Vom Meer so blau…

Liebe S.,
der Alltag beutelt mich seit 4 Wochen wieder , heute hab ich geschafft, meine Fotos vom Urlaub zu sichten. Wir waren eine Woche auf Zypern, in der Nähe von Paphos.
Paphos ist Kulturhauptstadt 2017, das wusste ich vorher gar nicht.

Eigentlich hat es mir widerstrebt, dort Urlaub zu machen, am Mittelmeer, auf dem Menschen in wackeligen Booten zu Tausenden ihren nicht mehr aushaltbaren Lebensumständen entfliehen und ertrinken. Und ich stehe an diesem Meer und halte meine Füsse rein und entspanne mich. Aber ich kann nicht die ganze Welt meiden, nur weil überall schreckliche Dinge passieren oder passiert sind.

Am ersten Abend hab mich unter einen Felsen gestellt,  auf die Wellen geschaut und an diese Dinge gedacht und hab ganz viele Kraftgedanken geschickt. Manch einer nennt das vielleicht auch beten.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Paphos und entdeckten an der Strandpromenade diese von verschiedenen Künstlern bemalte Idol von Pomos , die auch auf dem zyprischen Euro drauf ist.
Und das hat mich sehr bewegt. Es wurde auf diesen Figuren soviel thematisiert, und das am häufigsten benannte Thema war Frieden. Diese Figuren wurden nicht nur von anerkannten Künstlern gestaltet, sondern auch von „normalen „Leuten, Schulklassen vielleicht- ich war echt begeistert. Und im Hintergrund dieses blaue unschuldig wirkende Meer, auf dem soviele Kämpfe gekämpft wurden, in grossen Booten, auf Schlachtschiffen, in Schwimmwesten.

Ach, S., ich kann doch die Welt nicht retten, aber ich kann ein bisschen was verteilen vom Friedensgedanken und wenn dann da solche 100 oder weiss ich wieviele Idole da stehen und ich spüre die Kraft dieser Wünsche, die da visualisiert wurden, dann bin ich froh, das es andere auch gibt, die ebenso so denken.

Was meinst du dazu? Liebe Grüsse Kat.

Schreibeinladung, abc-etüden

Schreibeinladung zu den Wortetüden, ich hab gerade Zeit, liebe S., was fällt dir dazu ein?

die Wortspende kommt von Ulli.

Buddelkiste
schwadronieren
Tanzbein

Haha, ich sehe vor mir:

Wie der alte Seebär in seiner Buddelkiste kramt, um ne Flasche feinen Rum zu finden.
Der Papagei  auf seiner Schulter singt krächzend Shantys, während der Kumpel vom alten Seebär, der Pirat Rotbart, bereits hackedicht über die alten Kaperfahrten schwadroniert.
„Ach Rotbart,“ grummelt Seebär, “ die alten Zeiten sind doch schon lang um“ und klappert mit seinem Holzbein auf die Schiffsplanken.
“ Damals hab ich dieses Bein noch im Tanze mit den Huren von der Spelunke zur alten Unke geschwungen, sie waren begeistert von diesem flotten Tanzbein! Bis der Pirat Raffzahn unsere Old Mary überfallen hat und ich ins Wasser fiel und dieser vermaledeite Hai mir das wunderbare Tanzbein abbiss! Da war es vorbei mit der Tanzerei!“ seufzte Seebär und mit einem Plopp öffnete er die Flasche Rum, die er endlich gefunden hatte und schenkte sich grosszügig das goldbraune Gesöff in einen grossen Kristallbecher.

Draussen an Deck knarzten die Tampen.Nebel zog über das Meer .

 

Schönen Sonntag!
Kat.

 

 

 

52 ist nicht 20 ;)

Liebe S., es wird mal wieder Zeit für ein Blögchen….

Der Urlaub ist bereits wieder in weite Ferne gerückt- schade, dass der Alltag einen immer sofort wieder in seine Klauen nimmt.

Ich bin ja zur Zeit in meiner Fachweiterbildung, und muss dementsprechend auf verschiedenen Stationen in unserer Klinik arbeiten. Die Wechselintervalle sind ziemlich kurz, meinen erster Einsatz dauerte 2 Monate, für die nächsten bin ich jeweils 4-wöchig eingeteilt.

