Maria Knotenlöserin

Liebe S.,
diese Maria Knotenlöserin ist wohl eine spezielle Augsburger Mariengestalt.
Ich mach mir ja immer meine ganz  eigenen Gedanken zu diesen Heiligen SymbolFiguren, und bei Maria Knotenlöserin dachte ich beim ersten mal hören: Die löst diese Knoten auf, die wir in uns haben, denn in jedem von uns stecken Knoten, in der Seele oder in den Muskeln, oder im Herzen. (Wer  genaues wissen will, kann hier nachlesen).
Ich hab übrigens wieder etwas Neues über dich erfahren. Mit katholisch und so, das ist fein!
Mir ging es nämlich ähnlich, mit diesem evangelischen Glauben, dem ich auch angehöre, ich dachte früher, die Katholen, die haben es besser, die haben erst mal einige Feiertage mehr, und ausserdem haben sie die Maria in ihrem blauen Mantel und mit ihrer Umarmung.
Als ich dann in Bayern lebte und meine Kinder katholisch getauft wurden, bin ich zwangsläufig in die katholischen Gottesdienste gegangen, und ich sag dir, ich fühlte mich dort geborgen. Es gab diese Rituale, es gab diese Verse, die man spricht, es gab das wunderbare Osterfeuer, es gab die Speisenweihe an Ostern,… Später erst bemerkte ich, dass es hauptsächlich am Pfarrer lag, dass die Gemeinde, in der meine Kinder gross wurden, so aufgeschlossen und nach vorne gerichtet war. Nachdem ich nämlich umgezogen war, fand ich nie wieder diesen Anschluss an eine solche Gemeinde. Wenn meine evangelischen Eltern kamen, um bei Taufe oder Kommunion dabei zu sein, sagte meine Mutter immer, ich sei katholischer als der Papst, weil ich immer so voller Eifer und tiefem Glauben dabei war.

Wo ist der jetzt, mein Glauben? Vielleicht gibt es für Glauben und Religion eine Zeit im Leben und dann sucht man wieder was anderes? Oder findet es? Mir hat der Pfarrer damals sehr geholfen, in meiner schwärzesten Zeit, der , als ich zu ihm kam, mir zuhörte,  mich fragte, ob ich ein Ritual wolle, dieses Ritual ausführte, und mich getröstet entliess. Das kann Religion, das kann Glaube. Es ist sicher die Frage, ob wir Kirche oder Priester dazu brauchen, oder ob wir das auch aus uns  heraus schaffen, Rituale zu finden, die uns stärken und trösten.
Ich bin immer noch auf der Suche. Ich habe meine Göttinenbilder um mich herum aufgehängt, ich hab ein winzig kleines Triptichon vor mir stehen, ich bin vieles , ich glaube an vieles und manchmal an nichts.Ich höre in den Raunächten Wotans  Wilde Horden durch die Nacht reiten und fühle mich zu Hause. Ich gehe in die Krypta des Augsburger Domes und fühle mich geborgen. Ich schaue in den Himmel oder umarme Bäume und fühle mich dem Sein so nahe.
Das ist meine ganz eigene persönliche Freiheit des Glaubens.
Das ist mein Privileg. Dafür bin ich dankbar.

Schlaf gut mit Marias Segen. Umarmung. Kat.

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Alltagsfreuden/Altersfreuden- versöhnt mit der Fremde

Liebe S., Du gehst einen Tanzkurs machen? Toll!

Tanzen war ich gestern auch.Ich schrieb es bereits, Arabischer Tanz trifft Bayrisches Schuhplattln.

Es war toll, ich hab erkannt, im Grunde sind Volkstänze sich sehr ähnlich:
einfache Schritte und gemeinsames Tanzen.
Manchmal tanzen die Männer  gemeinsam , manchmal die Frauen gemeinsam, und manchmal alle zusammen.
Es waren viele Leute da, arabische Familien mit ihren Kindern, deutsche Ehepaare,fröhliche Studenten, junge Leute,die ihre Heimat im Arabischen Halbmond haben (hab ich auch gestern gelernt, das ist Syrien, der Libanon, Palästina), ältere Frauen (ooohh, bin ich böse ,wenn die mich an die Figur der Heike Broscher in „Willkommen bei den Hartmanns erinnert haben?).
Egal, es war ein wunderbarer Abend, und die Tanzvorführungen waren super. Und dann mussten wir alle selber tanzen. Ein Bayrischer Volkstanzlehrer hat vorgemacht und wir mussten mittanzen.

