Uiuiui……

Liebe  S.,
ich sitze hier mit Brille und Hut auf dem Kopf, weil der Hut meine Gedanken zusammenhält und schreibe an meiner Facharbeit für meinen Kurs. Ist ja ein bisschen ein schwerwichtiges Wort, FACHARBEIT, es dürfen auch Erfahrungsberichte oder sogar Selbstreflexion zum Thema Sterben und Tod sein. Gut,dann mix ich das eben, kleiner Exkurs in die Intensivmedizin und dann Fallbeispiele, ufff…. ich hätte nicht gedacht,das das so schwierig ist. Aber, ausser das die Tastatur versagt bei der Grosschreibung, flutscht mein aufgerüsteter Laptop.
Nur  irgendwie hole ich mir gerade Geister her, wenn ich an all die Patienten denke, bei denen ich zugegen war im Sterben, und über die ich schreiben könnte.
Draussen scheint die Sonne, ich werde jetzt ne Runde laufen und sie abschütteln, die Geister, im Sonnenschein.
Morgen fahre ich nach M. Ich treffe mich mit einer ehemaligen Arbeitskollegin. Als ich sie kennenlernte, war sie in meinem jetzigen Alter und ich war eine Jungspundin. Ich war verwundert, dass sie sich damals mit uns abgab. So jung wie wir waren. Ich hab immer gedacht, wie es wäre, wenn ich dann in ihrem Alter bin.Ob ich dann auch mit jüngeren Kolleginnen weggehen würde? Ob die mich dann noch mögen würden? Was würden sie von mir denken? Mittlerweile ist K. in Rente, pflegt Kontakte zu anderen ehemaligen Kolleginnen, und sie hat bis zum Schluss als Krankenschwester gearbeitet. Und das gerne! Und sie erzählt immer noch begeistert von der Arbeit, und Patientengeschichten, aber fehlen tut ihr das nicht.Sie hatte das Glück, dass sie noch Altersteilzeit nehmen konnte.Also ne Zeitlang weniger Gehalt, dafür früher in Rente mit mehr Geld. Oder so ähnlich.
Tja……..

Was blüht uns? Ich spiele jetzt mal Lotto! Haha, man soll die Hoffnung nie aufgeben!
Umärmelung, Kat. mit schwirrendem Schädel….

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Wir sind schliesslich nicht aus Zucker!

….hab ich heute morgen zu meinem Lieblingsitaliener-Mitbewohner gesagt, als er zögernd eine Jacke rausgesucht hat, und überlegt hat, ob wir bei dem Dauerregen überhaupt spazieren gehen sollen. Oh, liebe S., ich hab mich angehört wie meine Mutter früher! Sie hat das auch immer gesagt, wenn wir raus mussten aus dem Haus, damit sie ihre Ruhe hatte,  in den verregneten Ferien , obwohl es kalt war, manchmal Schnee lag, der Wind heulte, es aus Kübeln regnete…
„Du bist schliesslich nicht aus Zucker!“
Ich hab mich damals gefragt, was passieren würde, wenn ich wirklich aus Zucker wäre.Ich würde zusammensacken zu einem kleinen Häufchen weisser Körner, der Regen würde sie erfassen und in den Rinnstein spülen. Dann wäre ich weg. Ich würde zerfliessen wie ein Schneemann, wenn die Sonne scheint. Übrig blieben vielleicht die Gummistiefel und die schrecklichen Übersocken, die immer zu klein waren und meine Füsse fast erfrieren liessen- der Rest von mir wäre verschwunden in der Kanalisation.
Hätten sie, die Erwachsenen,  um mich geweint? Hätten sie mich überhaupt gesucht? Und hätten sie sich womöglich gefragt, warum ich ohne Gummistiefel verschwunden bin? Meine zuckersüssen Zuckerkörner wären durch die Kanalisation geflossen und irgendwann wäre ich im Meer gelandet. Eigentlich eine schöne Vorstellung.

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Verregnete Grüsse von der  zuckersüssen  K. 😉

Oma Erna und der Wackeldackel

Liebe K.,

ich hatte gerade so ein nettes Erlebnis… hat mich sehr sehr gefreut!

