MittSommerNächte

Liebe S.,
Im Nachtdienst ist alles erlaubt. Schaumküsse essen,schreckliche Fernsehsendungen gucken, in denen Reiche Millionäre erzählen, das sie für ihren RollsRoyce in Florenz keine Parkgebühren zahlen müssen, denn alle Hotels sind stolz, wenn der Rolls Royce bei denen vor dem Hotelportal parkt.Uuuuh, schauerlich! Und seine 30 Jahre jüngere Blondinierte Ehefrau war zu 30% echt, der Rest von ihr aus Plastik.
Die Nächte sind kurz, morgens geht um halb 4 das Licht auf,der Himmel färbt sich rosa, und am Abend , wenn ich zur Arbeit fahre ist es immer noch hell.Gestern bin ich geradelt. Es ist schön, morgens zurück zu radeln, die Welt ist still und die Blüten duften ungeheuerlich. Ob ich mich gleich wieder zum Radeln aufraffen kann?
Ich werde jetzt losradeln.
Und dann  parke ich mein Fahrrad vor dem Klinikportal, ohne Parkgebühren zu zahlen, denn das Klinikum wird stolz sein, dass es so sportliche Mitarbeiter hat!

Wie ist es im Norden? Ich verwende dein Whattsapp Bild als Beitragsbild von eurem Zeltplatz, damit die Leser wissen, was du so treibst.
MittSommerNächtliche Grüsse K.

Bittersweet Symphony

Liebe S.!
Familienausflüge an schöne Orte machen Spass,Sonntagsnachmittagsspaziergänge,  plaudernd läuft man über Wege, man lacht miteinander,  man spricht miteinander. Das ist schön. Aber heute war mir der Sinn nach Alleinsein. Allein ein Ziel anstreben, nicht nur einfach mal ne Runde durch den Wald laufen, sondern an einen besonderen Ort fahren. Einen Ausflug machen. So bin ich dann in den Botanischen Garten gefahren.

Schonwie mich die Kassierin angelächelt hat, hat mich fröhlicher gemacht. Ich bin nämlich im Moment sehr erschöpft und müde.
Erst hab ich mir im Biergarten eine Bratwurst gegönnt.
Eine Gruppe älterer Damen war ebenfalls dort, sie haben dort zu Mittag gegessen, und sich darüber unterhalten wie sie Kartoffelpuffer zubereiten.Die eine isst Kartoffelpuffer am liebsten mit Remoulade, die andere mit Apfelmus. Sie bestellten sich ihre Currywurst, ihre Kartoffelpuffer und ihre Sauerkrautwürstel und unterhielten sich.Gerti und Traudi und die Erika, und sie haben laut gelacht dabei.
Das fand ich schön. Ich fand es schön, ihnen zuzuhören und zu sehen wie sie aufeinander achten.
Später kamen die Gärtner und assen ebenfalls zu Mittag, auf Personalkasse.
Ich hab überlegt, ob ich vielleicht Gärtnerin  werden sollte.Mit  der Erde arbeiten, mit den Pflanzen, später zu sehen, was meine Arbeit bewirkt hat, wie alles blüht. Das macht vielleicht nicht so traurig(Typische klimakterische depressive Verstimmungsattacke gerade, würde ich sagen, seufz….)
Zum Abschluss hab ich mir noch Eis gekauft, wenn schon denn schon.
Ich setzte mich damit  in eine Pergola, die ganz überwachsen war mit Geissblatt , und hab den Hummeln beim Summen zugehört.
Später bin ich dann  ganz entspannt über  die Wege gegangen, hab den Rosen beim Blühen zugeschaut, dem Wasser im japanischen Garten beim Fliessen, und den Karpfen im Teich  beim Luftschnappen.
Jetzt, zu Hause, habe ich bittersüsses Gelee gekocht, aus Limonen und Pfefferminz, ich bring dir ein Glas mit, im September, wenn ich dich besuche,  und gerade denk ich, bittersweet ist meine Stimmung. Herrje.
Draussen jagen die Wolken über den Himmel, die Äste schleudern hin und her an den Stämmen, aber ich hab schöne Bilder gemacht.Im Botanischen Garten.
Schau:

Morgen ist alles wieder richtig gut.Heute hab ich ja schon damit angefangen. 😉
Deine K.