Früher waren für mich diese Brauchttumstänze immer so patriotisch, so muffig, ich hab das in einem der Heimatbeiträge bereits geschrieben.
Aber gestern hat es gepasst. Der Tanzlehrer war nicht muffig, sondern fröhlich, aufgeschlossen, lebendig. Die Musikanten hatten Spass daran, ihre „Musi zu spuin“.Nix „oans zwoa gsuffa“, sondern „eins zwei drei holladirei holladiho holladihei..“.oder so, das mussten wir beim Tanzen singen.
Zwischendrin tanzten wir Dabke, wir fassten uns an die Hände, standen im Kreis und dann bewegten wir die Füsse nach einer bestimmten Art, aber das war schwierig, denn die Schritte sind ein bisschen kompliziert, also gingen wir im Takt der Musik miteinander im Rund. Die , die Dabke tanzen können, gingen in den Kreis und wirbelten ihre Füsse, sie juchzten, fast wie die Bayern,die jodeln beim Tanzen, und schwangen und wurden schneller und …Schön war es!

Ich hätte an diesem Abend gerne mein Dirndl getragen(ich passe aber nicht mehr rein, seufz, das Alter- in dem Fall keine Freude).

Ich bin versöhnt mit dem Bayrischen, hab ich gemerkt. Ich konnte mich da reinfühlen, ich war da drin. Ich war nicht mehr fremd.Vielleicht weil da andere Fremde auch dabei waren? Und wenn alle fremd sind, auch die Einheimischen, ist man sich dann nicht mehr fremd? Gehört man dann dazu, dahin,…?
Wo meine Gedanken beim Schreiben hinkommen, interessant…

Ja, das ist meine heutige AlltagAltersfreude: Ich bin versöhnt. Lang hats gedauert, aber gestern war es so. Ich war nicht mehr fremd. Hier in Bayern. Nach 30 Jahren.
Zeit wirds!

Grüsse in den Norden!

Kat.

 

Heimat?Heimat!

Ja, meine liebe liebe Freundin S.,
dieses unser Thema hat mich echt beflügelt, nachdenklich gemacht, wehmütig gemacht,…hach!
Meine Heimat, (und auch ich hab mehrmals meinen Wohnort gewechselt, und das war gut für mich und öffnete meinen Blick und machte mich lebendiger), meine Heimat ist im Moment hier.  Wo Menschen sind, die mir was bedeuten.Wo die Luft klar ist und ich die Wege kenne.
Und das ist nicht nur hier, das ist überall dort, wo ich jemals war und wo ich mich geborgen gefühlt habe.
Das ist der Dom in Ratzeburg,der Ratzeburger See,  das ist die kleine Strasse in Plau, in der meine Grosseltern gewohnt haben und das Häuschen,in dem meine Tante Waffeln buk für mich, das ist das laute Viertel in München, in dem meine Kinder aufgewachsen sind, das ist die Kirchengemeinde in München, in der ich so geborgen war , das ist der Wald vor meiner Tür, das ist mein Garten, das sind meine Freunde, auf die ich zählen kann(gell?), das sind meine Schwestern, meine Mutter….und das sind meine Kinder und das ist der Mann an meiner Seite und das ist mein  Sofa, das in verschiedenen Wohnungen stand, an das sich meine Erinnerungen knüpfen, das ist – ja…
Heimat sind  Erinnerungen, oder?
Und Liebe. Heimat ist auch Liebe. Da wo ich geliebt werde, bin ich daheim.
Dahoam.

To huus.

Und Schluss.

Kat.

X.“wahre“ Heimat

Tschja.. liebe Freundin..

