„Altwerden ist nichts für Feiglinge“

Liebe S.,
nicht, dass ich altwerde.
3 mal die Woche Fitnesscenter, Yoga daheim und walken und Radfahren, jetzt wo der Frühling kommt, wieder ein leichtes,aber….
Letztens las ich, dass mit zunehmendem Alter Krafttraining wichtiger sei als einen Marathon zu laufen . Damit man/frau aus eigener Kraft wieder hochkommt, wenn er/sie auf die Nase fällt.
In A. gibt es eine Seniorenhotelanlage, Albaretto 50 plus .
Als ich vor 2 Jahren 50 wurde, machten meine lieben Mitmenschen Spässle, das ich da jetzt ja auch bald einziehen könnte, oder wenigstens zum Tanztee gehen kann.
Ach, aber spielen die da Metalmucke, Punk? Nein , also dann ist das nichts für mich. Headbangen ist allerdings eh vorbei, wegen eventueller Hirnschädigung durch platzende Mikroaneurysmen.Aber rumspringen, rumhopsen, das geht doch auch mit 50 plus!

Gestern las ich in der Süddeutschen Zeitung über eine Messe in München, die Menschen ab 50 Jahre ansprechen sol.Laut Zeitungsartikel geht es da hauptsächlich um  AntiAgingcreams , Rollatoren, die man in einen Rollstuhl umwandeln kann und Pilgerreisen für Senioren.
Oh man! Ich will das doch alles jetzt noch nicht wissen! Wer ist denn die Zielgruppe? Menschen die älter werden oder Menschen, die schon älter sind?
Ich fühle mich noch nicht so!Ich muss noch 15 Jahren arbeiten !
Das klingt so wenig. Meine Freundin C. sagte gestern:“Aber bedenke , wie lang 15 Jahre sind, bzw. waren in deinem Leben! “
15 Jahre waren z.B.die Zeit von 20 bis 35, das heisst, Ausbildung fertig, 3 Wohnortwechsel,  Kind 1,Arbeitswechsel,  Heirat, Kind 2, Umzug, Kind 3, Arbeitswechsel.
Und von der Sicht aus betrachtet, kann ich in 15 Jahren noch ganz viel machen!

Wo fang ich an?
1.Umziehen, mir ein Haus!!! mieten? Da sagt der Jüngstliebste Sohn: Mama, wenn du dann aber weniger Rente hast(Sozialkunde in der 10.Klasse!!!) , dann musst du ja wieder umziehen, das kannst du dir dann gar nicht leisten. Okay, werde ich also nie ein Haus bewohnen. Immer Wohnungen.
Gut. Nächster Plan.
2.Mehr reisen. Dem steht nichts im Wege, allerdings keine Pilgerreisen und Bustouren, sondern individuell(ich muss meine SchönsteTochter wieder ins Ausland schicken, dann fahre ich hinterher).
3.Meine Weiterbildung zu Ende bringen und dann noch mal in  wenigen Jahren  anders damit arbeiten.Also raus aus der Pflege. Da bin ich tatsächlich nicht mutlos, dass ich mit Mitte 50 noch mal woanders arbeiten kann, ich bin dann gut qualifiziert und lebenserfahren.Und nett bin ich sowieso. Man MUSS mich haben wollen!
4. Rockkonzerte, einmal im Jahr mit meinem GrösstLiebstenSohn.Seit 5 Jahren machen wir das. Letztes Jahr gab es Seether, ach watt war datt scheun! Er hat mich während des Konzertes öfter gefragt: Mama, gehts dir gut? Wir standen ziemlich weit vorne in  der tobenden Menge. Ich fand es lieb, das er so fragte und ich war sehr glücklich, über die Musik, die Stimmung, über den Beat, der so durch mich durchrummste.
Vor 2 Jahren waren wir bei denen:

Rise Against-Satellite

…You can’t fill your cup until you empty all it has
You can’t understand what lays ahead
If you don’t understand the past
You’ll never learn to fly now
‚Til you’re standing at the cliff……

                                                            ……It’s not too late,
We have the rest of our lives…..
Das höre ich oft, das gibt mir immer neuen Schwung!

Was noch? Eigentlich fällt mir sehr viel ein, nur an die Zeit nach dem Arbeitsleben, in 15 Jahren, mag ich noch nicht denken.
Reizwort Rente…Uuuuhh, wieviel wird uns da zum Leben bleiben?
Wenns nicht reicht, dann verwirklichen wir, du und ich, in diesem Lebensabschnitt unseren Plan, einen Blumenladen mit Kaffee und Kuchen und unprofessionellen Lebensberatungen aller Art. Das gefällt mir sehr gut.

Also, niemals aufhören, rum zu spinnen!
Schönen Sonntag!

Deine Kat.

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13 Kommentare

  1. Ulli · April 10, 2016

    Liebe Kat, wie mich dein heutiger Brief erfreut. Ich werde im Mai 60 und ich rechne mich auch jetzt nicht zu der Zielgruppe von deiner beschriebenen Messe dazu. Irgendwie haben die den Anschluss verpasst. ich kenne richtig viele sehr fitte 50iger, 60iger plus … ja, selbst über 70jährige, klar, heute geht manches etwas langsamer, ich brauche auch mehr Pausen und wenn ich mal wieder so richtig schubbern musste einen Erholungstag mehr, aber so what? Es wird eh viel zu viel gerannt und gehechelt!!! Und ja, nie aufhören rum zu spinnen und zu träumen!!! Ich träume gerade von meinem Umzug im nächsten Jahr, das schenkt mir sooo viel neue Weite!
    Auch dir einen schönen Sonntag
    liebe Grüsse an euch beide
    Ulli

    Gefällt 4 Personen

    • kat+susann · April 10, 2016

      Danke. Das beste Beispiel für mich ist meine Mutter die mit 78 das Haus verkauft hat,in eine andere Stadt gezogen ist und in kürzester Zeit einen neuen Freundeskreis aufgebaut hat. Mit 78 noch mal durchgestartet. Und sie glücklich.