Von der Kornmuhme und anderen Naturgeistern

Liebe S.,

ich hab jetzt auch Urlaub, 2 Tage, grins..
Eben hab ich noch gearbeitet, und Mittwoch geht es weiter, aber ich wurde fröhlich mit den Worten verabschiedet: Schönen Urlaub! Ich mag meine Kolleginnen sehr 😉

Vor der Arbeit hab ich heute kurz eine Pause an einem Kornfeld gemacht und hab dem Mohn beim Wiegen zugeschaut. Ich mag es, wenn das Korn so wiegt. Als Kind bin ich oft durch Kornfelder gelaufen, wir haben Verstecken gespielt im Korn, und mein Vater sagte: Pass auf, dass dich die Kornmuhme nicht holt. Kennst du die Kornmuhme? Ich hatte keine Angst vor der Kornmuhme, eine Muhme war für mich eine warme Frauengestalt.
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Die Kornmuhme wohnte im Weizenfeld, und hat sich wohl ab und zu Kinder geholt, aber ich dachte, die wird dann schon nichts böses Anstellen mit den Kindern. Genauso wie wie die Frau Holle unterm Hollerbusch gewohnt hat, diese Stellen unterm Hollerbusch waren für mich Verstecke, verzauberte Orte, in denen ich verschwinden konnte, wenn mich die Erwachsenenwelt bedrückt hat. Deshalb hatte ich nie Angst vor diesen Frauengestalten, manchmal hoffte ich, sie gäben sich mir zu erkennen.20160612_124254

Irgendwann hast du mir mal dieses Buch geschenkt: Die Welt der Naturgeister. Da hab ich dann noch mehr gelernt über diese Gestalten, die wir gut behandeln müssen, damit sie uns nichts Böses wollen.

Ich glaub,  manchmal spüre ich sie .

Seien wir nett zu ihnen.

Liebe Grüsse bis bald! Kat.

Darkness within

Hallo, meine liebe UrlaubmachendeFreundin, du fehlts mir.
Diese Woche war übelst, rückblickend.
So ein Stress in der Arbeit. Junge, frischeingearbeitete, noch nicht routinierte  Kolleginnen, schlimmst kranke Patienten, Personalmangel, Wechselschichten. Am Mittwoch sollte ich einen kurzen Spätdienst machen, weil ich am Donnerstag um 6.00 wieder zum Frühdienst da sein musste. Der Gesetzgeber sagt: 10 Stunden Pause zwischen 2 Schichten. Das heisst , du musst das, was du sonst in 8 Stunden schaffen kannst, in 6 schaffen. Ich war hurtig, und um 20.00 wollte ich gehen, obwohl der Stress immens gewesen ist. Zum Feierabend  wusste  ich, das es nicht perfekt gelaufen war, aber ich stand ja auch den Neulingen zur Seite, sie hatten viele Fragen, ich hab geguckt, das alles läuft.Und keiner auf der Strecke bleibt. Und am Morgen kommt die Nachtschwester, und erzählt mir, durchaus nicht unfreundlich, was ich alles vergessen hatte zu tun. Ich hab wieder gemerkt , ich vertrage keine Kritik! Ich bin aufs Klo gegangen zum heulen, kannst du dir das vorstellen? Später bin ich zum Chef gegangen, und hab ihm erklärt, falls es Beschwerden gäbe, was an diesem Nachmittag los war. Und hab da auch geheult.
Es ist zum K..zen! Mit meiner Heulerei!
Ich war dann so wütend auf mich selber, dass ich nicht souverän sein kann! Dass ich Kritik so persönlich nehme! Ich fragte mich, bin ich überfordert? Sollte ich was anderes machen? Nicht mehr Krankenschwester sein?Ich stelle dann mich selber sofort in Frage! Dabei weiss ich doch, das ich die Arbeit meistens gut mache!Ich bin eine gute Krankenschwester! Ich war dann so wütend, auf mich, auf das System, auf die Arbeitgeber, auf ALLE! , das ich richtig auf Krawallgebürstet war und als dann die nächste kam, von der ich mich ungerecht behandelt gefühlt habe, hab ich der meine Meinung gesagt, was alles besser laufen könnte, damit so ein Stress nicht zur Regel wird. Ich fand allerdings, ich hab das freundlich gesagt. Denn ich muss ja nicht motzen, aber muss auch nicht alles auf mir sitzen lassen, worüber ich mich ärgere, oder?