Hafengeburtstag.. Schlepperballett.. neben den pensionierten Lotsen stehen.. da wo sie schon immer und seit allen Zeiten stehen..

und neben mir steht einer mit klischeemässiger Stinkezigarre… und die Sonne scheint so schön im Abendrot im Mai.. und der neben mir sagt : “ oh neohneone… .. ne watt is datt scheun“.. und die Schlepper schaukeln im Takt einer Walzermelodie.. das ist für mich“mein“  Hamburch.. näh… schon immer und 3 Tage.. ein paar Tränchen gehören dazu.. das Herz geht auf.. Tor zur weiten Welt und so.. und hier bei uns im Hafen tanzen die scheinbar schwerfälligen, Elefanten genannten Schlepper und drehen sich und schaukeln, dass der Hafen kocht..

und wenn dann einen Tag später die Wilhelmine den Auszug der Schiffe aus dem Hafen begleitet… wenn sie und nur wenn sie vorranschwimmt .. dann ist es das schönste vonne weite Wält ;in dem Moment.❤️

Und irgendwann meine liebe Freundin… irgendwann werd ich  auch mal ne Karte ergattern und dann bin ich dabei.. auf meiner Wilhelmine im Hafen beim Hafengeburtstag.

Und mehr Heimat geht dann nicht mehr.. sonst platze ich.

Bussi deine S.

Heimat VII HEIMAT?DA WAR ICH NOCH NIE!

Oh, liebe S.,
das kenn ich auch, das man einen Ort findet, den man meint zu kennen. Ich hatte das in der Bretagne, irgendwie das Gefühl, da gehöre ich hin, da komm ich her. Vielleicht bisschen esoterisch gedacht, aber egal. Auf alle Fälle war es ein gutes Gefühl.
Vor 2 Jahren war das Thema des Augsburger Friedensfestes :
HEIMAT?DA WAR ICH NOCH NIE! Das waren Worte, die mich fast immer zu Tränen gerührt haben, wenn ich eins dieser Plakate gesehen habe. Da schwingt soviel Sehnsucht mit. Und gleichzeitig denke ich dabei an dieses Festhalten der Heimat, ich denke an diese Vereine, in denen man Brauchtum pflegt, ich denke an die grossen VertriebenenTreffen, der Sudetendeutschen, der Banater Schwaben, Menschen die auf Grund von Krieg und Vertreibung ihre Heimat verloren haben.

(Im übrigen fand ich eine Zeitlang diese Treffen furchtbar, dieses Traditionsgetümel, dieses Beharren auf  Althergebrachtem. Spiessig fand ich es, ich dachte: Ey Leute, es gibt noch andere schöne Orte auf der Welt, seid doch mal flexibel!)

Und haben  wir, die Nachkommen der Vertriebenen, heute Verständnis für all die Menschen, die weiterhin auf der Flucht sind?  Sind wir uns bewusst, das wir selber zum Grossteil Vertriebene , Geflüchtete sind?

Die Familie meiner Mutter kommt aus Polen, Pommern, irgendwo von da.
Mein Vater verliess seine Heimat, Mecklenburg, nach dem Krieg. Er flüchtete. Er konnte seine Eltern und Geschwister eine lange Zeit nicht sehen.
Ich hab diesen seinen Schmerz als Kind sehr gespürt. Heimat, da war ich noch nie, vielleicht hat mich das deshalb so berührt.

Bei uns in Ratzeburg gab es die Mecklenburger Treffen. Dort trafen sich in den 70er Jahren  die Mecklenburger, die ihre Heimat verlassen mussten, es gab eine Gulaschkanone, auf dem Domberg, da hab ich mir weiss Gott was drunter vorgestellt.(Da drin war nie Gulasch, immer Erbsensuppe. Knallt und knattert und raucht ja auch hinterher.)
Ein Rotkreuz Auto fuhr durch die Stadt und suchte per Lautsprecher „Quartiere“, ich verstand „wilde Tiere“ und bin aufgeregt zu meinem Vater gelaufen und hab gerufen,:“Papa, die suchen wilde Tiere!“
Dann gingen wir nachmittags auf diese Treffen , und mein Vater traf dort Menschen, die er kannte.Schulkameraden, alte Freunde, Ruderkameraden. Früher dachte ich, das seien Leute aus seiner Heimatstadt, die herreisen durften, erst später begriff ich, das auch diese Menschen hier im Westen lebten, und den Osten, ihre Heimat , nicht besuchen durften.
Manchmal gingen wir feierlich nach Mecklenburg, mein Vater und ich. Denn der Domberg des Ratzeburger Domes gehört zu Mecklenburg, und es gibt einen Grenzstein. Wir haben uns ganz ernst auf die Ratzeburger Seite gestellt, mein Vater nahm meine Hand, und dann taten wir einen Schritt und waren in Mecklenburg.
In seiner Heimat.
Heimat? Da war ich doch schon!