Ich sag dir, es fällt mir schwer. Ich bin es nicht gewöhnt, mich nicht auszukennen.
6 Jahre habe ich auf der Intensivstation gearbeitet, wo ich mich auskannte, wo ich wusste, mit welchem Kollegen ich wie umgehen muss, damit der Tag gut wird, und jetzt komme ich an neue Kollegen, die ich nicht kenne, in Teams, denen es schwer fällt, anzuleiten, einzulernen, mich ins Team aufzunehmen.“Du bist ja eh nur so kurz da!“.

Sie beäugen mich kritisch, bellen mir Befehle zu, die ich ausführen muss, ich bin den halben Tag damit beschäftigt, mich zurecht zu finden, öffne Schränke , Schubladen, suche Dinge, sammel Sachen ein, die für  mich an unlogischen,ineffizienten Stellen stehen, und renne mir die Hacken ab. 14 km waren es vorgestern. Gestern ein halber weniger, grins, spare ich mir das Sportprogramm.

Der erste Einsatz war ganz anders, da hatte ich 8 Wochen Einarbeitung, aber auch das fiel mir schwer, denn das war eine Intensivstation und da kannte ich mich immerhin etwas aus! Aber ich muss sagen, ich hab dort sehr viel gelernt über Knochenmarkstransplantationen. Und jetzt auf der Normalstation fühle ich mich als Hilfskraft.

Woran liegt das? Es ist der Personalmangel, es ist die chronische Unterbesetzung, die Überlastung der Kollegen, es ist die Routine. Ich sehe Dinge in diesen Routineabläufen, die ich selber ändern würde.Aber ich kann nichts sagen, ich bin ja „nur so kurz da“.

Schwierig. Ich hab tatsächlich überlegt, ob ich aufhöre, und wieder in meinen gewohnten Trott arbeiten gehe, aber das, was als Ziel winkt, ist es hoffentlich wert, das durchzustehen! Und dann dachte ich so: in der Ausbildung haben wir das anders weggesteckt, oder? Da haben wir Hilfsarbeiten übernommen und gelernt indem wir etwas taten.
Es ist schon anders, mit 52 ne „Ausbildung “ zu machen als mit 20. Vielleicht ist es auch für die Kollegen komisch, so ner „Ollen“ zu erklären, wie sie was machen soll, zumal wenn die „Olle“ dann noch ihren Senf dazugibt und sagt: „Ich kenn das so und so, wäre das auch was für Euch, es so anders zu machen?“ Dann gibt es ein Gekreische und ein „Des ham ma aba allerweil scho so gmacht!!!“
Und ich seufze, schweige und denke: „Noch 10 mal hier sein und ein Viertel der Ausbildung hab ich auch schon hinter mir. Zähne zusammen beissen und  durch!“

Und dann erzähle davon zu Hause, wie mich eine polnische Kollegin anfährt mit den Worten: „Waaas maaaakst du daaaa? “ und der LieblingsItaliener lacht und sagt: „Antworte das nächste mal einfach: Ich weiss es auch nicht!“
Und ich schreib  dir und meiner lieben Kurskollegin J. kleine Whattsapp- Nachrichten mit Teufelchen und dem kleinen Kackhaufen und erzähle, worüber ich mich ärgere und lache über eure Antworten. Mistkrücken, alle! Inklusive Gesundheitsministerium!
Nieder mit dem Pflegenotstand!

Und wenn es ganz schlimm ist und die Füsse Schmerzen und der Rücken und alles weh tut, dann geh ich in meinen Garten und schaue den Mohn an. Dann bist du nämlich nicht weit weg, denn der Mohn ist von dir, erinnerst du dich, du hast mir vor 2 Jahren Mohnkapseln geschickt, und dieses Jahr blüht er prächtig!

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Ein Stück von Dir in meinem Garten ist wie als würde ich mit dir Tee trinken, liebe Freundin!

Jetzt muss ich los, mir die Hacken abrennen! Bussi! Kat.

 

Rechtschreibung

Liebe S.!!!

