Heimat III.

Ja, liebe S., bitte bring mir im Dezember ein Franzbrötchen mit! Oder doch lieber ein Krabbenbrötchen? Laut Weight Watchers hat ein Franzbrötchen 12 Punkte! Too much! Egal.

Heimat hat tatsächlich auch viel mit Nahrung zu tun, mit Essen und Trinken. Udo Jürgens liess damals den Griechischen Gastarbeiter heimwehkrank vom Griechischen Wein singen. Die Italienischen Männer, die in den 60er Jahren zum Arbeiten herkamen, fingen an, Pizza zu backen und Eiscafes zu eröffnen, was uns hier Geborene entzückte. Erinnerte es doch dann irgendwann auch an den Urlaub, den wir dort verbrachten, wohin die anderen sich sehnten, weil das deren Heimat war.

Erinnerst du dich? Wir assen serbische Bohnensuppe beim Jugoslawen in I., wo wir unsere Ausbildung machten. Und Cevapcici, und so roten Reis. Die Wirte waren aus Serbien, Kroatien? Es gibt griechische Lokale, und Chinesen und Dönerbuden, und überall dort arbeiten(meistens) Menschen , die ihre Heimat verlassen haben aus verschiedenen Gründen.
Ich schrieb vor einiger Zeit einen Beitrag über ein Bayrisch-Syrisches Abendessen, und auch da ging es um das Essen aus der Heimat. Es ging um Falafel und Hoummus, und Labneh, und in den Gesprächen kam Heimweh durch.
Heimat-verloren.

Wieviele Menschen es gibt, die keine Heimat haben, irgendwie müssen sie doch das kompensieren, diesen Schmerz, denke ich.

Vor einigen Wochen lag ein Buch in meinem Briefkasten. Ich weiss nicht, ob ich es bestellt oder gewonnen habe, oder ob es mir jemand geschenkt hat: ÜBERDENTELLERRANDKOCHEN, heisst es. EINE PRISE HEIMAT.
Im Buch sind Rezepte von Geflüchteten und Deutschen, die gemeinsam kochen. Vielleicht kochen sie Falafel mit Matjes-Tabbouleh, oder Sauerbraten mit Hoummus und Koriander in Bohnen -die Rezepte klingen jedenfalls so, das ich Lust kriege, daraus mal zu kochen. Vielleicht gemeinsam mit jemanden, der seine Heimat woanders hat?
Mein Lieblingsitaliener, dessen Vater auch so ein Heimwehrestaurant hatte damals (das ist doch auch ein Buchtitel, oder? Dinner im Heimwehrestaurant?) , der Italiener mag keinen Koriander, okay, dann machen wir eben italienisches Basilikum an den indischen LinsenDal statt dieses Orientgewürzzeugs. Und die Manouche, die fast eine Pizza ist, nur mit Zata`r gewürzt, kriegt dann eben einen Tomatenbelag.
Das ist dann Crossovercooking, Fusionküche, und das alles gegen das verflixte Heimweh.

Was meinst? Kochen wir dann im Dezember zusammen? Heimatküche sozusagen? Schwienschiet mit Dill? Senfeier? Ha? Da läuft mir das Wasser im Munde zusammen!
Alles Liebe für diesen Sonntag!

Kat.

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5 Kommentare

  1. Ulli · November 6

    mmmh Senfeier!!! stimmt, daran habe ich noch nie gedacht, dass Heimat auch etwas mit der Küche zutun hat- danke, ich habe was gelernt 🙂
    euch beiden einen herrlichen Sonntag
    Ulli

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    • kat+susann · November 6

      Danke! Bei Senfeiern fällt mir immer ein, dass der Sohn meiner Freundin, die sehr Gemüsegesund kochte, nach einem SenfeierMittagessenbesuch zu ihr sagte: die essen so komische Sachen! Meine Kinder haben das geliebt und ihn hats geschüttelt! 😂

      Gefällt 1 Person

  2. Trippmadam · November 6

    Was ist denn „Schwienschiet“? Ich verstehe das Wort, aber was ist das für ein Essen?
    Schöner Name übrigens. Mir fällt im Moment nichts ähnlich hübsches ein, höchstens „Lumpn un Fleeh“ (Lumpen und Flöhe), das ist Kohl (Lumpen) mit Kümmel (Flöhe).

    Gefällt 1 Person

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