Turnunterricht

Liebe S.,

Purzelbäume am Strand, schöne Vorstellung.
Ich erinnere mich dabei an meinen Gymnastikunterricht, den ich neben der Schule am Nachmittag als Kind machen musste. Frau v. d. W., die Turnlehrerin war sehr streng, und ich war so unglaublich untalentiert.(In ihren Augen) Bei der Rolle rückwärts geriet ich immer schief.  Ich rollte nie gerade ab.
Dann mussten wir mit Anlauf übers Pferd springen, ich allerdings blieb immer darauf sitzen.
Am Barren hatte ich nie genug Kraft in den Armen, ich bleib wie ein nasser Sack hängen. Manchmal mussten wir eine Brücke machen, man liegt auf dem Rücken , beugt die Arme nach hinten und biegt den Bauch nach oben. Frau v.d.W. kam zu mir, zog an meinen Schultern, ich hörte es innerlich krachen in meinen Wirbeln, und sie schimpfte: „So geht das , du Steifbock!“
Ich glaube, sie hat auch meinen Eltern erzählt, wie steif und untalentiert ich im Turnen sei.Und gerade deshalb musste ich dahingehen. Damit ich es lerne. Das schlimme war, alle fanden sie nett, meine Schwester fand sie toll, die Frau v.d.W., meine Mutter ging voller Freude mehrmals die Woche zu ihr in ihre Frauengymnastik, nur ich, ich hatte manchmal fast Angst, zum Turnen zu gehen. Was waren das für Methoden? Zu Schimpfen, zu Zwingen, zu Beleidigen?
Ich hab den Schwebebalken geliebt- da fühlte ich mich elegant und zartfüssig, und fiel nie hinunter. An den Ringen mochte ich schwingen, immer höher und fühlte mich da so leicht. Aber ich musste das üben ,was ich nicht konnte. Und immer noch nicht kann. Rolle Rückwärts!
Rolle vorwärts, das geht. Das kann ich. Immer noch.Ein Rad schlagen, auch das wurde nie ein gerades Rad, aber das machte ich draussen auf der Wiese, wenn der Sommer leuchtete, meine Tante mir vom Balkon Pfirsichstückchen in Filtertütenpapier eingewickelt hinunter warf, dann konnte ich das. Dann konnte ich laufen, springen, Rolle vorwärts 4 oder 5 mal hintereinander, dann konnte ich über Hindernisse hüpfen, dann konnte ich mich drehen, dann, wenn niemand sagen würde: Steifbock, du….
Diese 70er Jahre, irgendwie waren die schon sehr autoritär.Und nicht kindgerecht. Ausser meiner lieben Tante, die Beifall klatschte und sich gefreut hat über mein schiefe Rolle rückwärts.

Roll du deine Rollen am Strand! Ich seh ihn förmlich stieben und stauben, den Sand! Umarmung…
K., heute sehr melancholisch

 

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12 Kommentare

  1. kinder unlimited · Juni 5, 2016

    ja…das war die Zeit, als Sportlehrer nur die mochten, die gut waren und die anderen zähneknirschend ertrugen…..inzwischen ist es wohl (hoffnungsvoll) anders! Vielleicht ist in so mancher auch ein Teil Deiner Tante;-)

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  2. Flowermaid · Juni 5, 2016

    … meine Tochter sagt nein… in ihrer Realität hat sich nichts seit damals geändert… 😉

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  3. wildgans · Juni 6, 2016

    Wenn man denn auch mal die Lernziele vom Sportunterricht sich betrachtet – uahhh.
    Unsere Sportlehrerin der höheren Klassen trichterte uns Mädchen ein, dass man, wenn man auf dem Rücken liege, die Füße immer spitz nach oben strecken müsste, weil das die Männer im Bett so mögen täten…
    Du hattest eine gute Tante. Nur warum das Filterpapier um die leckeren Stückchen?

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  4. barbarabosshard · Juni 6, 2016

    wie ich dieses gefühl kenne, wie ein sandsack an der stange! ich hasste das turnen, aus angst vor dem versagen. und heute, 50 jahre später, liebe ich das turnen, zusammen mit den andern. einerseits weil das körpergefühl hinterher immer ein gutes ist und andererseits, weil es die physiotherapeutin versteht, uns zu stärken in dem, was jede körperlich kann!

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    • kat+susann · Juni 6, 2016

      Hat sich doch bisschen was verändert. In der Anleitung und dem wertlegen auf das Körpergefuhl. Ich liebe zum beispiel yoga zu machen. Weil ich mich hinterher gut fühle. Und da klappt das mit dem verbiegen. Grüsse Kat. Und danke für deinen Kommentar 😊

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  5. gann uma · Juni 8, 2016

    Uh. Ich hab den Mannschaftsballsport am meisten verabscheut. Basketball war ganz okay, aber der andere Krampf war schmerzhaft und blödsinnig.

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