Vom Schwester-sein und so…Teil I.(vielleicht)

Guten Abend, meine liebe FreundinKrankenschwester S.,

wie war der Dienst?

Was ich in dieser Fachweiterbildung lerne, ist, das es Sinn macht, dem Ganzen mehr Bedeutung zu geben, Pflegewissenschaften , Pflegemanagement, Pflegeforschung zu betreiben, damit eben nicht dieses „in der Pflege-arbeiten“ als Selbstverständlichkeit  gesehen wird von der Politik, oder von vielleicht anderen Menschen, die sich nicht so gut damit auskennen.(Wie den Managern, für die ein Krankenhaus ein Wirtschaftsunternehmen ist).

Uns neu positionieren, ja. Dazu gehört aber auch, das wir das nicht mehr so machen können wie unter Schwester Rotkreuz- Hildegard, das man kurz bei der Übergabe miteinander geredet hat, oder wenn man nicht weiter wusste, auch probiert hat, wie man einen durchgelegen Rücken behandeln kann. Eis und Fön? Oder dieses fiese rote Zeug, Mercurocrom.
Ich habe es sehr geliebt, denn es machte heile!
Ist aber mittlerweile als gefährlich eingestuft, schade.Wenn meine Hände rot waren davon nach der Arbeit, war sichtbar, dass ich gearbeitet hatte. Handschuhe waren damals nämlich echt noch ein Kostenproblem.
Wir brauchen Dokumentationen, damit klar wird, WAS wir tun. Wir brauchen Richtlinien, und Standards, wiederhole ich mich? Ja. Sorry.

Und auch wenn Nicht-Pflegekräfte eingesetzt werden, muss klar sein, was deren Aufgabe ist. Und was unsere. Es muss klar sein, dass sie auch für die Notdurft der Patienten zuständig sind, oder eben nicht, aber dann sind vielleicht am falschen Platz.Dann muss überlegt werden, worin ihre Aufgaben bestehen, und das muss aber nicht von Dir kommen, sondern von denen, die sie in den Stellenplan einsetzen. Aufgaben klar definieren.
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Ja, haha, da musste ich lachen wir haben eklige Sachen erzählt in der Kneipe, wenn kein Stuhl frei war, und -schwupps- hatten wir einen.Im Tabernakel, so hiess die Spelunke.

Mir fiel dazu ein, dass der LieblingsItaliener, als er noch neu in unserer Familie war, es überhaupt nicht ertrug, wenn sich beim Essen Gespräche um meine Krankenhausdinge drehten. Er hat die Kinder gefragt:“ Warum  bleibt ihr so ruhig dabei, wenn eure Mutter so Zeugs erzählt  von nicht heilenden Operationswunden, aufgeplatzten Köpfen und mit dem Messer um sich fuchtelnden Männer ohne Hose, die auf Eure Mutter losgehen?“
Da hat der GrösstLiebsteSohn gelacht, sich sein veganes Würstel in den Mund geschoben und gesagt :“ Wir…sind damit aufgewachsen. Es gab IMMER Gespräche über so was beim Essen, das eben war noch harmlos!“
Auch eine Form der Abhärtung, grins…
Mit einem freundlichen Lächeln um die Lippen grüsse ich alle.

Schlafen Sie gut, Schwester S.!

Schwester K.

 

