Ach Luise, das ist ein weites Feld!

Liebe K,

schön zu lesen, dass es deinem Sohn in der WG gut geht und was du da alles erlebt hast. Beim Lesen der Kommentare habe ich gemerkt, dass das scheinbar gar nicht selbstverständlich ist..  Ich habe 15 Jahre verpasst.. vielleicht die , die ich selber in der Schweiz war ? Keine Ahnung… Ich bin mit Kindern aus anderen Ländern aufgewachsen. In meiner Klasse hiessen sie, Ilda-Maria,Panagiotis, Ahmed, Luzia,Lydia und Krystyna usw. Es war immer spannend für mich sie zu Hause zu besuchen.. damals waren es Kinder aus sog. Gastarbeiterfamilien, aber auch Kindern aus   (damals) Jugoslawien und Serbien, deren Eltern dort weg wollten. Aus Kriegsgebieten kam niemand. Ich bin damit aufgewachsen, dass diese Kinder an Schulfesten „fremde“ Speisen mitbrachten und meine Mutter sagte.. „oh pass lieber auf, nicht dass dir das nicht bekommt.. lass mich lieber zuerst probieren“ 🙂 und allermeisten wars lecker.. und die Mütter unterhielten sich so gut wie möglich.. mit Händen und Füssen halt.. das war für mich Normalität.. Ende der 70ger..

In den 80gern haben ich das ganze “ Multikulti“ mitgemacht.. probiert alle und alles zu verbinden und zu integrieren und so manches Mal mein Eigenes darüber verloren.. Wenn wir nur wollen geht alles.. mit diesem Satz ist unsere Generation ja gross geworden. Meistens gings auch.. ich war extrem gut darin Verständnis für die ein oder andere Partei bei Streitereien beim Gegenüber zu erwecken. Mein 2jähriger Ausflug in eine andere Arbeitswelt , ausserhalb des Krankenhauses war extrem lehrreich.. Ich sage nur arbeiten an einem Kiosk am Hauptbahnhof..

In der Schweiz wohnte ich in einer riesigen WG mit Menschen aus verschiedenen Ländern.. u.a. auch dem Leiter einer kleinen afrikanischen Kirche ,deren Festagslieblingsessen Stockfisch war.Der lagerte genau einen Tag in einem Schrank in der Küche, bis die Katzen ihn fanden und vor dem Schrank ein Konzert  miiiiaaaaaaau veranstalteten.. und natürlich auch ein ein kleines Stückchen von der Mahlzeit abbekamen.. Für mich war das alles normal..

Ich habe irgendwie die Zeit verpasst dazwischen.. zwischen diesem.. meinem -damals- und dem Heute. Wo es zum Teil selbstverständlich ist andere zu integrieren und zum Teil auch überhaupt gar nicht. Wenn ich manchmal meinen jüngeren Arbeitskolleginnen zuhöre, bekomme ich Gänsehaut.. deren Hauptproblem ist, wo man am besten und schnellsten sich künstliche Wimpern ankleben lassen kann ( manga style jetzt auch bei uns angekommen ) tja..

Mit der Selbstverständlichkeit andere zu integrieren bin ich aufgewachsen.. das hat sich im Aussen verändert und wird jetzt besonders benannt.. muss besonders benannt werden.. was passierte dazwischen ? Ich habe es eindeutig verpasst.. Was ich aber inzwischen gelernt habe ist, dass unser sog. Multikulti auch eine gewissen Arroganz hat und dass das man muss nur wollen sich nicht nur auf uns beziehen kann, sondern das Gegenüber muss das auch wollen und mitmachen.. und dazu liebe „Luise“ ist es oft ein sehr weites Feld..

schönes Wochenende

deine S.

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Ein Kommentar

  1. katalisis · November 19, 2017

    das ist spannend, das du bereits so aufgewachsen bist, dass es Menschen in fremden Kulturen gibt. Ich erinner mich, wie spannend es war, als ein Chinesisches Restaurant in meinem Heimatkaff eröffnet wurde, da lebte ich dort bereits nicht mehr. Die Angst vor der Fremdheit der anderen, damit bin ich aufgewachsen. Dabei fand ich es spannend, wenn ich jemanden traf, der von weit weit weg herwar. Dazu werde ich was schreiben wenn ich es schaffe, morgen, in diesem unseren gemeinsamen Blog. Liebste Grüsse Kat.

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