Heute morgen war ich einkaufen, Rentnermarathon am Samstag, ich war sowieso genervt, und dann wollen da Ältere Leute an der Kasse vorgelassen werden, weil sie nur 6 Sachen haben und ich hätte schliesslich 20. Warum wohl hab ich 20 Dinge auf dem Laufband ? Weil ich deren Rente bezahle und unter der Woche arbeiten gehe! Und dann moppsen sie mir auch noch meine Zeit! Und wenn ich dann mit 73 in Rente gehen muss, zahlt ja eh niemand für mich!
Beim Bäcker drängelt sich eine alte Frau vor, sie war die 2.,  die sich einer anderen Kundin vorgedrängelt hat. Diese Kundin sagte leise:“ Äh, hallo! Ich wäre da jetzt dran gewesen. „Da hab ich mich mit ihr verbündet, und gemurmelt, die haben halt einfach nicht mehr so viel Zeit, die alten Leute. Sowas ist gemein, aber es tat gut.
Und dann stiess ich auf diesen Beitrag von juckplotz, und mir sind noch soviele Sachen eingefallen, wo ich den Mund hätte aufmachen sollen, damit es mir besser geht. Damit sich nicht alles aufstaut und ich dann wegen irgendwelchem Mist anfange zu heulen. Leuten gleich sagen, wenn mir was nicht passt. Nicht versuchen, sie mit Blicken zu erdolchen, sondern den Mund aufmachen! Nicht Ohrstöpseln rein im Zug, wenn in einer Ruhezone        2 Damen sitzen und 4 Stunden lang in einer Mordslautstärke sich ihre Lebensgeschichten erzählen, während ich , vom Nachtdienst kommend, einfach ein bisschen schlafen möchte. Sondern sagen: Würde es Ihnen etwas ausmachen, sich ein wenig leiser zu unterhalten, denn ich möchte gerne schlafen. Warum hab ich das vor 4 Wochen  nicht gemacht, sondern habe stöhnend und funkelnden Blickes meine Kopfhörer aufgesetzt und versucht, sie mit Machine Head Metal Mucke zu übertönen?

Fazit: Souverän bleiben, Dinge beim Namen nennen, mich nicht gleich angegiffen fühlen, Kritikfähigkeit üben, Sanftmütig Denken, Fehler akzeptieren, eine Heilige werden.Halleluja!Amen.

Weiss nicht, ob das klappt. Ich bin immer irgendwie schon zu lange ich selbst.
Grüss mir das Meer.
Kat.

 

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Höhöhö, wenn es so einfach wäre. >:/

Turnunterricht

Liebe S.,

Purzelbäume am Strand, schöne Vorstellung.
Ich erinnere mich dabei an meinen Gymnastikunterricht, den ich neben der Schule am Nachmittag als Kind machen musste. Frau v. d. W., die Turnlehrerin war sehr streng, und ich war so unglaublich untalentiert.(In ihren Augen) Bei der Rolle rückwärts geriet ich immer schief.  Ich rollte nie gerade ab.
Dann mussten wir mit Anlauf übers Pferd springen, ich allerdings blieb immer darauf sitzen.
Am Barren hatte ich nie genug Kraft in den Armen, ich bleib wie ein nasser Sack hängen. Manchmal mussten wir eine Brücke machen, man liegt auf dem Rücken , beugt die Arme nach hinten und biegt den Bauch nach oben. Frau v.d.W. kam zu mir, zog an meinen Schultern, ich hörte es innerlich krachen in meinen Wirbeln, und sie schimpfte: „So geht das , du Steifbock!“
Ich glaube, sie hat auch meinen Eltern erzählt, wie steif und untalentiert ich im Turnen sei.Und gerade deshalb musste ich dahingehen. Damit ich es lerne. Das schlimme war, alle fanden sie nett, meine Schwester fand sie toll, die Frau v.d.W., meine Mutter ging voller Freude mehrmals die Woche zu ihr in ihre Frauengymnastik, nur ich, ich hatte manchmal fast Angst, zum Turnen zu gehen. Was waren das für Methoden? Zu Schimpfen, zu Zwingen, zu Beleidigen?
Ich hab den Schwebebalken geliebt- da fühlte ich mich elegant und zartfüssig, und fiel nie hinunter. An den Ringen mochte ich schwingen, immer höher und fühlte mich da so leicht. Aber ich musste das üben ,was ich nicht konnte. Und immer noch nicht kann. Rolle Rückwärts!
Rolle vorwärts, das geht. Das kann ich. Immer noch.Ein Rad schlagen, auch das wurde nie ein gerades Rad, aber das machte ich draussen auf der Wiese, wenn der Sommer leuchtete, meine Tante mir vom Balkon Pfirsichstückchen in Filtertütenpapier eingewickelt hinunter warf, dann konnte ich das. Dann konnte ich laufen, springen, Rolle vorwärts 4 oder 5 mal hintereinander, dann konnte ich über Hindernisse hüpfen, dann konnte ich mich drehen, dann, wenn niemand sagen würde: Steifbock, du….
Diese 70er Jahre, irgendwie waren die schon sehr autoritär.Und nicht kindgerecht. Ausser meiner lieben Tante, die Beifall klatschte und sich gefreut hat über mein schiefe Rolle rückwärts.