Ortsspaziergang, Sonntag , 15.00

Liebe S.,

nach meiner ganzen Auf-Karteikarten-Schreiberei und mich fragen: Warum muss man Theorien erneut theoretisieren und nennt das dann MetaTheorien und warum hab ich das, was ich da lernen soll, nicht schon vorher gewusst? ….Nachdem mir also meine Amygdala signalisiert hat: Aufhören, sonst drehst du durch, hab ich einen kleinen Ortsspaziergang gemacht.
Es wird Frühling! Die Häuser im Ort wirken so offen, manche Fenster waren geöffnet und Stimmen drangen heraus. Über einem Gartenzaun hing ein sehr verranzter Badezimmervorleger zum Lüften.
Auf dem Sportplatz an der Schule hatten Jungs ein Musikgerät aufgestellt, die Musik vibrierte zwischen den Mauern und die Jungs spielten Fussball und lachten.
Am Parkplatz an der Kirche standen mehrere Lieferwagen, sie waren geöffnet und Männer trugen Kartons und Kisten hin und her, mit Elektrokabeln und Decken. Da bin ich schnell weiter gegangen, ich habe auch ihre Sprache nicht verstanden und fand es ein bisschen merkwürdig was sie da taten, diese Männer.
Ich hab die Häuser angeschaut, und ich frage mich manchmal, was für Menschen wohnen dort drin? In diesen hübschen Einfamilienhäusern mit dem neuen Holzzäunen davor und den Überwachungskameras an der Haustür.
Der Dorfteich war noch zugefroren und von Warnschildern umstellt und abgeklebt. dsc_1048
Am Zigarettenautomaten vor der Dorfwirtschaft stand ein verzweifeltes älteres Pärchen und versuchte, eine Schachtel Glimmstängel zu bekommen.Der Automat akzeptierte ihren Ausweis nicht und ignorierte seinen 5-Euro-Schein.Ich frage mich, was tun sie jetzt? Fahren sie vor lauter Verzweiflung mit dem Auto zur 5 km entfernten Tankstelle oder essen sie stattdessen nach einem ausgiebigen Spaziergang Schokolade?
Egal, ich hab Weidenkätzchen entdeckt und Knospen, die sicher bald aufblühen.siehe Beitragsbild.

Als ich zu Hause war, hatte ich eine Email von dir im Postfach , und die lese ich jetzt und dann verschwende ich keinen Gedanken mehr an Pflegekonzepte, Assessements, EvidenceBasedNursing, Florence Nightingale und Oberschwester Irmgard mit ihrem RotkreuzOrden auf dem mächtigen Busen.Die hätte uns das damals doch schon alles beibringen können! Dann täte ich mich jetzt nicht so schwer damit! Grins!
Bussi and Byebye….

Kat.

Ethik-Lernen

Liebe S.,

ich habe gestern auch einen schönen Sonntagsspaziergang gemacht, und stiess dabei wieder auf dieses wunderbare Marterl am Wegesrand.

In der Schule ging es heute überwiegend um Ethik, und ich dachte, wenn ich das alles schon früher gewusst hätte, wäre mir während der Jahre auf Intensivstation vieles weniger schwer gefallen. Was die Frage: „Was tun wir hier, warum machen wir das?“ angeht.

Es gibt ein Fragemodell, medizinische Behandlungen, die fragwürdig scheinen, zu hinterfragen. Dieses Prinzipien sind:
Autonomie des Patienten (hat er das so gewollt, was war/ist seine Einstellung)
Nicht Schaden
Wohltun
Gerechtigkeit(gegenüber dem Patienten, der Familie, der Gesellschaft)

Du weisst wie sehr ich oft mit manchen Situationen dort gehadert habe.

Wenn mir damals klar gewesen wäre, wie ich das hinterfragen kann, (denn manchmal spielt tatsächlich die Autonomie des Patienten  und die Gerechtigkeit eine grosse Rolle, damit ist der kulturelle und der familiäre Hintergrund gemeint, )dann wäre mir manche Traurigkeit weniger schwer gewesen. Oder ich hätte anders auftreten können gegenüber den am Leben und der Medizin sich festklammernden Medizinern.
Und nur weil wir als Pflegepersonen das Leiden so entsetzlich finden, heisst es nicht, das das vielleicht DOCH im Sinne des Patienten ist. Wir sind keine Richter und Entscheider.

Aber nun…. Frau lernt nie aus, und ich bin froh, dass ich das jetzt so kapiere, und ich werde es ja weiterhin anwenden können.dsc_1042

Und morgen steige ich wieder in die Katakomben hinab, und mache bei Gelegenheit eine Fortsetzung meines Pflegekrimis, hihi, Material gibt es ja genug  😉
Einen schönen Tag morgen!

Kat.

 

KatakombenKrimi

Liebe S.,
Es gehören auch gewünschte Begegnungen zum Leben, ausgedachte, phantasierte…so wie die  von Hilde.Aus Hilde, der Begegnung im Tierpark, wurde dann ein kleine Geschichte.

