Herbst V.

Liebe S.,
Schön, deine Herbstwortsammlung. Mir fielen dazu noch Stiefel ein, dicke Strumpfhosen und Röcke, Stulpen, selbst gestrickt und dicke Schals um den Hals und wie eine Kräuterfrau ohne Kiepe auf dem Rücken durch das gefallene Laub stapfen.

Herbst ist auch Abschied. Und dazu, man glaubt es kaum, auch Neubeginn. Die Pflanzen ziehen sich zurück, um wieder Kraft zu sammeln. Ich selber nehme Abschied gerade, innerlich, um neue Pläne reifen zu lassen.

Mein PalliativKurs geht heute zu Ende. 4 Wochen übers Jahr verteilt denselben Menschen  begegnet und beobachtet, wie es sich entwickelt, die Gruppendynamik.

Erste Kontaktaufnahme in der Winterkurswoche, skeptisches Beäugen, Zurückhaltung im Erzählen der eigenen Dinge.
Im Frühjahr waren wir locker, gespannt auf das , was kommen würde,aber jeder blieb bei seiner Gruppe, suchte wenig Kontakt zu denen, die man nicht kannte. Manch eine bleib fest auf dem im ersten Kurs sich ausgesuchten Stuhl kleben. Feste Muster geben Sicherheit.
Sommerkurswoche: Es wurde etwas lockerer, und es gab Geschichten, aufwühlende, lustige, die Sicherheitsfrauen sassen wieder auf denselben Plätzen.Sie kamen extra früh, damit sie sich ihren Stuhl sichern konnten.
Im Herbst jetzt die letzte Woche: Ein Gefühl von Bedauern, das es vorbei ist, sehr intensives Arbeiten an sich selbst, miteinander, allein, und immer das Gefühl: Das war es jetzt! Jetzt  müssen wir damit arbeiten. Jetzt gibt es keinen Kaffee und keine Brezeln mehr, es gibt die Geborgenheit der Gruppe und der Räumlichkeiten nicht mehr, schade….Die Seelenöffnungen in der letzten Kurswoche wurden mehr, es gab Geschichten, von denen ich denke: DAS will ich gar nicht wissen.

Und für mich? Ich besitze jetzt dann nachher das Zertifikat. Ich kann damit was anfangen. Arbeitsmässig.

Vielleicht wieder zurück in den Norden, wo man scheinbar, laut Jobbörse, wie wild PalliativCareFachkräfte sucht? Dann, wenn der JüngstLiebsteSohn aus dem Haus ist? Träume und Pläne und Fangseile sind das. Diese Gedanken.
Vorerst bleib ich sicher hier, und ich weiss auch, wo mein Platz ist, nämlich auf meiner Intensivstation und mit diesem Wissen, was ich gesammelt hab, kann ich etwas bewirken.Dort sein, wo es nötig ist, mit meiner Ausbildung. Ich denke, das ist das, was jetzt zählt.

Bedeutet, auf den Herbst gebracht: Zurück ziehen, reifen lassen, abwarten.
Was meinst du?

Und , liebe Leute, die jetzt aufschreien: „WAAAS? du willst weggehen?Das kannst du doch nicht machen!“ Nein,keine Sorge,  irgendwann mal, vielleicht, nicht jetzt. Ich brauch das, diese Träume.Das Leben ist ja noch lang. Kann noch viel passieren. Wer weiss…

Kat.

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