn habe, er hat gestört. Da wünsche ich mir manchmal ein eigenes Zimmer, ein eigenes Reich.
Jedenfalls hatten wir tiefgehende  Themen, die wir heute am Wickel hatten und es war so vieles dabei, worüber ich mit dir auch rede.
Um unsere Findung, wie es denn mit Anfang 50 weiter geht. Die Aussage: wenn der jüngste aus dem Haus ist in 3 Jahren, dann lebe ich mein Leben neu.
Der Wunsch nach Veränderung, noch mal wieder lebendig sein. Wer findet mich noch attraktiv? Männer unseres Alters gucken nach jüngeren mit Klimpernwimpern und fangen an zu posen, wenn eine 25 jährige sie anhimmelt. Oder ist das unser Neid? Dass wir diese Klimperwimpern nicht mehr haben?
Was haben wir erreicht, was fehlt noch? Was kommt noch?

Ich für mein Teil bin ja glücklich und hab noch einiges vor. Wie geht es anderen Frauen? Ich hatte die Idee einer regelmässigen Gruppe von Frauen in unserem Alter, die sich treffen , zum Austausch und zum Lachen.

Vor einigen Jahren habe ich eine Frauengruppe geleitet, das waren Mütter, die bei mir in einer Eltern-Kind-Gruppe waren. Nachdem die Kinder im Kindergarten waren, entstand daraus eine Frauengruppe. Das hat mir so gefallen und war so schön. Es war da eine starke Verbundenheit, eine grosse Nähe, privat haben wir uns nicht getroffen- immer nur in diesem offiziellen Rahmen.
Und das Konzept dieser Gruppe hatte einen Namen:“ Frauen gehen ihren Weg.“ Ein Witzbold hat in den Flyer, der in der Pfarrei hing , das Wort Männern eingefügt. „Frauen gehen ihren Männern Weg. “ Wahrscheinlich selbst ein Mann.
Als ich dann hierher nach A. zog, bin ich zur hiesigen Pfarrei gegangen, und hab gefragt, ob es möglich ist, auch hier so ein Gruppe aufzuziehen. zur Antwort bekam ich :“Naaa, des brach ma do net, mir ham hier die Strickgruppe (rrrollendes Rrr) und an Fraunverein, der sich do um die Weihnachtsbasare kimmern dued. “
Tja, das ist bayrisch-schwäbische Provinz.

Im Orient gibt es diese geschützten Frauenräume, den Harem, in meiner romantischen Vorstellung bietet er Schutz vor den Männern und ermöglicht den Frauen eine eigene Freiheit zu Sein.

Möglicherweise ist diese Vorstellung  falsch. Aber weil ich eigentlich einen Beitrag über Kardamon, Koriander, Zimt, Nelken und  Vanille und die Gastfreundschaft in Beirut schreiben wollte, passt der Harem jetzt als Vorstellung dazu. Und rundet das ab.

Gastfreundschaft in Beirut und ein opulentes Essen… das schreib ich wann anders.

Einen schönen 2. Advent!
K.

 

Liebe K.,

ich glaube nicht , dass wir Frauenräume brauchen… reiss mir jetzt bitte nicht den Kopf ab..was du dir vorstellst gibt unsere Kultur nicht her, glaube ich.. Auf mich wirkt Frauenraum hier als ausgrenzend… ausgrenzend für Männer.Ganz einfach, weil Männer auch keine Männerräume haben.. Fussball u.a oder Kneipenbesuche zählen da nicht mit für mich. Frauen haben sich, 68ger und Frauenbewegung sei dank einiges an Raum (zu-)rückerobert. Das ist gut so ! Selbstbewusste junge Frauen heute , sind toll im Umgang ! Es freut mich immer wieder, wenn ich bei der Arbeit oder auch sonst mit ihnen zu tun habe. Ich muss mit mir so manches Mal kämpfen, wenn ich etwas sage. Bei denen , die ich gerade vor Augen habe, geht das ganz selbstverständlich… da ist gar nicht die Frage.. auch nicht im Ansatz !  Oh… wenn ich das jetzt sage, dann mögen die mich nicht mehr… dann hat “ Papi“ mich nicht mehr gern…  sondern Zack ! Raus damit, selbstverständlich wird für sich eingestanden ! Auch vor sogenannten Autoritäten wird nicht gekniffen… o.k. das tu ich auch nicht 🙂  Viele Männer wissen heute gar nicht , wie sie denn sein sollen/wollen.. ich meine die in unserem Alter… Keine Vorbilder, hat mal einer zu mir gesagt.. es sei schwierig… an wem oder was orientieren… an den Ansprüchen und Bedürfnissen der Frau oder Freundin ? An sich selbst ? Manche Frauen probieren immer noch an „ihren“ Männern herumzuschrauben und umgekehrt wird auch gern“geschraubt“. Reichen wir denn nicht mehr aus so wie wir heute sind ? Ist es denn nicht schon schwierig genug ? Erfinde dich täglich neu ??? Wir gehören zu der Generation die sich mit ihrer Selbstverwirklichung befasst. Etwas , dass für die Elterngeneration merkwürdig und ichbezogen daherkommt. Wo bleibt das grosse Ganze hat meine Mutter immer gesagt… O.K. wir beide, liebe K. sind davon natürlich ausgeschlossen 😉  wegen unseres Berufes !  Wir tun schon genug für die Allgemeinheit… oder ?!

Frauenraum könnte doch bei jeder anfangen… das frau einfach keine blöden Bemerkungen über andere Frauen macht. Auch nicht das Äussere bewertet oder kommentiert. Einfach die Vielfältigkeit und Buntheit des Lebens respektiert. Hallelujah !Davon bin ich soweit entfernt wie der Frosch vom Fliegen… dabei hilft mir die eigene Boshaftigkeit nur vor eigenen Verletzungen… Wenn ich jetzt z.B. nicht mehr über andere Frauen fiese Sachen sage, heisst das ja noch lange nicht, dass sie das dann mir gegenüber auch nicht tun. Oder ?!  Soviel zum Selbstbewusstsein einer Anfang 50jährigen.. 😦

Wie wärs mit Resepekt ? Damit werde ich heute mal in den Tag gehen..

S. nachdenklich