Kurz davor und doch dazwischen….

Liebe S.,
nach fast zwei Jahren bloggen haben wir es geschafft, zwar einen gemeinsamem Blog, aber jeder einen eigenen Anzeigenamen zu haben.Mal sehen wir es läuft, buona futura, wie du jetzt heisst!
Gruselbambusel, dieses Wort liebe ich. Ich hab , muss ich gestehen, das früher verwendet, wenn ich den Kinder Gespenstergeschichten erzählt hab, man kann das UUUU so schön langziehen, gruuuuuuuselbambuuuuusel….. huuuuuu….
Nein, ich habe gerade keinen Blick für aussergewöhnliches in U-Bahn oder in Geschäften, aber schön, wenn du das spürst,das jetzt eine andere Stimmung ist, weil die Zeiten wechseln, oder wir zwischen den Jahren sind, wie es auch heisst. Wobei das für mich erst nach Weihnachten der Fall ist. Das ist für mich die Zeit, in der das Alte noch nicht beendet und das Neue noch nicht begonnen hat.
Das war die Zeit, in der ich als Kind einen besonderen , fast heidnischen, Zauber erlebt habe. Das meine Mutter keine Wäsche waschen durfte, weil sich da die bösen Geister des alten Jahres reinsetzen und ins Neue Jahr mitrüber huschen können.
Das , wenn der Sturm bläst und die Äste der grossen Buchen knarzen, Wotan mit seinen wilden Reitern durch den Himmel jagt, ruhelos, getrieben.
Dass der Tannenzweig vor der Tür ihn vertreiben sollte.
Ich erinnere, dass diese Zeit nach Weihnachten eine ganz besonders stille Zeit war, weil es gab nichts mehr zu tun gab als zu warten. Auf das Neue, das verheissende Jahr voller neuer Möglichkeiten und Versprechungen.

Komisch, eigentlich ist es ja das Weihnachtsfest,was Hoffnung bringt, und Jesus der Retter der Welt , ankommt. Der Advent die Zeit, in der wir Hoffnung schöpfen können.
Ich als Christin, die daran glaubt und relativ bibelfest ist, und Gemeindearbeit gemacht hat und alles , ich hab trotzdem innen drin in mir immer noch dieses „Zwischen den Jahren“-Gefühl. Und sehe manchmal in den Büschen die Schatten von denen, die mich begleiten und schützen, und spüre manchmal ihre Gegenwart. Widerspricht sich das nicht?
Ich gucke vielleicht zuviele Wikingerfilme. 😉
Ich hab gestern ein wunderschönes Weihnachtslied gehört:

punch brothers : Emanuel

Da krieg ich total eine Gänsehaut.

Ich wünsche allen frohen Weihnachten!

Kat.

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Gruselbambusel ?

Liebe K.,

ein Wort, was ich nur von Dir kenne.. und tatsächlich kommt es mir in diesen Tagen in den Sinn..

Vorhin auf dem Bahnsteig z.B. , als ich auf die S Bahn warten musste.. wer hat da so gekichert ? Es hörte sich zuerst an, als ob es ein Kind wäre.. etwas schrill.. aber auch krächzend.. irgendwie anders… und als ich mich umdrehte sah ich ein fast zahnloses altes Männchen mit einer ziemlich abgewrackten selbstbestrickten Weihnachtsmannmütze.. es wühlte im Müll.. wohl auf der Suche nach Pfandflaschen.. in der S Bahn sass mir dann eine dürre Frau gegenüber.. Alter unbekannt und nur schwer zu schätzen.. vielleicht 50 vielleicht 70.. schwer zu sagen… graues dünnes langes Haar.. schwarze Kleidung.. Silberschmuck an allen Fingern.. nur der Zeigefinger war mit einer Art Schmuck ganz verhüllt.. sie konnte ihn auch nicht knicken und nur der Nagel des Zeigefingers war blau lackiert.. ich sah es, weil sie auf dem Fahrplan an der Decke  einer  Mitreisenden etwas zeigte.. mmmh.. sie lächelte mich unverwandt an und ich erschrak… jaja.. sagte sie da.. schau du ruhig.. und knabberte umständlich an ihrem Franzbrötchen..ich sag jetzt nichts über ihre Zähne.. aber wahrscheinlich kannst du dir denken, dass sie nicht weiss waren und schon gar nicht schön…