Ich habe jetzt wieder eine Geschichte gefunden:
Wenn Krankenhäuser erweitert und modernisiert werden, dann bleiben alte Gebäude übrig. Manchmal dauert es Jahre, bis diese Gebäude saniert und umgebaut werden, und einer neuen Verwendung zugeführt werden. Ich bin letzte Woche in so einem Alten Gebäude unterwegs gewesen. Oben im Erdgeschoss ist alles saniert und schön hergerichtet, da befinden sich Büroräume und Unterrichtszimmer, aber unten im Keller, in den zugigen Katakomben, da weht der Geist der Alten Klinik. Die Wände sind gekachelt mit eierschalenfarbenen Glanzfliesen, manche sind abgeschlagen, von den nicht gekachtelten Wänden blättert der Putz. Die Gänge sind lang und es hallt beim Gehen. An den Seiten führen Flure in andere kaltgekachtelte Räume und Gänge. Ein Waschbecken an der Wand zeugt von der Zeit der niedrigen Bedürfnisse. Durch die Flure weht der Geist derer , die vor Jahrzehnten hier litten,  oder nicht mehr hinauskonnten.

In einem dieser Räume traf ich auf Jagna und Rosa.  Beide sind Krankenschwestern und Krimiliebhaberinnen.
Manchmal denken sie, sie wären besser Pathologinnen geworden, sie lieben es, den menschlichen Körper zu untersuchen und den Gründen des Verfalls auf die Schliche zu kommen.
Und diese Leidenschaft haben sie sich zum Hobbie gemacht. Sie haben einen dieser gekachelten Räume angemietet  und sich aus dem Fundus der aufgelassenen Frauenklinik 2 Bahren entlehnt. Auch einen alten Operationstisch sowie einige chirurgische Werkzeuge haben sie dort untergebracht. Penibel halten sie diese sauber, denn auch eine Pathologin muss korrekt arbeiten. Rosas Mann ist Beerdigungsunternehmer. Sie sprechen viel darüber, dass manche Menschen versterben, ohne das man weiss warum. Und bei besonders fragwürdigen Sterbefällen haben es sich Rosa und Jagna zur Aufgabe gemacht, der Ursache auf den Grund zu gehen. Rosas Mann fährt die Verstorbenen auf dem Weg in Leichenhalle für 3 Tage bei Rosa und Jagna vorbei, und sie können ihrem Hobbie frönen.

Neulich erlitt z.B. eine alte Frau, die in einem alten Haus mit ihrer Tochter lebte, eine akuten Atemstillstand. Sie wurde notfallmässig in die Klinik eingeliefert, leider verstarb sie kurz nach der Einlieferung auf Jagnas Station. Dem Sohn der Frau kam das komisch vor, und als er ihre Habseligkeiten bei Jagna abholte, äusserte er diese Zweifel: „Sie war gestern noch so fit, sie hatte seit 2 Wochen ein Schmerzpflaster kleben, das meine Schwester turnusmässig wechselte, und konnte seitdem wieder den Garten umgraben, die Hecke schneiden und Walken gehen. Warum nur verstarb sie dann so plötzlich? Gut, sie war 98, aber doch noch so rüstig! “
Jagna witterte eine Möglichkeit, ihrem pathologischem Hobbie nachzugehen, und informierte Rosa, die ihren Mann informierte, und wenige Stunden später lag der Leichnam der alten Frau auf Rosas und Jagnas Seziertisch.
Rosa zog mit einem lauten Schnalzen die grünen Gummihandschuhe an: „So, jetzt wollen wir mal!“
Die Stimme von Rosa hallte in den leeren Räumen, und Jagna griff nach einem Skalpell. „Halt,“, sagte Rosa, „lass uns erst die Haut untersuchen, vielleicht müssen wir gar nicht schneiden“. Sie betrachteten die rechte Schulter der Toten, auf der das mit opiatgetränkte Schmerzpflaster klebte. Nachdenklich betrachtete Rosa die Hautumgebung, die sehr sehr gerötet war. „Hm,“ sagte sie, „mir scheint, als hätte die Rötung die Form eines grossen Schmetterlings, woran erinnert mich das nur?“Beide Frauen gingen in ihren grünen Gummikitteln mit quietschenden Schritten um den Leichnam. „HA!“ brüllte Jagna plötzlich laut. „HOHOHOHO!“

Klirrend fiel im Flur eine Fliese von der Wand.

