Neujahrsnachtdienstgeprägte Sentimentalitäten

Liebe S.,

jetzt hat das neue Jahr begonnen, wie war dein Sylvester? Irgendwelche Pläne für 2016?
Ich hab gearbeitet in der Nacht-Sylvester muss ich nicht unbedingt haben als Feierei,und so hab ich mit netten Kollegen Nachtdienst gemacht. Wir hattten andere Verletzungen als sonst zu versorgen, ein Suizidversuch, ein durchgeschossenes Auge,(Knallkörperverletzung).. mich lässt das immer nicht kalt, ich hab mir den betroffenen Menschen angeschaut und hab gedacht, wie schnell das geht, das sich dein Leben auf den Kopf stellt. Manchmal macht mir das Angst.
Und dann gingen meine Gedanken weiter, an all die Menschen, die kriegsbedingt ebenfalls solche und noch schlimmere Verletzungen erleiden müssen.2015 hab ich viel davon mitbekommen….
….weil meine Tochter seit Oktober in einem dieser Krisengebiete weilt, richte ich meinen Fokus natürlich besonders darauf.
Ich habe am Mittwoch eine DOKU in meiner Mediathek gesehen, Betlehem 2015 , und ich war so berührt davon. Ich hab nicht gewusst, das Betlehem so ist, von einer Mauer umgeben. Ich hab , als ich die Doku sah, gedacht, warum wissen wir das alles so nicht? Wir feiern Weihnachten und reden von Betlehem, aber wie es dort wirklich ist, wer weiss das denn? Das Betlehem von dieser Mauer umgeben ist, die sie immer höher bauen,warum müssen Menschen denn so etwas tun? Die Geschichten, die mein Kind aus Israel und Palästina erzählt, erinnnern mich so oft an die damalige Deutsch-Deutsch-Grenze, an die Willkür der Grenzbeamten, wenn wir unsere Verwandten im Osten besuchen wollten, an die Angst und die Spannung meines Vaters, im Auto beim Grenzübertritt.
Ich bin immer wieder so naiv, zu glauben ,dass sich das ändern wird in der Welt,dass es doch auch gute Menschen gbt, ja,  ich weiss es dass es solche Menschen gibt, die sich für den Frieden einsetzen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Unterdrückten und den ungerecht Behandelten ein wenig Zuversicht und Hoffnung zu geben.
Gestern gab es ein Attentat in Tel Aviv, oder war es eher ein Amoklauf? Der junge Mann, der das angerichtet hat, wurde von seinem Vater erkannt, der dann den Sohn bei der Polizei meldete. Wie fühlt sich denn jetzt der Vater? Herrje, was mir alles durch den Kopf geht.
Mein jüngster Sohn fragte mich vor einiger Zeit, wie ich denn reagieren würde, wenn er was ganz schlimmes tun würde. Ich hab gesagt, ich würde erschrocken sein,warum er das getan hätte, und würde mich fragen , was falsch gelaufen ist, was ihn dazu getrieben habe könnte, etwas „Schlimmes“ zu tun, denn ich hab doch immer versucht, in ihm das Gute zu unterstützen. Aber lieben würde ich ihn immer.
Immer.
Für 2016 wünsche ich mir mehr Offenheit und  weniger Angst in der Welt, ja, und irgendwie mehr Liebe. Ohne das ich jetzt salbungsvoll und heilig klingen möchte.

Offenheit und Verständnis für die , die anders sind. Und Mauern einreissen könnnen , die in unseren Köpfen, und die an den Grenzen. Das wäre schön.

Viele liebe Grüsse   K., nachtdienstsentimentalisiert…..

Das Beitragsbild, (ich finde es wunderschön und aussagekräftig!) ist von Nasrin Abu Baker, einer palästinensischen Künstlerin. Pieta heisst es. Nasrin Abu Baker ist eine sehr mutige kluge Frau.
Und wenn ich mir das Bild so angucke, fallen mir andere „Pietas“ von anderen Künstlern ein, von Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, und wie sehr mich diese Darstellungen der Trauerernden Mütter immer berührt haben, dieser Mütter, die doch für ihre Kinder nur das Beste wollen, und dann müssen sie sie opfern in Kriegen die sie nicht wollten… STOPP!

Let the sunshine……IMG_2385

Deine K.

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Ein Kommentar

  1. Zoé, la Française · Januar 2, 2016

    Wie wahr …

    Gefällt 1 Person

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