Nachtdienst

Liebe S.,

es ist halb vier in der Früh, und bevor ich mich schlaflos im Bett wälze, schreibe ich dir.Wir haben lange nichts mehr voneinander (blogmässig)hören lassen. Zuviel war los bei mir. Viele Dienste die letzte Tage, davon 3 Nachtdienste, die mich immer wieder aus meinem Rhythmus werfen. Ich nehme nach dem Nachtdienst , um wenigstens 4 Stunden fest zu schlafen, ein Schlafpräparat, das heisst Hoggar nights. Mich erinnnert das an „Game of thrones“, oder an den Hobbit, es klingt wie ein schlafender schnarchender Riese. Und so schlafe ich dann auch, kurz aber effektiv. Allerdings nimmt man sowas ja nicht andauernd, sonst wird man abhängig, droht der Apotheker, und also nehme ich es nur während des  Nachtdienstes. Und wenn ich mich nach einem mit kürzestem Schlaf (2 Stunden) verbrachten Ausruhtag,(Abends bin ich dann so aufgedreht, das meine Mitmenschen denken, ich bin besoffen oder auf Drogen), der als Freier Tag gezählt wird, wieder versucht habe, in meinen Rhythmus zu kommen, was mir auch in der ersten Nachtfnjslp vor lauter Erschöpfung gut gelingt, bin ich dann in der 2. Nacht, in der ich schlafen könnte , fast wieder im Frühdienstrhythmus.Das heisst um 4.00 oder ,wie heute, noch früher, glockenwach. Aber morgen hab ich eh Frühdienst, von daher passt es.
Was soll ich mich also rumwälzen, schreib ich dann doch lieber, dachte ich, und so sitze ich jetzt in meiner leeren Wohnung , der JüngstliebsteSohn ist im Krankenhaus, der Mitbewohner auf einer Messermesse bzw. schlafend auf einem Parkplatz im Nirgendwo vor Erschöpfung, ich hab ihn dort gerade geweckt, weil er immer noch nicht zu Hause war.Vielleicht kommt er gleich. Draussen strömt der Regen. Meine Katzen tapsen durch die Wohnung, es ist so still. Ich werde sicher gleich noch mal schlafen. Nachtdienst lässt voraltern, fürchte ich. Ich hab mir gerade meinen Dienstplan angeguckt, ich habe in der nächsten Zeit alle 10 Tage 4 Nächte Dienst. Also wenn  ich mich wieder regeneriert habe, dann geht die Chose von vorne los. Gibt es eine Alternative? Manchmal denkt der Dienstplanschreiber daran, das es gesünder ist, ab 50 nur alle 2 Wochen 2 Nächte zu planen. Aber möchte ich das? Ich liebe die Arbeit in der Nacht. Ich mag es, den Schlaf meiner Patienten zu hüten. Es ist ruhiger, meistens, in der Nacht, am Tag herrscht Hektik, Lärm,es ist viel viel mehr Stress. Den umgehe ich mit dem Nachtdienst. Und deshalb arbeite ich gerne Nachts.
Aber leider kommt während des Nachtdienstes meine Unausgeglichenheit dazu, dann haben meine Mitmenschen nichts zu lachen, denn  ich bin dauernd am Heulen. Nicht in der Arbeit,aber zu Hause. Vor allem, wenn ich Sorgen habe, wie die letzen Tage, weil mein JüngstliebsterSohn seine OP hatte. Ach, wie doof ist das denn?Seine OP ist geglückt, es war eine WunschOP wegen seiner Trichterbrust, aber der Stress vorher, wie es ihm gehen wird, das Warten, bis er aus dem OPSaal gekommen ist, mittlerweile liegt er wieder auf Normalstation, hatte aber  gestern am Dritten Tag nach OP den absoluten Hänger. Den ersten und zweiten Tag war er durch die Schmerzmittel in einen unglaublichen Glückszustand versetzt, der in ihn kluge wirre Worte sagen liess, heute hat ihm alles gereicht.Na, morgen ist er wieder fitter, sie haben gesagt, das geht ganz  plötzlich, das das Kind fit ist. Ich hoffe es.
Er hat sehr viel Schokolade geschenkt bekommen. Und einen klitzekleinen Schutzengelbären von seiner Schwester, die am Operationstag bei ihm gesessen ist, von morgens um 9.00 bis 14.00. Bis er in den Op Saal geschoben wurde, denn ich musste ja (Nachtdienst!) schlafen.Diesen Bären hält der 16jährige seitdem fest in der Hand. Da quillt mein Herz vor Liebe über, weil auf diese Geschwister soviel Verlass ist.Mit seinem grossen Bruder, der viel zu weit weg wohnt, nämlich in deiner Stadt bei dir um die Ecke, hat er heute geskypt. Die grosse Schwester hat ihn besucht. Sie haben einander.Meine SchönsteTochter hat, nachdem ich mich bedankt habe, dass sie sich so um ihren kleinen Bruder  gekümmert hat, zu mir gesag: Dafür gibts Familie, Mama.