„Das ist eine Wärmeflasche! Jemand hat ihr eine Wärmeflasche auf das Pflaster gelegt! Und die muss sehr heiss gewesen sein, denn sonst hätte sie nicht diese Verbrennungen ersten Grades!“
„Ja!“ jubilierte Rosa und die Geister der LängstVerblichenen klaschten Beifall. „Durch die Wärme wurde eine Unmenge Opiat freigesetzt und hat sie quasi in einen todbringenden Rausch versetzt!“
„Der zu einer Atemlähmung führte“ergänzte Jagna.
HighFive klatschten sie, und waren ein bisschen enttäuscht, dass sie keine richtig blutige Sezierung vornehmen mussten.
Das nächste mal aber richtig, haben sie sich vorgenommen. Bin gespannt, wann das ist !

Schönen Abend und träum nachher süss von alten Krankenhäusern in denen die strengen Oberschwestern für Ordnung sorgten und man noch nichts wusste von Copingstrategien und Resilienzverhalten, sondern sich gut auskannte mit GMV. (Gesunder Menschenverstand)

Grüsse Kat.

You made me smile :)

Liebe liebe S.,

so ein Quokka, das wäre schön, wenn mir so einer auf meinem Tisch gegenüber sitzen würde, und mich immer so angrinsen würde.

Heute ist die 2. Schulwoche um.(Fachweiterbildung Onkologie)
Am Anfang hab ich noch jeden Abend meine Unterlagen gesichtet, geordnet, auf Karteikarten geschrieben, was ich für „prüfungsrelevant“ hielt.
Am Montag kaufte ich mir grössere Karteikarten, weil ich beschloss, das noch besser zu machen, noch ordentlicher. Das tat ich bis Mittwoch. Gestern, am Donnerstag ,dachte ich. das mach ich morgen, den Stoff von heute aufzusortieren. Heute dachte ich, ach, Sonntag geht das auch noch!
So schnell schleicht sich der Schlendrian ein!
Aber ich bin so platt von allem, ich kann heute echt nichts mehr tun. Den ganzen Tag habe ich wichtige Dinge über Schmerz gehört, mit einem Affentempo haben die Referenten ihre Vorträge gehalten, vieles ist mir bekannt gewesen, einiges klarer geworden, aber jetzt brummt es in meinem Hirn.

Und ich kann beim besten Willen NICHTS mehr in meine grünen Ordner sortieren. Grüne Ordner für die Fachweiterbildung hab ich besorgt, grün beruhigt und verspricht Erfolg!

Lernen ist immer noch schön, interessant und spannend.Warum habe ich nicht schon früher so etwas gemacht?
Ich habe eine Kollegin, mit der ich so viel lachen muss, und auch die anderen FWB-Teilnehmer sind besonders. Jedenfalls die von der Onkologie, grins, denn die von Intensiv/Anästhesie, die kenn ich ja kaum. Manchmal haben wir Unterrichtsstunden gemeinsam, manchmal nicht, und ausserdem wirken die IntensivLeute soviel ernsthafter als wir.
Oder gewissenhafter, aber ich finde, lachen muss sein. Oder? Was meinst du?
Ich musste jedenfalls sehr lachen, als ich dieses KissenBettenchaos(siehe Beitragsbild) in einem Flur der Pflegeakademie entdeckte, ich dachte:Das ist ein Sinnbild für den Deutschen Pflegenotstand!
So, ich lege mich jetzt in mein gemütlicheres Bett, gute Nacht!

Kat.

Schutzpatrone

Liebe K.

der offiziell beauftragte Schutzpatron des Pflegepersonals soll ein Kamillus von Lellis sein.. schon mal gehört ? Ich nicht.. für mich war und ist es immer du gute alte Florence Nightingale..

Aber heute werde ich auch Kamillus bitten mir (unbekannter Weise) über den Arbeitstag zu helfen.. und auch Maria wird gebraucht… ich hoffe sie hat Zeit..

Denn heute wird es ernst.. schlimmer geht ja bekanntlich immer.. aber heute arbeiten wir zu 4.   Zwei vom Stammpersonal und 2 Mal Zeitarbeit… weil sooo viele krank sind. Eigentlich müssen wir 5 vom Stammpersonal sein und eine Hilfe, zB. ein Praktikant oder so.. da wird was auf uns zukommen heute…

wohl ist mir dabei nich heute..

S.