In der Zeit bis zum 21. habe ich öfter solche Begegnungen..  dann erst wieder ab dem 24.12. aber durchgehend dann bis zum 1.1.  als mischten sich in unsere Welt andere Gestalten hinein..aus einer anderen Zeit oder Welt.. und wenn man aufpasst kann man sie sehen.. ich jedenfalls… am Bahnhof ist es besonders spannend um diese Zeit.. Menschen kommen nach „Hause“ und sind zu Besuch.. so sah ich heute auch von weitem jemanden, mit dem ich vor 25 Jahren mal zusammen war.. auch das war ganz schön gruselig.. 🙂  aber da waren es die Veränderungen äusserlich.. und auch irgendwie nicht.. ich habe ihn jedenfalls erkannt und bin schnell weg.. was sollte ich auch sagen.. ich  beobachte gerade vorweihnachtliche Paralellweltbegebenheiten und nun treffe ich auf dich ? Lieber nicht.. der fand das damals schon komisch.. und mich zeitweise auch. so wie ich ihn dann zum Schluss.

Puuuuh… gut das meine Allgäuer Kräuterkerze noch brennt.. die schafft eine gute Atmosphäre.. und ich muss mich dann etwas weniger gruselbambuseln.. Ach so.. liebe K. das mit den Keksen tut mir leid.. wenns klappt werde ich am Freitag auch Kekse machen.. dann schick ich dir welche.. wenn sie gelingen !

Guten Dienst heute Nacht , ich werde an dich denken..

Bussi Deine

S.

Falsch verstandene Dinge und das Licht was sich auftut,wenn man sie endlich versteht

Liebe S.,
kennst du das, wenn man jahrelang Sachen falsch versteht, sie hinterfragt, warum sie so gemeint sein können, aber nichts kapiert? Ich meine jetzt speziell bei Liedtexten oder Musik.
Gestern hatte ich so ein Erlebnis: Ich hab was kapiert!!!
Es gibt eine Live-Aufnahme von Machine Head, so eine Heavy Metal Band, du weisst, ich liebe diese Musik! Auf dieser Konzertaufnahme(The burning red/hellalive/Albumversion) singt der Sänger Robert Flynn: Let me see a fis!Und dazu quirpen die Gitarren sehr schräg. Let me see a fis in the air!
Und ich denke seit Jahren, er will,das die Leute ein Fis zeigen. #fis, aus der Tonleiter, die Note F mit dem Kreuz davor.. Ich denke immer, hm…. wie kann man ein  Fis zeigen? Hören tu ich es, die Gitarren quirpen eben so schräg, das könnte ein fis sein und die Leute sollen das zeigen. Komische Metaller, dachte ich.

Und letze Tage, irgendwann,kam mir die Erleuchtung, der Geistesblitz:
Der meint ein „FIST“, eine Faust! Auf englisch!  Und das war so klar plötzlich,was er da singt und warum die Leute schreien, und gröhlen, und gestern auf dem Stone Sour Konzert rief Corey Taylor auch: Let me see your fists, und ich habs verstanden und hab meine Faust mit all den anderen Leuten zeitgleich in die Luft gestreckt-mit Wucht, weil ich endlich kapiert habe, um was es ging!

Wunderbares Gefühl! Endlich etwas zu Verstehen! Hahaha!
Und was machst du so? Meld dich doch mal, ich vermisse dich hier.

:*

Deine Freundin Kat.

Weihnachtsgrausen-haben Krankenschwestern Weihnachten?