Als ich  vom Sport kam, stand eine junge Frau mit Kinderwagen vor dem Fenster.In dem Wagen ein wild mit den Armen wedelndes juchzendes niedliches kleines Mädchen in gepunkteter Jacke und Erdbeermütze auf dem Kopf.

Ich schloss die Haustür auf… wohnen sie hier ?  Jaaaa… ach das ist ja nett, dass wir sie mal sehen… schau mal.. das ist die Frau , der Oma Erna und der Wackeldackel gehört…

Beide kichern… Sie erzählte mir dann, dass sie immer vor dem Fenster anhalten und schauen was Oma Erna macht.. und dass sie sich sehr gefreut haben, als der Wackeldackel dazu kam… auch die Postkarten, in den anderen Fenstern, mögen die beiden… und das sie sich je nach Jahreszeit ändern, wär immer eine schöne Überraschung.

Das sie hier vorbeigehen müssen, haben sie von der Schwägerin der Frau und die hat das von einer anderen Mutti usw… und eine von denen hat die Queen in Oma Erna umgetauft.

Schön, dass sich scheinbar nicht nur die zahlreichen Touristen daran freuen können..

Habt alle zusammen einen schönen Tag, ich darf gleich wieder los zum Steine klopfen und diese nette Geschichte wird mich begleiten.

liebe Grüsse

S.

Von nassen Rittern, Regen und Spelunkenwirtinnen

Hallo, na, liebe S.? Wie war der Friseurbesuch? Hat es dich sehr geärgert, das Haareschneiden? Aber es war ja nur Farbe.
Die Zeit rast, 9 Wochen ist es her, das du zuletzt dort warst und wir diese Blogs  (oder sagt man Beiträge?)geschrieben haben über Haareschneiden und Besuche aus dem Jenseits.
Ich war gestern auf einem Rittermarkt, ich liebe es ja, dieses Eintauchen in eine Zeit, die wohl doch ein bisschen anders war als auf diesen Märkten. Es wird damals keine Thüringer Bratwurst gegeben haben und auch kein Schmalzgebäck in Rosenform. Aber egal. Seit Jahren liebäugel ich ja damit, mir mal so ein mittelalterliches Kleid zu kaufen, aber ich werde damit aussehen wie eine Spelunkenwirtin. 20160516_155424Weisst du, diese alten Weiber in diesem Mittelalterschinken, oder bei Game of Thrones, die in zerfetzen Kleidern zahnlos den schmutzigen Reitern der wilden Horden das Bier auf den Tisch knallen. Und denen eine scheuern, wenn sie anzüglich werden. Ich glaub , mir gefallen solche Frauen, denn die machen sich keine Gedanken mehr ums Gefallen müssen, wie diese hübschen Prinzessinnen -die alten Zahnlosen Weiber dürfen hässlich sein. Auf Dauer will ich das natürlich nicht, aber manchmal wäre es sehr praktisch. Was meinst du?
Jedenfalls hat es sehr geregnet, am Sonntag auf dem Markt, und beim Lagerleben sassen sie da, die Ritter mit ihrem Gefolge, ihre Schafspelzumhänge sogen sich voll mit Wasser, der Regen rann die Zeltwände hinab,in die Zelte hinein,  und ich freute mich über meine Gummistiefel IMG-20160516-WA0002und dass ich mit einem warmen Auto gleich heim in meine warme Wohnung fahren kann.
Und nicht auf einem nassen lahmen Pferd in eine zugige kalte Burg zurück oder, wenn ich eine Spelunkenwirtin bin, mit l20160516_162107öchrigen Schuhen durch den Matsch in meine verräucherte Kneipe vom Markt heimschlurfen müsste.Die hiesse übrigens „Zum zugigen Eck“.
Es hat Vorteile im 21. Jahrhundert zu leben! Auch wenn es keine Prinzen gibt, die eine vor dem Drachen retten können.

Selber Drachen sein ist die Devise.

Bussi! K.

Geschafft! Auch diesmal …

Liebe K. und alle die, die an mich gedacht haben, als ich beim Friseur sass

und alle anderen natürlich auch 🙂

Geschafft ! Knappe 2 Stunden nur für Farbe.. sie war sehr nett.. hat fast gar nicht geziept.. etwas gezuppelt nur… aber ich maaaag es trotzdem nicht.. ihr wisst schon.. die Antennen zum Kosmos…und auch das Geplauder war semi anstrengend. Nun hab ich erstmal wieder ne Zeit Ruhe davor !