Ich kann zwar nicht gut rechnen, bei Zahlen bin ich absolut legasthenisch veranlagt, aber es gibt Dinge die SPRINGEN mich an! Förmlich! Das sind FALSCHGESCHRIEBENE WORTE  auf öffentlichen Plakaten!
Liest da niemand dagegen, bevor es in Druck geht?
Auf den U-Bahnlandkarten in München stand über Jahre: Gemeidegrenze. Erst dachte ich, okay, ist wohl ein bayrischer Ausdruck. Gemeiden, vermeiden, warum nicht … irritiert hat es mich aber doch. Jedes Mal, wenn ich auf die U-Bahn gewartet habe, musste ich darauf starren und irgendwann dachte ich: Fehler. Es heisst Gemeindegrenze. Mittlerweile haben sie , weil die Stadt wuchs, neue Karten hingemacht, ohne diesen fehlenden Buchstaben.
Es  ist mir dann immer wieder sowas aufgefallen, was, das hab ich allerdings erfolgreich verdrängt.

Nur heute, da sprangen sie mich an. Die falschgeschriebenen Wörter….
Ich steh an der Ampel und gedankenverloren starre ich diese Bautafel vom Stadtmaueranbau an. Ich denke: Sag mal, wieder was falsch! Dachbegrünug. HÄ? Wasn dasn denn? Dann das nächste: Lanschaftsbau.
Herrje! Gibt es bei dieser Bautafelerstellung kein Rechtschreibprogramm? Das dann rot unterkringelt, wenn es ein Wort nicht kennt? Oder gibt es da so dreiste Dussel, die bei einer Warnung sagen: Was , das Wort kennst du nicht, du blöder Computer? Dann mach ich, das du es kennst! Und sie drücken den Button: Ins Wörterbuch hinzufügen, und schwupps, steht es irgendwann auf allen Plakaten.
Ich mach auch Fehler beim Schreiben, aber ich würde mir tatsächlich wünschen, das ein bisschen mehr Sorgfalt verwendet wird, beim Erstellen dieser öffentlichen Verlautbarungen, denn ich störe mich an sowas.
Aber vielleicht ist das auch Absicht und die haben einfach sparen müssen, weil sie nur eine gewisse Anzahl an Buchstaben bezahlt bekommen. Und was über dem Limit liegt, wird gelöscht, vielleicht… Was meinst du?
Es lebe die Rechtschreibung! Huuu! Kat.

Weiterpaddeln, weiterlernen, weiterdenken, yeah!

Doch noch nicht in SommerUrlaubsPause!

Liebe S., ich hab mich für ein Webinar angemeldet.
Was ist das, dachte ich. Da kriegt man vielleicht Vorträge , die man lesen muss….?
Naja, heute hab ich mich mal dran gesetzt, ich hab erst nicht kapiert, wie das funktioniert. Es sind schon Vorträge, aber die muss ich nicht lesen, diese Vorträge wurden bereits gehalten und somit mir vorgelesen,  und ich kriege die Präsentation auf mein Laptop.

Thema: Webinar zur pflegerischen Versorgung geflüchteter Menschen.

Erster Beitrag: Traumata.
Ich bin so berührt, S., dieser Psychologe hat so super gesprochen, und ich bin entsetzt darüber, wie wenig  wir die Seele dieser Menschen erkennen wollen, wie leichtfertig wir sie abkanzeln in ihrem Verhalten und in ihrem Rückzug, und wie wenig wir bereit sind, da mal hinzugucken, und zu spüren, was vielleicht passiert sein könnte mit ihnen.
Denn sprechen tun die wenigsten darüber.

„They did things to me, i can`t talk about“   Lieblingssyrer, 2013.

Und S., ich mach jetzt zwar meine Onkologie Fachweiterbildung, aber das heisst nicht, das ich nicht auch noch dazu lernen kann, wie man mit Menschen, die NICHT OHNE GRUND herkommen, auch im Krankenhaus mit Wertschätzung umgehen sollte.
Es gab nämlich auch im Klinikalltag der letzten Jahre immer wieder Situationen, gegenüber Geflüchteten, die ich nicht gut fand, und bei denen ich das Bedürfnis hatte, meinen Kollegen klar zu machen, was überhaupt los ist, und mit diesem Webinar krieg ich wieder bisschen mehr Wissen, und Wissen ist Werkzeug und Macht. Gell?
Bin ganz Feuer und Flamme!
Und morgen ist dann endgültig Abflug, yeah!

Kat.
Dieses Webinar ist auch vielleicht für Nichtpflegende interessant.Zum besseren Verständnis.

 

Sommerheisse Schwere

Liebe S.,

was macht wohl deine träumende Ladendiebin bei dieser Hitze? Vielleicht ist es kühl hinter der Kasse , und sie träumt weiter- ich fand deinen letzten Beitrag so schön und verfiel in verzückte Starre, grins…
Und konnte nichts ähnlich-schönes dazu beisteuern.