Liebe S.,
letztes Jahr hiess ein Beitrag von dir Weihnachtsgrauen.
Ich hab ein „S“ da eingefügt. Ich hab nämlich Grausen. Weihnachtliches.
Es ist nämlich so, dass ich von vier Adventswochenenden drei arbeiten muss.
Das vierte, der Vierte Advent, ist Weihnachten, Heiligabend, da hab ich frei. Ich möchte aber auf Weihnachtsmärkte gehen. Und leider nun mal gerne auf Weihnachtsmärkte, die in irgendwelchen Schlössern und Burgen stattfinden. Allerdings finden die nur am Wochenende statt. Tja, und da ich auch noch Spätdienst habe, ist es so, das diese kuscheligen schönen Chrsitkindlmärkte mit all ihrem Kram wie Spiralikartoffeln, hübschen gehandwerkerten Kerzenständern, Zirbelholzkissen und weichen selbstgehäkelten Schultertüchern, die ich alle so gerne kaufen würde, ohne mich stattfinden . Positiv: Ich spare Geld und müll mir die Bude nicht voll. Negativ: Ich würde so gerne, so so gerne…. da im Dunkeln an Lagerfeuern vorbei gehen, Räucherzeug kaufen, Spiralikartoffeln und gebrannte Mandeln essen und Eierpunsch trinken.

Gemein.
Ja, ich weiss, andere müssen auch arbeiten, aber manchmal ist es einfach gemein, das nicht jedes 2. Wochenende frei sein kann, sondern manchmal vier am Stück durchgearbeitet werden müssen. Warum? Seit 30 Jahren dieser Stress: hab ich Weihnachten frei oder Silvester, wenn ich Weihnachten arbeite, hab ich dann wenigstens Frühdienst, oder muss ich abends arbeiten? Und dann zerrt womöglich noch die Familie oder die, die da dazu gehören, Grosseltern, Schwiegereltern,Exfamilienangehörige,…“wir wollen da und da ne Feier machen mit ALLEN, kannst du da kommen, bleibst du weg, warum, versuch doch zu tauschen, warum geht das nicht, ich würde denen den Marsch balsen, du kannst nicht immer so arbeiten….“puuuuh.

Wie komm ich da raus?
Höre gerade ein schönes Lied: Selig: Unterwegs.
Das ist aber mal schön! fein. Besänftigt mich ein bisschen. Alles Liebe Dir. Heute ist Nachtdienst. Schlaft alle gut. Ich wache.
Kat.

Wer braucht Dinosaurier?

Liebe K.,

ich habe von Suska gelesen.. und das sie scheinbar unpassend im Zumba Kurs war..

So geht es doch auch „uns“ oft… denen die über 50 sind.. die die scheinbar in kein Schema passen… Alles ist möglich, wenn man nur will.. das von mir vielzitierte Motto unsere Generation. Aber stimmt das denn.. noch ? Nein , würde ich sagen.. diese Geschichten von Gegenangehen, trotzdem seinen Weg gehen, sich Mut zu sprechen weil man nicht ins Schema passt und trotzdem liebenswert und toll ist ..  sie sind wichtig und machen mir auch Mut.. und ich habe es auch satt.. das das überhaupt Thema sein muss ..

Vielleicht sollte z.B. die Suska aus deiner Geschichte, sich einfach nicht mehr solchen Situationen aussetzen… vielleicht sollten Frauen unserer Generation überhaupt aufhören  soviel Kraft darauf zu verwenden gegen an zu gehen, ein mutiges Trotzdem auf ihre Fahnen zu schreiben und sich immer und immer im Vergleich mit anderen zu sehen. Vielleicht sind wir ja mal eine Kategorie für sich? Auf jeden Fall !  Wir die sog. Babyboomgeneratien !Individualisierbar heisst es doch überall bei allen „Produkten“ der heutigen Zeit. Warum nicht auch bei uns ? Tatsachen schaffen, sich nicht mehr rechtfertigen müssen, einfach Sein , so wie wir sind. Indem sollten wir eine stille Übereinkunft finden und das irgendwann nicht mehr kommentieren sondern vorwärts gehen und zwar dahin wohin wir wollen ! Das Annehmen was ist, und sich nicht verrückt machen lassen..

Wer braucht Dinosaurier ? Keiner, sie sind ausgestorben. Aber sich an den Biss der Säbelzahnkatze erinnern, wär vielleicht ein Anfang ? 😉

herzlichst aus dem nieseligen Norden der Republik

dein

S.