Allen einen schönen Abend

S.

Ahlan Sadiqi!Von Falafel und Kartoffelsalat

Liebe S.,

Salaam! Ich war letzte Woche auf einem bairisch-arabischenAbendessen, initiiert von meiner SchönstenTochter und ihren engagierten Freunden. Ich halte es für eine tolle Idee, den verschiedenen Kulturen Raum für ein gemeinsames Miteinander zu geben. Es waren 15 arabische  Männer dabei, hauptsächlich aus Syrien, eine syrische Studentin , und leider nur 5 Deutsche. Ich muss die Werbetrommel rühren , wenn sie es wieder machen, denn es war ein richtig schöner Abend. Jeder hat etwas zu Essen mitgebracht. Meine SchönsteTochter brachte norddeutschen Kartoffelsalat mit, was zu einem DeutschArabischen Gespräch über Kartoffelsalat führte.F. und M. aus Damaskus haben bereits mehrere Varianten von Kartoffelsalat essen können, wenn sie bei Deutschen eingeladen waren, und waren erstaunt, das es regional so viele verschiedene Familienrezepte gibt. Ich hab einen Norddeutschen Butterkuchen gemacht, mit dem ich allerdings ne Revolution hätte anzetteln können, so hart war der.Und es gab ganz viel bairisch Creme.
Die arabischen Freunde haben viel gekocht. Falafel, Hoummus, Fatousch, das ist Salat mit Brot drin, dann so ein Stielgemüse mit Fleisch, Kartoffeln aus dem Ofen mit Knoblauchsosse…. , Linsensuppe….
Ich hatte den Eindruck, es waren Heimwehgerichte. Zu den Kartoffeln aus dem Ofen sagte S. aus Aleppo: „Das musst du probieren! Das ist von zu Hause. Aber syrische Frauen können es viel besser kochen. Ich habe mich bemüht. Aber es schmeckt nicht so wie von syrischen Frauen“-


Sie sprechen sehr gut deutsch, dafür, das sie teilweise erst ein Jahr hier sind. Sie erzählten was von Partizip 1, und ich konnte nichts dazu sagen! Der syrische F. hat mir erklärt, was Partizip 1 ist, nämlich wenn man aus einem Verb ein Adjektiv macht. Die butterkuchenbackende K. z. B. Wieder was gelernt!

Später haben sie Trommeln geholt, und musiziert. Lieder vom Wind und von der Sonne, sagte meine Schönste Tochter, die arabisch spricht.
Und dann wollten sie, das wir deutsche Lieder singen, aber es fiel uns nichts ein. Ausser Helene Fischer. Wie haben wir uns dargestellt? Als völlig steifer Haufen, der harten Kuchen bäckt und keine Lieder kennt? Nächste Mal wird anders!
Noch viel mehr lustiger und fröhlicher! Und dann kommen mehr Deutsche und mehr arabische Frauen! Und dann wissen wir ,das A. aus Aleppo kommt, und gucken nicht mehr betreten , wenn er uns das erzählt, weil wir dann diese Bilder im Kopf haben von der Zerstörung und die Vorstellung , was er alles erlebt haben muss, und warum sein Blick so traurig ist. Dann wissen wir es und sind vielleicht ein bisschen unbefangener.
Der nächste Plan des arabisch-bairischen Freundes ist übrigens Kulturübergeifender Tant. Schuhplattln meets Dabke. DanceFusion sozusagen.
Ob ich mich da traue? Ich werde es probieren.

Liebe Grüsse! K.

 

Morgen Friseur

Liebe K.,

morgen muss ich wieder hin… war ich nicht erst letzte Woche ?  Neeee laut Kalender fast 9 Wochen her..aber diesmal nur zum Haare tönen..nicht schneiden !

Irgendwie hab ich auch vergessen, dass es wohl nicht so schlimm war.. denn ich freue mich überhaupt gar nicht.. Hauptsache es wird nicht gezuppelt und geziept !

Und wenn das überstanden ist gibts zur Belohnung einen Besuch im portugisischen Cafè.

Ich berichte dir , wies war… 😉

Gute Nacht sagt

S.

wat mutt dat mutt

Liebe K.,

heute wars mal wieder soweit.. gefühlte 100 Mal den song gehört und rumgesprungen wie ein Derwisch…nun gehts mir besser..ich mag die beats..