Es ist so sommerheiss. So heiss, das ich paralysiert im Liegestuhl liege und beim Lesen einschlummere und es mir egal ist, wieviele Fliegen auf meinen Beinen rumkrabbeln, sollen sie doch, egal, zu müde zum verscheuchen…

Manchmal, wenn der Liegestuhl droht einen Dekubitus zu produzieren, fahre ich mit dem Rad.

Der gestrige Radweg führte mich vorbei an Bauerndörfern, mit verlassenen Ställen und wuchernden Bauerngärten, vorbei an Menschen die auf den Terassen sassen und Weissbier tranken. Frühschoppen in Schwaben.
Vorbei an Höfen mit warmem Stallgeruch,an Feldern, die violett blühen . Das sieht hübsch aus. Ist das Lein, was da wächst?Es gibt im Sommer diese Waldstellen, aus denen die Luft kühl und grün-duftend herausströmt, und dann kurz darauf riecht es heiss und lähmend nach trockener Wiese.
Und dann steht da dieses verwitterte Marterl seit 100 Jahren:DSC_2101DSC_2097

Beim ersten Lesen wunderte ich mich über das , was darauf steht: „Gott segne unsere Huren“, las ich. Ich dachte: „Oh, das ist sehr aufgeschlossen. War hier mal so was wie ein Feldwegstrich? Ein Marterl für Maria Magdalena?“
Erst beim nächsten Marterl, auf dem moderner und leserlicher stand: „Gott schütze unsere Fluren“, da erst wusste ich, was gemeint war.
So ist das mit der Sommerträgheit, da schaltet es auch das Hirn aus….

Ich glaub, wir machen bisschen Sommerpause: du bist in Urlaub, ich bin in Urlaub… Danach können wir wieder kreativ schreiben, was meinst?

Allen unseren geneigten 😉 Leser/innen vorläufig einen wunderbaren Sommer…(ich muss die Genderdiskussion beachten 😉 )

Kat.

Im Markt der Diebin

Liebe K.,

ich warte auf neue Spiegelfotos von dir.. du machst da ja mit.. ich hab vor Jahren mal so ein Projekt gemacht.. Spiegel im Spiegel, gespiegelte Zeiten, Spiegel im Seerosenteich usw.. und kannte damals nicht nicht einmal Alice im Wunderland….

Was ich dich aber eigentlich fragen wollte.. hast du dir schon mal überlegt, was im Supermarkt die Kassiererin macht/ denkt, wenn man mit der Karte bezahlt und auf die Verbindung wartet ? Die starren vor sich hin… aber was denken die ?  Der Blick ist meistens leer… und scheint in die endlose leere Ferne zu schweifen. irgendwo zwischen den anderen Kassen, hindurch.. hinaus.. wohin auch immer..

Ich stehe  in diesen Momenten immer da, starre die Kassiererin an und überlege was sie wohl denkt.. wenns zu lange dauert, klopfe ich seitlich auf das Kartenleseding.. und sage blöde Sachen.. sowas wie hopp hopp nu mach mal hinne.. andere wollen auch zahlen..All das bekommt sie aber nicht mit.. sie starrt ..und scheint abwesend.. ich überlege wie alt sie wohl ist.. sie sah gestern ziemlich blass aus… einige wenige Sommersprossen.. ich muss zugeben.. sie ist nicht gerade eine Schönheit.. jung , rote Haare.. geschätzter BMI 34, sie hat geschwitzt.. rote Wangen.. ohoh.. farblich nicht so schön zum Haar… kleine Schweinsäuglein blitzen mich kurz an.. und da platzt es aus mir raus.. „was denken sie gerade“ frage ich sie ganz direkt.. sie scheint nichtmal erstaunt… „ich“ ?  och.. ich denke gerade wie es wohl wäre, wenn ich mal in kognito hier vorbei käme und klauen würde.. ich wüsste genau wie.. sie grinst.. man würde mich nicht schnappen.. sie kichert..die Kasse zuckt der Deckel springt auf..und wird wieder zugeklappt.. die Rechnung rattert..

„Es wär mein Markt“ schwärmt sie..  meiner… und sie streicht dabei ganz vergessen über den Deckel der Kasse.. sie kichert wieder.. und sagt ganz leise.. tschüss.. schönes Wochenende und  verraten Sie lieber nichts.. das glaubt ihnen sowieso keiner hier.. „ich eine Diebin.. in meinem Markt“.. sie schaut etwas verträumt..