Niemand verlässt ohne Not sein weites Feld….

Liebe S.,
ich musste überlegen, wo du aufgewachsen bist? Dass du in den siebzigern schon so multikulturelle Erfahrungen gemacht hast.
Ich bin, wie gesagt, in einer Stadt aufgewachsen, wo die Menschen genug mit ihrer eigenen Fluchtgeschichte oder Emigration zu tun hatten, die meisten waren aus dem Osten, wenn ich mich richtig erinnere, und es gab einfach keine Italiener, Griechen oder anderes. Das einzige, was ich über Italiener wusste, waren die Geschichten über diese „Italienerkinder!“ von meiner Tante, die Grundschullehrerin in Wolfsburg war.
Fremde waren mir fremd. Fremde mit einer anderen Hautfarbe besonders. Als ich dann diese Stadt verlassen habe, gab es „Sie“ trotzdem nicht, in anderen Städten, oder sie sind mir nicht aufgefallen? Ich hatte keinen Kontakt.
Anfang der Achtziger hat dann in meiner Heimatstadt der „Chinese“ aufgemacht, und die chinesische Familie wurde beäugt, sie sahen „komisch“ aus. Sie lächelten so übertrieben. Das Essen war gut. Bisschen fremd, aber okay….

Dann gab es , Anfang der Achtziger, in unserer Strasse, gegenüber der Kläranlage, eine Unterkunft für Menschen mit dunkler Hautfarbe.
„Pass bloss auf, geh da schnell vorbei, wer weiss, was die sind!“ wurde gewispert. Meine  Schwester ist aber einmal stehen geblieben und hat mit einem dieser Menschen gesprochen. Es war verboten, mit ihnen zu sprechen.“Sowas tut man nicht!“
Aber sie hat es getan, und nicht nur einmal. Durch den Zaun, sie auf der Strasse, dieser Mensch hinter dem Zaun.Sie hat teilgenommen an seiner Geschichte. Ich erinner mich, das es Tratsch gab, was sie da tut, denn „man hat sie gesehen, wie sie mit denen da spricht!“
Deshalb , als ich deinen Beitrag gelesen habe, hab ich dich beneidet, das du so früh schon die Möglichkeit hattest, mit anderen bunten Menschen in Berührung zu kommen.
Ich bin ihnen bewusst erst begegnet, als ich in der Grossstadt lebte und im Kindergarten meiner Kinder die Vassilys spielten, die Dimitris, die Blanches, die Hatices, die Mohammeds. Und ich mit deren Müttern in der Theatergruppe und im Elternbeirat war.
Als der Krieg in Ruanda gewesen ist, haben wir Hamadi und Salama kennengelernt, ihre Kinder waren so alt wie unsere. Wir haben gemeinsam Weihnachten gefeiert, wir haben einander besucht, und von denen beiden habe ich gelernt: Niemand verlässt seine Heimat ohne Not. Soviel Heimweh wie bei Salama hab ich noch bei niemandem gesehen. Sie haben damals Deutschland verlassen, obwohl der Krieg in Ruanda noch nicht vorbei war. Ich weiss nicht, was aus ihnen geworden ist. Ich hoffe sehr, das es ihnen gut geht.

Ja, es ist ein weites Feld, dieses Thema….
Ich wünsche dir einen schönen Sonntag!

Kat.

Ach Luise, das ist ein weites Feld!