Roll du deine Rollen am Strand! Ich seh ihn förmlich stieben und stauben, den Sand! Umarmung…
K., heute sehr melancholisch

 

*Somersault*

Liebe K.,

das ist eins meiner Lieblingswörter.. manche übersetzen es mit Salto.. für mich heisst es Purzelbaum.. aber ist ein Purzelbaum auch eine Rolle vorwärts ? Und kann ich das noch ?

Werde es im Sand probieren… rückwärts bekomme ich das sicher noch hin… aber vorwärts ?

🙂 S.

Es riecht nach mehr Meer !

Liebe K.,

noch 2 Tage arbeiten, dann gehts in den Urlaub.. juppiduppi !  2011 war ich zuletzt dort, bin gespannt wie es jetzt aussieht..

Rubjerg knude besuchen..  versteinerte Seeigel und Schwemmholz sammeln, fotografieren, spazieren gehen, ausruhen..

Ein Krimi zum Mitnehmen liegt schon bereit und mein Ferienprojekt, was da heisst Prilblumen häkeln.. 🙂

Zum Sommeranfang bin ich fast wieder zurück.

Allen eine gute Zeit. Was sind denn eure sommerlichen Projekte ?

liebe Grüsse

S.

Was mir zu grau einfällt

„Ein freundliches Steingrau“ (Loriot: Ödipussi)

Dr. K: „… Und Herr Blöhmann, Ihre Lieblingsfarbe?“
Hr. Blöhmann: „Grau … aber nicht so grau … mehr grüngrau … ins Bräunliche. Eine Art Braungrau … mit Grün … ein Braungrüngrau …“
Dr. K: (notiert) „Braungrüngrau …“
Hr. Blöhmann: „Es schadet auch nichts, wenn es ein bißchen ins Bläuliche hinüberspielt, Hauptsache, es ist grau …“
Dr. K: (notierend) „Danke…“
Hr. Blöhmann: „… Braungrau …“
Dr. K: „Vielen Dank, Herr Blöhmann …“
Hr. Blöhmann: „Etwas Rot könnte auch anklingen …“
Dr. K: „Das genügt, Herr Blöhmann!“
Hr. Blöhmann: „Ein Braunrot … im ganzen Grau …“
Dr. K: „Jaja …“
Hr. Blöhmann: „Also ein grünlich-blaues … Rot-braun-Grau“

und wenn ich mir vorstelle , dass wir beide aaaaaalt und grau sind… dann sind wir nicht grau sondern weisshaarig mit Silberfäden und tragen halblange oder lange Haare. Aber ganz bestimmt keinen praktischen Kurzhaarschnitt 🙂 ..und  wir sind braungebrannt wie alte Indianerinnen und sitzen irgendwo in einem Garten und fertigen craft jewels an.. kichern und gackern und murmeln vor uns hin…

Hier regent es heute alles grau in grau… mit Abstufungen

Viel Spasz heute !

S.