Kat.

Heimat V.

Hallo, liebe S.,
über die Creme in der blauen Dose hab ich gelernt, dass man die bloss nicht in der Pflege verwenden soll, weil sie zu viel Wasser enthält und man sich womöglich im Winter die Hände damit erfriert. So sprach einst SchulSchwester B. zu uns. Und verbannte die blaue Dose vom Nachtkästchen. Grins.
Tja, weiter gehts mit Heimat. Ich denk viel über unser Thema nach-es ist interessant und führt mich auch ein bisschen zu mir selber.

Kleidung ist auch Heimat. Ich denke da ganz besonders an die Dirndl, die im süddeutschen Raum getragen werden.
Vor 20 Jahren wollte mir die Schwiegerfamilie eine Freude bereiten, und die UrOma nähte ein Dirndl für mich. Es ist wunderschön, ich habe den Stoff aussuchen dürfen und die Knöpfe, die Uroma nähte gemeinsam mit meiner Schwiegermutter das Dirndl auf ihrer alten Tretnähmaschine-es ist etwas ganz besonderes. Allerdings als es fertig war, und ich es anziehen wollte, fühlte es sich komisch an.Es gehörte nicht zu mir, oder ich gehörte da nicht rein. Wenn ich drinsteckte, war ich nicht ich. Ich war fremd.
Ich vermute, ich gehöre in Gummistiefel und den gelben Ostfriesennnerz, weil ich im Grunde meines Herzens den Stürmen trotze-ein liebliches Dirndl passt nicht zu mir.
Diese Trachten, wozu ein Dirndl ja gehört, zeigen anderen Menschen aus anderen Orten: da komm ich her, da gehör ich hin, da wo man sowas trägt.
In München , zu Beginn des Okroberfestes, gibt es den bekannten Trachtenumzug. Da zeigt jeder,voller stolz, welchem Trachtenverein er angehört.

Ich weiss, das es in Schlweswig-Holstein oder in Mecklenburg auch Trachten gibt, aber so offen getragen wurden die nie.Oder? Ich hab das zumindest nie so bewusst wahrgenommen.

Auch in anderen Ländern gibt es Kleidung die zur Heimat gehört.
Ganz besonders beeindruckt hat mich im Januar der Besuch im Dar Zahran Heritage Building in Ramallah. Ich dachte immer, im Nahen Osten ist es gang und gäbe, verschleiert zu sein, und die Männer tragen diese karierten Tücher. (klingt bisschen einfach jetzt, aber ich hatte mir nie Gedanken gemacht, ob es auch dort eine Art Tracht gibt).
Dar Zahran hat aus einem Haus, in dem seine Familie lebte, ein Museum gemacht, in dem er die Kultur und die Lebensweise der Menschen in der Westbank , bevor sie die Westbank wurde, dokumentiert. Es ist sozusagen ein HeimatMuseum.549209_278688845597148_381345869_n

Und dieses Bild hab ich mir jetzt von seiner Seite ausgeliehen, denn ich war beeindruckt von der Art und Weise , wie die Frauen auf den Fotos ihre Landestracht tragen.(Bisschen Werbung mach ich jetzt auch, also sollte mal jemand nach Ramallah kommen, unbedingt in dieses Museum gehen! Es gibt ein Tässchen KardamonKaffee, man setzt sich auf das Sofa und plaudert mit Dar Zahran, der bereitwillig und voller Begeisterung alles erklärt).

Vielleicht macht Tracht tragen auch stolz, denn es gibt ja auch Fotos von anderen Menschen in ihrer Heimattracht, die stolz und hocherhobenen Hauptes in die Kameras geschaut haben. Vielleicht aber auch wegen des Kopfputzes, der zwangsläufig dazu gehört? Wenn Frau da den Kopf senkt, fällt der Kopfputz runter.

Aropos Kopfputz: Der Bayrische Mann trägt auf seinem Hut so ein Puschel, ist das ein Gamsbart? Je grösser desto…., genauso wie der Scharivari,220px-charivari_bavaria_late_20-century das ist so ein Gürtel, den sie um die Lederhose tragen, je voller , desto….Direkt vorm Latz.
Hm,….hat Tracht tragen was mit Macht haben zu tun?
Mit Reviermarkieren?
Uuuuhh, jetzt muss ich aufhören, sonst hab ich komische Halluzinationen Assoziationen.