Liebe K,

schön zu lesen, dass es deinem Sohn in der WG gut geht und was du da alles erlebt hast. Beim Lesen der Kommentare habe ich gemerkt, dass das scheinbar gar nicht selbstverständlich ist..  Ich habe 15 Jahre verpasst.. vielleicht die , die ich selber in der Schweiz war ? Keine Ahnung… Ich bin mit Kindern aus anderen Ländern aufgewachsen. In meiner Klasse hiessen sie, Ilda-Maria,Panagiotis, Ahmed, Luzia,Lydia und Krystyna usw. Es war immer spannend für mich sie zu Hause zu besuchen.. damals waren es Kinder aus sog. Gastarbeiterfamilien, aber auch Kindern aus   (damals) Jugoslawien und Serbien, deren Eltern dort weg wollten. Aus Kriegsgebieten kam niemand. Ich bin damit aufgewachsen, dass diese Kinder an Schulfesten „fremde“ Speisen mitbrachten und meine Mutter sagte.. „oh pass lieber auf, nicht dass dir das nicht bekommt.. lass mich lieber zuerst probieren“ 🙂 und allermeisten wars lecker.. und die Mütter unterhielten sich so gut wie möglich.. mit Händen und Füssen halt.. das war für mich Normalität.. Ende der 70ger..

In den 80gern haben ich das ganze “ Multikulti“ mitgemacht.. probiert alle und alles zu verbinden und zu integrieren und so manches Mal mein Eigenes darüber verloren.. Wenn wir nur wollen geht alles.. mit diesem Satz ist unsere Generation ja gross geworden. Meistens gings auch.. ich war extrem gut darin Verständnis für die ein oder andere Partei bei Streitereien beim Gegenüber zu erwecken. Mein 2jähriger Ausflug in eine andere Arbeitswelt , ausserhalb des Krankenhauses war extrem lehrreich.. Ich sage nur arbeiten an einem Kiosk am Hauptbahnhof..

In der Schweiz wohnte ich in einer riesigen WG mit Menschen aus verschiedenen Ländern.. u.a. auch dem Leiter einer kleinen afrikanischen Kirche ,deren Festagslieblingsessen Stockfisch war.Der lagerte genau einen Tag in einem Schrank in der Küche, bis die Katzen ihn fanden und vor dem Schrank ein Konzert  miiiiaaaaaaau veranstalteten.. und natürlich auch ein ein kleines Stückchen von der Mahlzeit abbekamen.. Für mich war das alles normal..

Ich habe irgendwie die Zeit verpasst dazwischen.. zwischen diesem.. meinem -damals- und dem Heute. Wo es zum Teil selbstverständlich ist andere zu integrieren und zum Teil auch überhaupt gar nicht. Wenn ich manchmal meinen jüngeren Arbeitskolleginnen zuhöre, bekomme ich Gänsehaut.. deren Hauptproblem ist, wo man am besten und schnellsten sich künstliche Wimpern ankleben lassen kann ( manga style jetzt auch bei uns angekommen ) tja..

Mit der Selbstverständlichkeit andere zu integrieren bin ich aufgewachsen.. das hat sich im Aussen verändert und wird jetzt besonders benannt.. muss besonders benannt werden.. was passierte dazwischen ? Ich habe es eindeutig verpasst.. Was ich aber inzwischen gelernt habe ist, dass unser sog. Multikulti auch eine gewissen Arroganz hat und dass das man muss nur wollen sich nicht nur auf uns beziehen kann, sondern das Gegenüber muss das auch wollen und mitmachen.. und dazu liebe „Luise“ ist es oft ein sehr weites Feld..

schönes Wochenende

deine S.

Zusammentanzen-Wirklich fortschrittlich sind wir erst, wenn die Hautfarbe zu benennen keine Rolle mehr spielt

Liebe S., lies mal, so war das gestern……

Wechsel-Zeiten

Ich sitze im Zug. Ich fahre in die Universitätsstadt, in der der GrösstLiebsteSohn seit 4 Wochen auf seinen Master studiert. Einen Internationalen Studiengang absolviert er, und heute abend gibt es ein „International Dinner“. Wir werden kochen, wenn ich da bin, der Sohn und ich, Sachen aus der Heimat. Weil wir gemischt beheimatet sind, gibt es Matjesheringssalat, Rote Grütze und bayrischen Obatzdn.
Im Zug lese ich einen Beitrag von Ulli’s Cafe Weltenall, ich denke so vor mich in und schreibe einen Kommentar.