Ein besonderer Moment gestern..mitten im Supermarkt.. gut, dass es leer war.. bei ner langen Kassenschlange hätte sie vielleicht gar nicht geantwortet.. wer weiss..

Was denken Sie.. tja. auf diese Antwort war ich nicht gefasst.. und mir fiel auch gleich das Foto vom Markt in Lissabon ein.. das passt dazu.. finde ich..

Ja, was meint ihr da draussen und du, liebe K., was denken die sich alle den lieben langen Tag… all die vielen Sekunden. Minuten, all die die hinter Kassen sitzen und warten.. während wir mit der Karte zahlen , mit Grün bestätigen und mit ihnen warten.. jede für sich..

 

Liebe Grüße deine

S.

Selbst im Spiegel

Aha, es muss nicht blind im Spiegel sein.Ulli hat mich gefragt, ob ich nicht mitmachen möchte bei dem Blogprojekt von Susanne Haun. Ich hab dann überlegt, wo ich mich überall spiegele. Dann hab ich mein Handy genommen und fotografiert.

Ich habe mich an den Tausendspiegel erinnert, den meine Grossmutter in ihrem Schlafzimmer hatte, in dem ich mich, wenn die Spiegelseiten richtig standen, 1000 mal sehen konnte.
Das grosse Fenster in meinem Elternhaus, vor dem der Terassentisch stand, im Sommer, wenn wir draussen sassen , ich mit dem Gesicht zu diesem blankgeputzten grossen Fenster, grimassenschneidend, mich betrachtend….“Wenn du NICHT AUFHÖRST, dich andauernd anzugucken, dann GEHST DU SOFORT REIN! Oder ich setzt dich um!!!“
Oh bloss nicht, ich mag mich anschauen! Heimlich unter den Augenlidern hervor hab ich mir dann beim Essen zugesehen.
Fensterscheiben find ich faszinierend. In der Stadt spiegel ich mich gerne, und denke dann: Sieht doch gar nicht so schlecht aus.
Deshalb hab ich mich gespiegelt.

Im Esszimmerfenster, worauf ein Aufschrei aus der Küche mit meinen kochenden Kindern kam: Hör auf zu fotografieren! Hui! Kam dann also mein Auto dran.
Und dann kann ich mich wunderbar im Scherenschnitt des JüngstLiebstenSohnes spiegeln. Die Mutter im Kind, haha! Aber ob das jetzt kunstvoll ist?

Zunmindest hab ich übers spiegeln nach gedacht. Denn wenn ich mich im Spiegel betrachte, sehe ich immer etwas anderes, als wenn ich fotografiert werde. Etwas, was ich beeinflussen kann, mit Blickwinkel, Gesichtsausdruck, Körperhaltung.. und wenn ich fotografiert werde, dann sind es die  Augen des Fotografen, der mich ganz anders sieht als ich es möchte….

Mal gucken was mir noch zu spiegeln einfällt…

Kat.

Fremde Gärten

Liebe S.,

ich bin geradelt heute früh. Weil mir nämlich der JüngstLiebsteSohn, der SportAdditum macht in der Schule, erklärt hat, dass es nichts bringt, wenn man nur Krafttraining macht, sondern Ausdauertraining sei wichtig.  Besonders mit zunehmendem Alter, wenn die Pfunde purzeln sollen.
Und so gehe ich seit 3 Wochen im Fitnesstudio eisern auf den Crosstrainer, und zwar 40 Minuten, Herzfrequenz 140, schnaufschnaufschwitz…. und mach dann ein wenig Muskelstärkung. Oder, wenn es die Zeit erlaubt, fahre ich mit dem Radel zu meinem Nebenjob. Dank meiner Supercoolen Fahrrad- App weiss ich jetzt auch , wieviel Kilometer es sind (6,9 einfach), welche Steigung (121 meter) wieviel Zeit (Hinweg 32 Minuten weil Steigung hinauf, Rückweg 21 Minuten weil Steigung hinab) und wieviel Kalorien ich dabei verbrauche (egal!).

Es ist ein wunderschöner Weg dorthin, durch die Dörfer, über die Wiesen, an einem Bächlein entlang. Ich schaue beim Fahrradfahren in die Gärten. Wie verschieden Gärten sein können!

