Ethik-Lernen

Liebe S.,

ich habe gestern auch einen schönen Sonntagsspaziergang gemacht, und stiess dabei wieder auf dieses wunderbare Marterl am Wegesrand.

In der Schule ging es heute überwiegend um Ethik, und ich dachte, wenn ich das alles schon früher gewusst hätte, wäre mir während der Jahre auf Intensivstation vieles weniger schwer gefallen. Was die Frage: „Was tun wir hier, warum machen wir das?“ angeht.

Es gibt ein Fragemodell, medizinische Behandlungen, die fragwürdig scheinen, zu hinterfragen. Dieses Prinzipien sind:
Autonomie des Patienten (hat er das so gewollt, was war/ist seine Einstellung)
Nicht Schaden
Wohltun
Gerechtigkeit(gegenüber dem Patienten, der Familie, der Gesellschaft)

Du weisst wie sehr ich oft mit manchen Situationen dort gehadert habe.

Wenn mir damals klar gewesen wäre, wie ich das hinterfragen kann, (denn manchmal spielt tatsächlich die Autonomie des Patienten  und die Gerechtigkeit eine grosse Rolle, damit ist der kulturelle und der familiäre Hintergrund gemeint, )dann wäre mir manche Traurigkeit weniger schwer gewesen. Oder ich hätte anders auftreten können gegenüber den am Leben und der Medizin sich festklammernden Medizinern.
Und nur weil wir als Pflegepersonen das Leiden so entsetzlich finden, heisst es nicht, das das vielleicht DOCH im Sinne des Patienten ist. Wir sind keine Richter und Entscheider.

Aber nun…. Frau lernt nie aus, und ich bin froh, dass ich das jetzt so kapiere, und ich werde es ja weiterhin anwenden können.dsc_1042

Und morgen steige ich wieder in die Katakomben hinab, und mache bei Gelegenheit eine Fortsetzung meines Pflegekrimis, hihi, Material gibt es ja genug  😉
Einen schönen Tag morgen!

Kat.

 

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5 Kommentare

  1. Belana Hermine · Januar 31

    Hilft es Euch denn, wenn eine Patientenverfügung vorliegt? Ich meine, nicht nur hinsichtlich der Entscheidung, sondern auch hinsichtlich der eigenen emotionalen Verarbeitung?

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    • kat+susann · Januar 31

      Auf alle Fälle! Ich war immer froh, wenn es eine gab, die dann auch ärztlicherseits akzeptiert würde. Nein, es ist kein Problem, dass jemand stirbt es ist ein Problem, wenn maximale Therapiesteigerung gemacht wurde, obwohl es aussichtslos war. Lieben Gruß Kat.

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  2. Taste · Februar 2

    Das ist ein interessantes Thema.

    Hängt natürlich immer damit zusammen welche Ärzte (Menschen) um einen herum sind. Mein verstorbener Mann hatte eine Patienten-Verfügung, wenn auch eine ganz einfache – es hat niemanden interessiert, auch nicht wenn ich es angesprochen habe und ich wusste es bringt nichts mehr. Aber auf dieses „Wissen“ nimmt niemand der Ärzte Rücksicht, können sie nicht, dürfen sie nicht. Hätten sie aber, wenn sie mal innehalten und zuhören würden. Schlimm das. Und diskutiere mal mit Ärzten oder bestehe auf etwas wenn du in einer psychisch total desolaten Verfassung bist angesichts geliebter Menschen die nicht mehr ansprechbar sind. Und somit haben die Ärzte Richter und Entscheider gespielt. Und ich muss mit dem dahin gezogenen Ende leben. Dafür, kannste glauben, könnte ich die Ärzte manchmal prügeln.

    LG, Taste

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    • kat+susann · Februar 2

      Ja, das verstehe ich und so soll es nicht sein. Es sollte sogar reichen, wenn der Patient nur gesagt hat, dass er das und das nicht will. Es gibt bei uns im Haus ein Ethikkommitee das zur Vermittlung in solchen Fällen kommen kann, wenn man es informiert. Ich habe selber oft genug etlebt, dass der Wille des Patienten ignoriert würde. Nach meinem palliativkurs im.letzten Jahr konnte ich besser eiintreten für den Patienten und in 2 Fällen könnte ich sogar den Oberarzt überzeugen, was der Wille des Patienten war und wie man ihn zu respektieren hat. Ich wünsche mir sehr, dass es immer mehr Kollegen gibt, die für den Willen des Patienten kämpfen, denn Angehörigen, da hast du recht, sind vor Trauer und Angst dazu nicht in der Lage. Liebe grüße Kat.

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