Ja. Wie schön, das ich das so hingekriegt hab mit denen.
Ich gehe jetzt noch mal schlafen.
Umarmung, liebe Freundin!
Deine K.

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13 Kommentare

  1. mickzwo · März 6, 2016

    „Schlaf gutgesund!“ Das habe ich mal gehört und behalten (wie man sieht).
    Gruß mick.

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    • kat+susann · März 6, 2016

      Ebenfalls Frühaufsteher? 😉 Hat einen schönen Rhythmus, ….schlafgut– geee-sund! TATAA-TA-TAA ::: 😉

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      • mickzwo · März 6, 2016

        Manchmal schon.
        Der Spruch gehörte zu einem Gutenachtritus. Den hat eine Mutter zu ihrem Kind gesagt. Jedesmal. Es ist zu einem ‚geflügelten Wort‘ geworden. Geflügelte Worte darf man verschenken..

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  2. finbarsgift · März 6, 2016

    au backe, wo gibt’s denn so ein Schild?? 🙄

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    • kat+susann · März 6, 2016

      Das ist in cornwall wo es die erzminen gibt. Man soll beim wandern aufpassen dass man nicht reinplumpst. Und kopfüber schon gar nicht. 😀

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  3. muschelfinderin · März 6, 2016

    Oh je … ich bekam irgendwann auch Schlafstörungen … musste manchmal nachts raus … in den Job … Auf Anruf – zack zack – bereitstehen … ich habe ewig nicht gemerkt, wie anstrengend das für meinen Körper ist, weil ich eher wenig Schlaf brauche … bis ich schließlich fast gar keinen mehr „brauchte“.
    Meine Ärztin meint, ab 45 sollte überhaupt niemand mehr Nachtschichten schieben. Das würde mensch nicht verkraften …
    Nun ja … alles Gute dir. Sicherlich sinnvoll, eine Zeitlang ein Medikament zu nehmen.

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  4. barbarabosshard · März 6, 2016

    zwiespälte – arbeitsfreude/besorgtheit – kummer – (familien)schätze – deine geschichten in der geschichte lese ich gerne. wünsche dir gute regeneration. barbara

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  5. Ritaki · März 6, 2016

    Wenn sich die Geschwister verstehen, da geht wirklich das Herz der Mutter auf, bei meinen Kindern ist das auch so.

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  6. kat+susann · März 6, 2016

    Liebe K.,
    ich hatte diese Woche nur eine ( !!!) Nachtschicht.. den Dienst selber mochte ich.. allerhand ist passiert.. sogar eine Geburt bei uns in der ZNA..weils nicht mehr schnell genug in den Kreissaal ging.. Ich mag auch , dass es nachts auf eine Art ruhiger ist.. man rückt näher zusammen.. weniger Personal einfach.. und die die dann zu uns kommen werden von allen beäugt… naaaaahhhh ? Wann kommt der der „Männerschnupfen“ nachts um 3.oo .. bisher noch nicht gehabt… aber.. ich wollte mal meine Warzen hier begutachten lassen…
    Der Tag danach war das Grauen für mich.. 3 Std. geschlafen.. und dann für 2 Tage Migräne… ich kanns einfach nicht mehr ab.. schade…. eigentlich.. Vielleicht muss man sich in unserem Alter irgendwann entscheiden.. mach ich noch.. auch auf meine gesundheitlichen Kosten … oder der Weg über den Betriebsarzt..
    Deine Lieblinge sind toll ! Und sie sind so toll geworden, weil du ihre Mutter bist. Busssi !!!
    S.

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  7. peter bachstein · März 6, 2016

    also ich hatte ja früher auch viel erfahrung mit nachtschichten – allerdings in der zeitungsredaktion. wahr echt mein ding, nachts nachruchten aus der ganzen welt zu sammeln und warten bis die zeitung fertig ist. am morgen dann nach hause und vorher beim bäcker vorbei ehe der offiziell auf macht. mach ich heute noch manchmal aus spaß, obwohl ich schon lange keine nachtredaktion mehr erlebt habe…

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    • kat+susann · März 7, 2016

      Nachts zu arbeiten hat durchaus seinen Reiz. Wie gesagt, ich mag die Arbeit in der Nacht auch. Und morgns müde heimgehen,,während die anderen in den Tag starten, Parfüm und Kaffeegeruch im Bus,,aber ich freue mich auf mein Bett,….schon fein. Nur der Körper muss mitmachen wollen. Und der schafft das nicht immer. K.

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