Danke für diesen Text. Und diese Worte von guy de maupassant haben eine Gänsehaut gemacht. Im Zug sitzend, mir gegenüber ein dunkelhautiger Mann, der englisch französisch deutsch telefoniert und mich anlacht….Liebe grüße Katrin

Dann denke ich: Wirklich fortschrittlich sind wir erst, wenn die Hautfarbe zu benennen keine Rolle mehr spielt…….

Ich bin angekommen, der GrösstLiebsteSohn und ich kaufen ein und kochen für unser Dinner. Am Abend treffen wir…

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Alte Werte und sich was herausnehmen

Liebe S.,
das ist ein altes Wort: sich etwas herausnehmen, das klingt bei näherem drüber nachdenken wie „stehlen“.
Da steht was rum in einem verschlossenen Behälter und ich nehme mir da einfach was heraus.
Früher wurde mir gesagt, wenn ich mich daneben benahm:Was nimmst du dir eigentlich heraus? Hat das einen Zusammenhang? Nehme ich mir das Recht heraus, aus dieser verschlossenen Kiste der Werte, und mach das so wie ich will? Sage ich, mit dem von mir einfach herausgenommenen Recht, was ich will?

Ich kenn das Problem mit den Überstunden aufschreiben, allerdings wird bei uns echt hart kontrolliert, soviel ich weiss, da muss ne Begründung her und wenn das zu oft passiert, dann wird gefragt: Warum eigentlich immer bei dir? Soviel dazu.

Ich weiss nicht, was mit der heutigen Zeit los ist, oder seh ich das bloss so, weil ich älter geworden bin, im Laufe der Jahre, unausweichlich? In meiner Familie herrschte als oberstes Gebot: Ehrlich währt am längsten, niemand wird von uns beschissen, selbst wenn es der Arbeitgeber ist. Und Schulden machen wir auch NIEMALS! Und betrügen tun wir nicht!
So. An das meiste hab ich mich gehalten im Leben, immer ehrlich ist, glaub ich, niemand. Aber es gibt Regeln und Werte und an die möchte ich mich halten.
Manchmal frag ich mich dann: tu das nur ich? Oder bin ich schon so eine alte biestige Krake, die da genau drauf achtet, das alles eingehalten wird?
Heute , Autostrasse, wieder mal, kurzes Stück Landstrasse bis zur nächsten Ortschaft, etwa 2 km, muss ich da auf 170 kmh beschleunigen? Schon gar nicht mit meiner alten Cheese. (oder schreibt man das Chaise?). Ich zuckel also mit 100 da einher, und sehe, wie ein orangefarbener Ohadi, Capriolet, anprescht und echt knapp hinter mir aufdrängelt. Ortschaftsschild kommt, ich bremse, ich weiss nämlich, was das kostet, wenn ich zu schnell da durch bretter. Der orange Ohadi drängelt weiter auf, ich bin versucht, noch langsamer zu fahren, es ist acht Uhr, Kinder wollen zur Schule in dem Ort, is besser, langsamer zu fahren, oder? Da setzt der zum Überholen an. Und überholt. Ich krieg dann immer so einen Hals, und ich seh, da ist ein junges Mädchen drin. Warum steht da jetzt kein Blitzer? Oder ein parkendes Auto auf der Gegenfahrbahn?
Warum  muss sie das machen? Der Ort ist kurz, auch bloss 2 km, (Die war ortsansässig, die Madame )ist das so schlimm, hinter jemandem herzufahren in der ANGEGEBENEN Geschwindigkeit?  Es war rücksichtslos und gefährlich, find ich.
Sie hat sich das herausgenommen, aus der Kiste der Regeln, diese Geschwindigkeitsvorgabe zu brechen und andere zu gefährden.
Und jetzt kommt noch ein altertümliches Wort: das war eine BODENLOSE FRECHHEIT!
Regeln sind zum Brechen da, aber nur, wenn sie niemanden gefährden.

Jetzt geschrieben, morgen online, wenn ich übern Kanal geflogen bin, zu der liebsten Englischen Freundin, und morgen bin ich vielleicht in Glastonbury und suche deinen Mondkalender, den ich dir dann mitbringe, den gibts da , so wie du willst, garantiert!
See you,…. K.