Manche sind sehr klar und strukturiert, mit weissen Kieseln ausgelegt, schnurgerade Wege, ein einsamer Buddha auf einer Betonplatte.
Andere zeigen, dass sie vor Jahren mit Planung angelegt wurden, mittlerweile verwildern und verwuchern sie. Vermooste Betontreppen, überwachsene Gartenwege. In einem steht ein Pavillon, erinnert an eine Weinlaube aus den 70er Jahren, der Garten ist winzig, aber die Weinlaube findet ihren Platz.

Dann gibt es die Gärten der neugebauten Häuser, mit niegelnagelneuen Schaukeln drin, und Sandmuscheln. Für die neue junge Familie.

Ich male mir dann aus, wer wohl in den Häusern zu diesen Gärten wohnt, was sind das für Menschen und welche Geschichten haben sie?
Im Moment blüht so viel, es wuchert, ich liebe die Kletterosen an den Mauern der alten Häuser, ich liebe den Phlox, der in den alten Gärten überbordend blüht.
Nach 8 Jahren in Schwaben hab ich bereits Erinnerungen an Häuser, die einst an Stellen standen, zu denen ich fuhr im Pflegedienst, und die alten Leute versorgte, die dort drin wohnten, mit Holzofen und fliessend kalt Wasser.

Diese Häuser mussten neuen weichen, mit eben  kleinen Gärten aus geraden Steinplatten und mit Metallzäunen.
Schade, denk ich dann, und denk an den alten Mann, der mit 86 sein Holz zum Heizen reinschleppte trotz wehem Fuss und dessen Sprache ich kaum verstand, weil er ein Hiesiger war, und ich nicht, aber gelacht miteinander haben wir trotzdem.

Was für schweifende Gedanken!

Ich radel weiter durch die Gärten, denn auf dem Crosstrainer denk ich nicht so schöne Gedanken!

Liebe Grüsse

Kat.

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Quecksilber , zum dritten

Liebe S.,

jetzt  kommt das, was ich eigentlich über Quecksilber schreiben wollte!
Erinnerst du dich, während der Ausbildung, wenn ein Quecksilberthermometer zerbrach, wie wir mit einer Spritze auf dem Boden rumkrochen und das Quecksilber reingesaugt haben?

Wenn so ein Thermometer zerbrach, dann zerflog das Quecksilber erst in hunderte winzige Kugeln, die , wenn man sie zusammenschob, eine grosse Kugel wurden. Es gehörte Geschick (welches man ja eigentlich nicht hatte, sonst wäre das Thermometer heil geblieben) dazu, die Kugeln mit einem Papier zusammen zu fügen, und dann, wenn sie ein grosser Batzen wurden, mit einer 5 ml Spritze aufzusaugen und in den Giftmüll zu schmeissen. Ohne Mundschutz und Handschuhe, Hauptsache, der Patient starb nicht an Quecksilbervergiftung!
Und ich lebe auch noch, denn ich hab sehr sehr oft Thermometer zerdeppert und die giftigen Gase eingeatmet.
Glück gehabt, jawoll!
Jetzt gibts ja elektrische Thermometer. Das macht diesen Beruf längst nicht mehr so spannend!
Haha! Kein Schwermetallbelastetes Mercurochrom, was einem mehr über die Finger läuft beim Verbandswechsel, kein Quecksilber mehr einatmen, sich nicht mehr am Aufrollen dutzender elastischer Binden die Handgelenke ruinieren….

Früher war einfach mehr Herausforderung, grins…

Kat., der Dinosaurier unter den Krankenschwestern 😉

Liebe Kat.,

ach danke, mir reichts auch heutzutage an Herausforderungen.. die Patienten werden immer dicker und älter.. gerade gestern hat sich einer mit ca 100kg den Kopf aufgeschlagen ziemlich fies.. weil er probieren wollte, ob er nicht doch laufen kann.. was er nicht konnte..

Anstatt Quecksilber aufzusammeln, dürfen wir heute putzen.. z.b. das blutverschmierte Bad, weil die Putzfrau alleine für den OP, Kreisssaal usw zuständig war.. 😦 

Bei uns sind die Dinosaurier Krankenschwestern bald ausgestorben… bzw. sie werden krank oder berufsunfähig. Wer diese Arbeit in unserem Alter noch macht ist verrückt oder halt selber Schuld…. ich für meinen Teil plane aktiv die Flucht .

S.