KatakombenKrimi

Liebe S.,
Es gehören auch gewünschte Begegnungen zum Leben, ausgedachte, phantasierte…so wie die  von Hilde.Aus Hilde, der Begegnung im Tierpark, wurde dann ein kleine Geschichte.

Ich habe jetzt wieder eine Geschichte gefunden:
Wenn Krankenhäuser erweitert und modernisiert werden, dann bleiben alte Gebäude übrig. Manchmal dauert es Jahre, bis diese Gebäude saniert und umgebaut werden, und einer neuen Verwendung zugeführt werden. Ich bin letzte Woche in so einem Alten Gebäude unterwegs gewesen. Oben im Erdgeschoss ist alles saniert und schön hergerichtet, da befinden sich Büroräume und Unterrichtszimmer, aber unten im Keller, in den zugigen Katakomben, da weht der Geist der Alten Klinik. Die Wände sind gekachelt mit eierschalenfarbenen Glanzfliesen, manche sind abgeschlagen, von den nicht gekachtelten Wänden blättert der Putz. Die Gänge sind lang und es hallt beim Gehen. An den Seiten führen Flure in andere kaltgekachtelte Räume und Gänge. Ein Waschbecken an der Wand zeugt von der Zeit der niedrigen Bedürfnisse. Durch die Flure weht der Geist derer , die vor Jahrzehnten hier litten,  oder nicht mehr hinauskonnten.

In einem dieser Räume traf ich auf Jagna und Rosa.  Beide sind Krankenschwestern und Krimiliebhaberinnen.
Manchmal denken sie, sie wären besser Pathologinnen geworden, sie lieben es, den menschlichen Körper zu untersuchen und den Gründen des Verfalls auf die Schliche zu kommen.
Und diese Leidenschaft haben sie sich zum Hobbie gemacht. Sie haben einen dieser gekachelten Räume angemietet  und sich aus dem Fundus der aufgelassenen Frauenklinik 2 Bahren entlehnt. Auch einen alten Operationstisch sowie einige chirurgische Werkzeuge haben sie dort untergebracht. Penibel halten sie diese sauber, denn auch eine Pathologin muss korrekt arbeiten. Rosas Mann ist Beerdigungsunternehmer. Sie sprechen viel darüber, dass manche Menschen versterben, ohne das man weiss warum. Und bei besonders fragwürdigen Sterbefällen haben es sich Rosa und Jagna zur Aufgabe gemacht, der Ursache auf den Grund zu gehen. Rosas Mann fährt die Verstorbenen auf dem Weg in Leichenhalle für 3 Tage bei Rosa und Jagna vorbei, und sie können ihrem Hobbie frönen.

Neulich erlitt z.B. eine alte Frau, die in einem alten Haus mit ihrer Tochter lebte, eine akuten Atemstillstand. Sie wurde notfallmässig in die Klinik eingeliefert, leider verstarb sie kurz nach der Einlieferung auf Jagnas Station. Dem Sohn der Frau kam das komisch vor, und als er ihre Habseligkeiten bei Jagna abholte, äusserte er diese Zweifel: „Sie war gestern noch so fit, sie hatte seit 2 Wochen ein Schmerzpflaster kleben, das meine Schwester turnusmässig wechselte, und konnte seitdem wieder den Garten umgraben, die Hecke schneiden und Walken gehen. Warum nur verstarb sie dann so plötzlich? Gut, sie war 98, aber doch noch so rüstig! “
Jagna witterte eine Möglichkeit, ihrem pathologischem Hobbie nachzugehen, und informierte Rosa, die ihren Mann informierte, und wenige Stunden später lag der Leichnam der alten Frau auf Rosas und Jagnas Seziertisch.
Rosa zog mit einem lauten Schnalzen die grünen Gummihandschuhe an: „So, jetzt wollen wir mal!“
Die Stimme von Rosa hallte in den leeren Räumen, und Jagna griff nach einem Skalpell. „Halt,“, sagte Rosa, „lass uns erst die Haut untersuchen, vielleicht müssen wir gar nicht schneiden“. Sie betrachteten die rechte Schulter der Toten, auf der das mit opiatgetränkte Schmerzpflaster klebte. Nachdenklich betrachtete Rosa die Hautumgebung, die sehr sehr gerötet war. „Hm,“ sagte sie, „mir scheint, als hätte die Rötung die Form eines grossen Schmetterlings, woran erinnert mich das nur?“Beide Frauen gingen in ihren grünen Gummikitteln mit quietschenden Schritten um den Leichnam. „HA!“ brüllte Jagna plötzlich laut. „HOHOHOHO!“

Klirrend fiel im Flur eine Fliese von der Wand.

„Das ist eine Wärmeflasche! Jemand hat ihr eine Wärmeflasche auf das Pflaster gelegt! Und die muss sehr heiss gewesen sein, denn sonst hätte sie nicht diese Verbrennungen ersten Grades!“
„Ja!“ jubilierte Rosa und die Geister der LängstVerblichenen klaschten Beifall. „Durch die Wärme wurde eine Unmenge Opiat freigesetzt und hat sie quasi in einen todbringenden Rausch versetzt!“
„Der zu einer Atemlähmung führte“ergänzte Jagna.
HighFive klatschten sie, und waren ein bisschen enttäuscht, dass sie keine richtig blutige Sezierung vornehmen mussten.
Das nächste mal aber richtig, haben sie sich vorgenommen. Bin gespannt, wann das ist !

Schönen Abend und träum nachher süss von alten Krankenhäusern in denen die strengen Oberschwestern für Ordnung sorgten und man noch nichts wusste von Copingstrategien und Resilienzverhalten, sondern sich gut auskannte mit GMV. (Gesunder Menschenverstand)

Grüsse Kat.

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11 Kommentare

  1. ingeborgthoring · Januar 28

    Krimi und die langen Gänge, buh, das klingt zum Sich-Fürchten

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  2. Flowermaid · Januar 28

    … mehr davon… *lechtz*

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  3. Ulli · Januar 28

    Liebe Kat., ja unbedingt mit mehr Fotos, ich finde solchen leeren, scheinbar endlosen Gänge auch total faszinierend, ohne je dahinter gekommen zu sein, wieso eigentlich-
    und gerne lese ich auch noch mehr solcher fabelhaften Geschichten 🙂
    herzliche Abendgrüsse
    Ulli

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  4. Meermond · Januar 29

    Was für ein feiner Gutenachtkrimi!
    Herzliche Grüße 💕

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  5. Pingback: KatakombenKrimi Teil 2 | Gezeitenwechsel

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