      Gefällt mir

    • kat+susann · April 10, 2016

      Danke. Das beste Beispiel für mich ist meine Mutter die mit 78 das Haus verkauft hat,in eine andere Stadt gezogen ist und in kürzester Zeit einen neuen Freundeskreis aufgebaut hat. Mit 78 noch mal durchgestartet. Und sie ist glücklich.

      Gefällt 2 Personen

      • Ulli · April 10, 2016

        Ein tolles Vorbild hast du! Sehr schön! ich lernt mit ca. 15 ein Ehepaar kennen, sie war Anfang siebzig, er Mitte 80, sie lebten so ein anderes Leben, als ich es bis dahin kennengelernt hatte, dass ich die beiden nie vergessen habe und sie für mich für immer Vorbild wurden … es auf meine Weise zu tun!

        Gefällt 2 Personen

      • kat+susann · April 10, 2016

        So etwas prägt. Vorbilder…ja. 😊

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    • barbarabosshard · April 10, 2016

      liebe ulli und kat – mir geht es gleich wie ulli – aber dies ist wohl eh ein phänomen jeder lebensphase, dass der kopf andere signale gibt als der personalausweis! trotzdem: weder seniorenheim noch messe sind etwas für mich, jahrgang 1951! lieber gruss. barbara

      Gefällt 3 Personen

      • Ulli · April 10, 2016

        We`ll do it our way, nicht wahr, liebe Barbara?!

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  2. juckplotz · April 10, 2016

    Das ganze „Best Ager“ / „Silver Surfer“ Gedöns ist doch nur Marketing. Hey, wir leben so, wie wir können und wollen. Wir lassen uns nicht vorschreiben, ab wann man zur „Rollator und Wassergymnastik – Zielgruppe“ gehört und wann wir mit einem Bändel um den Hals „betreute Weltreisen“ machen muss, damit wir das Geld nicht mit ins Grab nehmen.
    Genau, ich habe auch noch mindestens zehn Jahre zu arbeiten und bin weit davon entfernt, mir irgendwelche Seniorenflyer anzuschauen.
    Macht mal den Test und verlangt in einem Restaurant den Seniorenteller….
    Ich bekomme ihn mit 55 Jahren noch nicht (den Kinderteller auch nicht mehr – und da gibt es oft soo tolle Sachen, zum Beispiel das Pingu Eis)

    Let’s rock:

    Gefällt 3 Personen

  3. hex'nhais'l · April 12, 2016

    ich find‘ das auch ein bisserl arg schräg, was alles sein soll, nur weil man nicht mehr 48 sondern anfang 50 ist, oder aufwärts… paßt irgendwo so ganz und gar nicht, der „quantensprung“ der zwischen ende 40 und anfang 50 „passieren“ soll, und von dem ich nichts bemerke. seltsam, nicht? ich müßt’s doch merken…, warum merk ich nur nix??? bin ich krank, weil ich das nicht merken kann?

    ich sah da mal eine gute reportage auf arte, sie handelte von tangotänzen in buenos aires, und zwar jenen mit den „satten“ jahren, also 60 und 70 aufwärts.
    die weigerten sich doch glatt standhaft, körperliche und geistige sympthome zu zeigen, die diesem alter hierzulande zugesprochen wurden.
    die konnten sich doch glatt auch noch bewegen, und zwar auch noch richtig fließend, so wie’s für’s tangotanzen gebraucht wird und sogar das „mit dem denken“ hat einwandfrei funktioniert… keine chemisch oder biologischen mittelchen für die aufrecht erhaltung der gehirnleistung notwendig… mit so einer „bagage“, läßt sich einfach kein geld verdienen…, erst recht nicht auf 50plus messen, dafür von und in tangoschulen…
    gibt keine körperliche bewegung, die die rechte und linke gehirnhälfte dermaßen verbindet, dass das mit dem alt werden – oder der europäischen vorstellung davon – funktionieren würde, weil beide gehirnhälften ständig in bewegung/training bleiben, mal ganz abgesehen von der gesamten rückenmuskulatur.
    insgesamt zeigten sich die tango argentino oder nueovo tänzerInnen, nicht nur beim geistig, sondern auch beim körperlichen alt werden, als ausgesprochen widerspenstig bis wehrhaft in ihrer bereitschaft körperlich wie geistig unbeweglich zu werden…

    sax’ndie“ lauter „alte“, die alle miteinander richtig spaß am leben hatten, taten was sie wollten, und der 50aufwärts-industrie den stinkefinger zeigten.

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  4. Pingback: Von Idolen, Schallplatten, der Jugend und der Vergänglichkeit | Gezeitenwechsel
  5. 365tageimleben · Januar 1

    Aber wir sind ja auch nicht feige, auch wenn ich heute meinen hundertjährigen Tag habe.
    Sollen die ihre Rollatoren, Cremes doch für sich behalten, wir pfeifen drauf. Oder?
    Liebste Grüße Ela

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