Liebe Grüsse , ich glaub als Kopfputz will ich nen Südwester!

Kat.

 

Heimat III.

Ja, liebe S., bitte bring mir im Dezember ein Franzbrötchen mit! Oder doch lieber ein Krabbenbrötchen? Laut Weight Watchers hat ein Franzbrötchen 12 Punkte! Too much! Egal.

Heimat hat tatsächlich auch viel mit Nahrung zu tun, mit Essen und Trinken. Udo Jürgens liess damals den Griechischen Gastarbeiter heimwehkrank vom Griechischen Wein singen. Die Italienischen Männer, die in den 60er Jahren zum Arbeiten herkamen, fingen an, Pizza zu backen und Eiscafes zu eröffnen, was uns hier Geborene entzückte. Erinnerte es doch dann irgendwann auch an den Urlaub, den wir dort verbrachten, wohin die anderen sich sehnten, weil das deren Heimat war.

Erinnerst du dich? Wir assen serbische Bohnensuppe beim Jugoslawen in I., wo wir unsere Ausbildung machten. Und Cevapcici, und so roten Reis. Die Wirte waren aus Serbien, Kroatien? Es gibt griechische Lokale, und Chinesen und Dönerbuden, und überall dort arbeiten(meistens) Menschen , die ihre Heimat verlassen haben aus verschiedenen Gründen.
Ich schrieb vor einiger Zeit einen Beitrag über ein Bayrisch-Syrisches Abendessen, und auch da ging es um das Essen aus der Heimat. Es ging um Falafel und Hoummus, und Labneh, und in den Gesprächen kam Heimweh durch.
Heimat-verloren.

Wieviele Menschen es gibt, die keine Heimat haben, irgendwie müssen sie doch das kompensieren, diesen Schmerz, denke ich.

Vor einigen Wochen lag ein Buch in meinem Briefkasten. Ich weiss nicht, ob ich es bestellt oder gewonnen habe, oder ob es mir jemand geschenkt hat: ÜBERDENTELLERRANDKOCHEN, heisst es. EINE PRISE HEIMAT.
Im Buch sind Rezepte von Geflüchteten und Deutschen, die gemeinsam kochen. Vielleicht kochen sie Falafel mit Matjes-Tabbouleh, oder Sauerbraten mit Hoummus und Koriander in Bohnen -die Rezepte klingen jedenfalls so, das ich Lust kriege, daraus mal zu kochen. Vielleicht gemeinsam mit jemanden, der seine Heimat woanders hat?
Mein Lieblingsitaliener, dessen Vater auch so ein Heimwehrestaurant hatte damals (das ist doch auch ein Buchtitel, oder? Dinner im Heimwehrestaurant?) , der Italiener mag keinen Koriander, okay, dann machen wir eben italienisches Basilikum an den indischen LinsenDal statt dieses Orientgewürzzeugs. Und die Manouche, die fast eine Pizza ist, nur mit Zata`r gewürzt, kriegt dann eben einen Tomatenbelag.
Das ist dann Crossovercooking, Fusionküche, und das alles gegen das verflixte Heimweh.

Was meinst? Kochen wir dann im Dezember zusammen? Heimatküche sozusagen? Schwienschiet mit Dill? Senfeier? Ha? Da läuft mir das Wasser im Munde zusammen!
Alles Liebe für diesen Sonntag!

Kat.

Heimat I.

Liebe S.,

das nächste mal nimmst du mich aber mit auf deinen extravaganten Liederabend, wie Rita flowermaid gesagt hat! Toll! Vielleicht jodelst du dann selber?

Und jetzt unser nächstes Blogthema, wie besprochen: Heimat. Ein sehr grosses Thema, und da fällt mir viel zu ein.

Heimaterde, Heimatlieder, Heimatdichter, heimatlos, Heimathafen, Heimatliebe, Heimatvertrieben…..

Ich hab im Wörterbuch nachgeschaut, der Franzose sagt: pay d`origine, der Spanier sagt: la patria, der Engländer spricht vom homeland, vom homecountry.Für den arabischen Menschen ist es :Watan

Heimweh fällt mir als Ergänzung  zu Heimat ein.Heisst in anderen Sprachen :Nostalgia, nostalgie, aber Heimweh ist was anderes als Nostalgie.Für mich.