Aufs und Abs

Liebe K.

ach das ist schön, was du dazu geschrieben hast.. und ich bin immer wieder froh, dass wir auch so unterschiedlich sind..du weisst ja think positiv geht mir persönlich schnell auf den Keks.. ich bin so.. mein Charakter lässt das immer noch nicht anders zu 🙂

Und doch ist es gut es zu lesen.. auch, dass man das Augenmerk auf das lenken kann und soll was denn gut ist.. mich stört mein eigenes Gegrummel ja nicht… lach.. ich kann damit gut leben, etwas richtig doll total megabeschissenultrakacke zu finden.. mit ohne auch nur einem Fünkchen positiv..aber es ist gut die Wahl zu haben.. insofern.. werd ich mal probieren , das Augenmerk mal aufs Hellere zu lenken. Danke.

Bei uns bei der Arbeit ist das auch erst seit ein paar Jahren so.. be… im Frühdienst kommt es auch vor, dass wir zusammen Pause machen können… auch nicht immer.. aber es kommt vor.. im Spätdienst seltener, aber es kommt vor.. das muss man so sagen..vielleicht habe ich ja gar keine Lust mehr zu arbeiten… oder bei dem Arbeitgeber…dieses Rechtfertigen nervt, dass sich nichts ändert und —daily hassle— all die kleinen Dinge die nerven und an einem nagen und nicht ändern.

Take it or leave it ?  Ach ja.. leicht gesagt.. die Kollegen sind nett.. wir können auch viel zusammen lachen.. und das macht es erträglich.. und arbeiten um Geld zu verdienen..das muss ich auch.

Keine Ahnung.. vielleicht liegt das Problem ja ganz woanders.. das ich mir z.B. „alles und eine Tomate“ wünsche..

Ruhigen Nachtdienst, vielleicht kannst du ja bei dir den Vollmond sehen.. hier ist es heute leider alles bedeckt.

Deine S.

Wege

Oh man, liebe S.,

gestern ging also mein 2. Block vom Kurs (fast hätte ich Blog geschrieben, haha) , vorbei, und ich war platt am Abend.
Palliativversorgung ist absolut nicht nur Händchen halten am Lebensende mit Aromalampenduftöl „ich mach mich gleich aus dem Staub“, oh nein! -Es gibt tatsächlich Duftölmischungen, die heissen „Abschied“, oder „Entspannt gehen“, aber was ist, wenn es dem, der es riechen soll, überhaupt nicht gefällt? Wenn er an Lavendel schlechte Erinnerungen hat, weil seine Oma ihn als Kind in den Schrank gesperrt hat, in dem Lavendelsäckchen hingen?
Grausige Vorstellung.-
Ja, im Kurs lernte ich Schmerztherapie, Wundversorgung, Onkologie und die Nebenwirkungen der Therapien, und was man lindern kann und wie, uff…und immer wieder vor Augen, das es ein Gewinn ist, wenn wir 5 oder 10 Jahre lebenswert leben können, mit der Krankheit.Das klingt so kurz!

Der Onkologe hat was Gutes gesagt. Krieg ich es noch hin?…..Tumorerkrankungen müssen raus aus der „oh, nein, Hilfe, jetzt stirbt der oder die bald-Ecke“, Tumorerkrankungen müssen sozusagen gesellschaftlich anerkannt werden, denn mittlerweile sind die Therapieformen so, dass oft eine Heilung, aber zumindest eine lange Lebensverlägerung in einer gut-lebbaren Form möglich ist.
Und was ich da ganz besonders raus gehört habe, war , dass die Einstellung des Erkrankten, wenn er so optimistisch wie möglich, so zuversichtlich wie möglich mit der Erkrankung umgeht, ganz viel zur Genesung und guten Lebbarkeit mit seiner Krankheit beiträgt. Wobei sicher auch das soziale Umfeld, das familiäre Eingebettetsein eine grosse Rolle spielt. ( Da denke ich jetzt an sweetkoffiesBlog.)