Anknüpfen an die Kraft , die ich sehr wohl noch habe !! Dieser song hat mir immer geholfen, alles was mich nervt und Energie absaugt loszuwerden.. Auch heute wieder sehr erfolgreich..:-)

Was los war ? Seit 4 Wochen sind die Eltern von meinem Lebensgefährten Thema…. und das sie gerade nicht fit sind. Sie sind unvernünftig, machen ihre eigenen Diagnosen und sagen immer alles o.k.  und ich bin als Fachperson gefragt.. grrrh!  Bekomme ich hin, nervt aber auf die Zeit.. und als wenn das nicht schon reichen würde, gabs gestern Abend hier den Oberoberklops schlechthin ( nach 5 wirklich üblen Spätdiensten).. der Sohn meines Mitbewohners, der hier u.a. dann einziehen wird, war in meinem Zimmer und hat es ausgemessen, weil er das dann übernehmen wird. K. !!! Da lagen alle meine persönlichen Sachen herum. Inkl. Kontoauszüge und alles was mir lieb ist..und er hat Fotos gemacht.. für sich natürlich..aber in meinem Kopfkino war natürlich auch seine „liebe“ Mutti, die warum auch immer mich doof findet.. Dabei sind die Eltern seit fast 20 Jahren getrennt und ich kam erst 2010 dazu… kotz.. er wollte die Fotos seiner Mutter zeigen.

K R EIS C H… weisst du ich darf in deren Haus noch nicht mal in den Vorflur und muss draussen warten, und er würde mein Zimmer zeigen…  neee geht gar nicht.

Ausraster !  Hab mit ihm dann noch gewhatsappt.. wieder o.k.  keine Fotos..

Aber warum hat Lebensgefährte das erlaubt ? grrrrh

Ha… ich dachte, liebe S. du bist da doch sonst unkompliziert.. wird Zeit, dass ich mich mal so richtig zickig verhalte oder ?

Nun, da ich zu Mrs. Vain ( arrogant) mutiert bin, ist alles wieder o.k.

Terrain markiert und abgesteckt..

Ich sag nur „Towanda!“  🙂

liebste Grüsse an dich

S.

Arzttermine

Liebe K.,

wie ätzend…du als Fachperson kannst das wenigstens beurteilen zu welchem Arzt du gehen solltest…

Meine Krankenkasse bietet an ,einen Arzttermin zu organisieren innerhalb 2 Wochen, wenn man selber nicht mehr weiterkommt.

Es gibt zu wenig Orthos, dass ist mal klar… aber… deren Wartezimmer sind auch voll mit Menschen, die eigentlich einen anderen Arzt bräuchten….Das ist so, seid man keine Facharztüberweisungen vom Hausarzt mehr braucht.

Menschen goggeln ihre Symptome und stellen sich ihr Programm zusammen.. och.. Ortho, dann krich ich ma n MRT zur OP Abklärung, danach Chemo und Reha..

Ein Originalbeispiel aus der Notaufnahme, in der ich arbeite.. Sagte der Arzt.. stimmt alles.. auch die Reihenfolge… nur… sie brauchen das nicht, denn sie haben eine andere Krankheit… das klingt wie ein Witz.. ist es aber leider nicht.

Beim Hausarzt gibt es schneller einen Termin… der untersucht und legt fest ob man überhaupt einen Spezialisten braucht und macht eine Überweisung. Mit der gibt es dann auch schneller Termine.. jedenfalls hier, wo ich wohne… tja..

Dienstleistungsgesellschaft, Kaptialsimus.. Konsum.. auch von Ärzten.. hihihi Arztkonsum , Krankenhaushopping.. 2. und 3. Meinung einholen.. das alles gibt unser jetziges System her.. was echt fatal ist und zu immer längeren Wartezeiten führt… Was gemacht werden soll, bestimmt mittlerweile der Patient.. aber der hat kein Arztstudium..

Die Ärzte wollen  die Patienten halten und  Kohle machen.. also gehen sie auf das ein… zum Glück sind nicht alle so… ach ja.. und da wären wir dann zum Schluss wieder beim Thema Geld..

 

Alles Gute für deinen Jüngstliebsten

deine S.