Heimweh nach der Heimat, das ist  Sehnsucht, aber das ist auch Schmerz.
Ich spreche, obwohl seit 30 Jahren in Bayern lebend, immer noch von zu Hause, wenn ich den Norden meine. Damit meine ich Heimat.

Ich finde ehrlich gesagt, den Norden manchmal trist. Die Klinkerhäuser, obwohl sie rot sind, sind sie trübe. Das platte Land, ach ja…..
Die Menschen…wortkarg….seufz….

Aber der Wind! Der weite Himmel! Die Kirchen! Die Buchenwälder! Die Seen! Und die Geschichten! Von Seefahrern, Kaufleuten, Salzbaronen, Bauern , Junkern, Leibeigenen, Klaus Störtebeker, und Rollo dem Wikinger.Moorleichen und Nidamboot,Ratzeburger Ruderclub, der Schaalsee und der Campingplatz dort,  Onkel, Tanten und Cousinen und Cousins, trockener Kuchen, Bier und Schnaps und noch mehr Geschichten. Segelboot fahren mit dem Lieblingscousin. Damals: Die Zonengrenze. Sehnsuchtsvolle Blicke der Älteren, da rüber. Da wo die Heimat war. Heimatvertrieben.

Heimat ist Sprache, das ist das breite Sprechen, in welches ich immer wieder verfalle, wenn ich mit meiner Heimatfamilie spreche. Wenn die Tante am Telefon Geschichten erzählt vom Fischer, der in seinem eigenen See ertrinkt: „Ik vertell di ma watt! Das is  fuuuurchbar!Aber datt is ja schon besser als wenn er in seim eiiichnen Bett tot geht, nä? Is irndwie s-tilvolla!“

Heimat ist gekommen,wenn das  IC Team in Fulda wechselt , während ich mit der Bahn nach Hause fahre, und der Schaffner nicht mehr Grüss Gott sagt, sondern : „Tach! Die Fohrschoine büdde!“dann bin ich zu Hause.Dann gibts Brötchen und keine Semmeln mehr. Der Fuss hört am Knöchel auf und geht nicht bis zum Oberschenkel. Eine Mettwurst ist ne Mettwurst und keine Salami.Und ich sach Ferd(Pferd) und Fahl  (Pfahl)und Schiemsee (Chiemsee) und Schinese (Chinese).Ich hab Kämpfe ausgefochten mit BayernLeuten deswegen, aber ich will mir treu bleiben. Mir und meiner Heimat, meiner Sprache.
Mein GrösstLiebsterSohn hat im Norden studiert, auch, weil, so hat er mal gesagt, er wissen wollte, warum ich so am Norden hänge. .
Er hat es nach 4 Jahren studieren im Norden verstanden. Und sprach breit und sagte: nä? statt gell. Und hatte, als er da weg ging im Sommer,bereits  ein bisschen Heimweh nach dem Norden, glaub ich. Und dann zog er seine Lederhosn an und ging auf die Wiesn.

Liebe Grüsse
Kat. immer noch ein Nordlicht, z. Zt.in Bayern

 

Zu Hause sein

Liebe K.,

nach 2 Wochen housesitting bin ich wieder im eigenen zu Hause. Es war fast wie Urlaub, obwohl ich gearbeitet habe. Nur 10 Min von dort zur Arbeit.

Nun muss ich mich ersteinmal wieder sammeln, oder sortieren wie es so schön heisst.

Bist du gut sortiert ? Hä ? bin ich ein Gemischtwarenhandel ? Nein.. 2 Mal nein.. im Angebot ist derzeit nur Verwirrung.. vielleicht ziehen wir um, denn durch Zufall kam heraus, dass dort in der Nachbarschaft etwas frei wird. Eine Wohnung.. ohne Garten.. aber vor dem Haus ist etwas Fläche.. da könnte man einen Sitzplatz gestalten.. und müsste auch ziemlich renovieren. Dafür wird die Miete nicht erhöht und die Materialkosten werden vom Vermieter übernommen.. U F F.

Schön, dass das deine Mutter an ihrem 80gsten gesagt hat. Weil es auch vor allen anderen war. So offiziell… das ist irgendwie gültiger als „nur“ face to face.  Meine Mutter sagt sowas nur, wenn ich nicht dabei bin..seufz..

So, das reicht erstmal für heute..

herzlichst

deine S.