Soviele Faktoren, soviele seelische Wichtigkeiten! Nicht nur Medizin!
Ich bin immer noch so motiviert, dass ich das auch bei uns auf Intensivstation anwenden kann, in gewisser Weise. Es gab gestern einen interessanten Tipp, für unruhige Patienten: Benzoe, also Styrax und Mandarine auf Teppichgleiter tropfen und ans Bett pappen. Das beruhigt, sagen sie. Also, liebe Kollegen, die ihr das lest, wenn ihr also in Zukunft Teppichgleiter an Betten findet, dann war das ein Versuch, weniger Sedativum zu verwenden, um auch Kosten zu sparen. Das war dann ich! Haha, nein zu solch unkonventionellen Methoden greift man nicht in Deutschen Krankenhäusern. Es gibt schliesslich Standards!
Jawoll! Standards, die mit Herz und Hirn umgesetzt werden müssen. Herz sollte gewinnen!                          ❤ ❤ ❤ ❤ ❤ ❤ ❤
Liebe Samstagsabendgrüsse
Kat.

 

Das innere Kind überlegt noch :-)

Hallo liebe K.,

so ein schönes Magnolienbild.. Ich liebe Magnolien !!! Heute muss ich erstmal den Teddy hier zeigen, den ich meinem inneren Kind gekauft habe.Ohne Rumbetteln, erklären, wünschen, bitten… 1000 Mal.. einfach ins Geschäft gehen, aussuchen , kaufen. 7.90€.Und das hat den Teil in mir, den man auch inneres Kind nennt, sehr gefreut. So einfach ..Ich hatte nämlich nie einen Teddy…

Dein Palli Kurs scheint wie gemacht für dich! Schön, dass so mitzuerleben.. dass das gut für dich( und auch für die Kranken, Sterbenden und auch Lebenden) ist.

Ich kann mich auch noch gut an meinen ersten Toten erinnern… auch in der Ausbildung.. im 1. Einsatz auf Station.. das war damals so.. abschieben ins Bad, wenn es kein Einzelzimmer gab. Verstorbene noch ne zeitlang ins Arztbüro schieben, bis sie dann abgholt wurden. Die Station auf der ich zuerst war, war immer ! überbelegt… immer 4 Patienten im 3 Bett Zimmer… arg… wir hatten doch dieses Aufgabenheft oder wie das hiess… erinnerst du dich ?.. 1. 2. 3. Ausbildungsjahr.. auf diesen Zetteln stand drauf was wir zu lernen hatten und die mussten uns das so beibringen auf Station und abhaken mit Unterschrift. Meine Zuständige war sehr ehrgeizig… ich habe im 1. Einsatz ganz viel gelernt.. heftig… eines abends kam sie zu mir, als ich mal wieder alle Uringläser einsammeln musste zum Sticksen auf Glucose ( gefühlte 1000!) und holte mich da weg.. im Arztzimmer war es dunkel.. nur die Schreibtischlampe brannte.. so S. ich zeige dir jetzt wie man subcutan spritzt.. o.k. kam mir alles ziemlich spuky vor… dem Patienten hier brauchst du das nicht erklären… der schläft ganz tief… tja.. was soll ich sagen.. das Bein war seeeehr kalt…natürlich war ich erschrocken und vermutete, dass das ein verstorbener Patient war.. total überrumpelt…

Später am Abend bin ich zu den Schwestern gegangen die Abendbrot machten, während ich diese Uringläser einsammelte… und habe gefragt.. war das eine Leiche ? Gelächter.. klar, was denkst du denn ? Ich habe mich sehr geschämt und gefragt.. ist der noch da ?

Ja…. wieso ? Weil ich mich jetzt dafür entschuldigen muss bei ihm. Oh liebe K. ich habe geweint vor Wut und Scham und habe mich bei dem Toten entschuldigt. Diese Schwestern haben dann nicht mehr gelacht.. und mich mehrheitlich in Ruhe gelassen.. und ich war froh, als ich von der Station weg war.

Ist heute das Sterben im Krankenhaus würdiger ? Bei uns im Krankenhaus auf der schönen Palliativ Station sicher… helle Zimmer.. sehr sehr schöne Wandbemalungen…

In der Notaufnahme ist es auch nicht würdig… gar nicht machbar.. Einzelzimmer ja… immerhin… aber sonst… machen wir bestmöglich.. und hoffen immer für alle Beteiligten,dass so jemand schnell auf die Station verlegt werden kann..

Krasser Schnitt…:

kein lustiges Buch gefunden bis jetzt.. den Ove kenn ich schon… n bisschen zu grumpy ist mir der Gute…

Ma gucken..vielleicht gibts hier ja noch n Tipp ?

Einen guten Tag dir ! Und den Leserinnen und Lesern

S.